So, hier nun das Maerz-Update. Das naechste Update erfolgt dann Ende April 2005. Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.
AGROTOXICO / FLICTS
„Thord World Jihad“ Split-CD
( Dirty Faces Records / DirtyFaces.de , Release Date: Oktober 2004 )
Die Hausband vom “Dirty Faces Label” teilt sich hier mit ihren Landsmaennern
FLICTS aus Sao Paulo eine CD, wobei insgesamt 13 Tracks bei rumkommen.
AGROTOXICO geben sich gewohnt angepisst und verbreiten mit ihrem schnellen
zeitweise etwas metallisch klingenden HC-Polit-Punk alles andere als gute Laune.
FLICTS hingegen sind eher in der flotten Mid-Tempo Schiene zu hause und geben
sich zunaechst bewusst Street-Punk tauglich. Dabei geraten sie aber nie im Sumpf
von stumpfen Oi!-Gegroele. Beim zweiten Hinhoeren allerdings wuerde ich die auch
gar nicht direkt zu den Streetpunk-Bands zaehlen. Dafuer klingen mir die meisten
Songs viel zu poppig und die koennen einen nur in gute Laune versetzen. FLICTS
kommen somit ganz ohne besoffene Macho-Typen mit freien Oberkoerpern aus. Gut
geloest!
( * * * )
BABYLON BOMBS
„Cracked Wide Open And Bruised“ CD
( Smilodon / Starkult Promotion , Release Date: 04. April 2005 )
Ich hab ja schon lange nicht mehr so einen schleimigen Drecks-Hardrock ueber die
Ohren gestrichen bekommen!!! Denn was die vier langhaarigen Jung-Poser aus
Stockholm da verbrochen haben gehoert in die hinterste Schublade. Schluessel
abziehen und ganz weit wegwerfen! Da kommt mir in nullkommanix die Galle hoch!!!
Meine Fresse, was ist das schrecklich!!!! I must puke! N-O-W!!!!! Da sind
GLUECIFER oder die HELLACOPTERS echt Gold gegen! Und die finde ich ja schon
richtig schlecht…....
( * )
BBQ
„Tie Your Noose” CD
( Bomp! Records / Bomp.com , Release Date: Maerz 2005 )
Who The Fuck Is BBQ? Well, das ist ein One-Man-Project, wo sich ein gewisser
Mark Sultan hinter verstecken tut. Meine Guete, ueber drei Jahrzehnte im
Ruhrpott hinterlassen schon drastische grammatikalische Aussetzer, oder wie
willst du Hanswurst das ins hochdeutsche uebersetzen wollen? BBQ ist der ideale
Soundtrack fuer auf jung getrimmte 50ties/60ties Teen Parties. Die Garage ruft
und alle duerfen mal an der Coke nuckeln und ein Zug von Paps Zigarette nehmen.
Jetzt ist uns allen furchtbar schlecht und raus geht es zum Kotzen auf den
gerade frisch gemaehten Rasen vorm schicken biederen Spiesserheim. BBQ ist schon
kein Schlechter und hat, ausser seiner Garage, bisher nicht sehr viel von der
Aussenwelt mitbekommen. Das macht seinen Sound auf den insgesamt 12 sehr flott
vorgetragenen Tracks ziemlich interessant. Es klingt alles ein wenig unschuldig
und sehr unvoreingenommen. Die Songs gehen ganz schoen ins Ohr.
( * * * * )

THE BOOMTOWN RATS
„Live At The Hammersmith Odeon, London 1978“ DVD
( Eagle Rock / Starkult Promotion , Release Date: 29. Maerz 2005 )
Den 07. Februar 2005 bzw. 15. Februar 2005 haben sich bestimmt viele Rats-Fans
in England und Deutschland rot im Kalender angestrichen. Denn da erschienen in
fan-gerechten Ausgaben die sechs Alben der Rats, in remasterte Form, als
Mid-Prices im Pappschuber und sehr aufwendig gestaltete Booklets mit allen
Texten und lots of Rats memorabilia. Ueberarbeitet von Bob Geldof und dem
Bassisten Pete Briquette. Zeitgleich mit den CD-Reissues ist eine DVD mit dem
Namen "Someone´s Looking At You (On Film 1976-1986) rausgekommen. Diese DVD
beinhaltet ihre Promo-Videos, angefangen mit "Looking After No.1" bis zu "A Hold
Of Me", das ´86er-Konzert "On A Night Like This" und TV-Auftritte aus den Jahren
´77, in der "Music Machine", bei Marc Bolan´s damaligen Show "Marc" und bei "Top
Of The Pops". Das nur zur weiteren Information. Sozusagen als Zugabe gibt es nun
noch das Konzert aus dem „Hammersmith Odeon“, Sommer 1978 auf DVD, was ich mir
vor ungefaehr zehn oder zwoelf Jahren als VHS-Kaufkassette zugelegt habe. Wenn
ich mich nicht irre gestaltet sich dieser Mitschnitt etwas anders. Auch bei
dieser Fertigstellung legten Bob und Pete Hand an und unter ihrer Leitung wurden
die Aufnahmen restauriert, um eine bestmoegliche DVD-Qualitaet zu garantieren.
Nun ja, gegen die zum Teil schlechte Buehnenausleuchtung ist auch der beste
Restaurateur machtlos. Trotzdem, wir bekommen noch genug vom Geschehen auf der
Buehne mit. Bob Geldof spielte sich auf wie ein durchgeknallter Cretin. Sprang
unkontrolliert in der Gegend rum, nutzte jeden Millimeter der Buehne und raste
sie waehrend des Konzertes mehrmals ab. Fuer reichlich Action war also gesorgt,
denn auch die restlichen Musiker standen nicht nur in ihren Nischen rum, sondern
wurden aktiv in Bobs kleine Spielchen integriert. Die Show war restlos
ausverkauft, die Menge ging gut mit, und ihre Hits sind allesamt zu hoeren, „Looking
After No.1“, „She´s So Modern“, „Like Clockwork“, „Rat Trap“ und der heimliche
Live-Hit der Rats, „Do The Rat“. Als Bonus wurden zwei Videos von Bob Geldof´s
aktuellem Album „Sex, Age & Death“ angefuegt. Vom rastlosen New Wave Saenger zum
ruhigen Akustikgitarre spielenden „Band Aid“-Schoepfer. Frueher reiste Bob durch
die Weltgeschichte, um auf die Misstaende in der dritten Welt aufmerksam zu
machen, heute ist es ein U2-Bono, der seine Rolle uebernommen hat. Bob Geldof
war wie fast alle, die mit der Punkbewegung 1976/1977 hochgespuelt worden sind,
nicht auf den Mund gefallen. Er war streng genommen sogar ein ganz schoenes
Grossmaul und motzte nicht nur die CLASH von der Seite an. Geschaetzte
Spielzeit: 77 Minuten. Noch Fragen?
( * * * * * )

CIVET
„Massacre“ CD
( Disaster Records / DisasterRecords.com , Release Date: Maerz 2005 )
Diese vier jungen O.C.-Punk-Maedels machen vor nichts halt und haben anscheinend
in ihrer Freizeit zu viel DISTILLERS und too much an „the Masque“-Bands
inhaliert. Denn Brody & Co ist sicherlich der musikalische Haupteinfluss, der
dieses 13-Song-Debuet sicher in den Hafen schippert. Rotzfrech bis Kante. So
sollte Punk Rock im Jahr 2005 klingen! Die Musik ist simpel, aber dennoch extrem
abwechselungsreich und wird von den Girls voller Enthusiasmus absolut
authentisch vorgetragen. Der in den „Jerry Adamo´s Studios“ – the Home Of The „Hostage“-Bands!
– produzierter Duane Peters Mix greift schon nach wenigen Takten.
Ueberraschungsband des Monats Maerz!
( * * * * )

