So, hier nun mit etwas Verspaetung das September-Update. Das naechste Update erfolgt dann Ende Oktober 2005. Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.
THE ACCIDENTS
„Poison Chalice” CD digi-pak
( Burning Heart Records / BurningHeart.com , Release Date: 07. Oktober 2005 )
Ein neues Album von den Schweden-DieHard-Rocker. Das das keine leichte Kost fuer
mich geben wuerde war mir vorher schon klar. Nur, das es dann doch so heftig
wird, damit hab ich allerdings nicht gerechnet gehabt. Accidents kennen nur
eins! Und das bedeutet, das die Gitarrenverstaerker immer auf zehn stehen und
permanent vorm Durchschmoren sind. Die armen Gitarrensaiten tun mir dabei
richtig leid, denn die werden in Rekordzeit auf- und abgewienert. Das klingt so,
als wenn man die DEVIL DOGS wochenlang auf einer nie enden wollenden
Achterbahnfahrt gefangen haelt und zusaetzlich auf einen LSD-Trip gesetzt hat.
Wie muessen die sich wohl fuehlen? Wie arme kleine Karnickel, denen die
Farb-Flashes nur so um die Loeffeln fliegen. No Time fuer ein Stossgebet! Da
kennt die Fraktion aus dem hohen Norden wirklich kein Pardon! Nur einmal, da
sehe ich so was wie Land in Sicht. Track 6 mit „She Walks The Line“ goennt sich
eine kleine Ruhepause von exakt 3:32 Minuten, aber danach wird wieder
abgedampft, als wenn es die letzten Minuten auf Erden sind, indem man noch mal
dem fiesen Rock’n’Roll-Monster ordentlich in der Allerwertesten treten darf. „She
Walks The Line“ zeigt die Band, das sie aber auch durchaus im Stande ist,
Mid-Tempos fuer alte Punkrocker-Herren zu schreiben. Ganz klar, ihr bester Song,
da hier Melodie und Refrains eindeutig im Vordergrund stehen. Ansonsten
empfiehlt sich beim Anhoeren dieser 12-Song-CD Anschnallpflicht!
( * * * )
AGAINST ME!
„Searching For A Former Clarity” CD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.de , Release Date: 05. September 2005 )
Against Me! zeichnen sich mit ihrem dritten full-length bei mir eher durch
textliche, als durch musikalische Qualitaeten aus. Da wird so manches Tabu-Thema
innerhalb der Szene aufgegriffen, oder auf politischer Ebene intelligent daher
getextet. Das Wissen was die Band an den Tag legt ist schon recht beeindruckend,
und wuerde so einige verkappte US-Streetpunk-Bands das blanke Entsetzen ins
Gesicht treiben. Deswegen kann Against Me! auch nur in der „Fat Wreck Family“
sich so frei entfalten, wie sie es auch gerne moechten, und ohne das boese
Zungen von aussen behaupten wollen, ihrem Vaterland nicht das noetige
Nationalbewusstsein entgegen zu bringen. Von daher, hab ich wirklich Respekt vor
der Band. Musikalisch ist das allerdings gar nicht meine angestrebte Planstelle.
Zu Emo-Core behaftet, zu duester, zu schwer, und die viel zu harte Groel-Stimme
von Gruendungs-Mitglied Tom Gabel hab ich nach knapp drei Songs auch gefressen.
Da muss der Gabel aber noch was trainieren, um etwa an das Reibeisen,
beispielsweise von LEATHERFACE oder HÜSKER DÜ ranzureichen. Vielleicht sollten
Against Me! da besser mal ein Hoerbuch rausbringen!
( * * * )

ANDY BLADE
„Treasure Here“ CD
( Cherry Red Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 25. Juli 2005 )
Letzten Monat habe ich mein Update auch mit einer Andy Blade-Kritik begonnen,
allerdings mit seinem Buch, nun ist also sein neues Solo-Album an dritter Stelle
dran, was er mit Freunden und Bekannten eingespielt hat. Andy selbst spielt
zusaetzlich noch Rhythm Guitar und holt auch oft genug den Zwoelf-Saiter raus.
