
So, ich hab jetzt gerade noch mal die
erste 7"inch von euch gehoert., um mir einen guten Einstieg, so hoffe ich, zu
verschaffen. Die Single ist klasse geworden, meine Favoriten gehoeren der
B-Seite mit "Dance In The Fire" und "Anyone But Me".
In der letzten Ausgabe schrieb
AfleXibel in seiner 5-Star-Review ueber die "Justitas Run"-EP, das ihn besonders
die Stimme an die des fruehen Jesse Malin von D GENERATION erinnert. Das moechte
ich hiermit auch noch einmal ausdruecklich unterstreichen, da es musikalisch
sowie auch stimmlich ein ziemlich beachtliches snotty Punk-Debuet ist. Ist das
reiner Zufall gewesen, Lucas?
Lucas:
Das weiss ich nicht so genau. Also Dgeneration sind fuer mich natuerlich ein
riesiger Einfluss gewesen, da sie eine meiner absoluten Lieblingsbands sind.
Aber ich bin nicht der Typ, der sich da hinstellt und sagt ich will jetzt so wie
Jesse Malin klingen. Ich war, als ich mir den ersten Gesangstake angehoert habe
eher ueberrascht dass meine Stimme so klingt. Ich habe ja bei anderen Bands
immer nur Choere und einzelne Passagen gesungen, da kann man das nicht ganz so
gut rausfiltern. Und im Proberaum schreit man eh mehr als das man singt, von
daher kann ich nur sagen, dass sich das im ersten Moment fuer mich
wahrscheinlich genauso angehoert hat wie fuer dich.
Das veranlasst mich eine weitere
Frage hinterher zuwerfen, ob ihr vorher in irgendwelchen andren Combos aktiv
gewesen seid, um erste musikalische Erfahrungen zu sammeln?
Lucas:
Ja, ich habe ganz frueher Deutschpunk in einer Band namens Solidox gemacht, das
war dann irgendwann englisch, aber die Band kennt eh keine Sau. Ausserdem habe
ich auf der letzten Platte der Schwarzen Schafe „Auf der Suche nach dem Licht“
Gitarre gespielt. Und ich bin festes Mitglied bei den Disasters.
Andi:
Ich hab mal hier mal da mitgespielt, wo ein Bass gefehlt hat. Im Moment spiel
ich noch bei den DISASTERS und den SCHWARZEN SCHAFEN.
Christian:
Ich habe bis Dezember 2003 bei Golden Cockring Schlagzeug gespielt.
Krake:
Ich spiele noch in zwei HC Bands „Nothing To Hide“ und die andere ist noch ganz
frisch mit unserem Drummer, vorher hier und da ausgeholfen.
Drummer
Christian und Bassist Andy haben beide eine Brille. Mich, als aktiver
Brillentraeger wuerde interessieren, ob ihr die auch bei Auftritten tragt? Ist
die Fassung aus Horn oder aus einem etwas edlerem Gestaenge, denn ich weiss aus
Erfahrung, das Hornfassungen eher rutschen, wenn sich der Rock'n'Roll-Schweiss
auf dem Gesicht meldet.
Andi:
Dann weisst du als aktiver Brillentraeger ja auch wie scheisse das Ding ist. Ich
hab die Brille immer auf der Buehne an, sonst seh ich ja nix. Meine Fassung ist
denke ich aus Plastik, vielleicht auch doch Horn, ich weiss es nicht. Dafuer ist
meine Brille aber von Gucci ihr aermlichen Pisser! Wenn die Brille richtig
festgestellt ist rutscht die eigentlich in der Regel nicht runter, mich nervt
mehr, das man sich nicht ordentlich den Schweiss mit nem Handtuch aus den Augen
reiben kann.
Christian:
Meine Brille rutscht auch haeufig. Sie ist auch schon oefter mal runtergefallen
und das ist dann ein ziemlicher Aerger das Ding auf der dunklen Buehne und mit
Sehbehinderung zu finden. Der Gitarrist meiner alten Band hat mir auch mal so
ein Halteband geschenkt, welches zwar gut funktioniert, aber relativ bescheuert
aussieht. Man hats halt nicht leicht!
