30. Oktober 2003
THE SKULLS, THE
BLOWJOBS
„AK 47” / Duesseldorf
Das „AK 47“ hatte umgebaut. Neuer
Eingang, der Konzertraum ist groesser und die Theke liegt nun etwas abseits vom
Konzertgeschehen. Sieht gut aus.
Meyer´77 kuendigte beide Bands an und freute sich das so viele Leute gekommen
waren, trotz einer parallel laufenden Show von der One Man Army in Bochum.
Die Blowjobs enterten die Buehne und spielten gute 40 Minuten ihren stark ´78er
Westkuesten beeinflussten Rotz-Punk. Einige Songs blieben mir nun auch schon im
Gehoergang haengen, ein sicheres Zeichen, das mir ihr Sound zusagt. Gitarrist
Colle meinte hinterher zu mir, das sie im Proberaum die Stuecke immer etwas
langsamer spielen. Koennte mir vorstellen, das sie das demnaechst auch live mal
umsetzen sollten. Kommt bestimmt noch einige Takte besser rueber. Ausserdem ist
die Zeit laengst reif, das die Blowjobber eine Single an den Start bekommen.
Dann die Skulls! Diese L.A.-Legende hat in ihrer Vergangenheit unendlich viele
Hits geschrieben, die aber erst auf ihrem 2002er full-length Debuet „Therapy For
The Shy“ zum ersten Mal im Studio eingespielt wurden.
Mit der von mir so geschaetzten „Fuck You“-Einstellung und der damit verbundenen
Class Of ´77 trat die Band knall auf Fall mit eingespieltem Piraten-Chanson in
Erscheinung. Von nun an gehoerten den naechsten knapp 45 Minuten den Skulls die
winzige Buehne des „AK“.
Saenger Billy Bones mit seinen fast 50 Lenzen und das einzige Originalmitglied
legte los wie die Feuerwehr. Durch seine Gesichtsmimik und dem Schnattergesang
koennte Billy glatt als grosser Bruder von Mike Lohrman durchgehen. Das nennt
man mal einen wahren Charakterkopf! Hier wurde mir schlagartig bewusst, wie
wichtig es doch fuer eine Punkrock-Band des alten Schlages ist, einen Saenger an
der Front zu haben, der sich nicht noch mit einer Gitarre rumschlagen muss. Bei
meinem absoluten Fave „Monet“ von ihrer zweiten LP zog Billy dann kurz wieder
seine Sonnebrille auf. 1977 scheint nie auszusterben. Gut so! Am Bass verriet
James Hardslug´s Koerpersprache das er mal zu einer der wichtigsten englischen
Bands angehoerte. Anleihen von Showeinlagen der Adicts waren nicht zu uebersehen.
Das zweite Highlight neben Billy setzte aber ganz klar ihr Gitarrist Kevin
Preston. Er peitschte Billy und dem Rest der Band eine solche Aggression rueber,
das die nicht anderes konnten als tuechtig an der Uhr zu drehen. Dieser Typ hat
noch keine 20 Lenze auf dem Buckel, aber schenkte sich und seiner Klampfe rein
gar nichts. Auch ganz neu, seine Gitarre am Mikrostaender zu missbrauchen. Da
kam dermassen Power rueber, das musste man erst einmal zu ordnen versuchen. Und
am Schlagzeug? Da war auf Sean Antillon in jeder Situation Verlass. Billy holte
dann zum Ende ihres Set noch Saengerkollege Karsten von den Blowjobs auf die
Buehne und gemeinsam wurde ein weiterer Skulls-Hit ins Mikro gebruellt. Im
Zugabenteil als Ausklang das Hammerstueck von the RANDOMS „Let´s Get A Ride Of
New York“.
Die etwas besser gestellten Herrschaften der hiesigen Szene liessen sich
wohlwollend dezent in den Hintergrund fallen, waehrend vorne ein Haufen
Schnapsnasen den Lauten machten. Zu ihnen gesellte sich ein ca. 1,70 grosser
Einzelkaempfer, der die alkoholschwangeren jungen Wilden ordentlich
durcheinander schuettelte, und das bunte Treiben als eine Art Boxkampf
verwechselte. Unter diesen Umstaenden war es mir kaum moeglich mit meiner
stinknormalen Kamera ordentliche Fotos zu schiessen.
Bleibt mir nur zu sagen, das die Skulls ein absolutes Live-Erlebnis sind und ich
hoffe das sie es vielleicht noch mal nach Europa schaffen.
Spaeter nach dem Gig outeten sich die Bandmitglieder noch als ueberaus
sympathische Zeitgenossen, und Billy lud mich spontan in sein Haus ein, wann
immer ich in Los Angeles bin. Angenommen, Billy!!!
Ich beschenkte die Blowjobs und die Skulls mit der Herbstausgabe und beherzigte
einmal mehr den Song den Karsten geschrieben hat: „I Decided Not To Quit”.
Bericht und Fotos von
RALF REAL SHOCK
( ueberarbeitetes Original aus "3RD Generation Nation" No. 27, Fruehjahr 2004 )