Der Ex-EATER Punkrocker Andy Blade geht bei seinen 12 sehr poppig angelegten
Eigenkompositionen schoen bedaechtig zu Werke, wie das heute bei ehemaligen
britischen Punkrock-Saengern der ersten Stunde oft genug so ueblich ist. Aber
seine Vorlieben, auch zum Glam-Rock kann er dabei nicht ganz verstecken, bester
Song, vom Schwung her gesehen, Track Two: „Catch Me ’Cos I´m Falling“, den Andy
fuer Sid Vicious, Johnny Thunders und alle anderen Junkie Shooting Stars
geschrieben hat, die ihr Leben damals einfach so weggeworfen haben. Mit diesem
Album hat sich Andy jede Menge Zeit gelassen, es war von 1997 bis 2005 in
Arbeit. Es hat ihn ja auch niemand grossartig gedraengelt, denn Musik
funktioniert fuer den heutigen 43jaehrigen als netter, aber trotzdem sehr
wichtiger Zeitvertreib, wo man nicht alle moeglichen Plattenlabels mit seinem
Output abklappern muss, und womoeglich auch noch davon zu ueberzeugen, das
Material raus zubringen. Gut fuer ihn, das er da mit „Cherry Red Records“ seit
Jahren eine sehr starke Independent Company als Ass im Aermel hat, die ihn
bisher immer den Ruecken gestaerkt hat. Als Bonus gibt es das Kapitel „Mr. M“
als Spoken Words aus seinem Buch „The Secret Life Of A Teenage Punk Rocker: The
Andy Blade Chronicles” zu hoeren, sowie das Demo zu dem Song „I Wonder What It
Could Be“. Schade nur, das keine Texte im Booklet zu finden sind. Die Songs
gewinnen mit der Zeit immer mehr an Dichte und spannungsgeladene Atomsphaere.
( * * * * )
BILLY CHILDISH & THE CHATHAM SINGERS
„Heavens Journey“ CD-R
( Damaged Goods Records / DamagedGoods.co.uk , Release Date: 03. Oktober 2005 )
Billy Childish ist seit 25 Jahren im englischen Underground unterwegs, sei es
als Maler, Poet oder Musiker. Als Musiker hat er sich vornehmlich und schon
immer dem lo-fi Garagen-Blues-Sound gewidmet. Da waeren wir auch schon am
Knackpunkt dieser Besprechung angelangt. Ich mag das nicht! Hab es auch noch nie
gemocht! Ausserdem glaenzt Billy hier mit viel zu vielen poetischen Erguessen
auf der insgesamt 24-Track-CD. Billy ist und bleibt natuerlich ein Guter, aber
ein TV Smith langt mir in der Hinsicht als Protest-Poet voll und ganz.
( * * )

THE BLACK HALOS
„Alive Without Control“ CD
( People Like You Records / Starkult Promotion , Release Date: 26. September
2005 )
Zur Zeit die einzige Band weit und breit, die mich live wirklich interessiert.
(Was zur Hoelle interessieren mich da etwa noch SOCIAL DISTORTION, die 2005 nur
in scheissegrosse Kommerz-Hallen gespielt haben? Die gibt es bei mir nur noch im
CD-Player.) Ich denke Anfang, spaetestens Mitte 2006 werden die Black Halos
durch „TeenAge Head Music“ auf eine kleine feine Club-Tour kommen. Denn das
belgische Tour-Booking hat die Band vor zwei knapp zwei Monaten in ihrem
Programm aufgenommen. Nach dem Gitarrist Rich Jones vor drei Jahren nach
Kalifornien auswanderte, blieben die restlichen vier Black Halos im kanadischen
Vancouver zurueck, und loesten kurzerhand die Band auf. Sie versuchten sich in
anderen Bands. Ihr zweiter Gitarristen Jay Millette liess mich per eMail
sporadisch wissen, wie es mit ihnen musikalisch weiterging. Aber aus seiner
Schreibe konnte ich erkennen, das war alles nicht das Gelbe vom Ei! Und dann
irgendwann Anfang 2004 lies mich Jay wissen, das sie zu den Black Halos
zurueckgefunden haetten. Das war die allerbeste Entscheidung, die die Band in
ihrer Lage treffen konnte! Und das mit zwei neuen Gesichtern, am Bass war nun
Dennis McKnight mit dabei, und an der zweiten Gitarre spielte Adam Becvare von
the LUST KILLERS. Ausserdem spielte Adam 2003 bei der ziemlich verunglueckten
LORDS OF THE NEW CHURCH-Reunion mit. Diese zweite Zusammenfuehrung der Black
Halos wurde von mir natuerlich mit Begeisterung aufgenommen, denn nach der Aera
von D-GENERATION gab es fuer mich in der speziellen Richtung nur noch AMERICAN
HEARTBREAK und evtl. auch noch die BACKYARD BABIES, auf die man
gLaM-pUnK-technisch zurueckgreifen konnte. Die neu formierten Black Halos