THE DRONES
„Further Temptations“ DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 11. April 2005 )
Besser 28 Jahre nach 1977 etwas von den Drones aus Manchester auf Film zu haben,
als ueberhaupt nichts. Die drei Livemitschnitte mit einer Gesamtlaufzeit von 90
Minuten stammen alle aus dem Jahr 1996. Das Jahr, als das erste „Holidays In The
Sun“-Festival in Blackpool ueber die Buehnen ging. Dort traten die Drones dann
auch auf, zunaechst ganz regulaer am Freitag. Da der Auftritt beim Publikum so
gut ankam, gaben die Drones zwei Tage spaeter ein Zusatzkonzert. Ueberrascht
über die eigene Beliebtheit schob die Band am 12. Oktober ein weiteres Konzert
nach, was im „Pavilion“ in der englischen Grafschaft von Somerset in Bath
ausgetragen wurde. Da die Drones ausschliesslich Songs von ihren ´77er-Scheiben,
ihrer einzigen LP „Further Temptations“ und den beiden 7“inches „Temptations Of
A White Collar Worker + „Bone Idol“ spielten, kommt es logischerweise zu vielen
Ueberschneidungen. Die Band praesentiert sich auf der Buehne in ihrem
Zusammenspiel das ein oder andere Mal doch etwas unsicher. Wenn man nach so
vielen Jahren wieder bei Null anfaengt, bleibt das natuerlich nicht aus. Auch
mag bei mir nicht wirklich der beruehmte Funken ueberzuspringen, der Auftritt
ist doch eher von gediegener Qualitaet gepraegt. Besser konnten das wohl die
Zuschauer vor Ort beurteilen, aber als gemeiner DVD-Gucker ist man auf das halt
angewiesen, was ich da auf meiner Matschscheibe serviert bekomme. Wie bei fast
allen anderen englischen ´77er-Bands, die sich nach einem vierteljahrhundert
wieder auf die Buehnen wagten, ist der ungestueme Sound von einstigen Klassiker
stark ins sichere Rock-Milieu abgedriftet. Als Vergleich solltet ihr vielleicht
mal die LP auflegen und danach die DVD einlegen. Da tun sich schon Welten auf.
Das was die Band aber sicherlich ordentlich Bonuspunkte beim ersten Auftritt
bescherte, war ihr sehr charismatischer Saenger M.J. Drone, der durch und durch
sympathisch daherkommt und sichtlich Freude am Zuspruch des Publikum hatte.
( * * * * )
DROPKICK MURPHYS
„Singles Collection Volume 2, 1998 – 2004” CD
( Hellcat Records / Starkult Promotion , Release Date: 07. Maerz 2005 )
Hier haben die Murphys sich aber nicht lumpen lassen. Eine 23-Song-Collection,
die viele Ueberraschungen aus B-Seiten, Covers und Compilations bereit haelt. Da
hat sich in den sieben Jahren wirklich einiges angestaut. Spricht ja nur fuer
die Dropkicks, das sie diese zum Teil sehr raren Tracks noch einmal auf eine CD
zusammen gefuehrt haben. Highlights sind sicherlich die Coversongs. Dabei eine
einsA gelungene Interpretation des AC/DC-Song „It´s A Long Way To The Top (If
You Wanna Rock’n’Roll)“, der von null auf hundert direkt in einer meinen
woechentlichen Playlisten landete. By the way, ich wuerde mir wuenschen, das sie
auch noch den Rest der „High Voltage“-Scheibe covern. Weitere Cover-Versionen
u.a. von SHAM 69 „Hey Little Rich Boy“, ANGELIC UPSTARTS „Never Again“, STIFF
LITTLE FINGERS „Nobody´s Hero”, GANG GREEN „Alcohol”, MOTORHEAD „Rock’n’Roll”,
MISFITS „Halloween”, COCK SPARRER „Working” und F.U.´s „Warlords“. Natuerlich
darf als Irishfolk beeinflusste Punkrockband eine Einspielung von „Wild Rover”,
mit Gastsaenger Shane MacGowan nicht fehlen. Aber auch die eigenen Songs,
entnommen von diversen Split-7“inches oder MCD´s, wie etwa die mit FACE TO FACE
sind absolut hoerenswert. Jetzt bin ich auf das neue Studio-Album gespannt, was
im Juni 2005 erscheinen soll.
( * * * * * )
EDDIE AND THE HOT RODS
„Do Anything You Wanna Do” DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 11. April 2005 )
Auch bei dieser DVD wird man den Eindruck nicht los, das die Songs doch sehr
behaebig gespielt werden, und das Feuer alter Tage laengst verloschen ist. Als
direkten Vergleich habe ich mir da den Auftritt von den Hot Rods 1977 aus der
DVD „Punk – The Early Years“ angeschaut. Es ist so wie es ist. Mal abgesehen
davon, das man da noch beweglicher unterwegs war, als knapp zwanzig Jahre
spaeter, aber was ich nicht verstehe, ist, wie es moeglich sein kann, das die
Songs so unterschiedlich klingen koennen. Eine E-Gitarre hatte schon immer sechs
Saiten und ein Drummer braucht immer noch zwei Sticks, um sein Schlagwerk
ordentlich zu verpruegeln. Verstehen kann ich es allerdings voll und ganz, wenn
der Gesang nicht mehr so kraftvoll klingt wie frueher etwa. Okay, einzuraeumen
waere da noch, wenn der Schlagzeuger, der ja das Tempo eines Song vorgibt, nicht
mehr in seinem Bewegungsablauf so schnell ist. Nun, ich denke es hapert wirklich
zum einen am Mann an der Schiessbude und wenn dann auch noch der Saenger mit dem
Text nicht mehr hinterher kommt, dann sollte man eine Band sein lassen. Denn
dann verkommt man zu einer drittklassigen Band, die hinten im Pub abends fuer
ein paar volle Tablett Bier sich zum Affen macht. Bei der nun vorliegenden DVD
moechte man gleichzeitig lachen und weinen. Zum einen ist der Ton sehr schlecht
abgenommen, zum anderen hatte gerade der Gitarrist Keo sich mal besser
vorbereiten koennen. Sein Geschrammel versaut fast jeden Song. Scheint mir der
einzig neue Mann zu sein, da mit Saenger Barrie Masters, Drummer Steve Nicol und
Paul Gray am Bass die Original Line-Up an Bord ist und solide ohne jegliches
Aufsehen ihre Show absolvieren. Leider fehlen auch viele Songs, die die Hot Rods
um einiges besser haetten darstehen lassen koennen, wie etwa „Quit This Town“, „Ignore
Them“ oder „I Might Be Lying“. Die insgesamt 85 Minuten Spielzeit wurden in
London´s „The Bottom Line“ und in Carlisle´s „Front Page“ im Fruehjahr 1996
aufgenommen. So, und ich hoere mir jetzt mal ihr zweites Album „Life On The
Line“ an, um mich ein wenig von dieser doch eher schwachen DVD zu erholen.
( * * * )
ELVIS PRESLEY
„Good Rockin´ Tonight“ MCD
( Red Line Records / CherryRed.co.uk , Release Date: Maerz 2005 )
Und jetzt was fuer die Greaser unter euch! Schoen aufgepasst! Slim Jim Phantom,
Lee Rocker (ehemalige STRAY CATS), und Danny B. Harvey (the SWING CATS) fanden,
das es eine janz dufte Idee waere, Presley´s Live-Gesang, Mitte der ´50er
aufgenommen bei dem „Louisiana Hayride“-Radioprogramm musikalisch neu zu
untermalen. Die Greaser werden spaetestens jetzt voellig ausflippen, denn solch
ein gewagtes Unterfangen sucht sicherlich seinesgleichen. Zumal, die Ausbeute
sich durchaus hoeren lassen kann. „That´s All Right Mama oder „Good Rockin´
Tonight“ mal in einer ganz anderen Form. Fuer den Stunt, der nicht ganze ohne
war, gibt es von mir gruenes Licht.
( * * * )

THE GENERATORS
„The Winter Of Discontent“ CD
( People Like You Records / Starkult Promotion , Release Date: 04. April 2005 )
Fassen wir uns kurz: Denn auf die Generators ist einfach Verlass! Puenktlich zu
ihrem diesjaehrigen Europa-Besuch im Rahmen der „Where The Bad Boys Rock Easter
Festival Tour“ kommt nun die mittlerweile fuenfte full-length Studio-Scheibe auf
den Markt. Dabei hat sich die Besetzung mal wieder komplett veraendert. Dabei
zwei neue Punkrock-Upstarts an den Gitarren, Ace und Danny Damned, und ein neuer
Basser aelteren Semester namens Johnny Slash. Geblieben sind Saenger Doug Dagger
und Schlagzeuger Dirty Ernie, die nach achtjaehriger Bandkarriere natuerlich das
Grundgeruest der Generators bilden. Geblieben ist auch ihre einzigartige
Soundfabrik, die auf alte Punkrock-Helden wie die CLASH, die JAM oder STIFF
LITTLE FINGERS baut. Mit „Here I Go“, dem zweiten Song auf der CD hab ich auch
direkt meinen ersten persoenlichen Hit rausfiltern koennen. Die Generators
stehen nach wie vor fuer hoechst anspruchsvolle und intelligente Punkrock-Musik.
( * * * * * )
THE HOLLOW POINTS
„The Black Spot” CD
( Disaster Records / DisasterRecords.com , Release Date: Maerz 2005 )
Das Punker-Trio aus Seattle beginnt recht hitzig ihre Auseinandersetzung mit dem
Silberling. 14 Tracks sind dabei zu ueberstehen. Immer wieder ein ziemlich
schwieriges Unterfangen, wenn es sich dabei um eine relativ neue und fuer unsere
Breitengrade noch unbekannte Band handelt. Also, ich fuer meinen Teil hatte
vorher noch nicht das Vergnuegen gehabt, etwas aus der Musikerschmiede der
Hollow Points zu hoeren. Doch nach fuenf Tracks schleicht sich bei mir so etwas
wie Langeweile ein. Vielleicht liegt es daran, das ich einer Band wie den TURBO
A.C.´s nur bis zu einem bestimmten Punkt was abgewinnen kann, denn genau in
diese Kerbe hauen auch die Hollow Points. Der Gesang weist dabei frappierende
Aehnlichkeiten zu den New Yorkern auf. Die Musik klingt arg abgenutzt und die
Songs werden viel zu schnell runter gebrettert. Bleibende Eindruecke
Fehlanzeige!
( * * * )

