So, hier nun das Update fuer Mai. Das Update fuer Juni erfolgt Anfang Juli 2009. Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.

THE CASTING OUT
„Go Crazy! Throw Fireworks!” CD
( Revolver Promotion , Release Date: 29. Mai 2009 )
Nach der Aufloesung von BOYSETFIRE zauberte ihr Saenger Nathan Gray ziemlich
zuegig eine neue Band aus dem Emocore-Huetchen. Mit „Go Crazy! Throw Fireworks!”
ist nun ihr erstes selbst produziertes Album veroeffentlicht worden. Die
insgesamt zwoelf Songs klingen ziemlich pompoes und auch schoen poppig. Leider
ist das alles ein wenig zu unspektakulaer in Szene gesetzt. Und so plaetschert
die Musik im Weichspueler-Programm vor sich hin, ohne an Hoehen oder an Tiefen
aufzubauen. Keine Frage, das ist keine schlechte Platte, aber eben nicht was
einen wirklich packt oder gar fesselnd.
( * * * )

GIRLS AT OUR BEST!
„Pleasure” CD
( Cherry Red Records / CheryRed.co.uk , Release Date: 18. Mai 2009 )
Diese Band aus Leeds war eine zeitlang auch oefters bei JOHN PEEL Ende der
80er zu hoeren. Das erste Mal wurde ich auf sie aufmerksam, als in seinem
Programm die Debuet-Single „Getting Nowhere Fast“ lief. In jeder seiner
Sendungen gab es damals Woche fuer Woche neue Bands zu entdecken, die sich durch
ihre markanten Stile sofort voneinander unterscheiden liessen. Auch Girls At Our
Best! hatten dieses Gene von Beginn an intus. Sie klangen nicht wie die
MO-DETTES, die RAINCOATS, die AU PAIRS oder die SLITS, nein, sie hatten bereits
mit ihrer ersten Single eine individuelle Richtung fuer sich vorgegeben. Auch
die B-Seite „Warm Girls“ hatte das gewisse Etwas und ueberraschte einen durch
seine herausragenden Wendungen, besonders beim Refrain und zum Ende hin. Nach
zwei weiteren Singles, „Politics!“ + „Go For Gold!“, die allerdings nur halb so
gut waren wie „Getting Nowhere Fast“, erschien im November 1981 die erste LP mit
dem Namen „Pleasure!“. Jetzt fiel mir leider verstaerkt auf, was ich an der Band
nicht mochte und das waren die viel zu hoch angesetzten Gesangs-Passagen ihrer
Saengerin Judy Evans. Das zeichnete sich schon auf den letzten beiden Singles
ab, doch auf ihrem Album blieb kaum ein Song von diesem, nennen wir es mal
Markenzeichen der Band, verschont. Dass die Band dann allerdings noch einmal
zurueckkommen koennte, haette ich nicht mehr vermutet. Aber genau das war der
Fall! Ihre vierte und auch letzte Single „Fast Boyfriends“ gilt bis heute neben
ihrer ersten Single zu den wirklich brillanten Momentaufnahmen dieser doch aus
der Art geschlagenen Post-Punkband. Seit knapp 30 Jahre in der Reservatenkammer
schlummernd, sind diese Perlen bei „Cherry Red“ nie in Vergessenheit geraten.
Das Label hat aus dem damaligen GAOB!-Vermaechtnis nun endlich eine schicke
22-Song-CD gemacht. Die Aufnahmen wurden allesamt re-mastered, der „No More
Heroes“-Autor Alex Ogg wurde ebenfalls fuer eine ausfuehrliche Band-Story
hinzugezogen. Auf der CD sind alle Songs enthalten, die ich in wenigen Zeilen
zuvor kurz angerissen habe, als Bonus gibt es vier Tracks einer BBC Session, die
damals fuer Richard Skinner eingespielt wurde und der Schluss bildet das
unveroeffentlichte Demo „Boys At Their Best!“.
( * * * * + )