machten sich also wieder daran die kanadische Club-Szene zu bereichern. Anfang
2005 hatte man wieder genuegend Songs auf Lager, die fuer eine dritte
full-length geplant waren. Im Februar waren die 13 Songs im Kasten, produziert
hatte man mal wieder bei NIRVANA-Produzenten Jack Endino in Seattle, der sich
auf der Homepage der Band vor lauter Begeisterung ueber die Arbeiten am neuen
Album gar nicht mehr einkriegte. Sein O-Ton: „Just finished a new Black Halos
album, and I can say that the Halos are definitely back! (And in black, of
course...) This is no mere "reunion" record, believe me. It's the real deal. The
band is possibly better, and has better players, than the "old" band, not to
mention a more relaxed and pleasant personal chemistry among the members. I
really enjoyed this one, my third for the band and probably the best.” Dem kann
ich mich (fast) ebenfalls nur bedingungslos anschliessen, obwohl ich ihre beiden
ersten Scheiben doch einen klitzekleinen Hauch besser fand. Aber was sollen
solche hirnrissigen und kleinlichen Vergleiche bei einer Band wie den Black
Halos bringen? Genau, rein gar nix!!! Mein absoluter Fave ist auf „Alive Without
Control“ „Darkest Corners“, dicht gefolgt vom Rest! Die Black Halos wurden ab
Winter 2000 im 3RD immer wieder gepusht, und das soll auch in Zukunft so
bleiben. In the darkest corner you will see, the Black Halos Are Back!
( * * * * * )
THE BLOODY HOLLIES
„If Footmen Tire You…“ CD
( Alive Records / Alive-TotalEnergy.com , Release Date: 23. August 2005 )
Das legendaere “Bomp! Label” hat ja mittlerweile auch für jede moegliche
Stilrichtung ein eigenes Label gegruendet. Das Trio der amerikanischen Bloody
Hollies ist von daher mit seinem fieberhaft und hektisch vorgetragenem
Garagen-Punk-Gewitter sehr gut auf „Alive Records“ aufgehoben, und geben auf den
Detroit-beeinflussten 11 Tracks wirklich alles, „Total Energy“ eben, you know.
Wer die STOOGES, the HIVES, the RIVERBOAT GAMBLERS, the BRIAN JONESTOWN MASSACRE
oder the OBLIVIANS ins Herz geschlossen hat, wird bei den Bloody Hollies kaum
verkehrt liegen. Uerigens: JOHN PEEL hatte die Band, als einer der Letzten fuer
seine Session nach England geladen gehabt.
( * * * )

G.B.H.
„Live In Los Angeles / Live At Victoria Hall“ DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 26. September 2005 )
Zwei sehr unterhaltsame Zeitdokumente sind hier auf einer DVD vereint
worden, die es auf eine Spielzeit von 92 Minuten bringen. Zunaechst der
Mitschnitt von G.B.H in Los Angeles 1988, wo sie an zwei Abenden im „Celebrity
Theatre“ in Anaheim auftraten. Begleitet wurden beide Auftritte von einer
massiven Ordner-Praesenz, die so eine Art Keil zwischen dem Slamdance
versessenem Publikum und der Band trieb. Die kraeftigen Jungs in ihren gelben
Shirts hatten alle Haende voll zu tun und schmissen die Punx immer wieder recht
unsanft in die tobende Menge on the front zurueck. Dazwischen agiert ein absolut
fit aussehender Colin, der sich immer wieder eine Luecke sucht, um im Kontakt
mit dem Publikum zu bleiben. Am letzten Abend wurde es der Band gestattet nur
sechs Songs zu spielen, da man Ausschreitungen fuerchtete, und die Cops auch
schon draussen vor Ort waren. Der zweite Gig „Live At Victoria Hall“ im
englischen Hanley gibt sehr beeindruckend wieder, was 1983 in Sachen Punkrock
auf der britischen Insel los gewesen ist. Es zeigt eine mittelgrosse Halle,
vollgepackt von Lederjacken-Punx mit ihren Iros und Spikes, die nicht nur vorne
wie die Irren am pogen sind. Beide Aufzeichnungen sind von einer genialen
Kamerafuehrung begleitet. So macht G.B.H mal auf eine ganze andere Art und (sehr
spezielle) Weise richtig Spass. Und Saenger Colin, der naechstes Jahr 45 Jahre
jung wird, sieht fuer sein Alter noch immer verdammt gut aus und hat sich kaum
grossartig veraendert. Da muss ich mir direkt im Anschluss an dieser Review die
„Punk Singles 1981-84“ CD mal in den Player legen.
