So, hier nun das Update fuer November. Das Update fuer Dezember erfolgt Anfang Januar 2009. Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.

ALIEN SEX FIEND
„R.I.P. – A 12” Collection” DoCD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date. 24. November 2008 )
Hier nun eine neue Collection von raren Mixes, Remixes und B-Sides, die
ausnahmslos von den 12“inch-Releases der Band aus den Jahren ´83 bis ´95
datieren. Da griffen die Macher von „Anagram Records“ tief in ihre Kiste, denn
viele Songs sind seit deren eigentlichen Original-Veroeffentlichung nun erst mit
dieser Doppel-CD wieder dem interessierten Gothic-Hoerer zugaenglich gemacht
worden. Einiges uebrigens ist erst hier zum allerersten Mal vertreten. Im
Booklet ist eine komplette britische Diskographie zu finden mit allen
Abbildungen der verschiedenen raren 12“inches, die allesamt auf „Anagram
Records“ erschienen waren. Summa summarum waren das 17 Stueck, bei insgesamt 28
Tracks.
( * * * )

BANKRUPT
„Rocket To Riot City“ MCD
( PiaR Records / Bankrupt.hu , Release Date: 15. Mai 2008 )
In zwoelf Jahren haben Bankrupt aus Budapest ueber 300 Konzerte gegeben und
drei Alben veroeffentlicht. Dieses Jahr ist nun ihr Viertes hinzugekommen, was
aber streng genommen „nur“ eine MCD mit fuenf Songs ist. „Rocket To Riot City“
ist ein Energiebuendel an gut gespielten straighten Punkrock, der seinen
Einfluss eher bei US-Bands, wie den RAMONES oder auch DESCENDENTS ausmacht. Das
klingt alles sehr melodisch und man ist durchaus nicht abgeneigt sich einen
zweiten Durchlauf der fuenf Songs zu goennen. „Sidewinder“ + „Memories From The
Underground“ bleiben dabei am ehesten durch ihren abwechselungsreichen und
extrem guten Pop-Einschlag haengen. Ja doch, das hallt so richtig gut nach! Bin
ehrlich ueberrascht!
( * * * * )

CHAOS U.K.
„Kings For a Day – The Vinyl Japan Years” DoCD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 10. November 2008 )
In den 90er waren die Hardcore-Nietenkaiser von Chaos U.K. ziemlich angesagt
in Japan und ergatterten auch dort einen Plattendeal bei „Vinyl Japan“, dessen
urspruenglicher Sitz zunaechst in Japan war, aber dann nach Grossbritannien
verlegt wurde. Die 35 Tracks auf den beiden CDs sind das Komplett-Paket, was die
Band auf diesem Label eingespielt hat. Hauptattraktion ist dabei sicherlich die
LP „Heard It, Seen It, Done It“, die 1998 erschien, und ausschliesslich aus
Cover-Songs besteht. Wer allerdings denkt, das Chaos U.K. ihre frueheren
HC-Mitstreiter wie etwa DISCHARGE, DISORDER oder THE VARUKERS covern ist schief
gewickelt. Denn auch die Jungs von Chaos U.K. wurden als junge Kids 1977
zunaechst vom ersten Punkrock-Sturm erfasst und mitgerissen. Und so findet sich
auf der ersten Disc Punkrock-Klassiker wie „You Bastard“ (ALTERNATIVE TV), „New
Religion“ (SOME CHICKEN), „Sick Of You“ (THE USERS) oder aber auch „Public
Image“ (PiL). Im Anschluss folgen drei weitere Covers aus dieser Sparte, die
aber hier als Bonus-Tracks fungieren, und erstmals 1991 auf der „Punk´s Not
Dread“-Compilation von „Sink Below Records“ veroeffentlicht wurden. Eigentlich
sollte das ja genau mein Gebiet sein, doch man merkt sehr schnell das Chaos U.K.
nur mit minimalen musikalischen Faehigkeiten a la SPECIAL DUTIES ausgestattet
sind. Der Gesang und die Gitarre bleiben die ganze Zeit auf einer Spur haengen
und klingen einfach viel zu monoton. Denn immer nur auf die Zwoelf kann ganz
schnell furchtbar langweilig werden. Auf der zweiten Disc gibt es dann das volle
Programm an Singles zu hoeren. Auch hier wird wieder der ein oder andere
Punkrock-Hit gecovert wie etwa „Police Story“ (THE PARTISANS), „Society“ (THE
RUTS) oder „Ain´t Got A Clue“ (THE LURKERS). Aber die Band bleibt sich auch hier
ihrem Motto treu und rattert die Tracks belanglos runter. Im Booklet schreibt „Burning
Britain“-Autor Ian Glasper ein paar interessante Linernotes und wieder einmal
handelt es sich bei dieser DoCD um eine Gemeinschaftsproduktion mit „Captain Oi!“.
( * * * )
DEAD TO ME
„Little Brother“ MCD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.com , Release Date: 24. Oktober 2008 )
Ich denke, das mir diese fuenf Songs auf dem ersten Blick wesentlich mehr
zusagen, als das was sie auf ihrer Debuet full-length „Cuban Ballerina”
eingespielt haben. Der Sound klingt in sich geschlossen, die Melodien sind
weitaus ausgepraegter, die Musik bleibt schoen in der Spur, keine Zeit fuer
unnoetigen Frickel-Kram, kurzum, das ist eine verdammt abwechselungsreiche
Platte! Nun kann man auch zum ersten Mal genau raushoeren, in welchen Bands man
vorher gespielt hat. Das waeren massgeblich ONE MAN ARMY und WESTERN ADDICTION,
dessen Vorgaben bei Dead To Me zu einer echten Einheit verschmelzen. Auch die
zusaetzliche Verstaerkung an der Gitarre setzt interne Massstaebe, dessen
Neugewonnenen musikalischen Moeglichkeiten bis zum Anschlag ausgelotet werden.
Gut, man kann Dead To Me nun vorwerfen, das alles schon mal da gewesen ist, aber
aehnlich wie bei den STAR FUCKING HIPSTERS kommt es eben auf die optimale
Dosierung an. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen! Das sind fuenf
richtige Hitanwaerter, die im ueblichen Einerlei des Melodic-Core spielend
ueberleben werden.
( * * * * + )

