So, hier nun das Update fuer Oktober. Das Update fuer November erfolgt Anfang Dezember 2009. Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.

ALASKA
„Something In Between” CD digi-pak
( Leech Records / LeechRedda.com , Release Date: 02. Oktober 2009 )
Ala(SKA)! Schon ein etwas verwirrter Name fuer eine Ska-Band. Aber das
neun-koepfige Zuericher Ensemble faehrt mit diesem Namen anscheinend ganz gut.
Bei ihrer Winter-Tour 2008 durch Russland war das sicherlich sehr
entgegenkommend. Seit 2004 existiert die Band nun schon und hat in den
vergangenen fuenf Jahren an die hundert Shows gespielt, davon die meisten in
ihrem Heimatland. Mit ihrem zweiten Album „Something In Between” sind sie zum
Teil zu neuen Ufern aufgebrochen. Die zwoelf Songs halten selbstverstaendlich an
den SKA-Werten fest, doch die Spielpraxis hat sich logischerweise mit den Jahren
extrem verbessert, und so werden Rocksteady- und Reggae-Elemente problemlos und
mit viel Hingabe in das Songgefuege aufgenommen. Abgemischt wurde das Album
uebrigens vom Produzenten Victor Rice, bekannt durch seine Arbeiten
beispielsweise fuer THE TOASTERS oder THE SLACKERS.
( * * * )

ALL OR NOTHING H.C.
„California Bledding” CD digi-pak
( On The Rage Records / OnTheRag.net , Release Date: Maerz 2009 )
Das Instrumental-Intro laesst echt hoffen! Ich hoere da zunaechst auf der
Gitarre einen coolen fruehen Rikk Agnew-Touch raus. Doch ich haette es
eigentlich besser wissen muessen! Nach genau vierzig Sekunden ist der Arsch
naemlich ab und die Band laesst die Huellen fallen. Kopfloser und wirklich
schlecht zu verdauender UfftaUffta-Nietenkaiser-HardCore, der an die ganzen
alten grottenschlechten 80er-Bands erinnert. Und Madame am Gesang schreit dazu
wie am Spiess. Ein aeusserst unangenehmer Metal-FUCKtor ist da natuerlich auch
nicht mehr weit entfernt! Weiss ehrlich gesagt nicht, warum die mich
ausgerechnet rausgepickt haben, und mir jetzt bereits ihre dritte CD haben
zukommen lassen. Die anderen beiden hab ich naemlich vornehm mit beschaemten
Laecheln unterm Tisch fallen lassen. Zu meiner Verteidigung sei gesagt: Das war
so eine aehnliche Gruetze. Und das mag der Real Shock ja nun gar ueberhaupt
nicht! Muesste denen doch da drueben in Kalifornien aufgefallen sein, das ich
mich nicht in irgendeiner Form bei ihnen gemeldet habe. Aber wahrscheinlich
haben sie da wohl den Ueberblick verloren oder aber sie wollten noch einen
letzten Versuch mit mir starten, um so, ein wenig Werbung fuer ihre anstehende
Tour durch Deutschland jetzt im November zumachen. War aber erneut ein Schuss in
den Ofen! Denn von mir gibt es da leider keine Schuetzenhilfe zu erwarten!
( * * )

ASHTONES
„Mainline Rockets” CD
( Nicotine Records / NicotineRecords.com , Release Date: September 2009 )
In Anlehnung an Ron & Scott Ashton von den STOOGES ist der Bandname absolut
brillant gewaehlt. Und eigentlich kann man dann davon ausgehen, dass einen ein
solcher schwergewichtiger Drecks-Schweine-Rock’n’Roll auch erwartet.
Groesstenteils trifft das auf das zweite Album der Franzmaenner zu. Eben nicht
DEAD BOYS oder PAGANS, eher GLUECIFER oder HELLACOPTERS, da der Gitarrist und
auch der Saenger ihre musikalischen Ambitionen sehr heavy ausgerichtet haben.
Das ist schade, und ich haette die Scheibe fast zum Abschuss freigegeben, da
erblicke ich zwei Cover-Songs, die so voellig untypisch zum Rest sind. „Hammersmith
Palais“ (DEMOLITION 23) und „I Am So Bored With The USA“ (THE CLASH), zwei
glasklare pUnkrOcK-Nummern, die ganz ordentlich gespielt sind und die CD vor dem
Totalabsturz bewahrt.
( * * * )

THE BUSTERS
„Waking The Dead“ CD digi-pak
( Ska Revolution Records / NetInfect.de , Release Date: 13. November 2009 )
The Busters sind wahrscheinlich die bekannteste deutsche Ska-Band. 1987,
eher aus Gruenden der Freizeitgestaltung gegruendet schaut man nun auf 22 Jahre
erfolgreiche Bandgeschichte zurueck. Wenn ich richtig gerechnet habe, liegt mit
„Waking The Dead“ nun das sechzehnte Album vor. Mittlerweile ist die Combo auf
zehn Mann angewachsen und natuerlich laengst zum Vollzeit-Job geworden. Auf
ihrer neuen CD gibt es alle 17 Tracks auch als MP3. Na gut, man muss halt mit
der Zeit gehen. Keine schlechte Idee! Ausserdem ist die Zusammenarbeit mit der
Schauspielerin Katharina Wackernagel auf der ersten Singleauskoppelung „Live It
Up“ zu hoeren. Scheint wohl echt z.Z. in Mode zu kommen, jede angesagte deutsche
Band schnappt sich eine Schauspielerin und spielt ein Duett ein, gell Campino?
Im Info der Busters steht: Rettung naht! Okay! Alles klar! Denn ab Weihnachten
zieht die Band wieder durch die Lande. Also Tanzschuechen festschnueren und ab
auf die Tanzflaeche. Denn der Sound auf „Waking The Dead“ ist nix fuer steife
Glieder!
( * * * )
CHANNEL 3
„To Whom It May Concern: The 1981 Demos” LP (Digitaler Download)
( TKO Records / TKORecords.com , Release Date: Oktober 2009 )
Logisch haette ich auch gerne die limitierte LP im farbigen Vinyl gehabt,
aber in Zeiten des digitalen Downloads muss man sich eben mit diesem zufrieden
geben. Zur LP gibt es uebrigens auch eine CD-Version dazu. Auf dieser wirklich
feinen Veroeffentlichung der kalifornischen Top-pUnKrOcKeR werden zum ersten Mal
eine Collection von dreizehn Demo-Tracks vorgestellt, die 1981 fuer
Halsabschneider Robbie „Rip-Off“ Fields und sein legendaeres Label „Posh Boy
Records“ eingespielt wurden. Die Qualitaet ist absolut einwandfrei und der Sound
kommt noch etwas rauer rueber. Neben den bekannten Songs wie etwa „Life Goes
On“, „Double Standard Boys“ oder „I Wanna Know Why“, die dann schliesslich in
schnelleren Versionen 1982 auf ihrer ersten Klassiker full-length „Fear Of Life“
landeten, sind die eigentlichen Extra-Bonbons das WHO-Cover „My Generation“,
sowie die beiden bisher ebenfalls nicht veroeffentlichten Tracks „Late At Night“
und „Come Out“. Well, Channel 3 waren ja diesen Sommer fuer einige Shows in
Europa unterwegs gewesen. Ich haette mir die Band auch gerne angeschaut, aber
die einzige Moeglichkeit die ich hatte, war dieses fuckin’ voellig ueberteuerte
Mega-Package in fuckin’ Wichtigtuer-City D-dorf, wo mir die Haelfte der Bands eh
am Arsch vorbeigingen. Channel 3 in einem kleinen Club als Hauptact haetten mir
natuerlich wesentlich mehr zugesagt.
( * * * * * + )
CHUCK RAGAN
„Live At Hafenkneipe Zuerich” LP (CD-R)
( Leech Records / LeechRedda.com , Release Date: 02. Oktober 2009 )
Chuck Ragan war mal Vollzeit-Saenger von der Post-Hardcore-Band HOT WATER
MUSIC gewesen. Heute spielt er die eine oder andere Tour zwar mit der Band noch
mit, aber hauptberuflich ist er seit seinem offiziellen Ausstieg im Jahr 2005
nach einer laengeren Schaffenspause, als Solo-Musiker unterwegs. In der
„Hafenkneipe“ von Zuerich wurde Anfang Februar 2009 dieses Konzert live
mitgeschnitten. Erschienen ist es als limitierte 1500er-Auflage, auf verschieden
farbigem Vinyl. Die 12 Tracks gehen in erster Linie in die Folk-Richtung, wobei
sich Chuck mit seiner Akustikgitarre teilweise auch auf die musikalische
Unterstuetzung von Geiger Jon Gaunt und Kontrabass-Mann Digger Barnes verlassen
kann. Chuck’s extrem raues Stimmorgan macht die Songs zu einem echten Erlebnis.
( * * * )
THE CORTINAS
„GBH Demos 1977” (Digital Release)
( Bristol Archive Records / BristolArchiveRecords.com , Release Date: 31. August
2009 )
Diese Veroeffentlichung irritiert mich ein wenig. Handelt es sich doch
hierbei um exakt dieselben ersten sechs Songs von der Release „Please Don’t Hit
Me“, mit dem Unterschied, das diese Aufnahmen hier 1977 aufgenommen wurden und
die anderen im Januar ´78. Grosse musikalische Unterschiede kann ich hier leider
nicht wirklich feststellen. Die Cortinas haben sowieso eine recht merkwuerdige
Laufbahn in ihrer kurzen Zeit des Zusammenseins entwickelt gehabt. Erst nahmen
sie im Maerz 1977 ihre Smash-Killer-Single mit den Songs „Fascist Dictator“ und
„Television Families“ auf. Dann gab es einige Monate spaeter, um die
Vorweihnachtszeit rum, einen verdammt guten Nachfolger mit „Defiant Pose“ und
der B-Seite „Independence“. Ausserdem soll aus diesem Jahr noch eine sehr
ansprechende JOHN PEEL SESSION aufgenommen worden sein. Ja, und da denkt man,
dass diese junge Rotznasen-Bande auch 1978 so umwerfend gut weitermacht, wie
bisher. Aber Pustekuchen. Mit dem Wechsel von „Step Forward“ zu „CBS“ erfolgte
eine enttaeuschende Kehrtwendung, als sie sich zunaechst als
Rhythm&Blues-Coverband versuchten. Aber das habe ich ja schon alles lang und
breit in der Besprechung zur „Please Don´t Hit Me”-Release im Januar-Update 2009
niedergeschrieben.
( * * * + )