( * * * * )

THE GUMBABIES
„Another Ragged Army” MCD
( Caustic Rock Records / CausticRock.de , Release Date: 15. September 2005 )
Nach dem Demo, was sich ueber 500 Mal verkaufte und sehr gute Kritiken
einheimste nun die erste offizielle Release der Gumbabies aus Muenchen.
Street-Punk, wie man es sonst nur von ihren US-Kollegen like the FORGOTTEN oder
ONE MAN ARMY (RIP) kennt wird im Sechs-Gaenge-Menue serviert, das fuer reichlich
musikalische Abwechselung sorgt. Wie beim Staffellauf, mal laeuft ein Song etwas
schneller durch, dann wird wieder auf Mid-Tempo runtergefahren, dazu rotzig
klingende Melodien, so das man die Band durchaus im „TKO“-Programm wieder finden
koennte. Besonders durch die spielbestimmende Sirenen-Gitarre a la CLASH und den
mitreissendem Gesang entwickeln sich die Songs in null-komma-nix zu richtigen
kleinen Punkrock-Hymnen. Der Hit der CD hat sich bei mir mit „Devil May Care“
dabei recht schnell rausgefiltert gehabt.
( * * * * )

JACK & THE RIPPERS
„I Think It´s Over” CD
( Dirty Faces Records / DirtyFaces.de , Release Date: 04. Oktober 2005 )
Mit dieser Veroeffentlichung eroeffnet Jeschke vom “Dirty Faces” den Reigen
einer geplanten Swiss-Punk-Serie. Wollen wir mal hoffen, das es da in naher
Zukunft evtl. auch Zusammenstellungen von den damals angesagten ´70er Bands wie
etwa TNT, the SICK, CHAOS, GLUEAMS, SOZZ, MOTHER´S RUIN oder SPERMA auf dem
deutschen Label geben wird. Denn mit diesem Teil hier, was 10 Songs umfasst ist
ein verdammt brillanter Anfang gemacht worden. Jack und seine Aufschlitzer haben
in ihrer aktiven Zeit nur eine Single gemacht und waren mit zwei Songs auf dem
Sampler „Another Swiss Label“ vertreten gewesen. Zu der beabsichtigten
Veroeffentlichung ihrer zweiten Single kam es damals erst gar nicht mehr. Es
sollte bis zum Jahr 1997 dauern, als sich das deutsche „Loud, Proud & Punk
Label“ erbarmte eine 9-Song-LP mit dem verheissungsvollen Namen „A Wonderful
Piece Of Punk Rock“ raus zubringen. Acht Songs sind davon auf „I Think It´s Over“
nun mit drauf, die mit den zwei bisher unveroeffentlichten Songs „Cold Turkey“
und „Automobile“ aufgestockt wurden. Jack & the Rippers waren schon damals eine
musikalisch sehr ausgereifte Band gewesen, und konnten es jederzeit mit ihren
Kontrahenten von der britischen Insel aufnehmen. „No Desire“, ihre Single bleibt
bis heute ein absoluter Ueberflieger im PowerPop/Punkrock-Bereich. Gepraegt von
Bands wie den RAMONES, den CLASH und den SEX PISTOLS wurden die zehn Songs
damals alle 1977 bzw. 1978 aufgenommen und haben rein gar nichts von ihrem
altehrwuerdigem Glanze eingebuesst. Wegen dem hohen Pop-Anteil in ihren
Darbietungen haetten sie ein paar Monate spaeter auch durchaus mit Songs von the
CHORDS, the VAPORS, LEYTON BUZZARDS oder the JOLT mithalten koennen. Im Booklet
findet man rare Photos, eine kleine Bandgeschichte und einige Lyrics zu den
Songs.
( * * * * * )
LAUREL AITKEN & FRIENDS
„Live At Club Ska“ Do-DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 29. August 2005 )
Eine erste DVD vom Altmeister des Ska, Laurel Aitken, und dann auch direkt eine
Doppel-DVD. Kenner wissen Bescheid, da braucht man nicht mehr grossartig
auszuholen. Viele bezeichnen ihn als „The Godfather Of Ska“, womit sie absolut
richtig liegen. Mr. Aitken war einer der Ska-Pioniere. Als erster Musiker
Jamaika´s nahm er im Studio seinen Songs auf und veroeffentlichte sie spaeter
auf dem britischen „Island Label“. Seine musikalischen Hoehepunkte waren in den
´60ern. Als das Two Tone Revival, Mitte der ´70er aus der Punkrock–Aera
hervorging, wurde er abermals zum Inbegriff und tourte kontinuierlich bis ins
neue Millennium. Die beiden DVDs enthalten jeweils zwei vollstaendige Konzert, „The
Return Of Laurel Aitken“ und „The Tribute Concert“, exklusive Interviews u.a.
mit Rico Rodrigez, Tan Tan und Martin Stewart von the SELECTER. Spielzeit, fast
vier Stunden(!). Laurel Aitken arbeitete bis zum Schluss an der DVD mit. Er
starb im Juli 2005 an den Folgen eines Herzinfarktes.