Krake:
Ich sach euch Kontaktlinsen sind die Sau.
Erzaehlt
uns doch mal was ueber die Studioaufnahmen zu den vier Songs, die auf dem
Vinyl-Debuet gelandet sind. Wie ging das vonstatten? Habt ihr die Songs direkt
live eingespielt, ohne irgendwelche technische Maetzchen? Der Gesang ist nicht
gedoppelt, oder? War das ein 32-Spur-Studio? Wer ist Max Stamm? Wie lange habt
ihr fuer die Aufnahmen insgesamt gebraucht? War dies das erste Mal, das ihr ein
Studio aufgesucht habt? Ich will alles wissen!
Lucas:
Also gewisse Dinge werde ich dir nicht erzaehlen, man muss ja auch nicht alles
ausplaudern. Wir nehmen per Overdub Verfahren auf. Das heisst, wir spielen alle
Songs live ein verwenden davon aber nur die Schlagzeug Spur, die Gitarrenspuren
dienen nur zur Orientierung. Dann spielen wir alles nacheinander ein und
loeschen die sogenannten Schmutzspuren. Max Stamm gehoeren die Wildwood Studios
in Duesseldorf, und er ist fuer sein Alter schon ein sehr guter Mann. Er hat vor
allem eine tolle Art mit Bands umzugehen, nicht so der Oberproduzententyp, der
die ganze Zeit durchhaengen laesst dass er alles besser weiss. Wir haben dort
ein sehr angenehmes Arbeitsklima. Er macht viele Bands u.a Family Five, Curlee
Wurlee, Oiro usw. Die Aufnahmen haben so ungefaehr 4 Tage gedauert mit
abmischen, das Mastering war dann nochmal extra bei Michael Schwabe vom
Monoposto. Auf technischen Schnickschnack haben wir selten zurueck gegriffen.
Wir haben die Songs nur im 50:50 Verfahren aufgenommen aus Zeitgruenden, also
halb analog, ueber Bandmaschine und halb digital. Ich bin nicht unbedingt ein
Freund von Volldigitalen Aufnahmen, deswegen setzen wir immer noch auf die
guten, alten Analogmischpulte, Kompressoren und zum Teil auch auf die
Bandmaschine. Das ist halt der Vorteil im Wildwoodstudio, das man beide
Moeglichkeiten hat und sie auch kompinieren kann. Torjohnson waren das erste mal
im Studio ich habe allerdings schon 4x Studioaufnahmen gemacht.
Ich finde
ja, um hier ein ganz klein wenig Kritik einzubringen, das der Gitarrensound an
manchen Stellen reichlich uebersteuert wirkt, und der Sound doch etwas dumpf
ausgefallen ist. War das gewollt?
Lucas:
Da gebe ich dir Recht. Das liegt aber an zwei Dingen, zum einen an der nicht
gerade berauschenden Vinylpressung (viel rauschen etc.) und zum anderen haben
wir auch nicht richtig aufgepasst. Aber man lernt auch aus Fehlern, das war auch
das erste mal, dass wir ueberhaupt mitproduziert haben und wir wollten das halt
so haben. Man sollte aber auch dazu sagen, dass Vinylpressung immer unheimlich
viele Baesse rauben, deswegen haben wir das von vorneherein unten rum etwas
dichter gehalten um so den Tiefenverlust auszugleichen. Ueberraschenderweise,
sind aber trotz der nicht so tollen Pressung viel weniger Baesse
verlorengegangen als gedacht. Tja so kann das manchmal gehen. Wenn es nach uns
gegangen waere, haette es noch mehr gewummert, aber zum Glueck haben uns der Max
und der Michael eines besseren belehrt.
Ich steh
ja eigentlich null auf Taetowierungen. In den 8oer wollte ich mir zwar ein
fettes 1977 - ?..... auf den Oberarm knallen. Nur gut, das ich es nicht gemacht
habe. Worauf ich hinaus will ist, das das Titelbild wohl von einer Vorlage
stammt, oder? Wer laeuft denn damit jetzt durch die Weltgeschichte spazieren?