COWBOY PROSTITUTES
„Let Me Have Your Heart” CD
( Sunny Bastards / Gordeon Promotion , Release Date: 23. Oktober 2009 )
Das schwedische Örebro ist schon ein interessantes Staedtchen. MILLENCOLIN
und THE ACCIDENTS kommen von da und auch „Burning Heart Records“ ist hier
beheimatet. Musikalisch bekommt man dort also so einiges halbwegs gebacken.
Allerdings sind die Cowboy Prostitutes mit ihrem selten daemlichen Bandnamen ein
echt klassischer Griff ins Klo. Auf ihrem zweiten Album gibt es gleich elfmal
ziemlich uebel riechender Schweine-Rock, der so was von gleich klingt und ganz
schnell fuerchterlich langweilig wirkt. Nun ja, wer sich unbedingt fuckin’ GUNS
N’ fuckin’ ROSES, fuckin’ MÖTLEY CRÜE oder fuckin’ L.A. GUNS auf die Fahne
schreiben laesst, muss von einem alten intoleranten Punk Rocker eben mit solch
harscher Kritik rechnen.
( * - )

DEAD TO ME
„African Elephants” CD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.com , Release Date: 10. November 2009 )
Sehr ungewoehnliches Cover! Noch ungewoehnlicher der Titel der CD! Und
ebenso ein sehr ungewoehnlicher wie brillanter erster Reggae-Track, der die
13-Song-Palette der zweiten full-length fuer „Fat Wreck“ eroeffnet. Weil das
Gruendungsmitglied Jack Dalrymple (Ex-ONE MAN ARMY) nun elterlichen
Verpflichtungen nachgeht, ist die Band in der Zwischenzeit zum Trio geschrumpft.
Das wirkte sich jetzt aber nicht nachhaltig auf das Songwriting aus. Die Musik
ist eben nun etwas anders gestaltet. Ruhiger wuerde ich nicht unbedingt sagen,
eher vielschichtiger. Mehr an Kreativitaet wurde freigesetzt und bei einigen
Songs ziemlich genial umgesetzt. Musik, die einen beschaeftigt, mit der man sich
gerne auseinandersetzt, und die nicht dumpf immer auf die Zwoelf haut. Einige
Passagen bzw. Elemente erinnern mich sogar an die MESCALEROS, wie etwa im ersten
Song „X“ oder in „California Sun“. Grossartig ist auch die Umsetzung bei dem
Lied „Cruel World“, der zwar absolut simpel klingt, aber ich war direkt bei den
ersten Toenen gefesselt. Und auch die reinen Punkrock-Songs im CLASH/RAMONES-
und meinetwegen auch BRIEFS-Stil kommen nicht zu kurz und konnten vom Fleck weg
voellig ueberzeugen. Die Band hat sich hier einige exzellente Schachtzuege im
Studio einfallen lassen. Treibende, nie langweilig werdende Musik, bis auf den
letzten Track, den haetten sie sich ruhig schenken koennen, und ist absolut
nicht relevant fuer den Abschluss dieser tollen sehr atmosphaerischen CD.
( * * * * * )
THE D.I.s
„Rare Cuts” CD digi-pak (Digitaler Download)
( Hep Cat Records / TKORecords.com , Release Date: September 2009 )
Wie kann man musikalisch nur derart so abstuerzen? Drummer Dave Drive und
Saenger Axxel G. Reese machen es uns vor! Einst spielten sie vor langer Zeit bei
der Vorzeige-Punkrock-Band the Gears, dann folgte das ploetzliche Aus im Jahre
´82. Doch schon nach recht kurzer Zeit hatten sie eine neue Band unter der Sonne
Kaliforniens auf die Beine gestellt, die sich deutlich von den einsA
pUnKrOcK-Klaengen der Gears unterscheiden sollte. Der Einfluss von Teddyboys
liebsten Musikstil, dem Rockabilly, wurde nun seine ganze Aufmerksamkeit
geschenkt. In den zehn Band-Jahren verschliss das Duo ordentlich an Musiker, die
aber eher aus dem Reich der Tolle stammten und hier nicht weiter erwaehnenswert
waeren. Aber auch Ron Emory von TSOL und Patrick ‘Frenchie” French von THE
JONESES waren mal fuer kurze Zeit mit dabei. D.I.’s brachten es in all den
Jahren nur auf eine 12“inch, die von Billy Zoom (X-Gitarrist) produzierte wurde.
Die ist meines Wissens auf dieser CD auch zu hoeren, sowie weitere
Studioaufnahmen, die bisher noch nicht vor der Tuer waren. Einige Songs wie etwa
„White Dress“ oder „Shot Down“ sind dabei gar nicht mal so richtig schlecht, da
hier doch das ein oder andere Mal der Punk Rock der fruehen Gears-Tage
aufblitzt. Und die vertraute Stimme von Axxel G. Reese hoert man natuerlich auch
immer wieder sofort raus. Aber es ueberwiegt nun mal der Rockabilly-Anteil, und
der ist auf Dauer einfach nicht mein Fall.
( * * * )

THE DREADNOUGHTS
„Victory Square” CD
( Leech Records / LeechRedda.com , Release Date: 02. Oktober 2009 )
Zweites Album dieser kanadischen Chaoten-Truppe im Stile der REAL McKENZIES
oder THROW RAG. „Piraten-Punk“, so betiteln sie die Quelle ihrer Musik, und das
trifft voll ins Schwarze. Folk-Punk, sehr irisch ausgerichtet, klar die POGUES
spielen hier auch keine unwesentliche Rolle. Die zehn Songs bieten keine
Atempause und verlangen nach vielen Pogo- und Tanzbeinen. Eine Band die
wahrscheinlich live durch die Decke knallen.
( * * * )

DRY CONDITIONS
„Into The Night (Black Light)” CD digi-pak
( Leech Records / LeechRedda.com , Release Date: 02. Oktober 2009 )
Post-Hardcore ist der hauptsaechliche Geschmacksgeber, aus dem die Zuericher
Combo seit nun mehr schon zehn Jahren ihr Sueppchen kocht. Auf den Buehnen der
westlichen Welt kommt die Art ihrer Spielweise im Allgemeinen immer gut an. Zeit
fuers Studio bleibt da nur sehr wenig. Das erklaert wohl, warum nun erst ihre
zweite full-length erschienen ist. Ist ja wie bei SOCIAL DISTORTION hier. Sorry,
kleiner Insider-Witz! Nun ja, dafuer hat man sich auf „„Into The Night (Black
Light)” aber auch doppelt und dreifach ins Zeug gelegt und praesentiert am Ende
eine satt produzierte Scheibe mit 12 Tracks, die oefters an THE CASTIN OUT, THE
BRONX oder THE OMEGA TRUST erinnern. Fuer mein geschultes pUnKrOcK-Ohr leider
etwas zu lasch vorgetragen. Aber trotzdem, schlecht ist anders.
( * * * )