JEFF DAHL
„Cursed, Poisoned, Condemned…“ CD
( Steel Cage Records / SteelCageRecords.com , Release Date: 08. Februar 2005 )
Jeff hat schon wieder eine komplette full-length rausgehauen. Dieser Mann
scheint nie auf der Stelle zu treten. Im Gegensatz zum Vorgaenger „Street
Fighting Reptile“, welches er ja im Alleingang quasi bewaeltigte, hat er sich
diesmal allerdings wieder Verstaerkung im Sinne einer klassischen Vierer-Combo
angelacht. Die Namen, die da allerdings im Booklet aufgefuehrt sind, sagen mir
auf den ersten Blick rein gar nichts. Bei den „Additional Vocals“ bin ich dann
wieder voll im Bilde, denn hier singen drei Damen von LES HELL ON HEELS, die ja
vor kurzem ihr Debuet-Album auf „Bomp! Records“ veroeffentlicht haben. Nun, ich
hab mir die 11 Songs in einem etwas unpassenden Moment angehoert und fand sie
zunaechst einfach nur ziemlich durchschnittlich. Doch ich bin dann zwei Tage
spaeter hinter das Geheimnis gekommen. Ich hab mir die Scheibe einfach viel zu
leise angehoert. Jeff Dahl´s allgemeine Musicbox ist wie geschaffen dafuer, sich
ausschliesslich nur mit Zimmerlautstaerke plus 2, maximal 3 zu naehern, was
immer das auch jetzt bedeuten mag. Anders funktioniert es einfach nicht. Denn
erst dann kommt auch Jeff´s Produzentenarbeit so richtig zum Tragen und kann
sich auf allen Kanaelen voll entfalten. Zu seiner altbewaehrten Erfolgsmischung
aus trashy Glam-Rock und NY Punkrock hat er auf „Cursed, Poisoned, Condemned…“
auch noch hier und da einige Bluesspuren im Wuestensand von Arizona
hinterlassen. Ach, uebrigens: Jeff wird dieses Jahr 50 und kommt jetzt im April
auf seine elfte Tour durch Europa.
( * * * * * )
THE KONKS
s/t CD
( Bomp! Records / Bomp.com , Release Date: Maerz 2005 )
Schade, wer dieser verzerrter Gesang nicht, koennte ich mich glatt mit den drei
Garagen-Punkern naeher anfreunden. Denn die machen ansonsten eine richtig gute
Figuer und spielen messerscharfen Trash-Sound, und das insgesamt 12 Mal.
( * * * )
THE LAST RESORT
„Resurrection“ CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 21. Februar 2005 )
Von Last Resort war ich nie ein grosser Freund. Ich hatte zwar auch die erste LP
„Skinhead Anthems“ im Zuge der „Skins und Punks United“-Sache im allgemeinen
Oi!-Wirrwarr in den ´80er besessen, aber mir war der Sound damals schon viel zu
lahm. Das Ding wurde nach ein paar Jahren fuer gutes Geld abgestossen. Damit war
der Fall „Last Resort“ fuer mich abgeschlossen und ich kaufte mir nichts mehr
aus dieser Richtung. Nach ueber 23 Jahren bekomme ich nun also diese CD
zugesandt. Das Cover finde ich schon mal nicht so prickelnd, aber das kann wohl
auch nur ein Skinhead beurteilen. Etwas angewidert hab ich das Teil dann
eingelegt und dachte so bei mir: „Ach, in spaetestens zehn Minuten fliegt das
Ding wieder raus und ich werde eine vernichtende Kritik dazu schreiben.“ Nun,
das Teil blieb bis zum Ende hin im Player und ich schaute mir auch noch das
angefuegte Video zu „Bolthole“ an, und war ehrlich gesagt so ziemlich
begeistert. Was war das? Die ersten vier Songs dieser insgesamt 13-Song-CD waren
eigentlich zunaechst fuer eine EP-Veroeffentlichung auf „Harry May Records“
vorgesehen, aber da es im Studio wohl so gut zusammen lief, wurden kurzerhand
noch einige alte Aufnahmen neu aufgenommen. Dazu kamen noch Cover-Versionen von
den 4-SKINS, WARZONE und AGNOSTIC FRONT. Doch zurueck zu den ersten vier Tracks,
die wohl zu den besten britischen Streetpunk-Anthems gehoeren, die ich in
letzter Zeit gehoert habe. Dabei faellt besonders „Bolthole“ aus dem Rahmen,
schnelle EXPLOITED wie zu alten „Dead Cities-Tagen trifft auf olle
MOTORHEAD-Schnallen und der „One Law For Them“-Army der 4-SKINS. Ziemliches
Highlight! Der gesamte Sound ist zu keiner Sekunde langweilig und geht nur ab.
Ich sag mal, das ist – Vorsicht, eine neue Schublade wird aufgemacht: Oi!-Rock!
Und Roi Pearce hat mittlerweile genau die richtige Stimmlage dafuer gefunden.
Lustig finde ich auch, das mir der Basser JJ und der Gitarrist Beef auf den
Fotos im Booklet irgendwie bekannt vorkamen. Kurz ueberblickt, und dann war
klar, die beiden hast du doch Ende 2001 im Oberhausener „Altenberg“, als
vollwertige Mitglieder der ANTI-NOWHERE LEAGUE auf der Buehne gesehen.
( * * * * )
MANIKIN
s/t CD
( Super Secret Records / ZCMRecords.com , Release Date: 2002 )
Etwas phantasielos kommen mir die insgesamt 12 Songs dieses US-Trio daher. Auch
wenn ich bis zum Schluss durchhalte, so richtig anfreunden kann ich mich nicht
mit dem krachigen Pop-Punk, der mich an the GAIN, KID DYNAMITE und auch entfernt
an die ODD NUMBERS erinnert. Ziemlich abgenutzt finde ich auch, das fast jeder
Song mit einem Basslauf anfaengt. Dennoch, so richtig nerven tun sie mich dann
doch nicht….
( * * * )
THE METEORS
„In Heaven“ CD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: Maerz 005 )
Alles Bitten und Flehen half nichts! „Cherry Red“ schickt mir auch weiterhin
brav jede Re-Issue von angesagten Psychobilly Combos. Das ´81er-Debuet „In
Heaven“ wird in Fachkreisen als bestes Psychobilly-Album aller Zeiten gehandelt!
Na denn…, ich halte mich da wie immer in solchen Sachen fein raus und verfalle
in vertrauter Teilnahmslosigkeit. Ich mag eben kein Psychobilly und schon gar
nicht von den Meteors!
( * )
MIKABOMB
„Hellcats“ CD-R
( Damaged Goods Records / DamagedGoods.co.uk , Release Date: 25. Maerz 2005 )
Gib palavernden Goeren ein Instrument in die Hand und dann kannst du ungefaehr
abschaetzen, was bei Mikabomb rauskommt. Naemlich, extrem niedlicher Japan
Girlie-PopPunk aus der 60ties-trashy trashy Garage, der im Minutentakt an mir
vorbeirauscht und keine bleibenden Eindruecke hinterlaesst. Denn fehlt so ein
wenig die Flegelhaftigkeit, die einst SHAMPOO an den Tag legten. Der
Japan-Import, hat seit 1998 in London sein Lager aufgeschlagen, um von dort aus
die restliche Welt mit ihren liebenswerten einfach gespielten Songs zu betoeren.
Mich hat es noch nicht erwischt und das wird es auch in Zukunft sicherlich
nicht. Dafuer sind mir ihre Songs viel zu leichte Kost. Naja, und die
Piepsstimme von Mika geht mir nach fuenf Songs auch schon gewaltig auf die
Nerven.
( * * )
MIKABOMB
„Osaka“ MCD
( Damaged Goods Records / DamagedGoods.co.uk , Release Date: 04. April 2005 )
Eine Band die meiner Meinung nach doch ziemlich ueberbewertet wird. Besonders
das Video zum Titelsong zeigt mir ueberdeutlich, das diese Band nicht gerade
sehr viel auf den Kasten hat. Ganz schoen lahm und furchtbar harmlos….., geht so
in diese Ecke, wo sich kleine Betty Pages Chicks und Greaser Hot Dogs Gute Nacht
sagen! Hi Ian, mach mal wieder USERS oder KILLJOYS.
( * * )

