* * * * * * Real Classic! , * * * * * Great Stuff! , * * * * Very Good! , * * * O.K. , * * Poor! , * Real Bullshit!

 

Hier nun das vierte und auch letzte Update fuer 2011. Wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.

 

CASE - “Aint’ Gonna Dance (Recordings 1980-1985)” CD
CASE
“Aint’ Gonna Dance (Recordings 1980-1985)” CD
( Damaged Goods Records / Release Date: 14. November 2011 )

Eine Band aus dem Sueden von London, die sich 1979 ueber Umwege durch Slimy Toad (JOHNNY MOPED) zusammenfand und fuer die naechsten vier Jahre ueberwiegend die Pubs in ihrer Gegend rauf- und runterspielte. 1983 erschien dann ihre erste und auch einzige Single, die auf dem Namen „Wheat From The Chaff“ hoerte. Ich kaufte mir das gute Stueck damals nach kurzer intensiver Hoerprobe im Duisburger „Garageland“, nachdem mir ihr Song „Smiling My Life Away“ spontan zusagte. Dass da jetzt also quasi aus dem Nichts eine 19-Song-CD erscheint, da war natuerlich niemand wirklich darauf vorbereitet. Denn nach ihrer Single kam ja nichts mehr nach, also konnte man durchaus annehmen, dass es die Band nicht mehr gab. Und so war es dann auch. Zwei Jahre spaeter war endgueltig Schluss. Trotzdem die Band sich ueber die Jahre einer bestaendigen Publikumsbeliebtheit erfreuen konnte, war das Management der Band nicht in der Lage, sie auf die naechste musikalische Ebene zuhieven.
Auf dieser CD wird eine in sich schluessige Aufarbeitung ihrer Studiozeit geliefert. Dabei schneiden vor allen Dingen die fruehen Aufzeichnungen von 1980 am besten ab, weil in ihrer ersten Besetzung ein Saxophon noch keine Rolle spielte. Das wurde dann aber ganz schnell anders, als man ein Jahr spaeter verstaerkt den Einsatz von diesem Instrument einfuegte. Was vorher noch nach 77er pUnK rOcK, pOgO und tatsaechlich auch ein wenig nach den grossen RUTS klang, wurde nun zu einem tanzbarem SKA-Rhythmus umfunktioniert. Hier laeuft die Scheibe dann fuer mich voellig aus dem Ruder, weil es nicht mehr meinen Geschmack trifft.
Da ist es auch nicht ueberraschend, dass der beste Song „Smiling My Life Away“ bleibt, dicht gefolgt aber von dem PowER-PoP/KiLLeD by DeATh verdaechtigem Smasher „Only You, Only Me“, der vor 31 Jahren sicherlich eine phantastische britische pUnKrOcK-7inch abgegeben haette.
( * * * + )

THE DEAD TRICKS - “You Should Have Worried About It” 7inch EP
THE DEAD TRICKS
“You Should Have Worried About It” 7inch EP
( Facebook / CDBaby , Release Date: 2011 )

Diese noch junge Band kann eigentlich nur in den Strassenschluchten von New York City entstehen. Gitarrist Lorne Behrman koennte vor allen Dingen noch fruehere 3RD-Print-Leser ein Begriff sein, spielte er doch damals bei den DIMESTORE HALOES mit. Die musikalische Herkunft der restlichen Bandmitgliedern duerfte unbekannter Natur sein, oder hat hier jemand schon mal was von der Band JONNI & THE MONSTERS gehoert, von denen ihr Saenger James Donavan und ihr Drummer Kevin Cardwell kommen. Ein voellig unbeschriebenes Blatt hingegen ist ihre Bassistin Manya Kuzemchenko, die nun bei den DEAD TRICKS ihre ersten Band-Erfahrungen sammelt. Zusammen ergibt das alles einen interessanten Mix, der seine pUnK rOcK-Hoehepunkte in den Songs „Don't Get High (Without Me)“ + „Chocha Wave“ findet. Diese beiden Songs hatten mich sofort beim ersten Hoeren gepackt. „Don’t Get High (Without Me)“ brilliert mit wunderbar eingestreuter CLASH-Gitarre und dem beseelten Saenger, der den Song von Anfang bis Ende seinen ganz persoenlichen Stempel aufdrueckt. Schoen rotzig und verraucht, aber eben nicht bis zum Anschlag, da die Balance zur Melodie wichtiger erscheint, als die beliebige versoffene/kraechzige Streetpunkrattenvoice. Die Backin’ Voc. von der Bassistin sind zwar sparsam gesetzt, fallen aber genau deswegen direkt auf. „Chocha Wave“ hingegen punktet auch auf der Mid-Tempo-Schiene, hat was Treibendes und bietet einen eindringlichen Refrain.
Das haette DIE klassische Single werden koennen, mit „Don’t Get High (Without Me)“ als A-Seite und mit „Chocha Wave“ als so typische B-Seite.
Aber da sind noch drei weitere Songs, die mir nicht wirklich zusagen. Am besten gefaellt noch „Heat Burns The One-Eyed Monster“, der aber auf Dauer zu eintoenig klingt, weil ich hier die Abwechselung und die Durchschlagskraft vermisse. Die restlichen beiden Songs gehen bei mir rein und wieder raus, und werden durch schnellen HC-Trash und Rockabilly-Tunes bestimmt.
Fazit: Keine Ahnung! Keine Ahnung, wohin sich die Band entwickelt. Sie haben sich erst einmal alle Tueren offen gehalten. Mir waere es natuerlich am liebsten sie wuerden auf direktem Wege durch die „Jail Guitar Door“ entschwinden und nie wieder rauskommen!
( * * * * + )