EDDIE AND THE HOT RODS
„The Singles Collection” CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 21. September 2009 )
Eine etwas verunglueckte Zusammenstellung! Denn es befinden sich leider nur
15 Tracks auf der CD, die B-Seiten fehlen leider, dafuer sind die meisten
A-Seiten vertreten. Obwohl, genau genommen ist am CD-Titel nichts auszusetzen,
denn schliesslich heisst die CD ja nicht „The Complete Singles Collection”, denn
dann haetten wir allerdings ein kleines Problem zu bewaeltigen. Im Booklet gibt
es massig rare Single-Covers in den verschiedensten Ausfuehrungen zu sehen.
Neben den bekannten Lieder wie „Teenage Depression“, „Do Anything You Wanna Do“
oder „I Might Be Lying“ hoere ich hier einige Tracks das erste Mal. Zum Beispiel
die Zusammenarbeit mit dem MC5-Saenger Robin Tyner. Das Resultat war die Single
„Til The Night Is Gone“, die im November 1977 erschien. Ein erstaunlich guter
Rock’n’Roller! Oder aber die Singles „Media Messiahs“, „At Night“, „Wide Eyed
Kids“ und „Farther On Down The Road (You Will Accompany Me)”, die alle etwas in
der spaeteren Phase der Band fallen. Nun, wirkliche Highlights sind da zwar
jetzt nicht dabei, dafuer gibt es grundsoliden Pub-Rock, mit dem die Band auch
einst bekannt geworden ist. Die Hot Rods hatten bei mir eigentlich schon immer
einen schweren Stand gehabt. Nur ein Song konnte mich wirklich voll und ganz
ueberzeugen, und das war und ist bis zum heutigen Tage natuerlich der Klassiker
„Do Anything You Wanna Do“, der in meinen Augen zu einer der besten
Punkrock-Hymnen der 70er zaehlt.
( * * * * )
THE GEARS
„Rockin’ At Ground Zero” CD digi-pak (Digitaler Download)
( Hep Cat Records / TKORecords.com , Release Date: September 2009 )
Leider auch nur als digitaler Download, den mir Presse-Chef Josh von „TKO
Records” zugeschanzt hat, der fuer diese, sowie fuer die DI’s die Promotion
macht. Nun gut, will mal nicht meckern, da ich von dieser CD schon die beiden
Ausfuehrungen auf „Iloki Records“ (1992) und auf „Bacchus Archives“ via „Dionysus
Records“ (1999) auf Halde habe. Allerdings hat diese remastered Neuauflage
einige zusaetzliche Highlights parat. Und zwar gibt es am Ende der CD fuenf
zuvor nicht veroeffentlichte und qualitativ sehr gute Demo-Tracks aus dem Jahre
1979, darunter das bisher voellig unbekannte Gears-Stueck „Girl Crazy“ sowie
eine rasant gespielte Rockabilly-Version ihres Klassiker „Rockin’ At Ground
Zero“. Und weil es so schoen ist haue ich hier noch mal meine Review raus, die
ich vor knapp zehn Jahren in der 3RD-Ausgabe 21 niedergeschrieben habe: „Die
Vorfahren der heutigen „New Beach Punk Invasion“. 1992 veroeffentlichte „Iloki
Records“ das brillante Debuet-Album aus dem Jahre 1980 zum ersten Mal auf CD,
zusammen mit ihrer Knaller-Single „Let´s Go To The Beach“. Was hab ich da fuer
Luftspruenge vollfuehrt!!! Sieben Jahre spaeter legt das „Bacchus Archives“ die
CD neu auf, mit anderem Cover-Artwork. 18 Tracks der guten alten kalifornischen
Punkrockschule, die fast alle unter der zwei Minuten-Marke liegen. Hier reiht
sich Hit an Hit. Geschichte wurde geschrieben. Was fuer eine
Wahnsinnsausgrabung!!!“ Schnitt! OKay, heute wuerde ich die Besprechung
sicherlich weniger uebertrieben formulieren, aber Songs wie „Don’t Be Afraid To
Pogo“, „Trudie Trudie“ oder „The Last Chord“ haben es irgendwie nach all den
Jahren doch noch immer verdient, das man sie mal so gehuldigt hat.
( * * * * * + )

THE HOTLINES
s/t CD
( Devils Jukebox / MySpace.com/TheHotlines , Release Date: 21. September 2009 )
13 Songs in knapp 30 Minuten brettern die vier britischen Upstarts in der
Tradition der RAMONES ziemlich cool und abgebrueht runter. Ausschlaggebend fuer
ihren Sound ist allerdings der heftige Surf-Einschlag, der sie schlagartig in
die Richtung der BARRACUDAS, YUM-YUMS und PSYCHOTIC YOUTH katapultiert. Flotte
„Gute Laune“-Musik eben, die keinen weh tut und ueberhaupt nicht belastet.
Haette allerdings weitaus mehr Interesse an bevorstehende CD-Releases des
Labels, wie etwa von THE HUMPERS „War Is Hell“/“My Machine“ und von BRIJITTE
WEST AND THE DESPERATE HOPEFULS (der Ex-NEW YORK LOOSE-Saengerin.) Na ja,
vielleicht komme ich ja noch mit dem Label ins Geschaeft.
( * * * * )
THE KRUM BUMS
„Same Old Story” MCD (Digitaler Download)
( TKO Records / TKORecords.com , Release Date: Oktober 2009 )
Nach dem sie die USA im Vorprogramm der GERMS (Cash ist gekommen!) im Sommer
rauf- und runtergetourt sind, gibt es nun von Austin’s Irokesen- und
Nieten-Pankas eine 6-Track-MCD, mit reichlich hektischem Hardcore-Gedresche und
wie es sich fuer eine ordentliche Streetpunk-Band der Neuzeit gehoert sind auch
einige Oi!-Standards zu vernehmen. Wer mir aber so richtig ein Ohr abkaut ist
der nervtoetende Schreihals am Mikro, der es absolut nicht drauf hat und keine
Ahnung von einer vernuenftigen Stimmverlagerung hat. Nee, wat is dat boring
hier!
( * * )

THE LAW
„A Measure Of Wealth” CD digi-pak
( Local Boy Records / Gordeon Promotion , Release Date: 25. September 2009 )
Da lag was in der Luft! Das spuerte ich sofort! Und das musste lokalisiert
werden. Und nach dem ich einige Videos von der Band ohne Ton auf „YouTube“
angeschaut hatte und dazu die Platte gut eine Stunde ueber meinen Kopfhoerer
lief, war das Eis tatsaechlich mit einem Mal gebrochen! Hatte ich in der Form
aber auch schon lange nicht mehr erlebt. Was wirklich ueberrascht, ist der sehr
hohe Mod-Anteil bei einigen der 11 Tracks. Ganz unschuldig ist da sicherlich
nicht der Produzent, der ansonsten im Hause PAUL WELLER an den Reglern sitzt.
Songs wie „Local Boy Lost“ und „City Boys, City Girls“ erinnern spontan an THE
RIFLES oder THE VIEW. So herrlich britisch! Dabei sehen die vier Spitzbuben aus
Dundee gar nicht wie Mods aus, eher so, wie heute die Brit-Popper rumlaufen. Ich
unterscheide da schon sehr strikt. Obwohl ja viele meinen, das Brit-Pop und Mod
durchaus Gemeinsamkeiten haben. Nun, das sehe ich nicht so. Wenn ich naemlich an
Mod denke, dann tauchen vor meinen Augen klassische Bands wie THE JAM, THE
CHORDS oder THE JOLT auf. Eben dieser spezielle Sound aus den 70ern. Und The Law
haben in ihren besten Momenten ein wenig davon geerbt. Wo man allerdings Punk
vermutet, da wird sehr viel mit Northern Soul und Rock-Standards gearbeitet. Das
bewirkt, dass der Sound extrem melodisch und tanzbar ist. Nein, nicht jedes Lied
findet hier meine Zustimmung. Das sollte klar sein. Das war bei THE RIFLES und
THE VIEW schliesslich auch nicht anders. Aber verwertbares Material findet man
allemal.
( * * * * )
THE LAWRENCE ARMS
„Buttsweat & Tears” 7” (Digital Release)
( Fat Wreck Chords / FatWreck.com , Release Date: 27. Oktober 2009 )
Schoen mal wieder etwas von Lawrence Arms zuhoeren. Das Album von 2003 „The
Greatest Story Ever Told“ ist mir noch in sehr guter Erinnerung. Danach habe ich
die Band leider aus den Augen verloren. Das Trio aus Chicago klingt auf dieser
aktuellen Release sehr fluessig und verdammt gut aufeinander eingespielt. Alle
moeglichen Einfluesse finden hier ungeniert Eintritt, von LEATHERFACE zu FACE TO
FACE ueber die SCREECHING WEASEL. Und so haben Lawrence Arms in ihrer
mittlerweile 10jaehrigen Laufbahn zu einem wunderbar dynamischen eigenen (sehr
hymnischen) Stil gefunden. Tja, wenn man sich von den richtigen Bands einige
dicke Scheiben abschneidet, kann man nie verkehrt liegen. Die Digital Release
hat uebrigens einen Song mehr, als die 7“inch. Und die fuer das Label bekannte
hammerdichte Produktion kommt dem Sound natuerlich auch zugute!
( * * * * + )

