Dienstag,
04. April 2006
TOWERS OF LONDON
„Underground“ - Koeln
Im Rahmen der „Rockpalast
Bootleg“-Konzerte stiess das Interesse bei mir an einem der drei Abende
natuerlich auf die Ankuendigung von Towers Of London. Weder auf ihrer Homepage
noch auf ihrer fuckin´ MySpace.com-Seite wurde auf diese Show hingewiesen. Schon
komisch….., aber mir doch so was von egal.
Aus Jux und Tollerei nahm ich dann einige Wochen vorm Konzerttermin auch an der
Kartenverlosung auf der „Rockpalast“-Homepage teil. Als ich schon gar nicht mehr
dran dachte, bekam ich eine eMail vom WDR, indem es hiess, dass ich tatsaechlich
gewonnen haette und an allen drei Abenden plus einer weiteren Person auf der
Gaesteliste stand. Cool, mal eben locker 12,00 EUR gespart.
Towers Of London sollten, laut „Rockpalast“-Homepage Punkt 20:00 Uhr beginnen.
Ausserdem wurde ausdruecklich darauf hingewiesen, dass die Veranstaltung
puenktlich beginnt. Ich, natuerlich nicht doof, machte mich bereits um 18:30 Uhr
auf nach Koeln. Fuer diese Uhrzeit kam ich ueberraschend gut durch und war
ungefaehr gegen 19:20 Uhr vor Ort. 19:30 Uhr sollte Einlass sein, also noch kurz
im Auto zu den Klaengen von the FACTION, the JOEYS, RATCAT, STENCH und ASYLUM
ein wenig unruhig auf dem Sitz rumgerutscht und dann begab ich mich auch schon
auf den Weg. Vorm „Underground“ bot sich dann mir das typische Bild einer
solchen Rock-Veranstaltung. Als zweite Band des Abends sollte naemlich eine
Hardrock-Band namens VICTORY auftreten. Und genau auf diese Band war das
Publikum dann auch zugeschnitten. Maehnengesichter mit verwaschenen Shirts von
verblichenen Hardrock-Combos druff und Asi-Cowboy-Boots. Ich stellte mich ein
wenig abseits des Geschehens. Punks? Fehlanzeige! Bekannte Gesichter? Ebenfalls
Fehlanzeige! Dann folgte allerdings die Kroenung! Aus dem Backstage-Bereich kam
D-I-E schwarzhaarige Lockenmaehne schlechthin spaziert und wurde von zwei „Fans“
abgepasst, die sich eine mitgebrachte Platte von ihm signieren liessen. Die
Lockenmaehne sah original aus wie einer aus „Spinal Tap“ und sprach dann auch
noch so. Ich konnte mir ein leichtes Grinsen nicht verkneifen. Unter dem
Eindruck dieser aeusserst amuesanten Rahmenbedingungen betrat ich dann den
Konzertraum. Hinten waren zwei TV-Kameras aufgebaut, vorne standen zwei
Kameraleute plus Kabelhilfen und auf der Buehne gab es an der Seite auch noch
einen Kameramann. Ueberspitzt gesagt wuerde ich mal so einfach in den Raum
werfen, das mehr Kameraleute anwesend waren, als Publikum, oder um es besser zu
formulieren, waren die Leute doch hauptsaechlich wegen der zweiten Band
gekommen. Was war ich dankbar das Towers Of London den Anfang machten. Und auch
sehr puenktlich ging es dann los. Yep, man war wirklich gut im Zeitplan. Ein
Rock-Typ vom „Rockpalast-Team“ kam auf die Buehne und stellte sich an das Mikro:
„Guten Abend, liebe Rockfreunde. Wie auch schon gestern wollen wir euch alle
vorne an der Buehne stehen sehen. Also kommt alle nach vorne an die (und jetzt
kommts!!!) Center-Stage, damit das ganz toll hinterher im Fernseh auch
rueberkommt. Wir haben eine Band aus London zu Gast. Bitte lasst sie uns
willkommen heissen, Towers Of London!“ Center-Stage!!!! Das „Underground“ hat
nur eine Buehne, wenn man mal von der kleinen Buehne im „Underground 2“ absieht,
aber die stand ja auch nicht zur Debatte. Na ja, mal wieder typisch fuer solch
eine Veranstaltung! Waehrend ich mich noch koestlich ueber diesen einen Satz
lustig machte, kamen fuenf spindelduerre Punk-Glam-Typen auf die Center-Stage(!)
