So, hier nun das Update fuer November. Das Update fuer Dezember erfolgt Anfang Januar 2008. Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.
CHEFDENKER
„Coverbands ist die Zukunft” CD
( Trash 2001 Records / Trash2001.de , Release Date: 15. August 2007 )
Hab ich doch von Anfang gesagt, den Coverbands gehoert die Zukunft. Nicht
immer den eigenen Langweiler-Schrott verarbeiten, lieber gut recyclen. Was gibt
es doch fuer gute Coversongs, die laengst in Vergessenheit geraten sind, und nur
darauf warten endlich nachgespielt zu werden. Und zwar so, als wenn es die
eigenen sein koennten! Ich hatte ja vor bestimmt zehn Jahren mal die Idee eine
reine Coverband zu gruenden, aber da fehlten hier im Umkreis einfach die
richtigen Leute fuer. Und heute muesste man mir schon einige tausend Taler
anbieten, bevor ich wieder einen stinkenden Proberaum betrete! Von daher kann
dieser Titel also ganz schoen in die Irre fuehren. Aber Schluss jetzt mit
jeglichen Spekulationen! Denn natuerlich spielen Chefdenker auf ihrem dritten
Album keinerlei Covers! Schade eigentlich. Denn so bekommt man notgedrungen ein
weiteres deutschsprachiges Album serviert, wo die Texte auf mich Einfaltspinsel
viel zu intellektuell wirken und die Musik auch aus der Mensa kommen koennte.
Ich kann damit nix weiter anfangen. Fruchtet einfach nicht! Ist das Punk? Keine
Ahnung…..
( * * * - )

DEAD KENNEDYS
„Milking The Sacred Cow“ CD
( Cherry Red Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 08. Oktober 2007 )
Ziemlich simpel aufgemachtes (nach meinem Wissen) erstes „Best Of“ der toten
Kennedys. Da haette man wesentlich mehr daraus machen koennen, als nur sparsame
zehn Tracks draufzupacken. Erinnert mich ein wenig an die kalkulierte
Trostlosigkeit der SOCIAL DISTORTION „Greatest Hits“. Was mich aber sehr freut
ist die Tatsache, das man nach meiner Ansicht den besten DK-Song „Moon Over
Marin“, natuerlich neben den so typischen DK-Klassiker wie etwa „California Uber
Alles“, „Nazis Punks Fuck Off!“ oder „Holiday In Cambodia“ beruecksichtigt hat.
Woher allerdings die beiden Bonus-Live-Tracks „Soupis Good Food“ + „Jock-O-Rama“
stammen, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Jedenfalls nicht von der Live-CD
„Mutiny On The Bay - Live From The San Francisco Bay Area”. Da habe ich mal
vorsichtshalber nachgeschaut! Nun, auch im Booklet – wenn man da mit seinen vier
armseligen Seiten konfusen Layout-Gestaltungen ueberhaupt von einem solchen
sprechen kann – ist kein wirklich dienlicher Ratgeber in Sicht! Wer schlau ist,
kauft sich lieber die ganz regulaeren re-masterten Studio-Alben der Band!
( * * * * + )

THE FAST CARS
„Well…You Stared It!“ CD
( Detour Records / Detour-Records.co.uk , Release Date: 08. Oktober 2007 )
Die Fast Cars aus Manchester sind seit 2001 nach der exzellenten Release
ihrer unveroeffentlichten Studio-Tracks aus den 70ern auf der „Coming...Ready Or
Not!“-CD so richtig auf den Geschmack gekommen. Es gab wider Erwarten innerhalb
der verschiedenen Schauplaetze fuer 77er inspirierte PowerPop-Punk-Freunde rund
um den Globus eine rege Betriebsamkeit zu vermelden. Die Band trat wieder live
vor Publikum auf, sogar ins ferne Japan wurden sie fuer ein paar Shows gebucht.
Angestachelt durch diesen neuen Schub an Popularitaet fand sich die Band dann
schliesslich im Studio wieder, um vergangenes und neues Material auf 11 Songs
einzuspielen. Das Resultat praesentiert sich in wirklich bestechender Form! Der
Unterschied zwischen Alt und Neu ist so gut wie nicht zu erkennen.