LONG TALL SHORTY
„The Sound Of Giffer City” CD
( Time For Action Records / TimeForAction.de , Release Date: 08. Oktober 2009 )
Untypisch fuer eine ehemalige Mod-Band aus den 70ern spielen Long Tall
Shorty zwei Cover-Versionen der HEARTBREAKERS, „Born To Lose” + „One Track Mind“.
Ausserdem koennte man sich etwas verwundert die Augen reiben, das die Band ihre
neuen Songs im Studio von Ex-DAMNED Brian James in Brighton aufgenommen haben.
Hhhmm, das erklaert wahrscheinlich die etwas sehr trashig wirkende und meist
ziemlich verzerrt aufgenommene breiige Gitarre. Und ja der Gesamteindruck ist
der, das sich das alles andere als nach Mod anhoert, wenn schon ist das heavy
heavy Mod-pUnK. Eben etwas ueberladen, die Gitarre „frisst“ so einiges weg und
ist nach meiner Einschaetzung zu dominant. Natuerlich hab ich absolut nichts
gegen einen guten und fetten Gitarren-Sound einzuwenden, aber das ist mir an
manchen Stellen einfach too much an noise. Mit dem Sound, den Long Tall Shorty
mal in den 70ern spielten, haben diese 15 Tracks dadurch kaum was gemeinsam. Der
Song „Anti C.N.D“ ist allerdings neu eingespielt und wurde sofort wegen des so
typischen simplen 70er pUnKrOcK-Refrain erkannt. Den hatte die Band unter dem
Namen JOE PUBLIC damals fuer eine Single aufgenommen und duerfte spaetestens
durch die CD-Veroeffentlichung „Completely Perfect“ auf „Detour Records“ von
2002 bekannt sein. Nach dem Split von Long Tall Shorty Anfang der 80er, blieb
ihr Hauptakteur Tony Feedback allerdings nicht sehr lange „arbeitslos“. Schon
nach kurzer Zeit tauchte er als Bassist bei den ANGELIC UPSTARTS auf und spielte
mit ihnen die Alben „Still From The Heart“ (1982) und „Reason Why?“ (1983) ein.
Ausserdem ist er und seine beiden Mitstreiter, John Woodward + Jim Piddington
schon eine ganze Zeit bei den GONADS dabei. Vielleicht erklaert das ebenfalls
ein wenig den musikalischen Sinneswandel auf dieser CD hier. Auch nicht von
ungefaehr stammen von daher die Linernotes vom ehemaligen „Sounds“-Papst Garry
Bushell. Ich will nicht sagen, das ich enttaeuscht bin, ich habe eben nur einen
doch etwas anderen Sound erwartet. Das geht mir persoenlich hier schon ab und an
zu sehr in Streetpunk ueber. Nur rein musikalisch gesehen, denn stimmlich ist
das top, was Tony Feedback am Mikro leistet. Da kommt doch noch der alte
britische Mod ganz gut durch! Aber was soll ich sagen? Echt schade, dass die
Scheibe nicht wirklich bei mir rund laeuft. Manchmal bin ich eben nicht so
leicht zufrieden zustellen.
( * * * * + )

MESKALIN
„Catching In The Sky” CD digi-pak
( Leech Records / LeechRedda.com , Release Date: 02. Oktober 2009 )
Die vier jungen Herren von Meskalin haben sich auf ihrer ersten full-length
auf keine bestimmte Richtung festgelegt. Ska, Punk und Hardcore sind die
wichtigen Eckpfeiler, auf die sich die Musik der 12 Songs stuetzt. Dabei gehen
sie meist sehr schnell und ordentlich angepisst zur Sache, das Tempo bleibt in
allen Lagen auf jeden Fall konstant rasant. Da die Spielzeiten der einzelnen
Lieder fast immer die drei Minuten ueberschreiten, kann man der Band auch eine
sehr gute Kondition bescheinigen. Und da sagt noch einer, die Schweizer seien
langsam!
( * * * )

MOFA
„Punk Rock Fuck Off” CD
( Hamburg Records / Bukee Pr , Release Date: 25. September 2009 )
Erster Eindruck: Ist das harmlos! Verdammt harmlos! Bei so einem CD-Titel
erwarte ich auch, was die Verpackung verspricht, naemlich „Punk Rock Fuck Off“.
Und nicht so ein daher gewinselter Klugscheisser-Gesang. Die Stimme geht gar
nicht! Musik ist so lala, zwar sehr melodisch, aber leider viel zu angepasst und
zu bieder, eben damit auch die ganze beschissene MySpace/FaceBook-Generation und
die MTV-Hosenscheisser was davon haben. Passt aber optimal zum laecherlich
wirkenden Tennis-Outfit der Band auf dem Cover! Von Punk Rock mit Fuck
Off-Attitude ist man Lichtjahre entfernt, dafuer aber ganz nahe an den
Weichspueler-Refrains der BEATLES und der BEACH BOYS (igitt!) dran. Texte sind
auch voellig fuer den Arsch, ich mag halt keine neunmalklugen Schlaumeier, die
sich grosskotzig aufspielen. Bei den AERZTEN klingt das meist witzig, bei MOFA
einfach nur peinlich! Da finde ich ja sogar TOKIO HOTEL besser!
( * - )

MOM’S DAY
„Super Sonnig” CD digi-pak
( Chaos / PlowSound.de , Release Date: 01. September 2009 )
Mom’s Day von der Schwaebischen Alb haben in fruehster Kindheit sicherlich
sehr oft NOFX und die AERZTE inhaliert, denn so hoert sich das meist an.
Haufenweise Tempowechsel, sorgenfreie Textarbeit, ab und an klingt auch mal eine
Schweinerock-Gitarre durch, ja, das Problem was ich mit „Super Sonnig“ habe, ist
eigentlich sehr schnell erklaert. Die Jungs wollen auf allen Hochzeiten
gleichzeitig spielen, das bringt Verwirrung ins Spiel, wenn sich immer mehr
Spielrichtungen einmischen. Die Texte tragen auch nicht wirklich zur grossen
Unterhaltung bei. Es ist und bleibt ein wahres Kunststueck, gute deutsche Texte
zu kreieren, ohne dass es peinlich wird. Nun, Mom’s Day schaffen da oefters noch
mal die Kurve, aber das bleibt bis zum Ende der CD eine echte Zitterpartie.
Mom’s Day schrammen hier wirklich haarscharf an einem Totalausfall vorbei.
Fun-Punk eben! Aber das Englisch Singen wie bei „Rising Up“ sollten sie besser
ganz einstellen!
( * * * )

MONTREAL
s/t CD
( Hamburg Records / Bukee Pr , Release Date: 25. September 2009 )
Gute Nachricht: Die Labelmates von MOFA gefallen mir um einiges besser. Aber
das liegt sicherlich daran, das Montreal ihnen auf musikalischer Ebene haushoch
ueberlegen sind, und hier ihre bereits dritte CD im fuenften Jahr aufgenommen
haben. Das Trio ist ein durch und durch eingespieltes Team, 400 Gigs innerhalb
von 17 Laender sprechen eine ueberdeutliche Sprache. Musikalisch ruhen die
Staerken sicherlich im flott daher gespielten Melody-Core der kalifornischen
Schule mit einem leicht melancholischen Tiefgang in einer schoen breiten
Produktion serviert. Mit den stimmlichen Erguessen komme ich auch auf Anhieb
prima klar. Die Texte sind meist witzig, originell und rauben mir teilweise ein
echtes Schmunzeln von den Lippen. Und erinnern tatsaechlich das ein oder andere
Mal an die grosse deutsche New Wave Zeit der 80er. „Maedchen aus Berlin“ ist auf
jeden Fall ein Hit, den die AERZTE auch nicht besser haetten schreiben koennen.
Der Refrain erinnert mich aber permanent an ein voellig anderes Liedchen. „Dein
neuer Freund und ich“ oder „Endlich wieder Discozeit“ gehoeren ebenfalls zu den
Hit-Aspiranten. Die Texte dieser drei Songs haben das gewisse Etwas und sind in
sich wunderbar selbstironisch. Doch auf laengerer Sicht gesehen ist das dann
doch viel mehr etwas fuer das junge Punkie-Volk und nichts fuer so einen alten
Sack wie mich. Trotz dieser persoenlicher Einsicht ist den Jungs ein wirklich
richtig gutes Album gelungen, das leider im letzten Drittel etwas abbaut, aber
mit dem letzten Song „Tod in der Wueste“ wieder an Fahrt aufnimmt.
( * * * + )