und begannen den Abend mit ihrer vierten noch nicht veroeffentlichten Single
„Air Guitar“. Direkt vom ersten Ton war mir klar, das kann nur ein richtig guter
Konzertabend werden. Der Sound war perfekt, logisch aber auch, war ja
schliesslich fuer eine TV-Aufzeichnung gedacht. Saenger Donny Tourette glaenzte
im selbst bemalten Shirt, wo gross „POGO“ draufstand. Bassist Tommy hatte
ebenfalls sein billiges Woolworth-Shirt mit schwarzem Edding voll gekritzelt
gehabt, wo in der Mitte „LONDON´S BURNING“ und etwas kleiner links daneben „PUNK
KIDS“ stand. Lead-Gitarrist The Rev hatte seine Lederjacke an, die ich aus dem „Fuck
It Up“-Video her kannte, hinten fett die Union Jack-Flagge mit Towers Of
London-Schriftzug in schwarz und vorne mit unzaehligen kleinen Badges
geschmueckt. Der Rhythmus-Gitarrist sah Donny, dem Saenger ziemlich aehnlich und
nach kurzer Recherche im Internet war klar, das es sich um Brueder handelt, Dirk
und Donny. Dirk hatte auch irgendwas selbst gemaltes auf seinem Shirt, was ich
aber nicht entziffern konnte. Drummer Snell sah hingegen aus wie Andy von den
HOLLYWOOD TEASE. Irgendwie schon bemerkenswert das gerade der „WDR-Rockpalast“
Towers Of London fuer nur diese eine Show nach Deutschland einflog. Nur war das
Motto voellig daneben, denn Towers Of London hatten keine schleimigen
Hardrock-Bands auf ihren Shirts, sondern eindeutige Punkrock-Zeugnisse. Und so
hoerte sich dann auch ihr Sound an, eben mehr Punkrock als Hardrock, mehr
Glam-Attitude als Heavy Metal-Gebaerden, eine Band, die sich zuerst die SEX
PISTOLS anhoert und sich dann mal evtl. eine Posergruetze wie fuckin´ Guns n
Roses auf den Plattenteller legt. Die wenigen Songs, die ich kannte, wie etwa „Fuck
It Up“, „On A Noose“ oder „I´m A Rat“ erinnerten mich immer wieder an das
MOTORHEAD-Video zu „God Save The Queen“. Ansonsten rotzte Tommy auch mal kurz
ins Publikum, The Rev beliess es bei harmlosen Wasserfontaenen, Donny hingegen
„spielte“ den rotzfrechen Punk….., Dirk war verhaeltnismaessig ruhig und Snell
war in etwa zu vergleichen mit „das Tier“ aus der „Muppet-Show“. Auch sehr
entgegenkommend fand ich, das Donny das Publikum nicht dazu animierte in die
Haende zu klatschen. Das war alles in allem eine verdammt feine kleine wilde
Punk-Glam-Rock’n’Roll-Show der Sonderklasse A-77 mit allen gaengigen Extras
ausgestattet, die die Band da auf der Buehne abzog. Man merkte den Jungs auch
an, dass sie noch verdammt jung sind und voller Energie stecken. Bei dem Song „How
Rude She Was“ kam dann aus dem Nichts ploetzlich ein Maedel mit Stirnband und
trendy Fransen-Lederjacken an die Buehne und wurde von Donny auch direkt in
„Empfang“ genommen. Er sprang von der Buehne und war sichtlich froh fuer ein
wenig Abwechselung bei diesem doch arg mueden Rock-Publikum. Der Knaller folgte
dann aber noch am Ende der Show. Neben mir stand die ganze Zeit so ein
miesepeteriger Hardrock-Typ, voellig bewegungs- und teilnahmslos mit
verschraenkten Armen. Die Lockenmaehne hatte auch einen Schnaeuzer im Gesicht
platziert und hinten auf seiner Jacke war ein Black Sabbath-Patche zusehen.