( * * * )
THE METEORS
„Sewertime Blues” CD digi-pak
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 08. August 2005 )
Das die Meteors nicht meinem musikalischen Naturell entsprechen, duerfte
hinlaenglich bekannt sein. Deshalb nur kurz die wichtigsten Fakten zur CD: „Das
Album kam 1986 raus und stuermte direkt die Top Ten der Independent-Charts. Nach
all den Jahren gibt es die 12-Song nun als spezial CD digi-pak, wobei mit „The
Edge“ und „Johnny´s Here“ noch zwei ziemlich rare 12“inch-Mixe als Bonus
angefuegt wurden. Der englische „Record Collector“ schrieb eins ueber die Band:
„Only the Meteors can genuinely claim to have started, led and defined a whole
subculture based around the energy of punk!“ Naja, ich halt mich da raus…..
( * )
PERIFERIA S.A.
s/t CD
( Dirty Faces Records / DirtyFaces.de , Release Date: 04. Oktober 2005 )
In 33 Minuten fetzt das brasilianische Trio ihre 18 Tracks weg. Ich komme mir
dabei zeitweise so vor, wie auf einem Wettessen. Wer die meisten Chicken Wings
verputzt, hat gewonnen! Von der ersten bis zur letzten Sekunde geht es also
ausschliesslich in die Vollen, nur kleinere Verschnaufpausen goennt sich die
Band. Naja, man darf sich ja auch mal den Mund abwischen duerfen! Bei der Band
handelt es sich um die komplette Line-Up von RATOS DO PORAO, die Anfang der
´80er den Pogo-Tanz im samba-verseuchten Brasilien einfuehrten, und ebenfalls
fuer ihren schnellen Hardcore-Punk bekannt wurden. Aus dieser Zeit gibt es auf
der CD noch drei zuvor unveroeffentlichte Songs zu hoeren. Covers werden auch
gespielt, und zwar „Reality“ (CHRON GEN.) und „Wild Weekend“ (the ZEROS), eher
etwas untypisch auserwaehlt, da die Band wie schon erwaehnt in Richtung
Hardcore-Stuff ihre Geschaefte abwickelt. Das Trio beherrscht dabei ihr
Instrumento perfekto, und so kann man gluecklicherweise den Knueppel zwischen
den Beinen vergessen. Nicht jedermanns Geschmack, aber definitiv hat diese CD
etwas mehr zu bieten, als so manche aktuelle Heuler-Band. Denn wo die anfangen
bitterlich zu weinen, geht es bei Periferia S.A. wieder auf die Ueberholspur!
( * * * )

RANDY
„Randy The Band“ CD
( Burning Heart Records / BurningHeart.com , Release Date: 07. Oktober 2005 )
Schon recht spannend, welche musikalische Veraenderung Randy innerhalb der
letzten zwei Jahre durchmachte. Vom eher BRIEFS, DEVO und HIVES-beeinflussten
Album „Welfare Problems“ ist so gut wie nichts mehr auf dem aktuellen Longplayer
zu hoeren, der sich schlicht und ergreifend „Randy The Band“ nennt. Vielmehr
wird nun dem Pop-Punk seine ganze musikalische Aufmerksamkeit geschenkt und das
klingt dann meist sehr stark nach den PSYCHOTIC YOUTH, SATOR und den RAMONES.
Aber auch ein wenig RANCID oder gar ein wenig CLASH wurden clever untergemischt.
Herausgekommen sind 15 flotte und satt produzierte Eigenkompositionen, die
durchweg recht angenehme Gefuehle in meinen Gehoergaengen hinterlassen haben.
( * * * * )
RISE AGAINST
„The Unraveling” CD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.de , Release Date: 22. August 2005 )
Wie jetzt??? Laeuft der CD-Player etwa auf 45 RPM? Nee nee, die Jungs sind nur
extrem schnell unterwegs. Sofort hoert man das die nicht erst seit gestern eine
Gitarre umgeschnallt habe. Genug Erfahrungen sammelten Basser Joe und
Gitarrenplayer Mr. Precision beim Vorgaenger 88 FINGERS LOUIE, die in Chicago
mal zur festen lokalen Groesse angehoert hatten. Bei Rise Against trifft der Mr.