Lucas:
Das Cover ist zwar von einem Taetowierer gezeichnet, wie du als alter Fuchs
erkannt hast, allerdings nie als Tattoovorlage sondern speziell fuer unsere
Single. Rumlaufen tut damit keiner. Der Frank vom Seven Eleven Tattooshop, ist
ein bekannter von uns und wir haben ihn gefragt ob er uns nicht was zeichnen
kann, da er sehr gut malt. Da haben wir ihm gesagt wie die Platte heissen soll
und er kam ´ne Woche spaeter damit an und wir finden dass es sehr gelungen ist.
Nur zu deiner Beruhigung auch Andi und ich sind voellig untaetowierte
Punkrocker.
In meinen
Augen seid ihr ja eine relativ junge Band. Meines Wissens hat fast jeder Zweiter
eine Bezugsperson, der einen in die Punkrock-Welt einweiht. War das bei euch
auch so?
Lucas:
Also ich muss mich da mal ganz besonders beim Vanne bedanken. Der war damals auf
meiner Schule, und obwohl ich 4 Jahre juenger war als er und ein ziemlich
nerviger 14 jaehriger Rotzloeffel, hat er mich trotzdem auf meine ersten
Punkkonzerte mitgenommen. Tja so bin ich da hingekommen. Danke Vanne!
Andi:
Das waren bei mir mit 14- 15 Jahren Freunde von mir, aus der Schule, mit denen
ich auch heute noch bei den DISASTERS Musik zusammen mache. Mit denen bin ich zu
anderen Punks aus meiner Stadt und zu Konzerten gefahren und so weiter und so
fort. Und ehe ich mich versah war ich mit 16 Jahren dann auf dem absteigenden
Ast und trieb mich immer mit diesem Gesockse herum.
Christian:
Ich bin erst ziemlich spaet zum Punkrock gekommen, aber damals bin ich z.B. mit
Andi auf mein erstes Punkkonzert gefahren. Mich hat zwar die Musik auch schon
Jahre vorher immer interessiert, aber bin trotzdem nie mit Iro und roter
Karobuxe rumgelaufen. Aber seit ich nach Konzerten in eiskalten und siffigen
Backstageraeumen gepennt habe, kann ich behaupten auch „Punkrocker“ zu sein.
Also kann man sagen das mich die Band in die wunderbare Welt des Punkrocks
eingefuehrt hat.
Krake:
Ich definiere Punk fuer mich ein bisschen anders, hab mit 8 angefangen zu
Skaten, Hosen und Aerzte gehoert, und so kam eins zum andern. War vom Style aber
nie son' klassicher Punk und bin es auch heute noch nicht. Will es aber
unbedingt noch werden trau mich aber nicht so recht weil ich nicht weiss was
meine Eltern dazu sagen.
Kann man
demnaechst mit der Internetpraesenz von TORJOHNSON rechnen?
Lucas:
Die Seite www.torjohnson.de ist schon online. Allerdings ist noch nicht viel
drauf, da wir im Moment keinen Internetanschluss haben. Das wird sich aber bald
aendern und dann geht’s los.
Wer
schreibt hauptsaechlich die Songs bzw. Texte?
Lucas:
Das ist bis jetzt alles von mir. Allerdings arbeiten wir meine Songs zusammen
noch aus. Ich habe meistens einen Gitarrenpart eine Strophen einen Refrain und
ein Solo und das setzen wir dann zusammen. Die Breaks und die kleinen Feinheiten
machen ich meistens mit dem Christian zusammen. Die Basslinien macht der Andi
auch selbst. Also das Songwriting mache ich. Die Arrangements machen wir aber
alles zusammen. Ich find diese ichbezogenen Songwriter auch affig. Klar man
bringt halt die Gitarrenparts und die Melodie mit also das wesentliche des Songs
nur wenn man unkreative Bandkollegen hat, kann selbst der beste Song scheisse
klingen. Insofern bin ich froh, dass Torjohnson einen kreativen Allgemeingeist
haben, dem ich nur den Anstoss geben muss.