DESTINATION ANYWHERE
„Sobstuff, Tales and Anthems” CD
( DestinationAnywhere.de / Dynamic Discord Agency , Digital Release Date: Mai
2008 )
Hauptsache, die Haare schoen! Meine Guete, was sehen die Bubis auf dem
Farb-Poster aber so was von geschniegelt aus! Fast so, als wenn es gleich zur
Kommunion geht. Da steckt System hinter! Aber davon ab, genau solch ein Gedudel
habe ich eben auch erwartet, als ich die ersten Takte vernahm. Extrem lustiger
und flockig-lockerer SKA-MELODIC-POP wird von dem achtkoepfigen Ensemble aus dem
schoenen Siegerland praesentiert. Das ist rein gar nix fuer mich altes
Punkrock-Schwein, das ist nur was fuer unsere heutige trend-bewusste
MySpace-Generation! So harmlos und brav wie eine Samstagabend-Show vom Hansi
Hinterseer! Zugute halten sollte man aber dem Trupp unbedingt, das sie das erste
full-length auf ihrer Homepage kostenlos zum Download freigegeben haben und
zusaetzlich 5000 Exemplare auf CD haben pressen lassen, die sie auf Konzerten
kostenlos verteilen. DIY hin oder her, ja, heilige Scheisse, wo haben die Bubis
denn nur die ganz Knatter her, um mal eben solch eine verflixt hohe Auflage in
Auftrag zugeben? Hat irgendein ein Papi da die Spendierhosen angehabt, oder ist
vielleicht ein hohes Tier bei der Music-Mafia, oder aber hat da jemand aus der
Familie etwa eine CD-Press-Maschine im Keller gebunkert? Gerade in der heutigen
Zeit, wo ein jeder den Cent doppelt und dreifach umdrehen muss, um sich halbwegs
ueber Wasser zuhalten sind solche verschwenderischen Unternehmungen doch kaum
noch durchfuehrbar. Oder sehe ich das falsch? Mir kann es Latte sein, sollen sie
mal alle machen!
( * * )