THE NEWTOWN NEUROTICS
„The Punk Singles Collection” CD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: Maerz 2005 )
Re-Issue der ´97er-Erstauflage. Bei „Cherry Red“ scheinen wohl so langsam die
Kopien aus der „Anagram Punk Serie“ auszugehen. Doch wenn da weiterhin die
Nachfrage besteht, waere man ja schoen bloed, die ein und andere CD einfach
einzustellen und nicht mehr nachzupressen. Schliesslich wollen etliche
nachrueckende Punkrock-Kids mit dem Stoff weltweit versorgt werden. Und bei so
einigen alten Punkrock-Bands hat eben „Cherry Red“ seine Hand drauf. Wie es der
CD-Titel schon sagt, befinden sich hier alle Singles der Newtown Neurotics,
angefangen vom JOHN PEEL-Klassiker „Hypocrite“ bis zu „Never Thought“ auf dem
insgesamt 22. Song starken Silberling. Da muss ich eigentlich sonst nicht mehr
viel zu sagen. Diese Band sollte eigentlich dem Besucher dieser Homepage mehr
als nur bekannt sein.
( * * * * * )
RED ALERT
„Excess All Areas” CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 28. Februar 2005 )
Etwas verunglueckt finde ich die CD-Cover Gestaltung. Da sticht halt nichts
sofort ins Auge. Obwohl die Idee mit dem Backstage-Pass, der den Zutritt für
alle Bereiche gewaehrt nicht schlecht ist. Aber das haette auch ein klassisches
Backcover sein koennen. Ueberlegt hat man anscheinend auch nicht, bei der
weiteren optischen Umsetzung des Booklet, da die Schreibschrift von den Texten
als lupenverdaechtig einzustufen ist. Finde ich doch im Nachhinein sehr schade,
da ich die Texte von Red Alert durch ihre Zusammenarbeit mit ihren Kumpels von
RED LONDON in den letzten Jahren zu schaetzen gelernt habe. Beide Bands haben
naemlich jede Menge zu erzaehlen, weitab von den sonst so gaengigen
Punker-Texten. Die Anmerkungen von Saenger Steve „Cast Iron“ Smith zu jedem
einzelnen Song sind allerdings ganz normal gut zu lesen. Co-Produzent war
uebrigens Mickey Geggus von den COCKNEY REJECTS, und wem das „Name Droppin´“
noch nicht reicht, dem sei gesagt, das Mickey Fitz von the BUSINESS gesanglich
beim Song „Somewhere In England“ mitgewirkt hat. Die insgesamt 12 Tracks
besitzen, dank ihres Gitarristen Tony Van Frater, schier unendlich viele
ideenreiche Strukturen, die sehr rockig und idyllisch angehaucht sind, aber
immer auf optimaler Augenhoehe mit den musikalischen Vorzuegen des britischen
´77er-Punkrock liegen. Wenn Punks ueber 40 heute noch zur Gitarre und zum Mikro
greifen, dann sollen sie sich auch bitte schoen so anhoeren wie Red Alert. Die
haben mit „Excess All Areas“ alles richtig gemacht! Eine tolle Platte fuer die
alten Herren unter uns!
( * * * * * )
RIOT SQUAD
„The Complete Punk Collection” CD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: Maerz 2005 )
Was machen zwei Punks und zwei Skins Anfang der ´80er in einer tristen
englischen Kleinstadt namens Mansfield, ausser sich am Nachmittag evtl. im
Einkaufscenter mit Cider ins Koma zu saufen? Genau, sie versuchen eine Band an
den Start zubekommen. Das damalige „Punk Lives“ – war so in etwa die „Bravo des
Punk“, schoen bunt mit jede Menge Postern von unseren damaligen Lieblingen der
Szene –beschrieben den Sound von Riot Squad ein Jahr nach ihrer Gruendung als
eine Kreuzung von ONE WAY SYSTEM und the EXPLOITED, wobei die wirklich gar nicht
mal so verkehrt lagen. Auf dieser 21-Track-CD, die 1995 zum ersten Mal auf
„Anagram Records“ erschienen war, und nun wieder neu aufgelegt wurde, wird das
komplette Programm der Band abgesteckt, angefangen von ihrer Debuet-7“inch „Fuck
The Tories“ Anfang ´82 auf dem ANTI PASTI-Label „Rondelet Records“ bis zu ihrer
ersten LP „No Potential Threat“ 1984 auf dem bandeigenen „Rot Label“. Zu dem
Zeitpunkt war die Band allerdings schon wieder Geschichte. So It Goes…..
( * * * )

SATAN´S RATS
„What A Bunch Of Rodents” CD
( Overground Records / OvergroundRecords.co.uk , Release Date: 28. Maerz 2005 )
An die drei Singles aus den ´70er war nur schwer ranzukommen. Sie standen schon
wenige Jahre nach ´77/´78 auf vielen Wantlisten der „mit allen Wassern
gewaschenen“ Vinyljunkie-Mafia. Die Originale habe ich bisher in meinem Leben
auch nur ein oder zwei Mal gesehen. 1996 hatte das Suchen aber endlich ein Ende.
„Overground Records“ bescherte uns gleich doppelt. Zum einen gab es die letzten
beiden 7“inches „Year Of The Rats“ und „You Make Me Sick“ in einer limitierten
1000er-Auflage auf farbigem Vinyl mit dem Original-Artwork, und die CD „What A
Bunch Of Rodents“ erschien. Auf dieser 20-Song-CD sind alle Lieder
zusammengefasst worden, die die Band aus Evesham (Worcestershire) seit ihrer
Gruendung im Januar 1977 als Demo bzw. Studioaufnahme mitgeschnitten hatte. In
allen Belangen ein absolut ueberzeugendes Dokument des klassischen ´77er Punk
Rock. Natuerlich erzeugen die drei Singles am meisten fuer Aufsehen. Den Anfang
macht „In My Love For You“/„Facade“, ihr Single-Debuet aus dem Jahre ´77,
produziert von Rikki Sylvan, dem Saenger von RIKKI & THE LAST DAYS OF EARTH,
damals eine weitere Punkband neben den Satan´s Rats auf „DJM Records“. Shit,
deren erste LP und diverse Singles hatte ich auch mal im Besitz, aber in einem
Anfall geistiger Umnachtung alle verhoekert. Ab Track 7 geht es in eine
´78er-Demo-Session, die von der Qualitaet her nicht mit den Studio-Singles
mithalten kann. Danach folgt mit Track 11 eine weitere Demo-Session. Diesmal aus
dem Jahre ´79, und man merkt hier bei den insgesamt sechs Songs, das ein
gewisser hoher Pop-Anteil zum Ausdruck kommt, der ein gutes Jahr spaeter, der
Nachfolgeband, the PHOTOS mit Saengerin Wendy Wu zu Gute kommt. Songs wie etwa
„Look At The Band“, „She´s Artistic“ oder „Who Stole My Skateboard?” fanden sich
auf ihrer ersten full-length mit der Bonus-Scheibe „The Blackmail Tapes“ wieder.
Nach dieser Session wurde dem Saenger der Rats, Paul Rencher, schlagartig
bewusst, das er bei den restlichen Mitgliedern mit seiner Meinung nicht mehr
willkommen war. Den Abschluss bilden die ersten vier Demos aus dem Jahre ´77, in
einer erstaunlich guten Qualitaet, u.a. ist hier eine weitere Version von ihrem
Hit „Year Of The Rats“ zu hoeren. Auch ziemlich einzigartig ist „Punk Rock Gig
(sic)“. Nachdem die erste und einmalige CD-Pressung von 1000 Kopien recht
schnell ausverkauft wurde, war die Nachfrage weiterhin ungebrochen. Nach
jahrelangen Neuverhandlungen konnte „Overground“ erst jetzt die Rechte an eine
Wiederveroeffentlichung sichern. Das Booklet wurde dabei um sechs weitere Seiten
ergaenzt, u.a. mit Photos, die man so noch nicht gesehen hat. Uebrigens, Saenger
Paul Rencher betreut heutzutage die Webpage des Fussball Club von Evesham.
( * * * * * )