Beispielsweise den Song „Instant Popstars“, der urspruenglich 2003 von Saenger
Steven Murray geschrieben wurde, haette auch durchaus aus dem Jahr 1978 stammen
koennen, wie etwa „Who Loves Jimmy Anderton?“, der natuerlich ebenfalls auf der
CD als Neueinspielung zu hoeren ist. Im Booklet gibt es von Steven Murray
uebrigens noch eine sehr ausfuehrliche Entstehensgeschichte der Band zu lesen.
Fazit: Fuer BUZZCOCKS- und UNDERTONES-Liebhaber genau das richtige Geschenk fuer
dieses Jahr unter dem Tannenbaum. Weihnachten kann also kommen!
( * * * * * )

KEVIN K & THE HOLLYWOOD STARS
„Cool Ways“ CD
( Rankoutsider Records / MySpace.com/KevinKRock , Release Date: 08. Oktober 2007
)
So jetzt ist es amtlich! Kevin K hat seit 1995 sechzehn(!!!) Alben raus
gehauen! Und das immer auf hoechstem Niveau! Schoen, dass sich mal jemand die
Muehe gemacht hatte, eine komplette Discographie anzufertigen, die dieser CD u.a.
als Promo-Info beilag. Der Titelsong „Cool Ways“ ist uebrigens ein alter ROAD
VULTURES-Song, der vom ersten Album „Fire It Up“ von ´93 stammt. Das macht Kevin
schon mal ab und zu ganz gerne, Songs von seiner frueheren Band neu aufzunehmen.
Passt optimal zu den restlichen elf Tracks! Wie immer spielt Kevin, unterstuetzt
diesmal von seiner Hollywood Backin´ Band, einfuehlsamen Rock’n’Roll-Punk ganz
im Sinne von JOHNNY THUNDERS, den NEW YORK DOLLS und JEFF DAHL. Diese Songs
haben einfach Seele! Ausser Kevin kann meiner Ansicht nach kein Mensch
heutzutage solch eine extrem THUNDRS-infizierte Gitarre noch spielen!!! Das ist
einfach nur bewundernswert!!! Und vielleicht raffe ich mich alte Couch-Potato ja
naechstes Jahr im Februar endlich mal wieder auf, Kevin mit Ex-TRASH BRAT Ricky
Rat an der Gitarre bei der kommenden Europa-Tournee anzuschauen. Ganz klar,
„Cool Ways“ ist eine weitere Knaller-Scheibe aus New York City!
( * * * * * + )

NOFX
„They´ve Actually Gotten Worse Live“ CD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.com , Release Date: 16. November 2007 )
NOFX und ihr zweites Live-Album nach der „I Heard They Suck Live” von 1995!
Dabei hat die Band keinerlei Songueberschneidungen zugelassen. Das sollte man ja
durchaus mal lobend erwaehnen! Drei Gastspielabende benoetigten NOFX Anfang des
Jahres im „Slim´s“ in ihrer Heimatstadt San Francisco, um diese 24 Tracks
zusammen zustellen. Dabei wurden voellig neue Arrangementkonzepte ausgearbeitet
und verwendet. Aus E-Versionen wurden beispielsweise Akustikfassungen, oder aber
es wurden auch sonst nicht wirklich beruecksichtigte B-Seiten dem gutgelaunten
Publikum mit dem typischen Humor der Band breitseitig praesentiert. Man kann
also wirklich nicht behaupten, dass sich NOFX fuer diese drei Abende nichts
Neues ausgedacht haben. Zwischen den Songs wird man besonders von Fat Mike und
El Hefe wieder einmal bestens unterhalten. Fuer meinen Geschmack etwas zu
langatmig, aber so sind sie nun mal, die Jungs von der Westkueste, wo einem an
365 Tagen die Sonne aus dem Allerwertesten scheint! Sei ihnen dieser Uebermut
verziehen! Der Sound ist uebrigens unuebertrefflich gut gelungen! Im Booklet
findet man zudem amuesante Notizen von jedem einzelnen Bandmitglied, wie sie die
drei Tage vor und nach den Shows erlebt haben. Waehrend Fat Mike, Melvin und
Smelly u.a. die Tage mit Golf, Sushi, Pizza, Wodka, Bier und TV verbrachten,
hatte es El Hefe nicht so entspannt erwischt. Er war an allen drei Tagen in
staendiger Bewegung, um Besorgungen fuer seine schwangere Frau zu machen, die
Heisshunger wahlweise auf Grillkaese, Pancakes, Pommes und Eier hatte. NOFX-Fans
werden diese Scheibe heiss- und innig lieben! Davon bin ich ueberzeugt! Und wer
weiss? Vielleicht gibt es ja von diesem drei-Tage-Marathon auch irgendwann eine
DVD! Zu wuenschen waere es!