THE DETECTORS
„No Freedom, No Liberty” 7” 4-song-e.p. ( Release Date: November 2007 )
„Twentyone Days” CD ( Release Date: 31. Mai 2008 )
( True Rebel Records / True-Rebel-Records.de )
Ihr Debuet ist schon ueber ein Jahr alt, doch trotzdem sollte es eine
Erwaehnung an dieser Stelle finden. Es kam in einer limitierten von Hand
nummerierten 500er Auflage auf den Markt und das Vinyl war auch schoen farbig
ausgefallen. Hier dann also ein erster Vorgeschmack, wie das Trio auch fuer die
Zukunft zu Werke ging. Das bedeutete, dass der Haupteinfluss von Bands wie
BOMBSHELL ROCKS, VOICE OF A GENERATION und DOWN AND AWAY kam.
Die drei Spitzbuben aus Neumuenster smashen sich auf ihrer ersten full-length
durch dreizehn stuermisch angelegte Street-pUnK-Nummern, die, wie schon erwaehnt,
einen hohen Schweden-Einfluss innehaben. Wirklich spannend ist das fuer mich
ollen Hasen sicherlich nicht mehr, aber dennoch bleibt es eine runde Sache, die
ich rein objektiv betrachtet, alles andere als abwerten moechte.
( * * * + )

THE EXPLOITED
„Punks Not Dead“ / „On Stage“ DoCD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 24. November 2008 )
Wie die Zeit vergeht! Schon knapp sieben lange Jahre ist es her, das „Captain
Oi!“ die deluxe digi-pak-Version von „Punks Not Dead“ (und auch die „Troops Of
Tomorrow“) auf den Tisch knallte. Nun ist in Kooperation mit „Cherry Red“ dieser
kleine Klassiker (ja, nennen wir ihn ruhig mal so!), zusammen mit der „On
Stage“-LP von ´81 als Doppel-CD veroeffentlicht worden. Die „On Stage“ hatte ich
mir damals auch sofort zugelegt, habe sie aber nach nur wenigen Wochen wieder
abgestossen, weil ihr Sound so scheisse war. 27 Jahre spaeter erfahre ich nun
den Grund dafuer. Die Aufnahmen stammen aus dem „Nite Club“ von Edinburgh und
wurden von einem Ex-Manager der Band abgenommen, der aufgrund der steigenden
Popularitaet der Band noch schnell ein wenig Cash abgreifen wollte. „Punks Not
Dead“ war massgeblich dafuer verantwortlich, das England im Jahre 1980 wieder
von einer Lederjacken-Schwemme heimgesucht wurde. Man spricht hier auch in
Insiderkreisen vom Rattenfaenger aus Hammeln. Klar, da ist Oberguru Wattie-„van
der Watte im Hirn“ mit gemeint. Sein „Punks Not Dead“ war Gesetz. Wer sich ihm
und seinem huebschen Irogewaechs in den Weg stellte, wurde mit einem
akzentfreien „Fuck Off!“ gnadenlos in die Flucht geschlagen. Ja, der
Poser-Wattie, das war schon so ein Herzchen. Eine Platte, die auch nach ueber
achtundzwanzig Jahren nichts von ihrer stumpfen Bollerei eingebuesst hat. Ganz
im Gegenteil. Ich find es immer noch ziemlich beeindruckend! Inklusive mit einem
fetten 10er-Bonus der ersten vier Singles versehen. Songs wie „Dogs Of War“ oder
„Dead Cities“ hoere ich auch heute immer noch verdammt gerne!
( * * * * + )