SHAM 69
„Tell Us The Truth“ CD digipak
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 14. Februar 2005 )
Zu Sham 69 gibt es tausend Geschichten zu erzaehlen. Aber wo fang ich nur an?
Ich kann ja mal den Versuch wagen, jeweils zu jeder Kritik, die nun folgt, was
aus meinem Gedaechtnis zurueckzuholen. Vielleicht klappts ja. Das Wichtigste
natuerlich vorweg: „Captain Oi!“ hat sich die ersten vier „Polydor“-Alben,
geschnappt, re-mastert und neu aufgemoblelt. Schickes digipak Design, versehen
mit einer Picture-CD und einem Booklet mit allen Texten, diversen
7“-Coverabbildungen und den wichtigsten Facts zu den einzelnen Alben. So, das
waere geklaert. Gut, man kann natuerlich wieder darueber streiten, was diese
Wieder-Veroeffentlichungs-Welle soll? Aber das soll nicht Gegenstand dieser und
der folgenden drei Reviews sein. Vielmehr sollte man darauf sein Augenmerk
richten, das man es bei Sham 69 mit einer der damals, neben den CLASH, den
DAMNED und den SEX PISTOLS, wichtigsten Vertretern der englischen Punkszene zu
tun hatte. Jimmy Pursey war ebenso bedeutend wie ein Joe Strummer oder ein
Johnny Rotten. Ich zaehle Sham auch noch heute sehr gerne zu den eben genannten
Bands dazu, denn nur sie hatten noch diese ungebrochene Echtheit der
stuermischen Anfangstage. Wir alle kennen das Ende vom Lied. Die Clash gingen
nach Amerika, die Fans sprachen spaetestens nach der „London Calling“ vom
Ausverkauf, die Damned und die Sex Pistols loesten sich auf, woran sich die Kids
nun nur noch orientieren konnten waren Jimmy Pursey´s Sham 69, die zwar auch
Stueck für Stueck auf der musikalischen Seite abbauten, aber immer noch relevant
waren und einen Ruf zu verteidigen hatten. Aber auch Sham loesten sich im Sommer
1980 auf, gebrochenen an ihren eigenen Wertvorstellungen und an einer gehoerigen
Portion Naivitaet. Das „If The Kids Are Unitied“-Model war gruendlich
gescheitert. Die Tumulte mit rechten Skins, die Jimmy´s maechtige musikalische
Ausstrahlung nur zum Ausdruck und als Mittel zur Bestaetigung ihrer radikalen
Ansichten benutzten, zerstoerten viele Shows, wobei „Sham´s Last Stand“ Mitte
1979 im „Rainbow“ sicherlich den Hoehepunkt darstellte. Jimmy und seine
Sham-Gang konnten den Druck, den diese „sogenannten Fans“ auf sie ausuebten
nicht laenger standhalten. Er wollte sich auch nie in einer Punkfuehrer-Position
wieder finden, und auf keinen Fall als Sprecher der National Front. Er hatte
sich selbst, mit der Verweigerung und der Unfaehigkeit grosse Teile seines
aeusserst fragwuerdigen Publikum zu verstehen, in eine Sackgasse manoevriert.
Den politischen Aspekt, was fuer ein Gesocks er mit seinen „Working Class Lyrics“
auf den Plan rief, hatte er dabei voellig ausser Acht gelassen. Die ersten Songs
fuer dieses Album hoerte ich, wie kann es anders sein, bei JOHN PEEL, eines
schoenen Samstag morgen, kurz nach dem Fruehstueck. Er spielte sofort am Anfang
von seiner Sendung die ersten drei Songs der Live-Seite, die im „Marquee“ und im
„Vortex“ mitgeschnitten wurden. Am Ende seines einstuendigen Programm dann die
restlichen drei Songs. Er schloss die Sendung mit den Worten, das er mal wieder
nicht genuegend Zeit gehabt haette, sonst waeren auch noch Songs von der
Studioseite gespielt worden. Das holte er dann sieben Tage spaeter nach. Auf ihn
war halt Verlass. In den englischen Musikpapern waren Jimmy Pursey und Sham zu
dem Zeitpunkt das Gespraechsthema ueber Wochen. Auch wenn „Tell Us The Truth“
erst im Maerz 1978 erschienen war, so konnte man noch den ´77er-Flair gut
nachvollziehen. Aufgestockt ist die CD mit acht Tracks, Demos und
Singleversionen bekannter Songs. Sham Sham Sham…..
( * * * * * )

SHAM 69
„That´s Life“ CD digipak
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 14. Februar 2005 )
Im Dezember 1978 erschien schon das zweite full-length Werk. Ein weiteres
Nonplusultra der britischen Punkrock-Szene! Die 12 Songs basierten auf eine
Story, die der BBC-Sender „Arena“ in einen Film dokumentierten, wobei Grant
Fleming, Bassist von KIDZ NEXT DOOR, die Hauptrolle uebernahm. Die Geschichten,
die zwischen den einzelnen Songs auf der LP eingebaut wurden, aehneln sich in
vielerlei Hinsicht mit dem Inhalt von „Quadrophenia“. Fuer die damalige Rolle
des Hauptdarstellers „Jimmy“ war auch Jimmy Pursey kurze Zeit im Gespraech
gewesen. Letztendlich bekam aber Phil Daniels den Zuschlag. Sham hatten damals
auch schon drei Songs fuer den Film-Soundtrack aufgenommen gehabt, die aber nie
verwendet wurden, und auf der „Captain Oi!“-CD „Rarities 1977 – 80“ vor fuenf
Jahren veroeffentlicht wurden. Mit den zwei Singleauskoppelungen „Angels With
Dirty Faces“ und „Hurry Up Harry“ konnten sie wieder in den Top Twenty der
englischen Charts landen. Die Erfolge in den Charts verhalfen ihnen bei „Top of
The Pops“ aufzutreten, wo sie die Playback-Show absolut laecherlich machten.
Tja, diese boesen Punkers. Die CD hat zum Schluss auch wieder drei Bonus-Tracks
parat: „The Cockney Kids Are Innocent“, „If The Kids Are United“ und „No Entry“.
( * * * * * )

SHAM 69
„The Adventures Of Hersham Boys“ CD digipak
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 14. Februar 2005 )
Auch mit dem dritten Longplayer liessen Sham nicht lange auf sich warten. Wo
andere Combos heutzutage Jahre fuer brauchen, das schafften Sham in knapp neun
Monaten, denn im September 1979 war es wieder soweit. Mit „The Adventures Of
Hersham Boys“ lag das dritte Meisterstueck vor. Und das hat man ja damals bei
den meisten Punkrock-Bands so geschaetzt. Ihre Alben brauchten keine langen
Anlaufzeiten. Und dabei fabrizierten Bands wie die UNDERTONES, STIFF LITTLE
FINGERS, U.K. SUBS, ANGELIC UPSTARTS, COCKNEY REJECTS, THE JAM, THE CLASH, THE
RAMONES, THE VIBRATORS und eben auch Sham keinen Fliessband-Muell. Sie
enttaeuschten ihre Fans in keiner Weise und hatten auch nichts mit dem
Klischeespruch aus der veralterten Rockbibel am Hut, das das dritte Album immer
das schwierigste sein wird. Das war einfach nur beschissenes und ueberholtes
boring old fart Geschwaetz. Mit dieser Scheibe zollten Sham ihrem Stadtviertel
Hersham Tribute. Und wieder gab es mit „Hersham Boys“, „You´re A Better Man Than
I“ und „Questions And Answers“ drei Charterfolge zu verbuchen. Mein Fave war
aber auch noch „Lost On Highway 46“ gewesen, ebenenfalls ein Tribute, diesmal an
James Dean. Auf dieser CD befinden sich die meisten Bonus-Tracks der „Polydor“-Reissues.
10 Tracks an der Zahl, u.a. diverse B-Seiten, wobei die vier Live-Songs der „Hersham
Boys“-12“inch, aufgenommen im „Roundhouse“ 1978 einen weiteren Hoehepunkt
darstellten. Auch nicht zu verachten, die „drunken“ Versionen von „Borstal
Breakout“ und „If The Kids Are United“, die damals in einer limitierten
Erstauflage, als 12“inch der regulaeren LP beilagen.
( * * * * * )