( * * * * + )
OHL
„Im Westen nichts Neues“ DoCD
( Bad Dog Records / Gordeon Promotion , Release Date: 16. November 2007 )
Bei mir in Sachen OHL auch nichts Neues! Konnte mit der Band seit den
Anfangstagen nie was mit anfangen. Und dass sie es so lange beim Egoldt
ausgehalten haben, macht die Sache auch nicht gerade einfacher. Aber, verkehrt
war die Band um Deutscher W nie! Sonst wuerde ich die Scheibe bestimmt auch
nicht besprechen wollen! Die DoCD erschien vor zehn Jahren schon einmal und war
ruckzuck ausverkauft. Nun wird zum 10jaehrigen ordentlich nachgelegt. Mit neuem
Cover, ueppigem Booklet und alle 59(!) Songs wurden dabei remastered. Die Songs
stammen zum Teil von heute sehr raren Scheiben wie „1000 Kreuze“,
„Oktoberrevolution“ oder „Verbrannte Erde“. Deutscher W hab ich mal 2002 ganz
kurz vor einem CHELSEA-Gig in Duesseldorf als sympathischer Zeitgenosse kennen
gelernt. Tja, so ist das manchmal. Es kommt ja wirklich nicht immer auf die
Musik an! Gibt ja auch noch genuegend andere Themen!
( * * * - )

THE PHOTOS
s/t CD
( Cherry Red Recoords / CherryRed.co.uk , Release Date: 15. Oktober 2007 )
Als ich im September 2001 fuer drei Tage zum „100 Club Festival“ nach London
flog, hatte ich mir selbstverstaendlich auch eine kleine Suchliste von CDs
zusammengestellt, nach denen ich u.a. bei „Tower Records“ am Piccadilly Circus
und bei „HMV“ auf der Oxford Street Ausschau halten wollte. Auf der Liste
standen z.B. BIG IN JAPAN, HOLLY & THE ITALIANS, PINK MILITARY, THE NIPS, THE
RUTS, THE SCARS, LEYTON BUZZARDS, THE SLITS und auch THE PHOTOS mit ihrer LP,
die ich mir wiederum vor ueber zwanzig Jahren irgendwann mal bei einem
stinknormalen Plattengeschaeft hier in Deutschland aus dem Regal fuer „New Wave“
sehr guenstig raus gezogen hatte. Das Besondere war, das es neben der regulaeren
Scheibe eine Bonus-LP mit dem Namen „The Blackmail Tapes“ dazugab. Nun aber
zurueck zu meiner kleinen Geschichte aus London Town. So nach und nach hatte ich
ungefaehr so Mitte der 90er damit angefangen, fuer mich bedeutende Vinylscheiben
auf CD nachzukaufen. Darunter fiel natuerlich auch das erste Album der Photos!
In einen von den beiden Mega-Stores wurde ich dann auch recht schnell fuendig.