THE EXPLOITED
„Troops Of Tomorrow“ / „Apocalypse Tour 1981“ DoCD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 24. November 2008 )
Exploited hatten Anfang der 80ern eine Bahnbrechende Wirkung. Spaetestens
nach ihrer ersten LP „Punks Not Dead“ hatten sie in der Szene ein Stein im Brett
und die Fangemeinde pilgerte artig zu ihren Gigs und liess sich gerne vom
Saenger Wattie bespucken. Wattie war zudem einer der ersten „Bilderbuch-Punks“.
Viele Kids folgten seinem Beispiel und kauften die Kings Road leer. Hahaha...,
wie auch immer. Auf ihrer zweiten Scheibe ging es allerdings wesentlich flotter
zu. Hardcore wurde gerade zum Thema No.1 in der Szene auserkoren. Auch die
Koenige des Irokesentum blieben nicht davon verschont und liessen den Stil
ungeniert in ihre kleine Welt einfliessen. Big John versuchte auch mal ein
halbwegs metallisches Soli den sechs Saiten zu entlocken. Wattie und seine „Troops
Of Tomorrow“ pogten weiterhin den „Sid Vicious Self-Destruct Blues“ und ein Ende
war sobald nicht abzusehen. Aufgestockt mit der „Attack“-Single, und deren
B-Seite „Alternative“ (fuer mich einer der besten Exploited-Songs ueberhaupt!),
dann die „Computers Don´t Blunder“-7“inch, den Song „Y.O.P.“ von der 12“inch „Britannia
Waives The Rules“ (zusammen mit INFA-RIOT und CHRON GEN), und eine rare DJ Only
Promo 12“-Version des VIBRATORS-Klassiker „Troops Of Tomorrow“. Die zweite CD
haelt „for the first time“ (laut Booklet!) die wohl extrem rare „Apocalypse Tour
81“-LP bereit, die zunaechst bei „Limited Edition Records“ auf green vinyl raus
gekommen war. Die Aufnahmen sind so lala, you know.
Zusammenfassend noch diese Notiz: Die beiden Neu-Veroeffentlichungen wurden von
Tim Turan re-mastert und fuer die Booklet-Storys mit ihren zahlreichen
Poser-Pictures und Coverabbildungen konnte mal wieder „Burning Britain“-Autor
Ian Glasper gewonnen werden. So bleibt wieder alles schoen in der Familie!
( * * * * + )

GUNSMOKE
„From Somewhere” CD
( Inside My Brain Records / GunSmoke.ca , Release Date: Juli 2008 )
Oft genug stelle ich mir diese eine ganz spezielle Frage: Warum macht sich
eine Band aus Kanada die Muehe, ihr komplettes Presskit, samt Promo-CD zu
versenden, wenn ich doch seit Jahren ausdruecklich darauf hinweise, das das 3RD
in erster Linie Anlaufstelle fuer „Punk Rock 1977 - ?...“ ist, und nicht fuer
irgendwelche anderen Richtungen aus dem Underground bzw. Independent-Bereich
gerade steht. Das hat anscheinend auch diese junge Psychobilly-Band aus Kanada
nicht so ganz begriffen, die mich uebrigens ueber „MySpace“ ausfindig gemacht
haben. Nun, ich bin ja schon seit geraumer Zeit dazu uebergegangen, wenn mich
solche Musik erreicht, nicht gleich durchzudrehen und das Material in der Luft
zu zerfetzen. Machte auch irgendwann keinen Spass mehr. Nun, die vier Jungs
koennen ja auch nichts fuer ihre Geschmacksverirrungen (Scheiss-Seitenhieb, ich
kann es einfach nicht lassen! Boeser Real Shock!). Ich versuche dann ganz ruhig
zu bleiben und voellig nuechtern den mir vorliegenden Artikel zu betrachten, um
dann ein objektives Statement abzugeben. So werde ich es auch heute handhaben.
Auf der ersten full-length der Kanadier finden sich 10 Tracks ein, die schwer
vom klassischen Rockabilly und Psychobilly gezeichnet sind. Das bedeutet, es
besteht nie die Gefahr eines Mischproduktes, wie es ja heutzutage viele Bands
aus diesem Genre allzu gerne anwenden. MISFITS, TURBO A.C´S oder SOCIAL
DISTORTION gehen hier absolut leer aus. Da ist nix weiter zu holen. Back to the
roots, eben!
( * * * )

THE LAZY BOMBS
„Make Up!....Your Mind...” MCD
( Campary Records + A.P.-Society Records / LazyBombs.de , Release Date: 2008 )
Die noch relativ junge D-dorfer Band klingt auf ihrem Debuet teilweise wie
ein Mix aus TRASHCAN DARLINGS, TURBO AC’S und THE ADICTS. Doch allgemein gesehen
kommen die sechs Songs leider nie so richtig aus dem Schuh, man verheddert sich
zu sehr in ueberfluessigen Gitarren-Solis und unnoetigen Stop- und Go-Passagen.
Fuer eine erste Scheibe ist es sicherlich eine anstaendige Leistung, aber rein
musikalisch bleibt noch die eine oder andere Baustelle offen. Optisch allerdings
bleiben keine Wuensche mehr offen. Den Jungs ist anscheinend ein markantes
Buehnenoutfit ziemlich wichtig. Und das haben sie!
( * * * )