SHAM 69
„The Game“ CD digipak
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 14. Februar 2005 )
Mit „The Game“, welches im Juli 1980 erschien, schliesse ich nun die
Sham-Chronik ueber die Jahre bei „Polydor“. „The Game“ war sicherlich das
schwaechste Album gewesen, obwohl die B-Seite „Give A Dog A Bone“ von der Single
„You´re A Better Man Than I“, die Single „Tell The Children“ und das letzte Lied
der LP „Run Wild Run Free“ noch beachtliche Akzente setzen konnten. Bei den acht
angefuegten Bonus-Tracks findet man auch noch „Unite And Win“, die letzte
Single, die Sham fuer das Label eingespielt hatten. Sowie das bisher
unveroeffentlichte BEATLES-Cover „Daytripper“, eine Einspielung die eigentlich
für das Album „Hersham Boys“ gedacht war. Die vier Live-Tracks aus dem Glasgower
„Apollo“ sind von einer Bonus-7“inch entnommen, die bei der ersten Auflage der
Sham-Kompilation „The First The Best The Last“ im November 1980 beigelegt wurde.
Sham 69 waren eine Band, mitten aus dem Leben gegriffen, die sich einen Weg aus
der Enge ihres Arbeiterviertel freigeschaufelt hatten, aber dabei nie vergessen
hatten, wo ihre Wurzeln waren. Das hatte man Jimmy Pursey in dieser Zeit immer
wieder hoch angerechnet. Ich wusste bis dato nicht, das von Sham 69 soviel altes
Filmmaterial existiert, wie etwa die ganzen Promo-Videos oder ein Auftritt, der
im „Roundhouse“ 1978 gefilmt wurde. Mir waren nur die Aufnahmen aus
verschiedenen „Top Of The Pops“-Auftritten, ihr Auftritt aus dem Film „Kids Like
Me And You“ und der Dokumentar-Film mit Grant Fleming bekannt. Vielleicht setzt
sich die Band ja eines Tages noch mal zusammen, um ernsthaft ueber eine Sham
69-DVD mit dem moeglichen Titel „Hersham Boys“ – The Complete Story 1977 - 80“
zu diskutierten. Zu wuenschen waere es. Sham, Sham, Sham…….
( * * * * * )
THE SHARKS
„Recreational Killer“ CD
„Colour My Flesh“ CD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: Februar 2005 )
„Cherry Red“ kann es nicht sein lassen. Sie schicken mir weiterhin auch ihren
Psychobilly-Kram. Und das, obwohl ich schon mehrmals in meinen eMails
eindringlich daraufhin gewiesen habe, das solche Klamotten gar nicht meinen
Geschmack treffen und ich damit überhaupt nichts anzufangen weiss. Aber denen
scheint das wohl total schnuppe zu sein, denn wie gesagt, ich werde immer noch
damit zugeschissen. Hier liegen mir zwei CDs vor, von einer Band namens the
Sharks (?), die diese beiden Alben Mitte der ´90er auf „Anagram“
veroeffentlichten. Jetzt sind die Teile noch mal neu-aufgelegt worden und ich
kann mich damit rumschlagen. Schoene Scheisse! Obwohl, so einige Songs sind gar
nicht mal so schlecht, wie ich zunaechst angenommen habe. Aber trotzdem, mit dem
Zeug kann man mich jagen. Auf der „Colour My Flesh“ covern sie uebrigens von den
NEW YORK DOLLS „Jet Boy“, was auch gar nicht mal so schlecht ist. Aber irgendwie
haengt hier der Psycho Billy natuerlich zu weit raus. Also, nix mit Punkrock,
you know…..
( * * )

THE SHOCKS
„Banned From The USA“ MCD
( Dirty Faces Records / DirtyFaces.de , Release Date: 08. Maerz 2005 )
Die Einreise in die Staaten gleicht einem Eiertanz und ist abhaengig von der
Tagesform der zustaendigen Beamten. Willkuer regiert und wenn einem da nicht die
Nase passt, kann es durchaus vorkommen, das man auf dem direkten Weg wieder ins
Flugzeug gesetzt wird und die Heimreise antreten darf. Und nach dem 11.
September wird ohnehin im Land der Paranoiker noch mehr Wert auf die innere
Sicherheit gelegt. Das aber ein gewisser Mr. Kaki von der Einwanderungsbehoerde
die drei harmlos aussehenden ´77er Punks aus dem Ostteil von Berlin mit den
Worten „You have no house, you have no car – What do you want in America?!“
abwimmelte und sie erst mal fuer siebzehn Stunden in der Abschiebehaft schmoren
liess, um sie anschliessend dann wieder in den Flieger nach Deutschland zusetzen
hat sicherlich nichts mit dem WTC-Alptraum zu tun gehabt. Und das unter dem
fadenscheinigen Grund, das sie kein gueltiges Arbeitsvisum hatten. Die Shocks
waren im September 2003 mit den BRIEFS für ein paar Gigs in den Staaten
verabredet gewesen und wollten auf ihrer Mission eigentlich nur dem
amerikanischen Publikum das deutsche Punkrock-Liedgut ein klein wenig naeher
bringen. Das das Abenteuer USA aber schon am Flughafen ihr jaehes Ende fand,
haette sich die Band sicherlich vorher nicht traeumen lassen. Was macht da eine
gute Band aus? Genau, das Erlebte textlich sowie musikalisch zu verarbeiten. Das
Resultat sind die ersten vier Songs hier, die von den Schikanen dort berichtet,
und zuvor als 7“inch mit einer 500er-Auflage in blau-orangen Vinyl
veroeffentlicht wurden. Trotzdem die vier Songs astreinen ´77er Punkrock mit
Schrammelgitarren, Handclaps und Ohrwurm-Refrains bieten – und das beste
Material ist, was die Band bis dato eingespielt hat – haette ich da gerne drauf
verzichtet, und den Jungs lieber ´ne tolle Zeit gemeinsam mit den BRIEFS
gewuenscht. Fuer diese MCD wurden nun noch drei Songs angefuegt, „Rock’n’Roll
Stalinist“ und das SAINTS-Cover „Private Affair“ von der Split-7“inch mit den
SHAKIN´ NASTIES, sowie der Track „Insekt“, ebenfalls ein gespieltes Cover,
diesmal von the BRIEFS, aus der Split-7“inch mit den BRIEFS entnommen, die
uebrigens „I Know“ von SHOCKS nachspielten. Als besonderen Gimmick gibt es den
aeussert sehenswerten Kurzfilm „More Kicks“. Schwerpunkt sind auch hier die
Vorkommnisse in den USA. Einzeln auf einer Treppe berichten die Shocks sehr
sachlich darueber. Nur Saenger Smail muss man wohl die Worte einzeln aus der
Nase ziehen. Kurz angeratzt wird dabei auch die bisherige Bandgeschichte.
Durchsetzt werden die Gespraeche mit unterhaltsamen Livebildern, die die
Wiederkehr der Band feiert. Die Shocks wollen es noch einmal wissen, und
irgendwann einen zweiten Versuch starten, um in die USA einreisen zu koennen.
Hoffentlich klappt es diesmal! Viel Glueck!
( * * * * * )

SMOKE OR FIRE
„Above The City“ CD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.de , Release Date: 22. Maerz 2005 )
Ian McKaye von MINOR THREAT hatte wohl einen erheblichen stimmlichen Einfluss
auf den Saenger von Smoke Or Fire, der sich bei jeden Song total verausgabt. Das
nenn ich Einsatz! Kommt schon mal nicht schlecht. Musikalisch bewegt sich das
Ganze zwischen HOT WATER MUSIC, AVAIL und AGAINST ME!, aber irgendwie klingen
mit Smoke Or Fire auf ihren 12 Tracks doch sehr viel straighter. Dadurch bleibt
eine Melodie auch mal logischerweise eher haften. Und die haben es in sich! Auf
Tempowechsel wird also dezent gepfiffen und der Frickelkasper hat erstmal janz
lang Pause. Also, in den ´80er haette ich die beinahe nach Washington D.C. zu
all den anderen Straight Edgern gepackt. Da die Jungs von den hohen Lebenskosten
in Boston die Schnauze voll hatten, zogen sie vor knapp fuenf Jahren kurzerhand
in den Sueden nach Richmond (VA). Hier scheint das Leben angenehmer zu sein und
auch ueberschaubarer. Smoke Or Fire haben mit ihrer ersten full-length eine
Luecke gefuellt, die den Hardcore-Sound der Neuzeit in einer absolut wuerdigen
Art und Weise vertritt. Sie mischen auch noch in regelmaessigen Abstaenden
LEATHERFACE-verdaechtige Refrains bei, und eine gewisse Pop-Note bleibt auch
nicht verborgen. Das Ganze hat maechtig Power und klingt dermassen unverbraucht!
Ich muss ehrlich eingestehen, das ich diese Songs von mal zu mal besser finde
und auch schon meine kleinen faves mit „Delawhere“, „Loving, Self-Loathing“ und
„Fire Escapes“ herausgefiltert habe. Aber ich bin mir sicher, da werden noch
weitere folgen. Mit den Jungs bekommt Fat Mike bestimmt noch so richtig Spass
mit. „Mike, halt Dir die Band auf jeden Fall warm.“ Ich verabreiche hier einfach
mal alle five stars. Fuer mich die beste Newcomer-Band, die „Fat Wreck“ in den
letzten Jahren gesignt hat. Ich bin beeindruckt!
( * * * * * )