Donny hatte den Typen bereits in der Mitte des Set ausgemacht gehabt und machte
sich ein wenig ueber ihn lustig, indem er provokant in seine Richtung sang. Zum
Schluss beim letzten Song des Abends ging Donny dann direkt auf ihn zu und
verarschte ihn mit seine Art zu Singen und seinem lustigen Mienenspiel. Die
Lockenmaehne war unbeeindruckt und als gar nichts mehr ging nahm Donny ihn in
den Arm und der Kameramann hielt voll drauf. Und wer amuesierte sich im
Hintergrund? Genau, der Real Shock. Also, falls ihr euch das Konzert anschauen
wollt, das laeuft in der Nacht von Sonntag auf Montag, den 22. Mai 2006 auf WDR,
ab halb eins.
An der Kasse wurde zu meinem Leidwesen darauf hingewiesen das kein Blitzlicht
beim Fotografieren verwendet werden durfte. Ich wollte es mir mit den
„Rockpalast Menschen“ ja nicht verscherzen, also liess ich meine Kamera in der
Tasche. Mir sind da wirklich verdammt gute Fotos durch die Lappen gegangen. Zum
Schluss liess ich mich dann aber doch dazu hinreissen zwei Fotos von Donny zu
machen. Bevor der Film allerdings entwickelt wird hab ich mal im Netz nach guten
Live-Pictures geschaut und hier eine kleine Auswahl getroffen. Zudem auch die
Video-Links zu „How Rude She Was“ + „Air Guitar“.
Leider sind ihre Scheiben extrem schlecht zubekommen. Das liegt wohl mit
ziemlicher Sicherheit an ihrem Plattenlabel, „TVT Records“ mit Sitz in New York.
Die haben allen moeglichen Schrott auf ihrem Label, von fuckin´ HipHop bis
fuckin´ Techno, die lassen da echt keine Sparte aus. Eine Band wie Towers Of
London kann da schnell unter die Raeder kommen. Am 08. Mai erscheint dann ihre
vierte Single „Air Guitar“ und am 22. Mai dann das erste Album mit dem Titel „Blood,
Sweat & Towers“. Bin gespannt, wie dann die Promotion laeuft.
Das die beim Plattenlabel beziehungsweise beim Management der Band keine Ahnung
haben, wie man Towers Of London dem richtigen Publikum – damit meine ich in
erster Linie Leute, die sonst die BACKYARD BABIES, DEMOLITION 23, die BLACK
HALOS, AMERICAN HEARTBREAK oder D-GENERATION hoeren – zugaenglich macht zeigt
auch die Konzertplanung. Denn im Sommer kommt die Band vorerst nur fuer wenige
Festivalauftritte wieder nach Deutschland. Eine kleine Clubtour wuerde da
vielmehr Sinn machen. PS: Um 22:00 Uhr war ich dann wieder
puenktlich zu Hause fuer eine weitere Folge von "Monk". Warum fangen nicht alle
Konzerte so schoen frueh an?
RALF REAL SHOCK (06. April 2006)
Zusatz vom Freitag, 20. Oktober 2006 - Wie angekuendigt, leider aber mit ganz schoener Verspaetung unten die zwei Pictures,
die ich selbst beim Konzert gemacht habe.
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T"How Rude She Was"-Video
http://www.tvtrecords.com/watch/watch.jsp?sm_id=12764
"Air Guitar"-Video
http://www.tvtrecords.com/watch/watch.jsp?sm_id=13082