HIGHSCHOOL NIGHTMARE
„Nightmare High” CD
( True Rebel Records / True-Rebel-Records.com , Release Date: 02. April 2009 )
Auch wenn im Promo-Info darauf hingewiesen wird, das sich das Debuet der
drei Hamburger u.a. nach „Horror-Punk“ anhoeren soll, kann ich beim besten
Willen diese eine Facette nicht unbedingt rausfiltern. Dafuer kann ich aber
allerdings mit Fug und Recht bestaetigen, dass die Jungs eine wirklich gute
Arbeit bei ihren insgesamt 16 Songs abgeliefert haben. Man merkt sofort, dass
dieses Trio musikalisch sehr gut aufeinander anspricht. Die Refrains sitzen
einsA, die Lieder bieten echte Abwechselung, nur ihr Gitarrist bereitet mir
zeitweise etwas Sorgen, da er sich mit seiner Gitarre zu sehr in den Vordergrund
spielt. Oder formulieren wir es mal so, im End-Mix haetten seine Regler ruhig
mal an der einen oder anderen Stelle ein wenig nach unten zeigen koennen. Aber
sonst kann die Band mit diesem ersten Ergebnis sehr gut leben. Ganz klar, das
ist erfrischend gespielter Punk Rock, der sich nie auf eine Spezies
konzentriert, sondern seine Fuehler gleichermassen im Pop-pUnK, Melodic-Core,
77er-pUnK rOcK und im Rock’n’Roll-pUnK ausstreckt. Die Staerke liegt dabei ganz
eindeutig in den Refrains, da haben die Jungs echt was von weg! Als
Paradebeispiel dient dafuer der Song „Are You Lonely“.
( * * * * )

HOODS
„Pit Beast” CD
( I Scream Records / Gordeon Promotion , Release Date: 30. Mai 2009 )
Der Pit-Mosh geht in eine neue gestaehlte Saison! Hoods von der Westkueste
der USA haben sich seit Beginn ihrer Gruendung im Jahre ´95 nun endgueltig mit
der aktuellen full-length „Pit Beast“ einen sicheren Platz in der hart
umkaempften HC-Oberliga erspielt. Die Maxime „Schneller, Lauter, Haerter“
beherzigen die harten Jungs mit aller Deutlichkeit. Mit der brutalsten
aeussersten Konsequenz und einem Schwindelerregenden Tempo werden die 11
Hardcore-Attacken ihres neuen Albums raus gehauen. Diese Blitzkrieg-Taktik kauf
ich den Jungs sofort zu 100% ab. Und geh dabei fein in Deckung!
( * * * )

KITTY IN A CASKET
„Horror Express” CD
( Crazy Love Records / Cargo Records , Release Date: 20. Mai 2009 )
Hier einige Fakten ihrer MySpace-Seite vom 20. Mai, passend zur VOE: 7006
Kommentare, Profilaufrufe: 1668307006, 16058 Freunde. Da meint man doch, das die
Band schon seit der Steinzeit existiert und nicht erst seit September
vergangenen Jahres. Das sind knapp neun Monate, meine unglaeubig dreinschauenden
Damen und Herren! Da fragt man sich in aller Bescheidenheit, als in die Jahre
gekommener Review-ShitWriter, ob diese Band evtl. das gewisse Etwas besitzt,
wonach andere Bands ein Leben lang vergeblich suchen? Mitnichten, Sir George!
Denn der Horror Express aus Oesterreich ist nicht schlechter oder besser als
andere Bands auf diesem Gebiet. Ich will sicherlich nicht abstreiten, dass
musikalische Qualitaeten vorhanden sind. Die Saengerin ist im Schnitt und die
Jungs machen ihre Sache auf den Instrumenten auch sehr ordentlich. Aber die Band
direkt so hochzujubeln, halte ich fuer reichlich uebertrieben. Schoen auf dem
Teppich bleiben und erstmal fein Klinken putzen! Das ist naemlich ganz
alltaeglicher Psychobilly-Sound, der sich ausgiebig am neuzeitlichen Punkrock-
und Greaser-Tum bedient. THE BONES, TIGER ARMY, TURBO ACs, SOCIAL DISTORTION,
all das was die Loser-Jugend von heute im dritten Lehrjahr unter Punkrock
beigebracht bekommt. Geht schon…., ich meine in Ordnung!
( * * * )