Die CD-Release von 1999 besass im Booklet ausser den Texten noch die
Fotocollagen aus der LP-Innenhuelle. Und ganz wichtig, auch die acht Demo-Tracks
bzw. Out-Takes von den „Blackmail Tapes“ waren mit vertreten. Ich hatte ja noch
insgeheim gehofft, das vielleicht als Extra-Bonus ihre erste Single „I´m So
Attractive“/„Guitar Hero“ folgen wuerde, aber dem war dann leider nicht so. Das
ist allerdings mit dieser Re-Release auf „Cherry Red“ nun nachgeholt worden. Als
weiterer Bonus-Track wurde mit „Je T´Aime“ noch ein mir zuvor unbekannter
B-Seiten-Song angefuegt. Schade allerdings, dass man dabei nicht den kompletten
B-Seiten-Satz beruecksichtigt hat. Denn ausser der ersten 7“inch hab ich hier
noch bei mir im Regal eine 4-Track-45 stehen, u.a. mit den zwei bereits
bekannten LP-Songs „Irene“ und „Barbarellas“, sowie die zweite Seite die es mit
den Liedern „Cridsilla“ und „Shy“ auf dieser CD nicht geschafft haben. Ob da
noch mehr B-Seiten unter den Tisch gefallen lassen wurden, vermag ich nicht
eindeutig zu bestaetigen, da mir bisher eine komplette Discographie der Band
immer noch fehlt. Okay, jetzt aber genug gemosert! Denn ansonsten gibt es
wirklich keinen weiteren Grund der Beanstandung! Die CD wurde neu gemastert, was
ja fuer „Cherry Red“-Verhaeltnisse nicht wirklich ueblich erscheint. Da aber
„Cherry Red“ schon damals die Finger beim Abschluss eines Plattendeals im Spiel
hatte, und bereits kurz vor der Vertragsschliessung stand, nahm die Band
foermlich in letzter Minute ein wohl besseres Angebot der CBS wahr. Somit ging
„Cherry Red“ leer aus und es sollte beinahe drei Jahrzehnte dauern, bis sich das
Label die Rechte von CBS aneignen konnte. Fuer die schriftliche Gestaltung des
Booklet wurde kein Geringerer als „No More Heroes“-Autor Alex Ogg verpflichtet,
der mal wieder einen hoechst informativen Einblick – dank der tatkraeftigen
Unterstuetzung des Gitarristen Steve Eagles – in das damalige Bandgefuege
gewaehrt. Natuerlich reichlich bebildert! So erfaehrt man ganz beilaeufig, dass
die Band kurz vor ihrer Aufloesung ein zweites Album mit dem Titel „Crystal Tips
and Mighty Mice“ fuer die CBS fix und fertig eingespielt hatte, was bis heute
auf eine offizielle Veroeffentlichung wartet! Bis dahin kann man sich aber
ausgiebig mit dem Debuet beschaeftigen. Das Album schaffte es im Juni 1980 kurz
nach der Veroeffentlichung unter die Top Five der englischen Charts. Oft genug
wurden die Photos als die britische Antwort auf BLONDIE tituliert, was man
durchaus nachvollziehen kann. Das lag natuerlich in erster Linie an Saengerin
Wendy Wu, die ebenfalls den damals so typischen „New Wave“-Gesang bevorzugte.
Musikalisch „begleitet“ wurde das „New Wave“-Wunder“ von den ehemaligen
Mitgliedern der 77er Punkrock-Band SATAN´S RATS, die allerdings ein paar Gaenge
zurueck geschaltet hatten, und nun mehr Wert auf gut funktionierte Pop-Songs
legten. Gewiss kam der Punkrock-Sound dabei nicht wirklich zu kurz und so
entstanden Kompositionen, die von der rein musikalischen Seite aus durchaus an
manchen Stellen besonders an THE VAPORS, THE CHORDS, THE UNDERTONES, BUZZCOCKS
und THE JAM erinnerten. Mir gefallen dabei natuerlich die eher flotteren
Nummern, wie etwa „Do You Have Fun?“, „Irene“, „Now You Tell Me That We´re
Through“, „Loss Of Contact“, „All I Want“ oder „Evelyn 2“. Denn bei nur ganz
wenigen Songs wurde es dann auch mir ein wenig zu ruehrselig! Allerdings hauen
wiederum die ungestuemen Punkrock-Songs auf „Blackmail Tapes“ wieder so einiges
raus! Und deshalb voellig berechtigt die volle Sternchenzahl und somit – ganz
knapp vor der neuen CD von KEVIN K „Cool Ways“ – „Record Of The Month“ auf der
„3RD-MySpace“-Seite!
( * * * * * * )

PLENTY ENUFF
„Random Walk” CD
( Leech Records / LeechRedda.com , Release Date: 05. Oktober 2007 )
Plenty Enuff ist ein 9-koepfiges Team aus dem schweizerischen Schaffhaus,
was sich seit ihrer Bandgruendung vor wenigen Jahren, wie kann es anders sein,
komplett dem Ska mit all seinen Soul- bzw. Reggae-Auswuechsen verschrieben hat.