Bringt
ihr euch bei politischen Projekten oder aehnlichem ein? Zum Beispiel, koenntet
ihr euch vorstellen sich bei den derzeitigen Demonstrationen gegen Hartz IV zu
beteiligen?
Lucas:
Also wir sind durchaus bereit auf Solikonzerten zu spielen, es kommt halt auf
den Zweck an. Wir haben zum Beispiel abgelehnt auf einer PDS Veranstaltung zu
spielen, das liegt zum einen daran das wir grundsaetzlich fuer keine Partei
spielen, und obwohl ich viele Punkte die die PDS vertritt teilen kann, kotzt
mich genauso viel an der Partei an. Wir sind aber halt ´ne Band die ueberwiegend
in Autonomen Zentren spielt und stehen auch alle hinter der Idee der
Selbstverwaltung durch Jugendliche. Wir haben diesen Leuten sehr viel zu
verdanken und wuerden uns jederzeit fuer sie und die Ideen die wir gemeinsam
vertreten einsetzen. Aehnlich verhaelt es sich mit Demos gegen Krieg und
aehnlichem. Ich finde das Hartz 4 Konzept voellig scheisse, es gibt hundert
bessere Loesung um das Kassenloch zu stopfen. Aber sowas ist auch gleichzeitig
Rueckenwind fuer die rechten Parteien. Man sollte bei sowas hoellisch aufpassen,
man kann nicht sagen, dass ist gegen den Staat das ist gut, denn hinter vielen
Protestaktionen steht zum Beispiel die NPD und wenn ich mir angucke wieviele
Erstwaehler die rechte Scheisse waehlen, krieg ich echt Angst. Trotzdem finde
ich es gut, wenn die Leute sagen so nicht. Nur leider kennt man die Leute ja,
die meisten von denen waeren genauso grosse Arschloecher wie Politiker, wenn sie
nur die Macht dazu haetten. Deswegen ist die Arbeiterrevolution fuer mich ein
Maerchen, man hat ja in der Geschichte gesehen was nach der grossen
Arbeiterrevolution kommt. Deswegen betrachte ich diese ganzen Proteste sehr
kritisch, es geht naemlich den meisten nicht um die wirklich Schwachen unserer
Gesellschaft, die unsere Hilfe brauchen, sondern nur um sich selber. Weisst du
wie viele Leute ein grosses Haus, zwei Autos und ein dickes Sparbuch haben, und
sagen sie waeren arm? Das sind die die wir dann im Fernsehen sehen, die wirklich
armen Leute interessieren naemlich ueberhaupt keinen, und die stellen sich auch
nicht hin und sagen ich bin arm. Was machen denn die Leute die jetzt
demonstrieren, wenn man denen 100 EUR mehr im Monat gibt und dafuer soziale
Einrichtungen in sozialen Brennpunkten schliesst. Gehen die dann auf die Strasse
und schreien. Nein die warten lieber bis alles voellig den Bach runter geht. Ich
mein, dass es unserem Land so beschissen geht, sind ja nicht nur die Politiker
schuld, wer demonstriert gegen die Wirtschaftsbosse die uns Buerger nur als
Kapital sehen? Es ist unsere scheiss dekadente gierige Art die uns
runtergewirtschaftet hat. Klar es gibt viele Menschen die unter Hartz4 leiden,
und die tun mir leid, nur wenn wir nicht anfangen an uns selber diese ekelhaft
gierige Art abzulegen, nuetzt der schoenste Protest nichts.
Jede Band
hat seine "fave band story" zu erzaehlen. Welche habt ihr auf Lager?
Lucas:
Ich weiss gar nichts. Wir haben nie sonderlich viel Spass, wir sitzen auf Tour
immer im Buss, hoeren The Smiths und liegen uns emomaessig weinend in den Armen,
weil die Welt so bitterboese und gemein ist. Aber letzten hat mal einer nenn
Witz gemacht, da haben wir dann ganz kurz aufgehoert zu weinen. Und letztens hat
sogar einer auf unserem Konzert zu viel Alkohol getrunken und sich dann
uebergeben. Das war voll krass. Sowas haben wir vorher noch nicht gesehen.