THE LAST RESORT
„You’ll Never Take Us” CD
( I Scream Records / Gordeon Promotion , Release Date: 08. Mai 2009 )
Die Ur-Skinheads von Last Resort sind anscheinend nicht tot zukriegen. Ganz
im Gegenteil! Praktisch aus dem Nichts praesentiert das belgische Label „I
Scream“ mit der unbeugsamen und beinahe schon bedrohlichen Aussage „You’ll Never
Take Us“ vierzehn neue Skinhead Anthems. Dabei werden beim Cover sofort
Erinnerungen an ihr erstes Album „Way Of Life - Skinhead Anthems“ von 1982 wach.
Und gewissermassen klingen auch die Lieder so. Aufgenommen im Londoner „Perry
Vale Recording Studio” unter den Fittichen vom Inhaber Pat Collier (THE
VIBRATORS, THE BOYFRIENDS) war von vornherein auf eine einwandfreie und
druckvolle Produktion Verlass. Im Herbst kommt die Band auch nach Deutschland
auf Tour.
( * * * )
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NOFX
„Coaster” CD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.com , Release Date: 24. April 2009 )
Die neue NOFX klingt eigentlich genauso wie der Vorgaenger. Nun, wenn BAD
RELIGION nicht aus ihrer Haut koennen, warum sollten es dann NOFX tun? Solange
es genug Zuhoerer weltweit gibt, die sich auf jede weitere Veroeffentlichung
freuen, ist daran auch nichts wirklich Verwerfliches. Das war bei den RAMONES
auch nicht anders! Getreu dem Motto: Schuster bleib bei deinen Leisten. Denn
auch nach 25 Jahren Bandgeschichte stehen die vier Freunde noch mit beiden
Beinen im Punkrock-Leben! Und vergessen dabei nicht, woher ihre musikalischen
Wurzeln herruehren. Denn so bedankt man sich im Booklet artig und voller Respekt
bei den Bands, die sie einst als HC-Kiddies auf den rechten Weg brachten. Als
Beispiele seien hier an dieser Stelle ADRENALIN O.D., DESCENDENTS, NIP DRIVERS,
SOCIAL UNREST und SUBCULTURE genannt. Mein liebstes Stueck ist direkt der Opener
„We Called It America“, der mich sofort an einen Sack voll BAD RELIGION-Nummern
erinnert. NOFX machen weiterhin alles richtig und das zum minuzioes geplanten
Zeitpunkt. Mit gutem Vorbild voran! Treffer und versenkt!
( * * * * + )

PENETRATION
„Our World” 7”
( Damaged Goods Records / DamagedGoods.co.uk , Release Date: 17. November 2008 )
„Es ist deine Welt. Ich lebe nur darin!“ Ein grossartiger Spruch aus einer
der besten TV-Soaps aller Zeiten. Die Rede ist von „King Of Queens“. Die Aussage
stammte von Arthur Spooner, gespielt von Ben Stiller´s Vater, Jerry, der in der
Serie den Vater von Doug Heffernan´s Ehefrau Carrie spielt. So kann man, muss
man aber nicht, den Refrain zu „Our World“ interpretieren. Das Penetration so
ganz nebenbei nach fast 22jaehriger Studio-Abstinenz einen ihrer besten Songs
eingespielt haben grenzt schon an ein kleines Wunder! Und auch die B-Seite „Sea
Song“ haette problemlos auf einer ihrer ersten beiden Alben gepasst. Penetration
sind zwar schon seit 2002 vereinzelt wieder live-technisch unterwegs, aber jetzt
erst klappte es auch mit einem ersten Besuch im Studio. Ein komplett neues Album
soll uebrigens in Arbeit sein, laut dem Platten-Label. Eigentlich hatte ich
nicht mehr damit gerechnet von „Damaged Goods“ eine Promo zu erhalten. Zwar
hatte man mir zum Zeitpunkt der Veroeffentlichung ein Exemplar zugesichert, was
aber nie eintraf. Nun lag zusammen mit dem Debuet-Album von ROXY EPOXY auf
nochmalige Anfrage hin ein Exemplar bei. Aber im November letzten Jahres wollte
ich dann nicht weiter Warten. Also, hab ich mir die limitierte Single in einer
500er-Auflage auf rotem Vinyl direkt fuer erstaunlich schmale Kohle bestellt und
obendrauf mir noch das komplette MP3-Download-Programm gegoennt. Denn auf Vinyl
kommen die Songs nicht ansatzweise so klar rueber, wie auf CD. Sofort nach dem
ersten Hoeren war ich von „Our World“ hin und weg. Mit solch einem Comeback hat
sicherlich keiner gerechnet. Pauline Murray´s Stimme ist so praesent wie zu „Moving
Targets“-Zeiten. Woher nur diese unfassbare Lockerheit? So, als wenn die Band
nie wirklich weg gewesen waere vom Fenster. Fuer mich ganz klar, einer der
besten Songs aus dem Jahre 2008 und deswegen auch noch nachtraeglich die Single des Monats!!!
( * * * * * + )