POPA CHUBBY (with Galea)
„Vicious Country” CD digi-pak
( Dixie Frog Records / Gordeon Promotion , Release Date: 24. November 2008 )
Popa Chubby? Galea? Nie zuvor habe ich etwas von den Beiden gehoert. Wie
auch! Ist ja eine voellig andere Baustelle. Und auch nach Einblick in diese CD
hier werde ich sicherlich kein gesteigertes Interesse an den Tage legen, um den
musikalischen Werdegang der Beiden weiterzuverfolgen. Aber, darauf kommt es
nicht an! Popa Chubby und auch Galea sind halt eben nur mit einer anderen Musik
in New York´s Strassen gross geworden. Bei Popa ging es mit 16 Jahren mit dem
Blues los. Weitere Musik-Stile folgten und beeinflussten ihn dann zusehends, so
das er heute als Berufsmusiker neben dem Blues, den Soul, den Jazz, den
Rockabilly und auch den Psychobilly sein Hauptmerk schenkt. Und so koennte er
beispielsweise sicherlich ohne weiteres die Setlisten der frueheren STRAY
CATS-Konzerte rauf- und runterspielen. Denn die insgesamt 13 Tracks tendieren
schon in diese eine spezielle Richtung. Der Mann kann spielen, die Frau
natuerlich auch, und das Singen klappt ebenfalls wie am Schnuerchen. Profis,
durch und durch!
( * * * )

RUBELLA BALLET
„Anarchy In The U.V.” CD
( Overground Records / OvergroundRecords.co.uk , Release Date: 24. November 2008
)
Jo jo, die Emanzen-Tanten von Rubella Ballet. Ich habe den Eindruck, dass
die irgendwie ein ganz klein wenig maennerfeindlich eingestellt sind. Und das
obwohl in den eigenen Reihen einige maennliche Kreaturen mitmusizieren duerfen.
Na ja, vielleicht ja nur unter bestimmten Auflagen oder unter krankhaften Zwang.
Ach, scheiss drauf, mir soll es egal sein. Ist ja eh nur wieder so eine
hirnverbrannte typische „Real Shock“-Spekulation! Rubella Ballet bewegten sich
Anfang der 80er im Fahrwasser von CRASS, POISON GIRLS, FLUX OF PINK INDIANS und
FATAL MICROBES. Musikalisch war die Band um ihre Hauptfiguren, Saengerin Zillah
Minx und Schlagzeuger Sidation auch ungefaehr so ausgerichtet. Nicht unbedingt
schlecht, aber sicherlich musste man am extrem schiefen Schrill-Gesang und den
minimalistischen Punk-Stil Gefallen finden. Nun, ich fand Rubella Ballet schon
damals nicht als sehr ansprechend fuer meine Ohren. Die Single von FATAL
MICROBES war so das einzige, was mir auf Anhieb aus dieser Ecke gefiel. Diese CD
ist eine Compilation ihrer Songs von 1979 bis 1985. Insgesamt sind das 24
Tracks, die sich wie folgt zusammen setzen: Die zwei unveroeffentlichten Tracks
„Napalm“ und „The Night Russia Died“, die 1979 geschrieben wurden, ihr
„offizielles“ Debuet von ´82 in Form einer Cassette, die den Namen „Ballet Bag“
trug, ihre erste 4-track-e.p. 7“inch „Ballet Dance“, ebenfalls von ´82, das
komplette erste Studioalbum „At Last It´s Playtime“ drei Jahre spaeter und die
12“inch Single „Money Talks“, auch von ´85, der eigentlich der bekannteste Song
der Band war, und im (fast) jeden englischen Pub in der Video-Jukebox zu finden
war. Natuerlich wurden die Aufnahmen digital ueberarbeitet und das 12-seitige
Booklet wurde von Zillah und Sid entworfen. Fuer 2009 ist eine zweite
Compilation geplant. Diesmal aus der Schaffenszeit von 1985 bis 2008.
( * * * + )

SMALLTOWN RIOT
s/t CD
( True Rebel Records / True-Rebel-Records.de , Release Date: 31. Mai 2008 )
Schade, die beiden Video-Clips zu „Addicted To Authority“ und „Timmy“ kann
ich nicht oeffnen, obwohl ich alle aktuellen Versionen vom Quick Time-, Real-
und Windows Media Player auf dem PC installiert habe. Die HH-Punx haben sich auf
ihrem zweiten Longplayer komplett der Schweden-Schiene verschrieben, bedeutet,
das ihre musikalischen Vorlieben zu Bands wie VOICE OF A GENERATION und
BOMBSHELL ROCKS ganz offensichtlich sind. Damit waere eigentlich auch schon das
Wesentliche zu den insgesamt 17 Tracks gesagt. OKay, dies spezielle
StreetpUnK-Thema ist mittlerweile schon ganz schoen ausgelutscht, aber trotzdem
geht das von meiner Seite aus noch voellig in Ordnung.
( * * * + )