Hardcore auf Mr. Melodic und zusammen ergibt das eine Palette von 16
Punk-Attacken, die groesstenteils flott nach vorne abgesmasht werden. Ab und zu
nimmt man sich aber schon die Zeit, um einen schoenen Chor einzubauen, so
gehoert bei „Six Ways ´Til Sunday“. Auch „Everchanging“ spricht mich wegen der
hervorragenden Melodie eher an als das kurzgebratene Gebratze. Das Album kam das
erste Mal im April 2001 raus, wurde nun komplett re-mixed und re-mastered und
mit den zwei Bonus-Tracks „Join The Ranks“ und „Gethsemane“ aufgefrischt.
( * * * )

THE SYSTEM
„…Is Still Murder“ CD
( Overground Records / OvergroundRecords.co.uk , Release Date: 26. September
2005 )
Da hab ich mir im Grunde genommen doch ein wenig mehr von versprochen, wenn man
einfach mal davon ausgeht, das System ja in der selben Liga gespielt haben, wie
die Bands, die auf den beiden „Anarcho-Punk Compilation“-Samplern des Label zu
finden sind. System waren auf dem ersten Sampler mit ihrer ´82er Debuet-Single
„Dogs Of War“ ja auch vertreten gewesen. Da hab ich die Band auch noch in ganz
guter Erinnerung. Leider faellt mein Urteil zu dieser 21-Song-CD leider nicht
dermassen positiv aus. Natuerlich ist auch hier „Dogs Of War“ vertreten, und
zwar als Demo- und als Single-Version. Die Zusammenstellung umfasst ihre beiden
7“inches, eben die besagte „Dogs Of War“ und die „The System Is Murder“, den
Song „Their Decisions“ vom „Wargasm“-LP-Sampler, sowie dreizehn Demo-Tracks,
wovon zehn bisher nicht veroeffentlicht waren. Absolut lesenswert ist Sean
McGhee´s detaillierte Bandgeschichte, die unter der freundlichen Genehmigung des
Gitarristen Andy Coward entstanden ist. Zu ihrer aktiven Zeit hatten System, die
uebrigens aus der Kleinstadt Wigan kamen, nur ein Steinwurf von Liverpool
entfernt, gute Verbindungen zu FLUX OF PINK INDIANS knuepfen koennen. Mit ihnen
gingen sie auch gemeinsam auf Tour. Montags ist immer ein bloeder Tag zum „Review
schreiben“. Das hab ich jetzt schon oefters festgestellt. Denn nachdem ich die
CD knapp zwei Stunden spaeter ein zweites Mal hoere, gefaellt sie mir schon
wesentlich besser.
( * * * * )

V.A.: “DIRTY FACES VOL. 1 ½ - The EPs 2005“
CD
( Dirty Faces Records / DirtyFaces.de , Release Date: 05. September 2005 )
Witzige Idee, die drei EP´s aus dem Jahre 2005, alle auf einer CD zu parken, so
das man auf 13 satte Songs kommt. Den Anfang macht die EP „Motorcity Is Burning“
mit den Bands DISTRICT, DIE KASSIERER, the REVOLVERS und PUNX ARMY. Am besten
schneiden da DISTRICT mit ihrem heavy heavy Ska-CLASH-RUTS-Pop-Punker „The Kids
Just Wanna Riot“, dichtgefolgt von den REVOLVERS mit „TV Personalities“, beide
Songs zuvor unveroeffentlicht. Die jungen Punkers von PUNX ARMY und ihr
deutschsprachiger „Smash The System“ kann ich auch noch durchaus ertragen, aber
mit den KASSIERER stand ich ja noch nie auf du und du. Somit sagt mir das Lied
„Den blauen Jungens“ rein gar nix. Okay, ein Kopfschuetteln hab ich vielleicht
noch uebrig! Dann folgt die EP der CREEKS, eine ost-deutsche Band, die ihre
Texte mal in englisch mal in deutsch vortragen. Musikfreunde der SHOCKS, BRIEFS,
HATEPINKS oder der NEUROTIC SWINGERS koennten hier eine weitere Band auf ihre
Lieblingsliste setzen. Denn die CREEKS spielen auf ihren vier Songs da irgendwo
zwischen mit, ohne aber nach den eben Erwaehnten direkt zu klingen. Guter sehr
fluessig vorgetragener ´77er Punkrock mit feinem Schrammel-Gitarren-Effekt!