Fast drei Jahre nach ihrem viel versprechenden Debuet „Schauermaerchen“ legen
sie nun mit „Random Walk” wuerdig nach. Die elf Songs, alles Eigengewaechse
uebrigens, lassen jeden gut gefuellten Konzertsaal in wenigen Sekunden zu einer
ausgelassenen Ska-Party werden. Die acht Buben und das Maedchen schauten bei den
richtigen Bands wie etwa THE SLACKERS oder TOOTS & THE MAYTALS ins Einmachglas
und verpassten somit ihren Songs schlussendlich noch eine ganz eigne Note!
( * * * )

THE RIPLETS
„Rock“ CD
( U-Sonic Records / RookieRecords.de , Release Date: 26. Oktober 2007 )
Nichts einfacher als das, sein Album “Rock” zu nennen. Das Intro vom SEX
PISTOLS-Song „Holidays In The Sun“ wird beim Opener „Rock’n’Roll Manifest“
verwendet. Geht das hier etwa in die 77er-Richtung? Noe, falsch gedacht! Schon
eher rock-betonte Muckerin-Mucke die ordentlich in Richtung THE DONNAS abzielt.
Ich kann da auch im ersten Moment keinen wirklich grossen Unterschied zwischen
den beiden Combos erkennen. Die Saengerin ist etwas duenn bei Stimme, der Sound
ist auch eher lahm, da wuenscht man sich ein wenig mehr an Schnelligkeit.
Hardrock-Gitarrensolo-Einlagen kommen leider auch nicht zu kurz. Und warum
verwenden die drei Damen aus Rotterdam dann das „Holidays In The Sun“-Intro?
Versteht einer die Frauenwelt! Toucht mich nicht!
( * * * - )

SHAM 69
„Western Culture” CD
( Bad Dog Records / Gordeon Promotion , Release Date: 16. November 2007 )
Machen wir uns nichts vor! Sham haben ihre besten Zeiten laengst hinter
sich! In den 70ern brachten sie mit „Tell Us The Truth“, „That´s Life“ und „The
Adventures Of Hersham Boys“ innerhalb von nur zwei Jahren(!) drei bahnbrechende
Punkrock-Alben auf den Markt. Mit „The Game“, ihren vierten Longplayer, brach
dann abrupt diese Erfolgsserie, obwohl das Album im Nachhinein kein wirklich
krasser Ausfall war. Dann wurde es ruhig um Sham. Sham´s Sprachrohr Jimmy Pursey
entwickelte sich mit den Jahren immer mehr zum groessenwahnsinnigen
Riesen-Arschloch, was ich auch 1988 live bei einem Konzert in der damaligen
Wuppertaler „Boerse“ hautnah miterleben durfte. Diese Einschaetzung bestatigten
viele Seiten, und das voellig unabhaengig von einander! Immer wieder liess die
Band kurzfristig lang angekuendigte Gigs platzen! Und das lag, wie wir heute
alle wissen einzig und allein an Mr. Grosskotz Pursey! Dieses Jahr kam es dann
zum endgueltigen Bruch. Das zweite noch verbleibende Original-Mitglied aus den
70ern, Gitarrist Dave Parsons hatte von Pursey´s Eskapaden nun die Schnauze
gestrichen voll und die beiden Herrschaften gingen mit sofortiger Wirkung
getrennte Wege. Das hatte zufolge, das es Sham nun zwei Mal gibt. Denn keiner
der beiden Herren wollte logischerweise klein beigeben und die Band zugunsten
des anderen sterben lassen! Dave Parsons hatte nun aber eindeutig die Nase
vorne! Denn er brauchte „nur“ den Saenger zu ersetzen. Primadonna Pursey
hingegen musste eine komplette Backin´ Band auf die Beine stellen, die soviel
ich weiss bis heute noch nicht gefunden ist! Nun, auch wenn die Diva Pursey
menschlich gesehen viele Leute arg vor den Kopf gestossen hatte, so ist er uns
mit seiner markanten Stimme bis heute blendend im Gedaechtnis geblieben! Einen
Jimmy Pursey am Gesang kann man eben nicht ersetzen! Dafuer ist sein Name mit
Sham 69 viel zu sehr verwachsen. Bei den UNDERTONES und ihrem Sangeswechsel hat
es ja noch ganz gut hingehauen, wie ich finde, aber hier bei kann man eigentlich
nicht mehr von Sham im klassischen Sinne sprechen. Du kannst den Bassisten, den