SONIC FARM
„Shockwave Therapy” CD
( Go Fast Records / MySpace.com/SonicFarm , Release Date: 2008 )
Ego T. Superstar wird dem aufmerksamen 3RD-Leser sicherlich noch ein Begriff
sein. Seine Band, die CHINESE TAKEAWAY hatten nicht nur einen schriftlichen
Auftritt im Heft damals gehabt. Nun, mit den Jahren aendert sich ja vieles. Nach
dem Split der Band suchte Ego T. Superstar eine neue musikalische
Herausforderung. Er fand sie schliesslich bei SONIC FARM, wo er allerdings nur
noch am Bass zu hoeren ist und den Backin Voc.-Part uebernommen hat.
Soundmaessig ist man da sehr weit vom 77er-Punkrock entfernt, hier dominiert
eher der Schweinerock-Priester. Das ist schon ganz deutlich am Gesang zu
erkennen, der mich natuerlich ueberhaupt nicht anzusprechen vermag. Zu allem
Ueberfluss wird HANK WILLIAMS mit „Honky Tonkin“ gecovert, wo es natuerlich
nicht ausbleibt, dass mit Blues-Gejaule und Country-Geklimmper gegeizt wird. Das
die Band dann „No Class“ von REAGAN YOUTH nachspielt, passt so gar nicht ins
Konzept, denn mit der Tonlage dieses Saengers hoert sich auch die beste
Hardcore-Nummer nach gequirltem Schweinerock-Mist an. Ich wuerde mir wuenschen,
das Ego T. Superstar sich wieder eine Band sucht, wo der 77er-Punkrock zu Hause
ist.
( * * )

SONIC NEGROES / THE HIP PRIESTS
„Dogfight” Split-CD
( Zodiac Killer Records / MySpace.com/SonicNegroes , Release Date: 2008 )
Hank von TURBONEGRO und Lemmy von MOTORHEAD laufen sich uebern Weg. Sie
gruessen sich zunaechst sehr freundlich, bleiben dann aber doch kurz stehen. Und
kommen ins Gespraech. Hank: „Lemmy, kennste schon THE HIP PRIESTS aus England?
Klingen wie wir und MOTORHEAD.“ Lemmy: „Echt? Ich hab da auch von einer
aehnlichen Band erfahren, die nennen sich SONIC NEGROES. Und kommen aus
Schweden.“ Schnitt! Natuerlich hat diese Begegnung niemals in freier Wildbahn
wirklich statt gefunden! Glaube auch kaum, das Hank und Lemmy von der Existenz
dieser beiden Bands was wissen. Aber die beiden waeren bestimmt ueberrascht,
wenn sie auf diese Split mit seinen insgesamt 10 Tracks treffen wuerden. Den
Anfang machen THE HIP PRIESTS mit ihrem Fuenfer-Set, danach folgen SONIC NEGROES
und tun es ihnen gleich. Das ist extrem rotzig gespielter TURBOHEAD oder
meinetwegen auch MOTORNEGRO, mit einem gekonnten Schuss dreckiger DEAD BOYS
Attituede. Null Schweinerock und kein erbaermliches Gitarren-Gejaule (oder nur
ganz ganz wenig davon!). Tja, diese Jungs haben es anscheinend kapiert.
( * * * * )