THE PIGS
„1977“ CD-R
( Bristol Archive Records / BristolArchiveRecords.com , Release Date: Mai 2009 )
Die PIGS-EP steht bei mir seit zig Jahren zwischen der PSEUDO EXISTORS- und
der PANIK-Single. Da gehoert sie auch standesgemaess hin. Denn die vier Songs
stehen fuer den „pUnK rOcK der fruehen Anfangstage“, der heute unter dem Begriff
„KILLED BY DEATH“ sehr gelaeufig ist. Aus heutiger Sicht sind die vier Songs als
ziemlich dilettantischer Garagen-Punk zu umschreiben. Aber um ehrlich zu sein,
auch als die EP damals raus kam war sie nicht die Offenbarung schlechthin, aber
sie lag immer noch verdammt weit ueber dem Durchschnitt. Genau ein Jahr, von Mai
´77 bis Mai ´78 existierte die Band. Nach nur wenigen Proben ging es ab auf die
Buehne, um u.a. in relativ kurzen Zeitabstaenden die STRANGLERS, die CORTINAS
und GENERATION X zu supporten. Auf einer dieser Konzerte war auch Miles Copeland
anwesend, der sie vom Fleck weg fuer eine erste Platte produzieren wollte. Es
waren gerade mal zwanzig Wochen vergangen, da hatte die Gruppe etwa zwoelf Songs
geschrieben und ungefaehr sechs Konzerte gespielt. Und nun standen die vier
Band-Mitglieder Mitte August im „Sound Conceptuon Studio“, was uebrigens nur
ueber vier Aufnahme-Spuren verfuegte, und spielte ihr komplettes Set ein.
Copeland waehlte die vier Songs fuer die EP aus, die wenige Wochen spaeter auf
„New Bristol Records“ mit dem Titel „Youthanasia“ erschien, wobei auf den Labels
die falsche Speed-Angabe stand. JOHN PEEL spielte die Single sieben Mal in
seinem Programm. Einmal sagte er: „This is the only track I’ve heard that sounds
as good at 33 as it does at 45.”, und spielte den Song „Psychopath”. Ein anderes
Mal sagte er, bevor er „National Front“ spielte: „Punk bands get accused of
political posturing.” Beinahe waere es auch dazu gekommen, das the Pigs den
support fuer die SEX PISTOLS machen sollten, aber der Club brannte in der Nacht
zuvor bis auf die Grundmauern nieder. In London spielten sie auch und zwar im „Marquee“,
als support der CORTINAS. Der Soundcheck fiel allerdings ins Wasser, weil auf
der Buehne ein TV-Interview mit Marianne Faithful abgedreht wurde. Und bei einem
Konzert von SIOUXSIE & THE BANSHEES konnten sie einen kurzen Live-Auftritt vorab
absolvieren und ihre EP praesentieren. So ueberschlugen sich also damals die
Ereignisse fuer eine kleine Punkrock-Band aus Bristol. Nun, im Jahr 2009 gab es
endlich gruenes Licht, um die restlichen sieben Songs von der Studiosession
zusammen mit den vier EP-Tracks zu veroeffentlichen. Zu erwerben gibt es das
gute Stueck im „Digitalen Store“ von „Bristol Archive Records“.
( * * * * + )