SNUFF
„Six Of One, Half A Dozen Of The Other 1986-2002“ DoCD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.de , Release Date: 04. April 2005 )
Snuff aus dem Nordwesten Londons fingen als Mod-Band an? Hhhhhmm, das eroeffnet
ja voellig neue Aspekte. Doch Snuff war in all den Jahren nie so richtig mein
Fall gewesen und ich kann heutzutage keine Ambitionen zu klassischen Mod-Bands
erkennen. Eine Vespa fahren macht noch lange keinen Mod aus, oder etwa doch?
Ach, mir doch egal…., ich hab mir jetzt endlich „Quadrophenia“ auf DVD zugelegt,
und muss zum wiederholten Male eingestehen, das ich die damaligen dargestellten
Probleme von Mods wie Rockern aus der Sicht eines fast 42jaehrigen nicht mehr
nachvollziehen kann. Egal, ob Mods, Skins oder Punks, das sind verschwendete
Geschichten aus der Jugend, mehr nicht. Das Einzige was bleibt und fuer die
Ewigkeit bestimmt ist, ist die Musik. Und da hab ich bei Snuff nie so den Wert
drauf gelegt. Ich habe mir z.B. nie etwas von ihnen auf Vinyl oder CD zugelegt
gehabt. Hab die Band auch nur einmal sehen koennen und live sagte mir das auch
nicht wirklich zu. Nun ist also dieses Monster-Teil mit sage und schreibe 50
Songs, auf zwei CDs verteilt, raus gekommen. Uebrigens, ich wusste gar nicht,
das es Snuff schon seit 1986 gibt. Das war so die Zeit, als Bands wie STUPIDS
oder INSTIGATORS gerade von der Bildflaeche verschwanden und Bands wie Snuff
eben sich ihren Stil hier und da ein wenig annahmen. Doch, bei naeherer
Betrachtung kann man das nicht von der Hand weisen. Und ich hab da noch Pogo
getanzt! Lang, lang ist es her. Auf der CD 1 bekommt man ihre „Greatest Hits“ zu
hoeren. Und dann faellt es mir wie Schuppen von den Haaren und ich erinnere
mich, warum ich Snuff nie in meine Top Twenty plus 1977 aufnehmen werde. Ich
mochte diese schnellen Breaks zwischendurch nicht. Und die etwas schraegen
Klanglagen an sich luden auch nicht zu meiner allgemeinen Erheiterung bei. Musik
machen koennen sie ja, aber eben nicht fuer meinen Geschmack. Dachte ich
zumindest. Auf der CD 2 wird der „Fan“ speziell und ganz individuell
angesprochen, und dabei fein in Watte gepackt. Songs, die bisher nie
veroeffentlicht wurden, Songs, die zuvor als lausige und nicht weiter beachtete
B-Seiten fungierten, Songs, die auf irgendwelchen raren Samplern zu finden
waren. Ich hoere schon die Zungen schnalzen. Hier wird der Fan zum Fan und kann
sich den Silberling nach ungezaehlten Stunden des hemmungslosen Hoergenusses
vergolden lassen. Ich verlasse nun das Schiff und werde diesem Dokument bald
eine weitere Chance einraeumen. Bis dahin, moechte ich nicht als Erbsenzaehler
gelten und verleihe zwar nicht den Orden für besondere Verdienste im Punk Rock
Szeneleben, sondern vier Sternchen duerfen es auch mal sein.
( * * * * )
TAXI
„Who´s To Blame” 7” (CD-R)
( Dead Beat Records / Dead-Beat-Records.com , Release Date: November 2004 )
Schade, hab hier nur eine gebrannte CD mit den beiden Songs ihrer letzten auf
1000 Kopien limitierten 7”inch vorliegen. Kann es sein, das die roemischen Taxi
sich in der Zwischenzeit ein wenig auf dem GlamPunk-Markt umgeguckt haben? Also,
irgendwie klingt die A-Seite stark danach. Nicht so typisch „Killed By
Death“-lastig, wie noch auf ihrer ersten full-length „Like A Dog“ aus dem Jahre
2003. Auf der B-Seite „Down By Love“ hoere ich sogar Handclaps raus. Mir soll es
recht sein, hab nix gegen solche Reformen, die sich doch wunderbar ins
´77er-Gestruepp der vier kleinen Italiener einrangieren.
( * * * * )
TELEVISION PERSONALITIES
„I Was A Mod Before You Was A Mod“ CD
( Overground Records / OvergroundRecords.co.uk , Release Date: 28. Maerz 2005 )
Was ich nun davon halten soll, weiss ich ehrlich gesagt noch nicht so genau.
Fand bisher die Band bis auf wenige Songs aus ihrer Anfangszeit wie etwa „Part-Time
Punks“ oder „Smashing Time“ eigentlich nie besonders toll. Demzufolge kenn ich
mich auch nicht in deren Discographie aus. 1995 wurde dieses Album das erste Mal
auf „Overground“ veroeffentlicht, was in Kennerkreisen als eine Art Klassiker
bezeichnet wird. Hier nun also die Re-Issue mit elf fuer meine Begriffe recht
merkwuerdig aneinander gereihten Kompositionen. Die Frage bleibt allerdings
offen, was diese CD mit Mod zu tun haben soll. Werde sie mir, wenn es mir die
Zeit erlaubt, in einem ruhigen Moment noch mal zu Gemuete fuehren. Vielleicht
komme ich ja dann noch auf den Trichter.
( * * * )
TEXAS THIEVES
„Forced Vacation“ CD
( Super Speedway Music / ZCMRecords.com , Release Date: 2003 )
Hier hatte ich schon mal die Ehre gehabt, etwas von Frisco´s Texas Thieves zu
besprechen. Und zwar das aktuelle Album „Killer On Craig´s List“, was sie fuer
„Dr. Strange Records“ 2004 eingespielt hatten. Hier nun der Vorgaenger, der zwar
nicht die gleiche Intensitaet besitzt, aber dennoch unbedingt im oberen Dritten
anzusiedeln ist. Denn die Jungs druecken auch hier ordentlich auf die Tube, und
klingen auf ihren zehn Tracks so verblueffend gut wie einst der ´80er Stuff von
Bands like T.S.O.L., DI, FACTION oder ADOLESCENTS.
( * * * * )
THE MEN THEY COULDN´T HANG
„The Shooting“ DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 11. April 2005 )
Ich glaub, ich hab mir von dieser Band irgendwann in den ´90er eine 7“inch
zugelegt, die ich aber wieder ganz schnell verkauft habe. Spricht ja eigentlich
nicht gerade fuer sie. OKay, lassen wir die Fakten sprechen. 1984 gegruendet,
unterschrieben sie nach nur kurzer Zeit einen Plattenvertrag, dank der
Unterstuetzung von ELVIS COSTELLO, bei „Demon Records“ und veroeffentlichten ein
Cover von dem Song „Green Fields Of France“, der ein Hit in den Alternative
Charts in England wurde. 1991 trennten sie sich dann. Aus diesem Jahr stammt
auch dieser Gig hier, aufgenommen in London´s „Town And Country Club“. Ihre Hits
lassen sie in einem 20-Song-Set noch einmal Revue passieren, und das Publikum
geht begeistert zu den Folk beeinflussten Klaengen mit. Dabei wird u.a. auch
noch das JAM-Cover „The Man In The Corner Shop“ zum Besten geben. Ich kann mit
der Musik, die mich doch sehr haeufig an die POGUES erinnert, nicht sehr viel
anfangen Aber sie ist auch wieder zu gut oder anspruchsvoll, um hier eine
Verriss zu dulden. Hege ja schliesslich keinen Graeuel gegen diese friedlich
dreinschauenden Farmer-Boys.
( * * * )
TOKYO SKA PARADISE
„The Best Of – Ska Me Crazy“ CD
( Cherry Red Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 21. Maerz 2005 )
„Cherry Red” hat also Wort gehalten und schickt nach der CD „„Samurai Attack!“
von der Hardcore-Truppe S.A. einen weiteren Exoten-Import aus Japan ins Rennen.
Diesmal praesentiert sich mit Tokyo Ska Paradise ein 10-koepfiges Team, was sich
ausschliesslich dem Ska widmet, und das reichlich gesegnet mit Troetenklaengen.
In ihrer Heimat sind sie schon seit Jahren als ganz grosse Nummer unterwegs, und
haben in ihrer 20-jaehrigen Bandexistenz schon jede Menge Tontraeger unter
Japan´s Volk gebracht. Ausfluege zu Festivals in Europa und in den Staaten
stehen seit 2000 nun auch auf der Tagesordnung. Also, die Jungs sind in ihrem
Genre recht erfolgreich, und dieses Album hier ist eine Zusammenstellung ihrer
besten 15 Songs. Angefuegt wurden auch noch zwei Video-Tracks, die die Combo auf
dem „Monster Rock“-Festival zeigen und bei der Einspielung des Promo-Video „Bleed“.
Was die Japaner auch anpacken, es gelingt. Ob das im Punkrock-Bereich ist oder
wie hier im vorliegendem Fall in der Ska-Sparte. Liebhaber dieser Richtung sind
die Band sicherlich schon laengst am abfeiern. Nun, wer mich kennt, der weiss,
das ich mich mit solch einem Sound sehr schwer tue, aber weil Tokyo Ska Paradise
keine halben Sachen machen und es sich im Grunde genommen auch nicht wirklich
schlecht anhoert geht das schon in Ordnung. Sagen wir mal so, es nervt nicht zu
sehr!
( * * * )
THE TURBO A.C.´s
„Avenue X” CD
( Bitzcore Records / Starkult Promotion , Release Date: 04. April 2005 )
Nun, mit den Vorzeige-Greasern hab ich ja seit ihrer letzten Scheibe “Automatic”
so was aehnliches wie Friede, Freude, Eierkuchen abgemacht, aber so ganz
vergessen kann ich ihren peinlichen Auftritt, damals 1998 im April in Velbert´s
„Sonic“ nicht. Wer dazu meinen Konzert-Review lesen moechte sollte sich das 3RD
No.12 vom Sommer 1998 mal schnappen. Turbo A.C.´s sind zu einer aehnlichen Plage
geworden, wie etwa die BRIEFS oder die BONES. Alle Nase lang kann man sich
solche Bands in deutschen Clubs anschauen. Sind die inzwischen alle
eingebuergert worden zum guenstigen Sammelkurs? Kommt mir manchmal so vor. Egal,
das neue Album mit seinen 13 Tracks von New York´s Gel-Trio No.1 (haben die als
Sponsor evtl. „Drei Wetter Taft“?) birgt fuer den Fan keine zu grossen
Ueberraschungen. Es wird weiterhin heftig gepost, gerockt und gesurft. Ab und zu
tauchen Panfloeten, Bongos und ein leicht beschwingtes Klavierspiel in der
kleinen Punker-Welt der Turbos auf. Macht das Ganze wieder etwas
abwechselungsreicher. Die Jungs lassen eben nichts unversucht. Ich komm drauf
klar, na ja, so halbwegs. Ich plaediere eh dafuer, das die drei jungen Herren in
Black eine Gel-Kollektion raus bringen sollten. Fuer den schmierig-oeligen „Old
School-Greaser Look“ like Mike Ness streng zurueck gekaemmt, fuer den
glaenzenden Igel-Look den klassischen “Stachel-Punkrocker” und den metallischen
„Chaos-Look“ fuer extrem zersauste Haarpracht. Ja, warum denn nicht?
( * * * )