SUPER SEXY BOY 1986
„Royal Peacocks” CD
( Tornado Ride Records / MySpace.com/SuperSexyBoy1986 , Release Date: Oktober
2008 )
Mal abgesehen, dass ich den Bandnamen ziemlich beschissen finde, ist der
Sound gar nicht mal so wirklich uebel. Hier einige Fakten im Schnelldurchlauf:
Im September 2003 u.a. von zwei MUDLARKS-Members mitbegruendet koennen sie in
ihren fuenf Jahren schon auf eine beachtliche Erfolgsserie blicken. Hohe
Live-Aktivitaeten, meist in den eigenen vier Waenden und ein erstes Album wurden
eingespielt, was aber nie zur Veroeffentlichung kam, aus welchen Gruenden auch
immer. Um nicht komplett auf dem Material sitzen zu bleiben, wurde einiges auf
verschiedenen Compilations rund um den Erdball verteilt. Vier Songs vom ersten
Album sind da wohl noch uebrig gewesen, die im Anschluss an die regulaeren neun
Tracks folgen. Die Musik die die fuenf Italiener hier praesentieren trifft
meinen Geschmack bei aller Liebe sicherlich nicht im vollen Umfang, denn das ist
mir dann doch im Endeffekt viel zu garagen-betont. Ein Mix aus SONICS, STOOGES,
THE LYRES, CYNICS und nur ganz wenig RAMONES oder HEARTBREAKERS.
( * * * )
SWINGIN’ UTTERS
„Hatest Grits: B-Sides and Bullshit” CD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.com , Release Date: 24. Oktober 2008 )
Fuer diese Compilation haben die Utters alles zusammen gekratzt, was bisher
fast ausschliesslich nur auf Vinyl zu finden war. Leider liegt mir nur eine
Promo-Copy (schniff!) vor und nicht die regulaere CD-Version (die ich ssooo
verdammt gerne gehabt haette!). Somit fehlt mir natuerlich das Wissen aus dem
Booklet, wo sicherlich alle wichtigen Informationen zu den zunaechst insgesamt
26 Songs nachzulesen sind. Da bleibt mir nichts anderes uebrig, als mir so
einiges eben zusammenreimen. Ziemlich ueberrascht war ich doch, das gleich drei
Cover-Versionen von COCK SPARRER mit „Where Are They Now?“, „I Got Your Number“
und „Sunday Stripper“ auf der CD zu finden sind. Da haette man doch eher was von
STIFF LITTLE FINGERS erwartet, oder etwa nicht? Na ja, egal! Track 8 kenn ich
noch von der Single auf „TKO“, denn „Teen Idol Eyes“ ist ein Supersong! Auch
fanden mit „The Blue Lamp“, „Billy The Poop“, „Mr. Keen” und “Lady Luck” gleich
vier Songs den Weg auf die CD, die wohl, so vermute ich jetzt einfach mal,
Outtakes aus irgendwelchen Studio-Alben-Sessions waren. Ausserdem gibt es noch
sechs zuvor ebenfalls unveroeffentlichte Demo-Songs am Schluss der CD. Und wer
dann mal so klug ist, auf das Display seines CD-Players zu schauen, wird merken,
dass die CD laengst noch nicht zu Ende ist. Denn sie wurde mit sechs weiteren
inoffiziellen Demos aufgestockt, so dass am Schluss satte 32 Tracks
zusammenkommen. Das nenn ich mal eine Rundum-Wohlfuehl-Compilation. Da mangelt
es an rein gar nichts.
( * * * * + )

THE TOSSERS
„On A Fine Spring Evening“ CD
( Victory Records / Gordeon Promotion , Release Date: 28. Oktober 2008 )
Kerrygold startete 1962 und ist heute Irlands einzig wirklich international
bekannte Speise-Marke. Sie haelt einen 46% Marktanteil in Irland. Heute sind
Kerrygold-Produkte laut Herstellerangaben in mehr als 70 Laendern erhaeltlich.
Die Produktpalette hat sich neben der klassischen Butter auf Kaese und Sahne
ausgeweitet. Ein traditioneller und entspannter Lebensstil kennzeichnet die
Heimat von Kerrygold. Das Leben in Irland ausserhalb der Grossstaedte ist immer
noch so, wie es vor etwa fuenfzig Jahren war. Alles wird hier geruhsam und
einfach erledigt. So oder so aehnlich, im uebertragenen Sinne
selbstverstaendlich ist auch die neue CD der Tossers zu handhaben. OKay, die
Band kommt nicht aus Irland, sondern aus Chicago und es gibt sie auch „erst“
seit zehn Jahren, aber ihre Musik haelt genau an den Strukturen fest, fuer die
die Marke Kerrygold in der Welt bekannt geworden ist. TURBONEGRO hatten mal als
Sponsor Levis Jeans an der Hand, wundern wuerde es mich nicht, wenn die Tossers
demnaechst von Kerrygold gesponsert werden.
( * * * )