Helft mir
doch mal ein wenig auf die Spruenge. Da ich mich in den letzten Jahren ziemlich
rar gemacht habe, was Konzertbesuche angeht, wuerde ich gerne wissen, wie sich
das Publikum zur Zeit zusammensetzt. Seht ihr, das die aeltere Leute weniger
werden und ihr eher fuer ein juengeres Publikum spielt?
Andi:
Ich war eigentlich auch nicht mehr auf so vielen Konzerten, ausser meist auf den
bei denen ich selbst gespielt habe. Aber ich wuerd sagen das Publikum ist immer
ziemlich gut gemischt. Ich sehe immer Menschen allen Alters von 14 bis Mitte 40
wuerd ich sagen. Ist alles beim Alten geblieben, mach dir keine Sorgen!
Natuerlich gibt es nicht ganz so viele 40jaehrige wie 25jaehrige, aber es sind
doch auch noch immer genug aeltere Herrschaften die sich asozial gebaerden
zugegen.
Lucas:
Ich bin auch sehr zufrieden was unser Publikum angeht. Es ist halt oft vom 14
jaehrigen Iropunker ueber den jungen Alternativen bis zum Altpunker alles
vertreten. Ich finde das auch super, dass es bei vielen Punk-Konzerten, so viele
verschiedene Leute gibt. Bei Oi!-Konzerten geht's da ja teilweise schonmal
anders zu, da kriegt ja dann schon mal einer was in die Fresse nur weil er lange
Haare hat oder nicht ins Bild passt. Zu Torjohnson ist jeder herzlich
eingeladen. Ausser Faschos und solche die mit Faschos rumhaengen, so
Stresskoeppe brauchen gar nicht erst kommen, wir sind naemlich alles andere als
unpolitisch.
Christian:
Ich habe auch nicht so die Vergleichsmoeglichkeiten, aber mir ist aufgefallen
das Punkrock lange nicht nur fuer „bunte Irokesen“ oder „smarte Skinheads“
interessant ist. Auf den Konzerten die wir mit TorJohnson gespielt haben, waren
immer viele Szenen und auch viele „Normalos“ anwesend und auch der Show nicht
abgeneigt. Das Alter ist gemischt, wobei die juengere Generation wohl ueberwiegt.
Wie ist
euer Alter einzuschaetzen und welche anderen beruflichen Beschaeftigungen und
privaten Steckenpferdchen geht ihr ausserhalb des Punkrock-Geschehen nach?
Andi:
Ich bin 24, studiere in Duisburg und sonst gibt´s da nicht mehr viel. Ich spiel
zur Zeit in drei Bands, geh ab und an mal auf ein Konzert und haeng auch gerne
rum und mach sinnlose Scheisse. Sonst interessiert mich eigentlich nur noch das
Thema Film in all seinen Facetten.
Lucas:
Ich bin der juengste mit gerade mal 21 Jahren. Ich arbeite immer so nebenbei und
hab auch keine Berufsausbildung, bin aber zum Studium eingeschrieben. Ich
beschaeftige mich halt hauptberuflich mit Musik, verdiene allerdings nix damit.
An unserem jungen Alter kann man erkennen, dass wir noch ne Menge Zeit haben um
die Welt zu erobern.
Christian:
Ich bin 26 und gehe seit September wieder zur Schule um mein Fachabi nach zu
machen. Zur Zeit habe ich auch mit unserem Gitarristen Kracke eine Hardcoreband
in Planung. Ansonsten haenge ich auch gern rum, hoere viel Musik oder schaue
Filme.
Krake:
Ich bin 24 wohne in Duesseldorf geh zur Schule. Pimmel gerne rum, geh auf HC
Shows und ansonsten mache ich selber HC-Punk.
Welche
Punk-Webpages im Internet findet ihr besonders foerderlich und informativ?