FORGOTTEN REBELS - “Last Ones Standing” CD
FORGOTTEN REBELS
“Last Ones Standing” CD
( Dr. Disc (Hamilton) / Forgotten Rebels , Release Date: 09. Juli 2011 )

Nach ueber einem Jahrzehnt gibt es tatsaechlich wieder ein akustisches Lebenszeichen von Kanada’s No.1 pUnKrOcK-Band, den Forgotten Rebels. Live aufgenommen 2008 am 02. Februar (uebrigens, SID VICIOUS Todestag!) im „Lee’s Palace“ von Toronto. 18 Songs in vortrefflicher Soundqualitaet und mit „She Said Oh“ + „Super Fan“ befinden sich sogar zwei neue Songs darunter. Die reihen sich in das „Best Of“-Set problemlos ein, schon richtig unheimlich, wie rasant schnell das bei den Rebels geht. Als wenn man die Lieder schon seit 1980 im Programm haette.
Mickey de Sadist quatscht sich zwischen den Songs wie gewohnt beim Publikum um Kopf und Kragen. Hoechst amuesant, das Ganze!
Die CD gibt es bisher nur exklusiv bei Dr. Disc im kanadischen Hamilton, wo die Rebels am Tag der CD-Veroeffentlichung im Laden zu einem „Meet & Greet“ fuer knapp zwei Stunden zu Gast waren. Dabei wurden auch einige CDs signiert. Von denen hat der Besitzer des Ladens, Mark Furukawa, noch einige wenige da. Sollte ich an dieser Stelle hoechstpersoenlich an Interessierte ausrichten, die die CD bestellen wollen. Also, direkt auf die Website von Dr. Disc gehen (siehe oben) und mit Mark ueber info@drdisc.ca  Kontakt aufnehmen. Bezahlen kann man mit PayPal.
Mir hat Mark eine CD mit einer Unterschrift von Mickey de Sadist zukommen lassen. Eigentlich lege ich da nicht so einen Wert drauf, aber bei den Rebels mache ich gerne eine Ausnahme!
Moechte auch noch erwaehnen, das der Kontakt zu Mark sehr verlaesslich ablief, fast schon freundschaftlich.
In einem Interview mit dem On-Line Mag. „VIEW“ vom Juli dieses Jahres sprach Mickey de Sadist von einem neuen Studio-Album, wofuer sie bisher 12 Songs geschrieben haben. Da muss man einfach mal abwarten, was kommt. Hoffentlich nicht erst wieder in ueber zehn Jahren!
Die Forgotten Rebels widmen die CD Imants Krumins, der am 09. Juni 2011 im Alter von 59 Jahren verstarb. O-Ton der CD: „The first Rebels fan to hand over $10 for a home-made demo tape.“
Das “View”-Interview mit Micky de Sadist: The Forgotten Rebels – Last One Standing
Ein Bericht zu Imants Krumins: Hamilton punks pay tribute to superfan
( * * * * * + )

U.K. SUBS - “The Complete Punk Singles Collection” DoCD-Boxset
U.K. SUBS
“The Complete Punk Singles Collection” DoCD-Boxset
( Captain Oi! Records , Release Date: 01. August 2011 )

Zwei CDs, mit Booklet und einem Bieruntersetzer befinden sich in dieser Schachtel. Ach ja, und der aktuelle „Captain Oi!“-Katalog im neuen CD-Format. Das Design, passend zum Herbst, spricht mich nicht direkt an, ein Grund wohl, das ich die Besprechung immer weiter vor mich hingeschoben habe. Aber egal, zu den U.K. SUBS ist schon alles geschrieben worden. Muss ich jetzt nicht mehr ellenlang ausholen.
30 Jahre lang, angefangen 1978 mit dem grandiosen „C.I.D.“ bis 2008 mit der Neuauflage ihres Evergreen „Warhead“ erstreckt sich der 28-Song-starke Output an Singles. Die besten Zeiten waren naturlich die ersten Jahre. Wir schwelgen in Erinnerungen und holen uns Pogo-Fuesse bei „Stranglehold“, „Tomorrows Girls“ (my all-time fave!) oder „Teenage“. Das ging gut bis 1982, als die „Shake Up The City“ EP rauskam. Danach folgten eher durchschnittliche Werke, mit Ausnahme der 12inch „Motivator“ von 1988, produziert vom 2005 verstorbenen Dave Goodman, bekannt von seinen fruehen Studioarbeiten mit den SEX PISTOLS.
Das Booklet ist wie immer gut gestaltet, gibt genaue Einblicke zu den einzelnen 7inch-Veroeffentlichungen preis.
Was sonst noch? Charlie Harper, er lebe hoch!
( * * * * + )