Schlagzeuger und auch meinetwegen zu allerletzt den Gitarristen (mit gewissen
Einschraenkungen) neu bestuecken, aber am Gesang erkennt man eine Band nun mal
erfahrungsgemaess am ehesten wieder. Sham war Jimmy und Jimmy war Sham! Pursey
ist eben einer der wichtigen Persoenlichkeiten gewesen, der die 70er
Punkrock-Geschichte entscheidend mit gepraegt hat. Wie wuerde es wohl ausgesehen
haben, wenn die SEX PISTOLS ohne John Lydon ihre November-Shows in Brixton,
Manchester und Glasgow bestritten haetten. Wer sollte einen Johnny Rotten
ersetzen koennen? Niemand natuerlich! Und das Gleiche trifft nun auch auf Jimmy
Pursey zu! Diese Erfahrung muss nun auch Dave Parsons machen, ob er es hoeren
will oder nicht. Sein typisches Sham-Gitarrenspiel blitzt leider auch nicht sehr
haeufig auf, so dass man vielleicht in dieser Richtung noch einen Hauch von Sham
erkennt! „Western Culture“, was uebrigens mit dem Sham-Logo zur „Hersham
Boys“-Zeiten wirbt, ist sicherlich ein gut gemeintes Album, was auch eine Reihe
an Vorzuege zu bieten hat. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Evtl.
vergleichbar mit den spaeteren Werken von RED ALERT oder RED LONDON. Wie sie
allerdings live mit ihrem neuen Saenger ankommen wird die Zukunft zeigen.
( * * * * - )

SPERMBIRDS
„Me And My People“ Do-DVD
( Rookie Records / RookieRecords.de , Release Date: 09. November 2007 )
Die Idee, anlaesslich ihres 20jaehrigen Bestehens als Band ein
Jubilaeumskonzert in ihrer Heimatstadt Kaiserlautern zu veranstalten, ist in
erster Linie natuerlich nicht schlecht. Aber vielleicht haette die Band sich
nach einem anderen Veranstaltungsort umschauen sollen, und dem Film-Team vorher
mal eingetrichtert, das es sich hier nicht um eine „Rockpalast“-Veranstaltung
handelt. Ich hab, ehrlich gesagt, zu Anfang nur noch Althippie Peter Ruechel auf
der Buehne vermisst, der die Band ansagt: „Willkommen zum Rockpalast! Die
Spermbirds!“ Also, dieses Gefuehl hatte ich sofort, als ich mir die ersten
Bilder von der Live-Uebertragung anschaute. Die Kamerafuehrung mit seinen
schnellen auf fuckin´ MTV-getrimmten Schnitten ist grottenschlecht, das
Ambiente, besonders aber dieser Buehnenaufbau mit seinem beschissenen
Lightshow-Gestaenge laesst die Vermutung aufkommen, als wenn eine stinknormale
Rockband auf der Buehne zu gange ist. Die Band verschwindet ganz einfach in
dieser Rockstar-maessig aufgebauten Umgebung und wird somit in keiner Weise
gewuerdigt! Also, mit der DVD kann ich null anfangen. Aber gluecklicherweise
liegt noch eine zweite DVD bei. Und die, meine ehrenwerten Hardcore-Freunde da
draussen ist allein ihr Geld wert! Ein ausdruckstarker Zusammenschnitt aus den
Jahren 1984 bis 2006. Halb-Dokumentation, Halb-Konzertmitschnitte, immer
schluessig und die Band zeigt sich im Gespraech stets von einer ueberaus
sympathischen Seite. Na ja, Lee Hollis laesst ab und zu ein wenig zu wuenschen
uebrig! Scheint ein etwas komplizierter Typ zu sein! Den anderen Jungs nimmt man
aber jedes Wort ab, allen voran Schlagzeuger Beppo (mit UNDERTONES-Shirt) und
Gitarrist Roger, die einen sehr entspannten Eindruck hinterlassen. Waehrend
Roger in seinen Ausfuehrungen sehr lebhaft wirkt, hat Beppo eine sehr ruhige Art
zu sprechen, er bringt die Sache aber sofort auf den Punkt, und das macht
wirklich grosse Laune ihm bei seinen Geschichten zu zuhoeren. Er koennte auch
gerne ein Punkrock-Hoerbuch raus bringen. Wuerde ich mir bestimmt sofort
zulegen! Ausfuehrlich wird u.a. auf die „Nothing To Prove“-Tour in Suedafrika(!)