Andi:
Da wir ja grad erst wieder Internet haben kenn ich mich da gar nicht so aus. Ich
war nie so oft im Internet, vor allem nicht so viel auf irgendwelchen
Punkportalen. Ich glaub aber PunkPortal.de oder so ist ganz cool. Das ist doch
irgendwie so ein Band- und Labelindex, etc. Sonst weiss ich da ehrlich gesagt
gar nix. Ganz foerderlich und informativ fand ich mal die Systemfehler.de-Seite,
hab ich jetzt aber auch schon lange nicht mehr nachgeguckt. Bei politischen
Seiten bin ich da auch immer etwas vorsichtig, wie das so um die Sachlichkeit
bestimmt ist. Ich empfehle aber jedem folgende Seiten:
torjohnson.de; the-disasters.de;
campary-rec.de; buio-omega.de; schlingensief.com und natuerlich die
gottesgleiche Seite rodarmy.org.
Lucas:
Ich habe erst seid 4 Tagen wieder Internet und bin deswegen nicht so auf dem
laufenden.
Wie kam
es dazu, das sich "East Side Records" und "Campary Records" zusammen schlossen,
um die Single zu veroeffentlichen? Wie waren bisher die Resonanzen aus der
Fanzine-Nachbarschaft? Gab es schon Rueckmeldungen? Wie viele Kopien sind
gepresst worden?
Lucas:
Tja den Armin kenne ich halt durch die Schwarzen
Schafe sehr gut. Und der war mit uns 2003 auf Tour und hatte uns da das erste
mal gesehen und kam direkt nach dem ersten Auftritt an und wollte unbedingt eine
Platte mit uns machen. Der Eastside Arnim kam spaeter dazu. Armin und er kennen
sich wohl schon lange und haben sich dann zusammen getan. Erstmal sind 500
Stueck gepresst worden. Mal gucken ob wir die nochmal neu auflegen. Ich habe
leider noch nicht alle Reviews gelesen, aber die die dich gelesen habe, waren
eigentlich alle sehr gut. Wir haben auch schon ein Interview im Human Parasiten
gegeben und eins kommt in der naechsten Ausgabe vom Rock Together.
Im
Fruehjahr diesen Jahres habt ihr zusammen mit den TRASHCAN DARLINGS gespielt.
Wie waren da die Erfahrungen? Irgendwelche bleibenden Erinnerungen oder Schaeden?
Seid ihr gut miteinander ausgekommen? Welche Shows waren besonders gut?
Lucas:
Wenn ich ehrlich sein soll, war die Darlings Tour nicht so spassig wie die mit
den Chaotenpunks von Disorder. Es war aber trotzdem sehr geil. Ich muss
allerdings gestehen dass ich nur mit dem Bassisten und dem Drummer richtig warm
geworden bin. Die Darlings sind aber schon sehr freundliche Menschen. Mein
Lieblingsauftritt war der dritte Tag in Peine. Fuer uns war es der Hoehepunkt
fuer die Darlings lief es da echt beschissen. Natuerlich waren alle Auftritte
super, und alle Veranstalter haben sich sehr sehr viel Muehe gegeben. Aber in
Peine sind die Leute am ehesten auf unserer Wellenlaenge gewesen, wenn man das
so sagen kann. Ich muss da auch echt mal was loswerden. Ich moechte die Darlings
hier nicht schlecht reden, es sind wirklich sehr nette Menschen. Aber das man
einfach von der Buehne rennt nach 6 Stuecken nur weil einem der Laden nicht voll
genug ist, finde ich schwer asozial. In ujz´s arbeiten 10 Leute unendgeltlich
fuer ein Konzert und reissen sich den Arsch auf, damit die Bands sich
wohlfuehlen, meistens legt da noch einer von seiner Privatkohle was oben drauf,
damit man die Spritkohle rauskriegt. Da muss ich allen Bands sagen die da mit
Allueren kommen, das jeder Mensch der fuer so ein Konzert arbeitet genauso viel
wert ist wie der der auf der Buehne steht. Diese Ignoranz von manchen „Musikern“
kotzt mich echt an, die Leute haben es einfach nicht verdient wie Scheisse
behandelt zu werden. Es gibt 1000de Bands in Deutschland, und wer in einem UJZ
spielt ist kein beschissener Rockstar und hat sich auch nicht so zu benehmen,
das macht man einfach nicht. Sonst koennen die ja mal nach nem Konzert den
vollgesauten Backstageraum aufraeumen oder die Kotze von der Klobrille wischen.