V.A. - “A Tale Of Rotten Orange” DoCD
V.A.
“A Tale Of Rotten Orange” DoCD
( Orange Fight Records , Release Date: 2011 )

Aufmerksam geworden durch einen Trailer bei “Facebook” kontaktierte ich das Label und binnen einer Woche hatte mir Label-Boss Greg das Teil zugeschickt. Der aufgeklebte Sticker sagt schon alles: „39 unreleased tracks. DIY Bands from OC, LA + SF.“ Nun, mit dem Unveroeffentlichtem ist das so eine Sache. Aber wollen wir mal an dieser Stelle nicht so kleinlich sein, denn ueber 90% des Materials sind hier wirklich das erste Mal zu hoeren. Darunter auch so klangvolle Namen wie THE CROWD, BONECRUSHER, THE JUNK (die Nachfolgeband von den SMUT PEDDLERS), SMOGTOWN, BROKEN BOTTLES + THE STITCHES. Gut, die STITCHES und ihren Song „Monday Morning Ornaments“ kannte ich schon vom fuenften „Old Skars & Upstarts“-Sampler aus dem Jahre 2005. Und auch von den BROKEN BOTTLES ist mir „I’ll Dress You“ von ihrer zweiten full-length „Hospital“ bestens bekannt. Aber das war es auch schon. Von den restlichen grossen OC-Namen bin ich ehrlich gesagt doch enttaeuscht. Da schneiden noch THE JUNK mit ihrem fast schon unbekuemmerten poppigen Punk-Sound am besten ab. Zu BONECRUSHER hab ich heutzutage keinen musikalischen Draht mehr, das war damals als sie aufkamen und Rick Bain sie mir schmackhaft machte noch voellig anders. Aber so aendern sich die Zeiten. SMOGTOWN scheinen auch die besten Tage hinter sich zu haben, ich fand ihr aktuelles Album, was kuerzlich bei „Modern Action“ erschien erschreckend nuechtern.
All die anderen Bands mit so typischen pUnKrOcK-Namen wie etwa THE PISS POPS, NO MORE SAINTS, NEON MANIACS, RAW HELMET, KILLING CALIFORNIA oder THE UNCIVIL haben nicht wirkliche eine eigne Note vorzuzeigen und koennen auch als Mini-BONECRUSHER, Mini-RANCID oder Mini-STITCHES durchgehen. Das ist schade, denn ich war schon beim ersten Durchhoeren regelrecht enttaeuscht gewesen. Aber dann hab ich doch drei Songs gefunden, die mich angesprochen haben. Zum einen der rotzige pUnK-RoCk’N’roLL von THE HITCHHIKERS. Ihr „That’s Rock’n’Roll“ erinnert an ganz simpel vorgetragenen fruehen HUMPERS-Sound. Und dann die eigentliche Ueberraschung zum Schluss. THE DOGS! Die Original DOGS aus Detroit von 1977/78! Die gibt es also immer noch (oder wieder) und haben mich mit ihren beiden Tracks „You Can’t Catch Me!“ und „Punk Rock Holiday“ wieder in die Spur gekickt. Die Alten machen den Jungen was vor! Das haette ich so auch nicht gedacht, da THE DOGS eigentlich sonst nicht wirklich meinen Nerv treffen, da sie meist sehr MC5/STOOGES belastet sind. Aber auf diesen beiden Tracks praesentieren sie eher lupenreinen DEAD BOYS-Punk, ohne irgendwelche zu abstrakte Schleuder-Solis….
Leider sind sonst keine Band-Infos im Booklet, dafuer gibt es aber die Texte. Wer aber gerne genau wissen will, was es mit den ganzen Bands auf sich hat, der sollte mal auf die „OrangeFight“-Webpage gehen, denn dort gibt es kurze Infos zu fast jeder Band. Der Sampler geht von meiner Stelle voellig in Ordnung, nur leider hat mein Orange County-Fieber in den letzten paar Jahren stark nachgelassen. Vielleicht liegt es ja daran, dass meine Begeisterung sich deshalb so in Grenzen haelt. Irgendwie hab ich den Faden verloren….
( * * * * )