RF7
„Hatred On The Rise” CD
( Just 4 Fun Records / New Music Distribution , Release Date: 05. Juni 2009 )
Eigentlich hatten die beiden verbliebenen Original-Mitglieder der Band,
Gitarrist Nick Lamagna und Saenger Felix Alanis, den Plan, ungefaehr zwei bis
drei Songs mit ihrer alten Besetzung aus den 80ern einzuspielen. Das es dann
direkt 10 Songs wurden war vorher nicht abzusehen. Mit der derzeit aktuellen
Besetzung wurde die 19-Track-CD dann komplettiert. Nun, warum Kaliforniens RF7
es bis heute nie wirklich geschafft haben, sich in den Hardcore-Olymp
„hochzuspielen“ wird einem spaetestens nach der Haelfte der CD klar sein.
Waehrend Bands wie MINOR THREAT, BLACK FLAG, JFA, ADRENALIN O.D. oder CIRCLE
JERKS mit bestimmten Songs oder gar kompletten Alben sofort das Gedaechtnis
auffrischen, hinterlassen RF7-Songs hingegen eher fragende Gesichter. Wer war
das noch gleich? Ach die, werden vielleicht viele ehemalige HCer dann nach ein
paar Sekunden von sich geben. Was fuer einen Song hatten die noch gleich? Tja,
und wieder nur fragende Gesichter! Aber davon ab, RF7 brauchen sich nicht weiter
zu graemen, denn so erging es sehr vielen HC-Bands aus Amerika. Gut, aber was
will ich damit eigentlich andeuten? Egal wie viele Alben die Band auch seit
ihrer Gruendung 1979 raus gehauen hat, sie verfuegen einfach nicht ueber
genuegend Talent, um ihre musikalischen Schwaechen ein wenig auszubuegeln. Da
gibt es in der Punkrock-Geschichte genuegend andere Beispiele fuer,
stellvertretend seien hier die SPECIAL DUTIES aus England oder die DeRITA
SISTERS aus den USA genannt, die seit ihrer Zusammenkunft in identischen Miseren
stecken. Ich rede dabei ganz bewusst nicht von Weiterentwicklung. Denn dass
solche Entdeckungsreisen tuechtig in die Hose gehen koennen, beweist
ueberdeutlich das neue Album von GREEN DAY. Aber das waere jetzt ein voellig
anderes Thema. RF7 sind also keinen Deut besser oder schlechter, als vieler
ihrer Weggenossen aus alten HC-Tagen. Und deswegen werden sie auch mit dem
mittlerweile neunten Studio-Album sicherlich wieder in einigen Haushalten dieser
Welt gern gesehener Gast im CD-Player sein. So zwischen PLEASED YOUTH und NECROS.
( * * * )

ROXY EPOXY & THE REBOUND
„Band Aids On Bullet Holes” CD
( Damaged Goods Records / DamagedGoods.co.uk , Release Date: 06. April 2009 )
Roxy Epoxy macht in der heutigen Zeit ihre wirklich aussergewoehnliche
Stimme aus. Dagegen halten koennte man, das in den Jahren ´77 und ´78 solche
Stimmen fast zum guten Ton im Punk Rock gehoerten. Ob es bei PENETRATION eine
Pauline Murray, bei den BANSHEES eine Siouxsie Sue oder bei den REZILLOS eine
Fay Fife waren, sie alle hatten solch ungewoehnliche Stimmen, das man sie sich
unweigerlich einpraegen musste. Heute sind solche Ausnahmen bekanntlich sehr rar
gesaet und deswegen kann man die unabhaengige britische Musikpresse voll und
ganz verstehen, wenn aus dem fernen Portland ploetzlich eine gewisse Roxy Epoxy
auftaucht, die diese Attribute wie selbstverstaendlich mit sich bringt. Schon
bei ihrer ersten Band THE EPOXIES waren sich alle Kritiker im
Independent-Bereich einigt, das hier eine Band an den Start gegangen war, die
mehr sein wollte, als eine gewoehnliche Punk-Kapelle. Nach dem Split fuehrte
ihre Saengerin den allseits liebgewonnenen „New Wave“-Synth konsequent weiter.
Mit dem Ergebnis, das mit ihrer zweiten Band, THE REBOUND, nun noch etwas mehr
Wert auf die Rock-Elemente gelegt wird. Trotzdem haette es auch durchaus ein
neues EPOXIES-Werk sein koennen.
( * * * * )