So ´ne Scheisse kann man in kommerziellen Clubs abziehen oder bei Veranstaltern
die sich um nichts kuemmern aber es trifft immer die Falschen und das aergert
mich einfach. Ein bisschen Bescheidenheit hat noch keinem geschadet. Nur als
kleiner Tipp am Rande fuer alle die sich so benehmen, wer sich so auffuehrt wird
es mit seiner Band auch nie zu was bringen wir leben nicht mehr in den 70ern und
heutzutage hat es keiner mehr noetig irgendner Pisscombo was in den Arsch zu
schieben. So was hat mit Punk nix zu tun.
Christian:
Wir haben die Darlings ja leider nur auf 4 Abenden begleitet, aber es war
trotzdem gut. Wir haben sie auch immer erst abends auf den Shows getroffen, sind
aber gut ausgekommen ohne jetzt grosse Freundschaften fuers Leben zu schliessen.
Am letzten Abend war das Eis dann gebrochen, aber da ging es ja schon nach
Hause. Unser bester Abend war in Peine, obwohl nur 10 Besucher da waren, haben
eben die alles getan, was man sich als Band wuenschen kann. (Gruss ans UJZ Peine)
Andi:
Was soll ich da noch hinzufuegen? Ich fand die DARLINGS soweit in Ordnung, bis
auf den Glatzen- Peer, der war stellenweise schon ziemlich peinlich.
Unterstuetzen euch die Eltern bei der Band in irgendeine eine Art und Weise?
Lucas:
Also meine Eltern sind ganz normale Angestellte (Krankenpfleger), von daher
haben die auch nicht die dicke Kohle, aber wenn mir mal ein Hunderter in der
Anschaffung von Equipment gefehlt hat gabs auch mal einen Kredit auf unbestimmte
Zeit. Meine Eltern sind auch sehr tolerant fuer Eltern, deswegen kann ich mich
nicht beschweren. Ich bin auch froh nicht alles geschenkt gekriegt zu haben, ich
weiss es jetzt zu schaetzen, was es heisst eine eigene Gitarrenanlage zu haben.
Ausserdem ist moralische Unterstuetzung viel mehr wert als Geld.
Andi:
Klar, ich bin komplett abhaengig von denen. Also unterstuetzen die mich mit der
Musik auf jeden Fall auch, weil die Kohle ja eh immer irgendwie von denen kommt.
Meine Eltern finden das auch gut, dass ich Musik mache und haben mir da nie
irgendwas in den Weg gestellt oder so.
Christian:
Meine Mutter unterstuetzt mich eigentlich immer, nicht nur bei der Musik. Ich
bin zwar nicht abhaengig von Ihr, aber sie greift mir halt doch oefter mal unter
die Arme, wenn es noetig ist.
Habt ihr
ein Lieblings-Sprichwort?
Lucas:
Wir sind leider nicht sehr klug und auch nicht sehr gebildet, Philosophie
langweilt mich auch zu Tode, deswegen muss ich deine Frage verneinen.
Christian:
Jegliche Art von „Ruhrpott – Prollerei“ oder „Rentnerweissheiten“.
Andi:
Ich mag fast alle dummen, primitiven Sprueche.
Kommt ihr
alle aus Krefeld oder wie teilt sich das auf? In Krefeld gab Ende der ´80er mal
einige ziemlich gute Bands, wie Brillo´s Only Once, Shaddox, oder Beam Me Up,
Scotty. Kennt ihr vielleicht den Brillo? War ein stadtbekannter ´70er-Altpunk
gewesen.