THE NAZI DOGS
„Old Habits Die Hard” CD
( Nicotine Records / NicotineRecords.com , Release Date: September 2009 )
Liegt Orange County jetzt in Aachen, oder wat? Oder sind die STITCHES etwa
dort hin umgesiedelt? Diesen spontanen Eindruck vermittelt mir der Opener und
gleichzeitig auch der Titel-Track dieser zweiten CD von Aachen’s
Top-pUnKrOcK-Band. Karsten intensivierte seine stimmliche Staerke weiter in
Richtung von Mike Lohrman’s Snot-Voice. Aber auch sein abgefuckter und very sick
klingender Gesang bei „I Cannot Die“ und besonders bei „Latex Love“ erinnert an
so manche abgedrehte alte amerikanische „KBD“-Band aus den 70ern like THE FEAR
oder CRIME. Und musikalisch gibt es auch eine unglaubliche Steigerung zu
verbuchen. Die Nazi Dogs brauchen sich ab sofort nicht mehr als Vorband
abzukrebsen, sie sind der Hauptact! Ganz klar, die Nazi Dogs ist Karsten’s Baby.
Songs und Musik sind auf ihn zugeschnitten. Er geht konsequent seinen Weg. Er
bleibt in seinen Reihen stets umtriebig und aktiv. Das sollte man zu schaetzen
wissen. Dank einer ueberragenden Studio-Produktion kommt der NaziDogs-Sound erst
jetzt so richtig zur Entfaltung. Die 14 Songs hauen wirklich so dermassen gut
rein ins Oberstuebchen, so dass ich gespannt auf eine Fortsetzung warte. Das
Wortspiel zu „L.A. Brador“ hab ich allerdings, wenn auch erst im zweiten Anlauf
verstanden. Als Hidden-Track gibt es obendrauf noch das GG ALLIN-Cover von „Bite
It You Scum“ als Live-Mitschnitt. Und „Latex Love“ hat sich mittlerweile bei mir
als echter Hit entwickelt.
( * * * * * )

NEUROTIC SPIDERS
„Down To Kill” CD
( Nicotine Records / NicotineRecords.com , Release Date: September 2009 )
Da das japanische Trio auf ihrer „MySpace“-Seite als Einfluss fuckin’ Ted
Nugent (!!!!!!!!) und Zeke (!!!) mit angibt, hat die Band zunaechst natuerlich
einen aeusserst schweren Stand beim Real Shock. Naja, aber so richtig dicke
kommt es dann doch nicht, nur wenn der „Stan, The Gunman“-Gitarren-Mensch meint,
zum Solo anzusetzen, da strecke ich dann automatisch voellig angewidert die
Zunge raus! Baeh, wat ein beschissenes Rumgeschmisse! Da bekommste ja Kreise in
die Augen von! Aber dat macht er dann auch nicht bei jedem Kurz-Soli. (pUnK)Gott
sei dank!!!! Ansonsten geht das in die sehr schnelle und harte MOTORHEAD/TURBONEGRO-Richtung,
die coole nach Lemmy klingende Snot-Voice bleibt gluecklicherweise auch von
Verzerrungen verschont. Fuer einen Japaner kann der aber ein erstaunlich gutes
Eng(l)isch singen! Die Neurotic Spiders rockern sich demnach meist auf
Speed-Geschwindigkeit scheisse-gut einen ab. Ja, das passt und rotzt famos!!!
Bin absolut ueberrascht!! Da hat sich ja fast alles noch zum Guten gewendet. Die
wenigen Ausfall-Solis sind fast schon wieder Vergangenheit! Bleibt lieber bei
Lemmy! Und Ted Nugent: Fuck Off!!!!
( * * * * )

NEW HEARTS
„A Secret Affair (The CBS Sessions 1977-1978)“ CD
(
Cherry Red Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 19. Oktober 2009 )
Schon ziemlich ueberrascht und extrem enttaeuscht war ich beim ersten Hoeren
von der CD. Nicht von der Soundqualitaet (die ist naemlich glasklar!), sondern
vielmehr vom eigentlich Sound der Band. Denn wenn man ihre beiden Singles „Just
Another Teenage Anthem“ und „Plain Jane“ und die dazugehoerigen B-Seiten „Blood
On The Knife“ und „My Young Teacher“ jahrelang in- und auswendig kennt, und dann
im direkten Vergleich die restlichen 19 Tracks nimmt, da sind bei den meisten
Liedern gravierende musikalische Abweichungen rauszuhoeren. Nur der
Pop-Punk-Fetzer „Here Come The Ordinaries“ kann es noch mit den Single-Songs
wirklich aufnehmen und ist der einsame Gewinner der CD! Das Saenger Ian Page und
Gitarrist Dave Cains ein Jahr spaeter im Zuge des Mod-Revival die Band SECRET
AFFAIR aus der Taufe hob, ist nach dieser CD ziemlich gut nachzuvollziehen.
Viele Songs deuten schon die weitaus bravere Gangart der Band an. Und so koennte
man durchaus zu der Vermutung kommen, das die Single-Tracks einmalige
Ausrutscher waren, da in den Punk Rock Years von 1977 und 1978 neu gegruendete
Combos sich dieser neuen musikalischen Erscheinung zunaechst gar nicht entziehen
konnten. Das die erste Single von Kenny Laguna (spaeter dann bei JOAN JETT & THE
BLACKHEARTS als Producer taetig) und die zweite Single vom damaligen Bassisten
der RADIO STARS, Martin Gordon produziert wurden, ist es den beiden im
Nachhinein zu verdanken, das die Songs schoen flott, melodisch und nach
NewWave-pUnK klangen. Kenny Laguna z.B. wollte, dass die Songs so schnell wie es
nur geht eingespielt werden. Die Gruppe hielt sich zwar an seine Anweisung,
insgeheim waren sie aber spaeter mit dem Endergebnis alles andere als zufrieden.
In der Musikpresse fanden beide Scheiben keine Beachtung und wurden zuweilen
sogar verrissen, wie etwa vom grossen TONY PARSONS, der aber damals wohl an
jeder 7“inch, die die Office des „NME“ erreichte, etwas auszusetzen hatte. Also,
nichts von Bedeutung! Denn beide Singles werden heute als wahre Mod-pUnK-Juwelen
gehandelt, besonders aber ihre Debuet-Single! „Just Another Teenage Anthem“ ist
auch fuer mich das Meisterstueck der Band. Und es freut mich den Song endlich in
einer so deutlich klaren Fassung zuhoeren. Im Booklet gibt es neben vielen Fotos
eine schoene ausfuehrliche Story, die der Mod-Spezialist Chris Hunt verfasst
hat. Wer mehr ueber Hunt’s Arbeiten erfahren moechte der sollte mal im Internet
auf „ChrisHunt.biz“ gehen. Nun, was bleibt uns, nach dem die 23 Tracks den
CD-Player verlassen haben? Die Erkenntnis, dass nicht jede Band aus den 70ern,
spielend ihre Hits aus den Aermeln schuetteln konnte.
( * * * * )
THE NUMBERS
„Alternative Suicide” (Digital Release)
( Bristol Archive Records / BristolArchiveRecords.com , Release Date: 31. August
2009 )
Soeben habe ich bei meiner Internet-Recherche eine fette Ueberraschung
festgestellt! Seit 30 Jahren war ich fest der Ansicht, dass die EP „Rock Stars“
und die Beitraege auf dem „Avon Calling“-Sampler und der „4 Alternatives“-EP von
ein und der selben Band stammen. Deswegen war ich ja auch hellauf erfreut
gewesen, als „Bristol Archive“ verkuendete, dass demnaechst eine dreizehn Song
starke digitale Veroeffentlichung anstehen wuerde. Zwar klangen „Cross-Slide“
(von dem Avon Calling“-Sampler) und „Alternative Suicide“ (von der „4
Alternatives“-EP) laengst nicht so umwerfend, wie die fuenf Songs auf der EP
„Rock Stars“, aber nie waere ich auf den Gedanken gekommen, das es sich hier um
zwei voellig unterschiedliche Bands handeln koennte. Aber genau so ist es! Die
Numbers von der „Rock Stars“-EP stammten aus der Naehe von Sussex. Sie brachten
im Juni 1979 auch nur diese eine Single heraus, in einer 1000er-Auflage auf
ihrem eigenen Label „Blasto Records“. Besonders der grossartige Mod-pUnK-Song „Leather
Jacket“ wurde das eine oder andere Mal bei JOHN PEEL gespielt. Und zaehlt heute
mit den restlichen vier Songs zu einer sehr gesuchten „KBD“-Punkrock-Single. Die
Numbers aus Bristol hingegen fallen im direkten Gegensatz doch sehr stark ab.
Die beiden eben erwaehnten Lieder gehoeren naemlich zu den besten Songs auf
dieser Release. Die restlichen Songs fallen ins bodenlose ab. Im Info steht was
von „Bowie influnced New Wave“, und genau das trifft eindeutig zu. Nur das
dieser dann sehr lahm und ideenlos ausgespielt wird.
( * * * )

THE ONE NIGHT BAND
„Hit & Run” CD
( Leech Records / LeechRedda.com , Release Date: 02. Oktober 2009 )
Bei Hut-Traegern (siehe Front-Cover!) bin ich meist immer sehr vorsichtig.
Nicht nur im Strassenverkehr. Denn einen Pete Doherty finde ich z.B. absolut
daneben und der Saenger der BEATSTEAKS koennte mit seiner Stimme auch problemlos
jeden Abend in einer Jazzkneipe auftreten. Doch hier macht der Hut Sinn! Denn
die Band aus Montreal spielen auf ihrer zweiten Scheibe 15 Songs ein, die ein
toller Mix aus Reggae, SKA und Soul ist und ganz automatisch die Vergleiche zu
THE AGGROLITES und THE SLACKERS findet.
( * * * )