SMOKEBOX
„Lemonade” CD
( Manufaktur Media / Cargo Records , Release Date: 08. Mai 2009 )
Schon das erste Album „Gimme Trouble“ gefiel mir nicht sonderlich. Und auch
auf ihrem zweiten Werk finde ich nicht einen Song, der mir evtl. zusagen koennte.
Dafuer sind die insgesamt 13 Songs auch in derart weit entfernten musikalischen
Gefilden anzutreffen, in denen ich mich aeusserst ungern aufhalte. Blues, Rock
und Country verschmelzen zu einem eigentuemlichen Gebilde, der fuer meine Ohren
ziemlich einschlaefernd klingt und fuer meine Begriffe auch nahezu untragbar
ist. Gut, die Jungs koennen spielen. Das ist Fakt! Aber das haben sie auch
schliesslich zehn Jahre lang in ihrer ehemaligen Punkrock-Band GREAT UNWASHED
oft genug unter Beweis gestellt. Wieso man dann allerdings in solch merkwuerdige
Klangwelten abdriftet, ist mir absolut schleierhaft. Denn das hier ist eher was
fuer vertraeumte Jung-Hippies und spiessige Indie-Hoerer.
( * * )

DIE TOTEN HOSEN
„In Aller Stille” SongBook
( Bosworth Music GmbH / Mute Music Promotion , Release Date: April 2009 )
Wenn man gross und stark ist, sind von Bands an der Herrschaft anscheinend
Songbooks selbstverstaendlich geworden. Seitdem man mir vor knapp fuenf Jahren
doch ziemlich unsanft zu verstehen gegeben hat, dass solch kleine Fanzine-Pupser
wie icke nicht mehr an der Himmelspforte erwuenscht sind, nehme ich mir, was mir
angeboten wird. Und so bekam ich also eine Mail von Mute Music Promotion, die
mir ein Exemplar des Songbooks zum Besprechen anboten. Da greift der Real Shock
gerne zu, auch wenn er sich in der Materie heutzutage nicht mehr auskennt. Auf
80 Seiten kann man nun als DieHard-Fan der Band sich an den Songs zum aktuellen
Album ausprobieren. Das ist schoen, aber nicht von Noeten und schon gar kein
Punk Rock. Nun, die Hosen wissen, wie man ihren Fans das Geld aus der Tasche
zieht. Irgendwann geht man eben auch ueber Leichen, laesst sich mit fuckin´ MTV
ein, veroeffentlicht streng limitierte CD-Boxen zu Horror-Kursen, sowie etliche
DVDs, die kurz hintereinander rauskommen. Und das meist, wenn das Geld etwas
lockerer sitzt, und zwar zur Weihnachtszeit. Da fragt man sich, wie viele
eingefleischte Hosen-Fans Kredite laufen haben oder hoffnungslos beim Nachbarn,
Bekannten oder Verwandten in der Kreide stehen? Die echten Hosen-Fans fressen
einen praktisch alles aus der Hand! Aber, so ist es nun mal im Musik-Business.
Das habe ich oft genug am eigenen Leib erlebt. Ist man noch unbekannt als Band,
ist man fuer jeden Support dankbar und ist man erst einmal an der Spitze
angelangt, wird man langsam aber sicher zum Menschen zweiter Klasse degradiert
und schickt seine Promos lieber an Tageszeitungen oder TV-Zeitungen. Schade nur,
dass ich der Band nicht wirklich boese fuer ihre zahlreichen Vergehen sein kann.
Sie wirken ab und zu immer noch so, wie man sie mal in den 80ern kurz kennen
gelernt hat. Da kommt wohl doch noch manchmal der Punk Rocker frueherer Tage
durch.
( * * * )

THE VON BONDIES
„Love, Hate And Then There´s You” CD
( Fierce Panda / Cargo Records , Release Date: 17. April 2009 )
Als mir die Promo angeboten wurde, sagte ich spontan zu. Dachte ich doch an
den wirklich verdammt guten Song „C’mon C’mon“ auf dem 2004 veroeffentlichtem
Album „Pawn Shoppe Heart“. Wenn auf „„Love, Hate And Then There´s You” ein
aehnlicher Song vertreten waere, dann haette ich zufrieden sein koennen. Leider
ist dem gar nicht so. Die Band hat sich in eine Richtung entwickelt, die mir
musikalisch rein gar nicht behagt. Entsprechendes kann ich auch vom aktuellen
GREEN DAY-Album sagen, aber das ist eine voellig andere Geschichte.
Halbangefangene Songs, die sich auf Dauer selbst verlieren und nicht mehr das
rettende Ufer erreichen. Alternativer Rock trifft es wohl am besten.
( * * )