Lo-Fi(er) und Garagenfreaks haben allerdings hier gluecklicherweise mal
Sendepause. Gebe es das 3RD noch in Print-Form waere ein Interview mit den
CREEKS unumgaenglich. Die letzte EP im Dreier-Bunde gehoert dem rotzfrechen
Maedchen-Trio, die ihre Band KAMIKATZE getauft haben und vergleichsweise mit
ihren fuenf Tracks auf die spanischen VULPESS aus dem Jahre 1983 kommen. Puh,
sind die aggressiv und angepisst!. Die drei Girls aus Stockholm kratzen einem
bestimmt die Augen aus! Ganz einfacher Punk-Sound mit einer Schrei-Stimme, wie
man es aus den ´80er frueher gewohnt war. Jeschke und sein „Dirty Faces“-Team
beweist auch mit dieser Release, das er den richtigen Riecher hat, fuer all die
kleinen Punkrock-Bands, die sich so auf dem Erdball tummeln.
( * * * * )

V.A.: “LET´S HAVE SOME GOD DAMN FUN!”
CD
( Rapid Pulse Records / RapidPulseRecords.com , Release Date: August 2005 )
Auch wenn New York die City ist, die bekannterweise niemals schlaeft, lag sie
punkrock-technisch gesehen doch ein wenig im Dornroeschenschlaf bis “Rapid Pulse
Records” den Big Apple wachkuesste. 16 Lokal-Bands sind auf dieser CD zu finden,
mit jeweils einer ihrer Tracks, und das exklusiv. Die meisten Bands sagen mir
absolut nix. Tut aber weiter nichts zur Sache, denn sie alle haben einen Auftrag
zu erfuellen und der lautet, die Traditionen des NY-Punkrock zu hegen und zu
pflegen. Das machen sie alle mit Auszeichnung und so ist fuer jeden
Punk-Geschmack etwas dabei. Die einen verstehen sich auf die DEAD BOYS, ELECTRIC
FRANKENSTEIN, D GENERATION oder NEW YORK DOLLS, die anderen bluehen eher in der
RAMONES-Schiene auf. Und hier zum Schluss die Band-Uebersicht: SLEAZIES, THE
STAGS, THE WEEKENDERS, THE SHEMPS, SOME ACTION, SHOP FRONTS, THE PLUNGERS, THE
YAMS, DC SNIPERS, THE DISRUPTORS, LITTLE KILLERS, ANDY G. AND THE ROLLER KINGS,
THE SWAGGERTS, ELECTRIC SHADOWS, MOD STEREO und WORLD WAR IX. Im Booklet werden
auch noch kurz die wichtigsten Stationen der Bands angerissen.
( * * * * )

V.A.: „OLD SKARS AND UPSTARTS 505“
CD digi-pak
( Disaster Records / DisasterRecords.com , Release Date: 13. September 2005 )
Die Zusammenstellungen von Duane Peters erfreuen sich in der Szene weiterhin
sehr grosser Beliebtheit. Dabei schwaechen die CD-Sampler kein bisschen ab.
Immer randvoll, wie es der der Name der CD nicht besser haette treffen koennen,
mit besagten „Old Skars & Upstarts“. Sogar TURBONEGRO durfte Duane diesmal
begruessen, und zwar mit dem gekonnten BOWIE-Cover „Suffragette City“. Auch die
BLACK HALOS sind mit einer anderen Version ihres „Burning Trash“ vertreten,
sowie neue Tracks von the BRIEFS, DIE HUNNS, U.S. BOMBS (da singt aber nicht
Duane!, ich glaub, das ist Kerry!), STREET DOGS und the SKULLS. Des weiteren
gibt es eine Neu-Einspielung aus dem ´81er Debuet-Album der ADICTS „Songs Of
Praise“, mit „Steamroller“. Die STITCHES lassen nach fast drei Jahren mit „Monday
Morning Ornaments“ auch wieder was von sich hoeren. Zwei Tracks allerdings haben
es mir besonders angetan, zum einen die DUCKY BOYS mit „Scars“, ein perfekter
Mid-Tempo Punker und das Orange County der ´80er wird bei den RIVER BOAT
GAMBLERS mit „Smoking Crack With L.A. Reid“ zu neuem Leben erweckt. Weitere
Lieder werden u.a. von DISTRICT, MAD SIN, EPOXIES, CIVET, WORTHLESS, DEEP EYNDE,
R.X. SON, PRIMA DONNA, BONES und AMAZOMBIES beigesteuert. Insgesamt gibt es 30
Tracks auf dem fuenften „Old Skars & Upstarts“-Sampler zu hoeren. Das Einzige
was weiterhin zu bemaengeln waere ist das keinerlei Information von den Bands
nachzulesen ist, geschweige denn das ein Booklet beigepackt wurde. Die
Vorbereitungen fuer den sechsten Sampler laufen auch schon an, der dann 2006
erscheinen wird. Fuer die qualitativ hohe musikalische Dichte und Vielfalt gibt
es wieder die volle Zahl an Sternchen.