THE PHOENIX FOUNDATION
s/t CD
( Combat Rock Industry / RookieRecords.de , Release Date: 28. August 2009 )
Stimmlich erinnert mich das Ganze an die REPLACEMENTS und auch an SOUL
ASYLUM. Musikalisch liegen die Finnen bei mir im Grunde genommen auch
goldrichtig, denn LEATHERFACE und natuerlich ganz besonders HÜSKER DÜ zaehle ich
zu meinen ewigen Top-Bands. Aber es ist schwer, das richtige Feeling dazu zu
vermitteln, so dass die Songs auch richtig funktionieren und in dir etwas
ausloesen, was du deine Lebzeiten nicht vergessen wirst. Das haben die Finnen
einfach nicht drauf! Man kennt sich einfach schon. Und das, verdammt lange! Ich
meine, die Musik und ich. Ein Ueberraschungsmoment bleibt aussen vor! Trotzdem
sind hier einige geschmackvolle Momente eingefangen worden, die ich auf keinen
Fall unter dem Tisch fallen lassen moechte.
( * * * + )

THE PURPLE HEARTS
„The Mod Singles Collection” CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 21. September 2009 )
Diese Band ist fuer mich auch schon immer ein Problemfall gewesen.
Grundsaetzlich sicherlich nicht abgeneigt, wegen ihres Gespuer fuer gute
Melodien, doch die Umsetzung stimmte mich nie rundum zufrieden. Das Tempo zu
langsam, zu bedaechtig, nicht spontan genug, und so versickerten die guten
Ansaetze direkt in den ersten Spielsekunden. Zu wenig an dieser speziellen
Punk-Einstellung, die THE JAM, THE CHORDS und THE JOLT in ihren Mod-Stil genial
haben einfliessen lassen. Dafuer gab es bei den Purple Hearts eine ganz klare
Sixties-Linie, so wie es beispielsweise auch bei SECRET AFFAIR der Fall war. Ihr
wohl bekanntester Song, die Mod-Hymne „Millions Like Us“ haette dem packenden
Sound von THE CHORDS sicherlich gerechter werden koennen. So blieb es aber nur
bei einer harmlosen Aufbereitung von braven Tugenden. Daran kraenkelt die
17-Song-CD ganz immens. Nicht ein Song, der mich evtl. etwas Positiveres haetten
schreiben lassen. Das ist bitter fuer eine so hoch dekorierte Mod-Band der 70er.
( * * * )

RENO DIVORCE
„Tears Before Breakfast” CD
( I Scream Records / Gordeon Promotion , Release Date: 12. Oktober 2009 )
Sofort mit dem ersten Ton ist allen klar: SOCIAL DISTORTION! Wer die Nase
voll hat von dem endlosen Gesuelze eines Mike Ness, wann es denn endlich ins
Studio fuer eine neue Platte geht (aktuell ist die Rede von Februar 2010!), kann
sich mit dieser Band aus Nevada die Wartezeit erheblich versuessen. Der erste
Track koennte beinahe auch von SxDx eher mittelpraechtigen Liedern stammen.
Waehrend der Saenger der BROKEN BOTTLES an den Mike Ness der 80er erinnert, so
kommt dieser hier an den Mike Ness Mitte der 90er ran. Das klingt manchmal echt
schon richtig unheimlich, like „Somewhere Between Heaven And Hell“ (kleines
Wortspiel, you know!) Das Gitarren-Spiel ist ebenso ziemlich identisch, ein
bunter Mix aus allen SxDx-Epochen. Frueher hatte man ja immer TURBO ACs
herangezogen, wenn es um SxDx-Vergleiche ging. Aber das hier schlaegt wirklich
alles! Das sind fuer mich die ersten SxDx-Klone, die nicht scheisse klingen. Die
aehnlich wie die BROKEN BOTTLES, nur auf einer anderen Ebne, ihren SxDx-Einfluss
freien Lauf lassen, ohne peinlich zu wirken. Sogar die Atemtechnik hat Saenger
Brent Loveday uebernommen, so dass er einige Worte exakt so ausspuckt wie Mike
Ness. Allerdings hat mich diese Scheibe erst im zweiten Anlauf begeistern
koennen. Und das hat auch seinen ganz bestimmten Grund! Ich hoere leider keinen
echten Hit fuer mich raus! Das ist eher auf Dauer alles ziemlich gleich
klingend. Unterm Strich bleibt der Opener „Supercharger“ das Highlight der CD!
( * * * + )

RUDE TINS
„Beat The Band” CD digi-pak
( Leech Records / LeechRedda.com , Release Date: 02. Oktober 2009 )
Das achtkoepfige Team der Rude Tins aus der schoenen Schweiz spielen Ska der
klassischen Art und haben seit ihrer Bandgruendung in ihrer Heimat sich schon
die ein oder andere goldene Nase bei Auftritten verdient. Nun ist mit „Beat The
Band“ das zweite Album erschienen und es bietet weitere 14 Tracks, die die
Ska-Gemeinde sicherlich mit offenen Armen empfangen werden. Im Gegensatz zum
ersten Album „Varicoloured“, was 2006 erschien, hat man dem Ska-Punk allerdings
die rote Karte gezeigt und legt nun ausschliesslich Wert auf klare Ska- und
Reggae-Nummern, die ab und an mit Pop- und Rock-Elemente vorsichtig
durchgeschuettelt werden. Das Rezept ging auf und die Tanzflaeche bleibt voll.
( * * * )

SHADOWS OF DEFEAT
„Dead Language” CD
( Leech Records / LeechRedda.com , Release Date: 02. Oktober 2009 )
Das Problem mit sehr vielen Bands heutzutage ist die Tatsache, dass sie
gleich ein ganzes Album rausboxen. Die Zeiten wo erstmal mit einer Single
vorsichtig aus dem Proberaum gelinst wird, sind lange schon Geschichte. Aber auf
diese Art und Weise koennen sich einfach keine Hits entwickeln. Auch diese Jungs
aus dem Raum Zuerich haben es nicht anders gelernt (woher auch?) und boellern
gedankenverloren direkt 12 Heuler raus. Die zwar alle nicht schlecht sind,
vorausgesetzt du findest einen Metal-Gitarristen im ansonsten Hardcore-Punk
bestimmenden Sound gut. Und so kommt es wie es kommen muss: Kein Hit, nichts was
haengen bleibt, eine weitere Band, die aus dem Nichts kommt und wieder im Nichts
verschwindet.
( * * + )

DIE SKEPTIKER
„Fressen und Moral” CD
( Rozbomn Records / Cargo Records , Release Date: 02. Oktober 2009 )
Premiere! Meine erste Skeptiker-Besprechung! Jeder dachte wohl, dass es die
Band laengst nicht mehr im Studio zumindest gibt, denn ihr letztes Album liegt
nun schon elf lange Jahre zurueck. Das sie sich mit neuem Album im Jahr der
verfluchten Wiederwahl von Merkel zurueckmelden scheint demzufolge kein Zufall
zu sein und haette so ganz nebenbei wohl niemand fuer moeglich gehalten. Kurzer
Einwurf: „´ey Real Shock, du schreibst ja wie ein Alter, als wenn du die
Skeptiker-Mucke schon seit tausend Jahren in- und auswendig kennst!“ Stimmt
natuerlich absolut nicht. Ich blende nur ein wenig, weil ich, wie man weiss, auf
die deutschsprachigen Bands nicht so kann. Aber wirklich schlecht ist das was
diese 12 Songs hergeben auch wiederum nicht. Natuerlich absolut nicht meine
Kragenweite, aber egal, wenn es mich auf irgendeine Art und Weise trotzdem
ueberzeugen kann, dann faellt es mir auch leichter, was Positives aus meinem
Hirngeflecht rauszusaugen. Komisch, die Skeptiker erinnern mich permanent an OHL,
aber das liegt wohl nur daran, dass die alle ungefaehr gleich alt sind und eben
in ihren Texten von aehnlichen Erfahrungen berichten. Und wegen der doch recht
ueberdeutlichen und harten Aussprache des Saengers auch ein wenig an Zombie von
NEUROTIC ARSEHOLES. „Ja schau mal an, die kennt der Real Shock aber auch, gell?“
Ach Quatsch, nicht wirklich, hatte mal eine LP von denen, hab die aber schon
nach kurzer Zeit fuer gutes Geld wieder verscheuert. Wie gesagt, das geht schon
in Ordnung, auch wenn ich hierfuer der voellig falsche Ansprechpartner bin.
( * * * )