TV SMITH & DIE TOTEN HOSEN
„Useless - The Very Best Of T.V. Smith“ LP
( Dirty Faces Records / DirtyFaces.de , Release Date: 08. Maerz 2005 )
Da hat sich Jeschke aber einen richtig dicken Fisch aufs Label geholt. Meinen
Glueckwunsch! Nun, die CD-Veroeffentlichung auf dem Hosen-Label „JKP“ liegt ja
schon gut vier Jahre zurueck, und fuer alle die, die das Vinyl der digitalen
Technik nach wie vor favorisieren, koennen nun in den Genuss kommen, ein richtig
feines Sammelerstueck abzustauben. Fuer seine aufwendige Aufmachung ist ja das
Bochumer Label schon seit Jahren bekannt, und auch hier hat man sich nicht
lumpen lassen. Die LP erscheint im aufwendigen Klappcover, wobei im Innenteil
alle Texte und Fotos aus dem CD-Booklet uebernommen worden sind. Darueber hinaus
gibt es noch eine auf 525 Stueck limitierte Farbvinyl-Version, die allerdings
nur direkt bei „Dirty Faces“ im Ladenlokal oder bei ihrem Mailorder erhaeltlich
ist. Mit „Useless“ ging fuer mich auch ein kleiner Traum in Erfuellung, denn als
ich das Akustik-Album von TV SMITH „Generation Y“ 1999 im 3RD besprochen habe,
war mein Wunsch, dieses Album mal in einer E-Version zu hoeren. Immerhin
schafften es zwei Songs, „Expensive Being Poor“ und der Titelsong, auf diese
„Best Of….“. Und wer konnte da nicht besser als Backin´ Band geeignet sein, als
die Hosen, die ja schon seit etlichen Jahren eine gute Freundschaft zum
einstigen Saenger der ADVERTS verband. Sie verpassten der Produktion das
spezielle Feeling, was auch schon bei dem Punk-Rock-Cover-Album „Learning
English, Lesson One“ optimal zur Geltung gekommen war. Dazu ein Wall Of Sound,
der manchmal an alte PROFESSIONALS-Hits erinnert. 15 Songs sind es
schlussendlich geworden, da duerfen auch die ´77er-Smasher wie „One Chord
Wonders“, „Gary Gilmore´s Eyes“ und „Bored Teenagers“ nicht fehlen. Weitere
Songs stammen von TV´s zweiter Band CHEAP. Die hab ich uebrigens mal im
Duisburger „Old Daddy“ Mitte der ´80er gesehen. Aber das ist eine andere Story,
und die wurde auch schon in einer von den Printausgaben vom 3RD ziemlich
breitgetreten. Schliessen moechte ich diese Besprechung mit einem Satz von TV,
der mich persönlich auch angesprochen hat. Zum Song „Bored Teenagers“ schreibt
er als kurze Einleitung: „Being A Teenager Is So Much Better When You´re Older.“
Wie recht er doch hat!
( * * * * * )
V.A.: „HOW´S MY DRIVING?“
CD
( Super Speedway Music / ZCMRecords , Release Date: 2003 )
Ein qualitativ recht gut zusammen geschusterte Kompilation aus dem Hause „Super
Speedway Music“, wobei knapp die Haelfte der 16 Songs nicht aus dem
Labelprogramm stammen. So ist fuer noch mehr Abwechselung gesorgt. Songs stammen
aus der Feder von Bands wie FREE BEER, CLAY WHEELS, TEXAS THIEVES, the ODD
NUMBERS, ANGRY FOR LIFE, NOWHERE FAST oder BLACKLIST BRIGADE. Die Palette vom
Old-School-Punk bis zum Hardcore-Punk wird ganz gut abgedeckt. Leider fehlen so
ein wenig die echten Hits. Ein zweiter Teil ist mittlerweile erschienen.
( * * * )
THE VARUKERS
„The Punk Singles 1981–1985” CD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: Maerz 2005 )
Eine Neuauflage der Erstauflage aus dem Jahre 1996. VARUKERS, CHAOS U.K.,
DISORDER, alles irgendwie die gleiche Gruetze. Typischer ´80er U.K.-Hardcore,
der mir heutzutage wirklich den letzten Nerv rauben kann. Da waren EXPLOITED
oder DISCHARGE ja richtig Gold gegen! Ich kenn von den Varukers nur einen
relativ guten Song, den „Soldier Boy“ von ihrer ersten 7“inch. Aber der Rest?
Zum Weglaufen!
( * )