( * * * * * )

VICE SQUAD
„Last Rockers: The Vice Squad Story“ DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 26. September 2005 )
Waehrend ich diese Kritik schreibe, laeuft im Hintergrund die letzte Studio-CD „Rich
And Famous“ aus dem Jahre 2003, die Saengerin Beki Bondage mit voellig anderen
Musikern eingespielt hat, und mit denen sie seit nun mehr knapp acht Jahren
weiterhin unter dem Namen Vice Squad auftritt. Das wirft die Frage auf,
inwiefern Beki Bondage ueberhaupt an dieser Release beteiligt ist oder war. Denn
so viel ich weiss hat Beki mit ihren frueheren Bandkollegen schon vor gut 15
Jahren gebrochen, denn in einem Interview, was in der No. 16 vom 3RD mal zu
finden war, gab sie an, das sie es zutiefst bereut hat, frueher Vertraege
unterschrieben zu haben, die ihr heute wahrscheinlich kein Recht mehr einraeumen,
an aktuellen Veroeffentlichungen, die mit der Erstbesetzung zu tun haben, direkt
teilzuhaben. Das ist eigentlich eine ziemlich bittere Pille, die man da zu
schlucken hat, wenn man sich die DVD mit ihrer einstuendigen Dokumentation aus
dieser Sicht genauer betrachtet. Denn Beki Bondage war damals Anfang der ´80er
mit Vice Squad das Aushaengeschild schlechthin. Leider reicht mein Englisch mal
wieder nicht ganz aus, ob die Alt-Maenner-Runde, bestehend aus Drummer Shane
Baldwin, Gitarrist Mark Ambly, „Riot City“-Boss Simon Edwards und Tim Clench
(war Bassist bei TV BRAKES, der Vorgaengerband von Vice Squad) ueber sie
ablaestern oder nicht. Nun, da die Runde sich eh sehr wortkarg auf die Fragen
vom Interviewer Ian Glasper (Autor des Buches „Burning Britain“) benimmt und
dabei zum Leidwesen des Betrachters auch noch zusaetzlich ziemlich viel
genuschelt wird, ist fuer mich zumindest nicht rauszuhoeren, um welche
musikalische Stationen es da im wesentlichen geht. Tim Clench, der eigentlich
kaum mit der Band wirklich in engerer Verbindung gebracht werden kann, reisst
dann auch zu allem Ueberfluss das Gespraech mehrmals an sich. Ziemlich
pseudomaessig finde ich dann auch noch, das auf dem Tisch halbe Ltr. Dosen Bier
platziert sind, die anscheinend nur zur Punk-Zierte gedacht sind, denn nach dem
Interview stehen die immer noch da. (Das ist so, als wenn eine Band vorm
Auftritt mit einem vollen Kasten Bier auf die Buehne kommt und am Ende des Gig
nur eine Flasche daraus getrunken hat. Ja, hab ich schon alles erlebt damals.
Hehehe…) Mich erinnert diese traurige Szenerie leider an eine prollig
angehauchte Stammtischrunde aus irgendeiner Kneipe um die Ecke mit lauter
Verlierern an Bord. Denn mit Punk haben die heute alle nicht mehr viel zu tun.
Auf jeden Fall machen die vier Typen auf mich keinen wirklich sympathischen
Eindruck. Vielleicht plagt sie auch das schlechte Gewissen einmal mehr, ohne
Beki Bondage, so ein wichtiges Dokument durchzuziehen. Entschaedigt wird man
dann durch diverse Live-Aufnahmen aus den ´80ern, die natuerlich wunderbar
unscharf und in allerbester ´80er-Videoqualitaet sind. Aber das macht diese
Farb-Aufnahmen erst so richtig einzigartig, um die Band in ihrer besten Form
zeigen. Und Beki kommt dann auch noch zu Wort, zwar nur in einem alten
Interview, aber ich glaube, so wie sie sich da praesentiert, haette sie auch die
Runde um einiges bereichern koennen, und das nicht nur, weil sie ein
deutlicheres englisch spricht als ihre ehemaligen maennlichen Bandkollegen. Beki
hatte schon Anfang der ´80er eine Menge zu sagen.
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