Lucas:
Eigentlich sind wir alle hier aus der Ecke. Der Kracke wohnt jetzt in
Duesseldorf, aber ich wohne mit dem Andi und demChristian zusammen in einer
Wohnung hier in Krefeld. Brillo kenne ich leider nicht persoenlich, obwohl ich
das oft gehoert habe. Es gibt aber auch in Krefeld leider keine richtige Szene
mehr wo man sich treffen koennte, aber soviel ich weiss ist er schon aelter, ich
weiss auch gar nicht wie der aussieht, das war ja alles vor meiner Zeit. Aber
die Beam me up Scotty Platte suche ich schon sehr lange. Wenn jemand die
verkaufen will kann er sich ja bei mir melden.
Christian:
Ich wohne zwar mit Lucas und Andi in Krefeld, habe mich aber noch nie mit den
Bands von hier auseinander gesetzt. Die Namen sind mir zwar gelaeufig, aber...
Andi:
Ich kenne zwar ein paar aeltere Punker aus Krefeld, aber den beruehmt
beruechtigten Brillo kenn ich bisher auch nur vom Hoeren- Sagen.
Ihr steht
ja noch ganz am Anfang mit der Band. Habt ihr euch da bestimmte Ziele gesetzt?
Lucas:
Wir haben uns ueberlegt, dass es fuer uns keine Grenzen gibt die wir nicht
erkunden wollen, ausgenommen dem rechten und rechtsoffenen Scheiss. Ich finde es
auch bloedsinnig wenn Bands sich von vorneherein so eingrenzen, so von wegen,
wir wollen nie ein Video machen und ´nen Majordeal kommt schon gar nicht in
Frage. Es ist jetzt auch nicht so dass wir unbedingt mit aller Macht beruehmt
werden wollen, aber wir wollen alles mitnehmen, was wir vor uns selber vertreten
koennen. Das sind alles Erfahrungen die einem im Leben weiterbringen und wer
kann schon vorher wissen ob man ´nen Fehler macht, Fehler gehoeren dazu und wer
sich selber Scheuklappen anlegt versaeumt einiges im Leben.
Christian:
Jeder hat Ziele und Traeume, was davon Wirklichkeit wird, wird man sehen. Ich
moechte auf jeden Fall noch etwas rumkommen und unzaehlige Konzerte spielen.
Andi:
Ich will so ein richtig arrogantes, reiches Rockstar- Arschloch werden und dann
im Koksrausch auf die Armen schimpfen.
Hegt ihr
den Gedanken demnaechst eine neue Scheibe einzuspielen. Wird es auf eine weitere
Zusammenarbeit mit "East Side" und "Campary" hinauslaufen.
Lucas:
Wir wollen auf jeden Fall einen Longplayer aufnehmen, allerdings nicht auf
Campary/Eastside, nicht wegen Streit sondern aus finanziellen Gruenden. Wir
haben die Singleaufnahmen selber bezahlt und uns ziemlich uebernommen, wir
brauchen auf jedenfalls Geld fuers Studio sonst koennen wir das knicken, denn
das Geld fuer eine vernuenftige LP-Produktion haben wir definitiv nicht. Wenn
uns allerdings kein solches Label will, nehmen wir halt ´nen Kredit auf und
machen die scheisse selber. Das wichtigste ist es den Leuten Zugang zu deiner
Musik zu verschaffen. Man sollte natuerlich schon darauf achten, dass man sich
dabei nicht finanziell ruiniert, aber wenn alle Stringe reissen wuerden wir
selbst das noch tun.
Da wir
nun am Ende des Interview angelangt sind, bleibt als letzte Frage, ob es sonst
noch etwas gibt, was der geneigte Leser unbedingt wissen muesste.
Lucas:
Ihr solltet nach unserer Webpage Ausschau halten, wenn sie denn bald fertig wird
ausserdem solltet ihr natuerlich auf unsere Konzerte kommen und unsere Platten
kaufen, denn wenn wir wirklich die Weltherrschaft erringen, werden wir jeden
ausfindig machen, der nicht mindestens eine Platte von uns hat und werden ihn
hart fuer sein Verhalten bestrafen. Gott sieht alles, doch wir haben die
besseren Augen.
Im Internet findet ihr TORJOHNSON unter:
www.torjohnson.de
Interview: Ralf Real Shock ( September 2004 )