SKINNY BONES &THE GONEDADDYS
„Shot My TV” CD
( Nicotine Records / NicotineRecords.com , Release Date: September 2009 )
Um ganz ehrlich zu sein, sagte mir der Name Skinny Bones erst einmal gar
nichts. Er taucht im Internet auch nicht wirklich grossartig auf. Doch Skinny
ist in der New Yorker Szene als Punkrock-Veteran wohl ziemlich bekannt.
Besonders durch seine langjahrigen Arbeiten mit einigen Mitgliedern der RAMONES.
So schrieb er z.B. zusammen mit Marky Ramone die Songs „The Job That Ate My
Brain“ und „Anxiety“ fuer das Album „Mondo Bizzaro“ (1992). Auch am letzten
RAMONES-Album „Adios Amigos“ von 1995 steuerte er erneut mit Marky den Song „Have
A Nice Day“ bei. Zwischen ihm und Marky klappte die Zusammenarbeit so gut, dass
sie nach dem Split der RAMONES die INTRUDERS gruendeten, ein erstes Album
aufnahmen und damit in der Weltgeschichte rumtourten. Zu den Hoehepunkten ihrer
Tour gehoerte zweifelsohne das Vorprogramm fuer die SEX PISTOLS in Brasilien zu
bestreiten. Nach den INTRUDERS spielte er fuer einige Zeit bei Resistance, der
Solo-Band von JOEY RAMONE. Aber auch mit DEE DEE RAMONE hatte er Ende der 80er
einige Zeit mit Spielen und Recording-Sessions verbracht. Einer seiner
gemeinsamen Arbeiten mit Dee Dee ist hier mit dem Bonus-Track „Nothing Is
Innocent“ zu hoeren. Die insgesamt 13 Tracks klingen auf jeden Fall sehr stark
nach New York. Eine coole, meist doch sehr ruhige Punk’n’Glam-Scheibe, die
oeefters an die ROAD VULTURES oder auch an KEVIN K. erinnert. Sogar gesanglich
kommt das manchmal mit Kevin’s Stimme ganz gut hin. Einziges Manko vielleicht,
das ich keinen echten Hit raushoere. Das Cover zeigt uebrigens Elvis Presley’s
TV in Graceland.
( * * * * + )

SMALLTOWN
„Implosion“ CD
( Combat Rock Industry / RookieRecords.de , Release Date: 28. August 2009 )
Smalltown aus Schweden gehen in diesen Tagen auf eine vierwoechige US-Tour,
die ihren Abschluss in San Francisco am 14. November mit dem Konzert, gemeinsam
mit COCK SPARRER in der „Great American Music Hall“ finden wird. Vor diesem
Album kannte ich diese Band nicht, aber wenn was aus Skandinavien kommt, kann es
im Prinzip nie wirklich schlecht sein. Schlecht sind die insgesamt 13 Tracks auf
ihrer mittlerweile zweiten full-length auch nicht, nur fehlen mir ein wenig der
Biss und das Tempo. Hoert sich wie eine lahmere Version von der frueheren ONE
MAN ARMY an, durchsetzt mit einigen braven Mod-Einfluessen. Klingt nicht
wirklich erfrischend und unverbraucht, sondern eher gesetzt und ueberschaubar.
Schade, aus den Songs haette man sicherlich mehr rauskitzeln koennen. Vielleicht
liegt das Problem aber auch an der recht schwachen Produktion und das die Songs
dabei einfach viel zu „leise“ aufgenommen wurden. So bleibt es nur bei einem
nett gemeinten Versuch.
( * * * )
SOCIAL SECURITY
„Arley Hill” (Digital Release)
( Bristol Archive Records / BristolArchiveRecords.com , Release Date: 31. August
2009 )
Und wieder einmal hat das „Bristol Archive Label“ eine weitere Sternstunde
auf „iTunes“ verewigt. Es handelt sich hierbei um Demo-Tracks, die 1977 in den „GBH
Studios“ von Steve Street und Simon Edwards abgenommen wurden. Social Security
sollte auf Simon Edwards Label „Heartbeat Records“ im Jahr ´78 die erste Band
sein, die eine Single veroeffentlicht. Diese wurde 2005 auf der Bonus-CD zur
„Avon Calling“-Sampler Release auf „Cherry Red Records“ mit der restlichen
Singles Collection aus den Jahren 1978 bis 1981 angefuegt. Auf den beiden Songs
spielt die Band den so typischen und zu der Zeit weit verbreiteten
Schrammel-Punkrock-Sound, der heute unter dem Namen „Killed By Death“ gelaeufig
ist. JOHN PEEL hatte die Single bei sich natuerlich auch im Programm, was mir
aber damals entgangen war. In Erinnerung sind mir spontan 48 HOURS, THE NUMBERS
und APARTMENT geblieben. Social Security haben eine aehnlich raue
Herangehensweise an ihre Songs wie die CORTINAS, wo hingegen die CORTINAS
allerdings in ihrer ersten Zeit doch die besseren Songs zustande bekommen haben.
Als Stolperfallen-Punk kann man das, was die insgesamt 13 Songs hergeben
durchaus bezeichnen. Also, etwas wackelig auf den Beinen, aber fuer die
Spielzeit haelt man sich doch sehr tapfer. Einige Songs haette ich mir gerne mal
in einer besseren Studioproduktion gewuenscht. Wie etwa die schnelleren Lieder
„User“ und „Stella“, die es mir dabei besonders angetan haben. Weil, die gehen
direkt ins geschulte Punkrock-Ohr! Richtig schoen rotzig vorgetragen, so klang
Punk Rock im Jahr 1977 in Bristol. Aber wie das damals bei zig Bands ueblich
war, die nur eine Single machten und evtl. mit etwas Glueck ein paar gute Demos
in akzeptabler Qualitaet aufnahmen, war es nur eine Frage der Zeit, wann man
wieder getrennte Wege gehen wuerde. Social Security bildeten da leider keine
Ausnahme!
( * * * * + )

SPARKLING BOMBS
„Spray Paint Prayers” CD
( Nicotine Records / NicotineRecords.com , Release Date: September 2009 )
Nun ja, Glam-Bands habe ich in der juengsten Vergangenheit mit Vorsicht
genossen. Es gab fast an allen Combos etwas auszusetzen. Entweder waren sie zu
lahmarschig oder aber sie waren diesem „fuckin’ GUNS ’n’ fuckin’ ROSES“-Virus
verfallen. Den BLACK HALOS ist ja auf den letzten Metern mit ihrer finalen
Scheibe auch schon fast die Puste ausgegangen und sie setzten verstaerkt ihr
Augenmerk auf wankin’ Guitar-Work. Das alles trifft auf Frankreich’s Sparkling
Bombs nicht zu! Okay, ihr Tempo bricht zwar keine neuen Geschwindigkeitsrekorde,
aber das muss es auch nicht. Nee, von diesem beschissenen Mode-Begriff „sleazy“
sind sie trotzdem einige Lichtjahre entfernt. Das ist verdammt cool gespielter
Punk’n’Glam, wobei der Glam zwar ueberwiegt, aber der Punk bleibt in keiner
Sekunde aussen vor. Und zeigt somit allen Hollywood-Posern ein dickes Fuck
Off!!! Das geht schon viel eher in die Richtung von den TRASH BRATS und KEVIN K,
wobei sie auch nicht abgeneigt sind, ein wenig die dunkele Seite von den LORDS
OF THE NEW CHURCH einfliessen zu lassen. Und die fruehen MANIC STREET PREACHERS
schimmern auch verdammt gut durch, wie etwa bei den Songs „Down“ und „Boredom
Legacy“. Man achtet nur mal auf die Tonlage beim Refrain, die Gitarrenabfolge
und den Anschlag bei den Drums. Es ist dann auch kein Zufall das am Ende der CD
der MANIC STREET PREACHERS-Song „Motown Junk“ gecovert wird. Die Franzosen haben
es einfach verstanden, wie man ohne diesen ganzen Poser-Klimbim beim Glam
auskommt. D-I-E Ueberraschung des Monates!
( * * * * * )

STRUNG OUT
„Agents Of The Underground” CD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.com , Release Date: 29. September 2009 )
Auf ihrem siebten Album nahmen Strung Out die Dienste des Produzenten
Cameron Webb (MOTORHEAD, SOCIAL DISTORTION, PENNYWISE) in Anspruch. Das hatte
sicherlich einen ganz besonderen Grund. Denn im Jahr ihres zwanzigjaehrigen
Band-Bestehen sollten es schon die professionellen Arbeiten eines ausgebufften
Mannes hinterm Mischpult sein, der bei ihrem neuen Album die Hand auflegt. Das
dieser Job mit Bravour gemeistert wurde, duerfte ausser Frage stehen. Ein wenig
weichgespuelt klingt allerdings der Gesangs-Endmix, aber in sich bleibt es trotz
dieses minimalen Kritikpunkt sehr stimmig. 11 Songs, die Strung Out von ihrer
Schokoladenseite zeigen. Ihr bestens bekannter Melody-Core streift weiterhin
einige Metal-Gebiete, aber der kalifornische Punk bleibt fast immer in der Spur
und klingt manchmal erstaunlicherweise sehr atmosphaerisch.
( * * * + )