eingegangen. Ein Fan dort wollte die Band unbedingt in seiner Heimat spielen
sehen und hielt die Jungs auch die ganze Zeit aus! Ohne solch Verrueckten waere
die Welt wirklich aermer! Super-Aktion! Und den Spermbirds merkt man sichtlich
an, dass sie von diesem Erlebnis immer noch schwaermen! Wie schon erwaehnt,
diese DVD ist ein Gedicht! Und dass Lee Hollis den Namen Charlie Harper vorher
anscheinend noch nie gehoert hatte verzeihe ich ihn mal an dieser Stelle
grosszuegig! Hahaha…., welch ein Edelmann der Real Shock doch manchmal sein
kann…..
( * * * * * )
STREETLIGHT MANIFESTO
„Somewhere In The Between“ CD
( Victory Records / Gordeon Promotion , Release Date: 16. November 2007 )
Dachte bei dem Bandnamen zunaechst an extrem derben Affen-Hardcore aus New
York. Mit tanzbarem Trompeten-Ska-Swing, der vereinzelt einen Zugang zu
Street-Punk bietet, habe ich nun wahrlich nicht mit gerechnet. Die Band besteht
aus langjaehrigen alten Freunden, die schon frueher in Bands wie CATCH 22 und
ONE COOL GUY hauptsaechlich in der Club-Szene um New Jersey fuer Furore sorgten.
Ende der 90er gab es einen Schnitt in beiden Bands und so entstand Streetlight
Manifesto. Im Dezember 2002 unterschrieben sie bei „Victory Records“, wo sie nun
ihr drittes Album mit „Somewhere In The Between“ vorlegen. Schnell wird jedem
Kenner klar, dass auch diese zehn Songs im Live-Set ihre Berechtigung finden
werden. Nun, mein Ohrenpaar gehoert voellig anderem Sound. Das wird auch schoen
so bleiben. Ist mir aufgrund des haeufigen Posaunen-Vorkommen doch um einiges zu
hektisch.
( * * * - )

THE TOASTERS
„One More Bullet“ CD
( Leech Records / LeechRedda.com , Release Date: 05. Oktober 2007 )
Seit 1981 spielen New York´s the Toasters ihren Ska-Sound, der mittlerweile
von der Band selbst als „East-Side-Beat“ betitelt wird. Klar, dass sich ihre
Musik in all den Jahren immer weiter entwickelt hat und musikalische Einfluesse
wie Soul, Reggae und Punk nahtlos ineinander uebergegangen sind. Beinahe so
aehnlich klingen manchmal auch RANCID und andere Ska-Punk-Kumpanen. Und
irgendwie sind die Toasters eben eine ganze Ecke echter, als aktuelle Ska-Bands,
so wie es etwa auch THE SPECIALS in den 80ern wirkungsvoll ruebergebracht haben.
„One More Bullet“ wird als das zehnte Studio-Album der Toasters in die
Ska-Historie eingehen, besonders auffaellig von daher, da sich mit „Bits And
Pieces“ (DAVE CLARK FIVE), „When Will I Be Loved“ (EVERLY BROS. ) und dem „Blues
Brothers Outro“ auf die Musik von „Everybody Needs Somebody To Love“ noch drei
ziemlich untypische Coverversionen eingeschlichen haben.
( * * * + )
VERLORENE JUNGS
„…für eine Stueck Leben“ CD
( Sunny Bastards / Gordeon Promotion , Release Date: 16. November 2007 )
Da hab ich mir mal den Spass erlaubt ein paar Takte in die Songs
reinzulauschen. Nicht so schlimm, wie ich zu Anfang noch vermutet habe. Aber
auch nichts was mich hier auch nur eine Sekunde freiwillig laenger haelt. Vom
ehrlichen Strassen-Rock ist da die Rede. Sollen sie nur machen. Ich hab da als
alter 77er Punkrock-Knochen noch nie einen Bezug zu aufbauen koennen!
( * - )