TEENAGE BOTTLEROCKET
„They Came From The Shadows” CD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.com , Release Date: 15. September 2009 )
Pop-Punk habe ich verstarkt Mitte der 90er gehoert, als ich noch bei den
SONIC DOLLS erst das Mikro und dann zum Schluss nur noch den Bass unter dem
gnaedigen Blick von Cheffe Eric J. President halten durfte. Aus dieser Zeit
damals sind nur ganz wenige Bands uebrig gewesen, die ich auch heute noch
verdammt gerne hoere. Unangefochten auf Nummer Eins sind dabei natuerlich die
SCREECHING WEASEL, von deren Scheiben ich mich bestimmt nicht so schnell trennen
werde. Vor zwei Wochen hatte ich noch deren CD „Kill The Musicians“ im Player
und spielte einiger meiner Lieblings-Songs von ihnen. Und was soll ich sagen?
Die Musik funkt immer noch, fast so wie vor ungefaehr vierzehn Jahren. Und damit
waeren wir beim Thema. Diese kleine Leaderjacken-Gang aus Laramie (Wyoming) mit
den Zwillingsbruedern Ray und Brandon Carlisle haben mit Kody Templeman einen
Musiker in ihren Reihen, der mir noch bestens von THE LILLINGTONS aus den 90ern
und der Single „I Lost My Marbles“ bekannt ist. Und die Teenage Bottlerocket
haben so einiges von Kody’s alter Band ruebergerettet. Nun, machen wir es an
dieser Stelle kurz! Das Album ist einfach ein absoluter fuckin´ great Smasher!
Scheisse fett produziert, dank der genialen „Blasting Room“-Produktion von Jason
Livermore, mit einer unglaublich brillanten treibenden RAMONES/SCREECHING
WEASEL-Gitarre – WINEPRESS und ihr Hit von ´94 „Stay Awhile“ laesst dabei auch
das ein oder andere Mal durchklingen!!! – und coolem abwechselndem Gesang. Das
haut mich voellig aus der Bahn!!! Endlich mal wieder eine Scheibe zum
Besprechen, wo alles passt! Die ich von Anfang bis Ende bedingungslos gut finde!
Kein einziger Aussetzer bei den 14 Tracks dabei! Hat naemlich all das, was ich
ueber die Jahre in der aktuellen Szene schmerzlich vermisst habe. Diesen
unwiderstehlich immer frisch wirkenden und mit der noetigen Haerte vorgetragenen
Pop-Punk-Sound, den nur eine handvoll von Bands auf der Welt so perfekt in Szene
setzen koennen. Seit neustem gehoeren diese vier Jungs dieser Zunft an.
Glueckwunsch nach Wyoming! Ihr seid so scheisse-cool!!! Und es ist eine Schande,
dass ich Penner jetzt erst von ihnen hoere! Denn sie haben vorher schon zwei
Alben auf „Red Scare Industries“ (Chicago) gemacht, als sie dann von „Fat Wreck“
abgeworben wurden. Ben Weasel, Dave Parasite und Rev. Norb muessen die Band
eigentlich vom Fleck weg umwerfend gut finden! Da lege ich nicht nur eine Hand
fuer ins Feuer, sondern schmeiss mich gleich direkt in die lodernden Flammen.
Where Have All The Leatherjacket RAMONES pUnK rOcKeRs gone???? Hier ist die
Antwort!!!! Platte des Monates! Und meine erste Six-Star-Review!!! Fuck, sind
die gut!!!!!
( * * * * * * )

TRASHMONKEYS
„Dreammaker Avenue“ CD
( XNO Records / Revolver Promotion , Release Date: 06. November 2009 )
Die nun schon dritte Singleauskopplung aus dem aktuellen Album „Smile“ macht
wenig Sinn. Denn die drei Tracks stammen alle aus besagtem Album. Will man seine
Fans eigentlich fuer doof verkaufen? Das riecht stark nach Rip-Off! Bands, die
vorne mitspielen wollen muessen wohl so agieren und ihr Album im
Single-Technischen Stil „regelrecht ausschlachten“. Normalerweise ist es dann
aber so, das wenigstens ein None-LP-Track auf solch einer Single vorhanden ist.
Und wenn man ganz viel Glueck hat, sogar zwei Lieder. Da mache ich mir auch
keine grosse Muehe mit dieser Besprechung hier und zitiere aus meiner
Album-Review vom Maerz 2009: „Dreammaker Ave” erinnert sofort an alte
KINKS-Songs, was ja auch nicht verboten ist. „A Bad Day” schlaegt dann eine ganz
andere Richtung ein, SKA macht die Runde, bisher einmalig in der Geschichte der
Band. „I´m A Mess For Rock And Roll” uebernimmt den ein oder anderen BOWIE-Part
aus den 70ern.“ Ist aber auch ein Zufall, dass ich gerade diese drei Songs aus
dem Album rausgepickt habe, um etwas naeher auf sie einzugehen.
( * * * - )

V.A.: „BORED TEENAGERS VOL. 5”
CD
( Detour Records / Detour-Records.co.uk , Release Date: 14. September 2009 )
Der fuenfte Sampler aus dieser Reihe startet absolut famos! Treibender fast
schon hypnotischer Sound liefern die beiden Songs „Strange Boy“ und „We’re Ok
Sod You“ der Band BLITZ, die evtl. durch ihren Beitrag fuer den „Farewell To The
Roxy“ bekannt sind. Auf diesem zweiten „Roxy“-Livesampler spielen sie uebrigens
auch das Stueck „Strange Boy“, was mir gar nicht so gut in Erinnerung war. Auf
jeden Fall toppt diese Studio-Aufnahme den Song doppelt- und dreifach. Das ist
einfach klassischer „KBD“-Sound, brillanter britischer 77er-pUnKrOcK, und das
Besondere ist die Stimme von Saengerin Ruth Carr, die irgendwo zwischen den SICK
THINGS, FATAL MICROBES und PENETRATION liegt. Das diese beiden Songs im Jahr
1978 innerhalb eines Tages aufgenommen und abgemischt wurden und niemals den Weg
auf eine Single fanden ist aus heutiger Sicht einfach unfassbar!!! Die ganze
Story gibt es dazu im wieder einmal grosszuegig angelegten Booklet. Nach diesem
brillanten Einstieg sehen alle nachfolgenden Bands auf den ersten Blick doch
etwas blass aus. Aber ich werde den Teufel tun, um dem Label da an die Karre
zufahren. Ich denke ganz einfach, dass irgendwann die Fahnenstange halt erreicht
ist und man dann unweigerlich auf zweitklassige oder gar drittklassige Bands
zurueckgreift. Das ist keine Schande! Das ist in dem Fall voellig in Ordnung und
halte ich fuer absolut legitim. Oder anders gefragt: Warum spielen BLITZ auch
solche Bretter ein!!! Trotzdem wollen wir mal schoen auf den Teppich bleiben,
nicht ganz durchdrehen, und den anderen Bands auch eine Chance geben! Die sind
natuerlich alles andere als schlecht. „Detour Records“ ging bei der Beschaffung
der Aufnahmen sogar noch eine Stufe tiefer. Denn von den insgesamt 27 Tracks
haben es nur sechs Songs auf Single geschafft, die restlichen Lieder stammen von
Demo-Tapes, die von James Perrett in stundenlanger Arbeit fein saeuberlich
restauriert wurden, so das man absolut keinen Unterschied zur Single-Qualitaet
feststellen kann. Nein, das hat sogar noch einen echten Vorteil, denn laestige
Kratzgeraeusche vom Vinyl fallen da voellig weg. Bis auf THE NEGATIVES (like
early OUTCASTS, man beachte dabei nur das stampfende Schlagzeugspiel!), die am
Schluss mit vier Demo-Songs von 1978 zu hoeren sind, kenne ich sonst keine
andere Band. Eine weitere Top-Ueberraschung ist sicherlich die Single „Rudi“ von
PETE NEWHAM aus dem Jahre ´77, die besten Punkrock-Stuff der alten Tage liefert.
Evtl. hat das etwas ein wenig vom Sprechgesang eines JOHN COOPER CLARKE.
Ueberliefert aus sicherer Quelle ist die Info, das Newham zur ersten Besetzung
von COCKNEY REBEL gehoerte. Sachen gibt’s! Unglaublich! THE EGOS, die danach mit
zwei Demo-Tracks folgen spielen astreinen PowerPop-Punkrock (wie etwa die
damaligen irischen Vertreter like PROTEX oder THE MOONDOGS) aus dem Jahre ´78
aufgenommen. Ich glaube, ich muss meinen Satz von vorhin vollstaendig
revidieren, das sind in ihrer Art naemlich alles erstklassige Bands, die es
leider nie geschafft haben ueber ein paar Demos und einige Auftritte
hinauszukommen. Da habe ich auf der Website von „KilledByDeath“ schon wirklich
schlechtere Bands gehoert, die da in den Himmel gelobt werden. Ich jedenfalls
freue mich schon jetzt auf Vol. 6!
( * * * * * + )