So, hier nun das zusammengefasste Update fuer Juni und Juli. Das August-Update erfolgt dann wegen Urlaub erst Anfang September 2006. Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.
ANGEL CITY OUTCASTS
„Deadrose Junction“ CD
( People Like You Records / Starkult Promotion , Release Date: 16. Juni 2006 )
FUCK JOHNNY CASH! Nur einfach mal so! Ich kann es einfach nicht mehr hoeren, wie
bei jeder sich bietenden Gelegenheit der Mann in schwarz ausgepackt und
vergoettert wird. FUCK AC/DC too! Auch nur mal so! Weil mir die endlosen
Lobeshymnen auf die boring old Stadionrocker so was von auf den Sack gehen! Und
ein Double-FUCK auf fuckin´ GUNS ’N ROSES, deren Poser-Bullshit ich regelrecht
hasste. Wenn ihr Punk, oder besser gesagt Punkrock hoeren wollt, dann seid ihr
hier bei der neuen Schlagerscheibe der Angel City Outcasts also voellig falsch.
Wenn ihr aber auf Cash, Young und Slash steht hoert hier mal rein. Die Angel
City Outcasts haben aber eh bei mir auf ewig verkackt, denn wer in der
Vergangenheit Schwachsinns-Songs wie „Popeye In Afghanistan“ schreibt kann sich
doch lieber gleich freiwillig fuer einen Einsatz im Irak melden und sein ach so
tolles Land Of The Free (WHAT?) dort in aller Abgeschiedenheit verteidigen. Ach
ja, FUCK THE VANDALS too!
( * )

ASTA KASK
„Aldrig En CD“ CD
( Burning Heart Records / BurningHeart.com , Release Date: 07. Juni 2006 )
Anfang/Mitte der ´80er studierte ich monatlich immer fein sorgfaeltig die
Review-Seiten des „MRR“. Nach deren Einschaetzungen (der fachkundigen Kritiker)
machte ich damals meine Vinyl-Einkaeufe sehr haeufig von abhaengig. So gelangte
auch die Mini-LP „Med Is I Magen” in meinem Besitz. In der Review sprach man
schliesslich von „´77er beeinflussten Punk mit STIFF LITTLE FINGERS-Note“, da
musste ich selbstverstaendlich sofort zuschlagen. Als sich „Med Is I Magen“ dann
auf meinem Plattenspieler drehte, war ich zunaechst etwas verwundert. Dachte im
ersten Moment, das ich die Abspielgeschwindigkeit nicht richtig eingestellt
hatte, aber nee, die stimmte schon. Hhhmmm, ich tat mich doch etwas schwer mit
dem Sound. Zwar stimmte alles, was ich vorher in der Bewertung raus-gelesen
hatte, aber ein gravierender Punkt wurde einfach unter dem Teppich gekehrt. Die
rasante Schnelligkeit, wie Asta Kask ihre Songs runterballerten. Gute zwanzig
Jahre spaeter habe ich natuerlich mit der Zeit alle moeglichen Varianten des
„Schnellen Spielen“ kennen gelernt. Und so wusste ich ja, was mich mit der „Aldrig
En CD“ erwartet. Schade nur, dass die komplette Gestaltung und Ausfuehrung der
CD ausschliesslich auf schwedisch erfolgte. Waere vielleicht von Vorteil gewesen
die re-masterte ´86er-Neuauflage mit einigen Linernotes zusaetzlich in englisch
zu verfassen. Ausserdem haetten den Texten einer englischen Uebersetzung
sicherlich auch richtig gut getan. Eine Reunion-CD ist wohl ebenfalls in Arbeit
und live sind sie in ihrer schwedischen Heimat auch schon im letzten Jahr wieder
mehrmals aufgetreten. Da machte es natuerlich Sinn ihre ´80er-Vermaechtnisse dem
heutigen Punk-Publikum zugaenglich zu machen.
( * * * * )

AUTOMATICS
„Britannia” CD
( Dork Records / mhendriks.fsnet.co.uk/INDEX.html , Release Date: 12. Juni 2006
)
Nach dem ich in meinem letzten Review-Update die Vier-Song-Vorab-Promo-MCD in
den allerhoechsten Toenen gelobt habe, liegt mir hier nun das komplette Album
vor, was sieben weitere hochklassige Power-Punk-Pop-Perlen bereithaelt.
Natuerlich ist die Besetzung bei der Umsetzung der Tracks gleich geblieben.
Produziert von Jim Wirt mit der musikalischen Unterstuetzung von den
Gastmusikern Steve Jones (SEX PISTOLS), Michael Des Barres (ex POWER STATION),
Mike Rossi (SLAUGHTER & THE DOGS) und Phil Hendriks (the STIFFS), der extra fuer
diese Release sein Label „Dork Records“ nach einem 20jaehrigem
Dornroeschenschlaf wachrief. Am Schlagzeug sass ein gewisser Tommy Dwyer.
Weitere Gitarren- und Bass-Einsaetze kamen von Ian McCallum (STIFF LITTLE
FINGERS) und Jim Wirt selbst. Auch Dave Philp verliess sich nicht nur auf seine
Stimme, sondern spielte einige Parts auf der Akustikgitarre ein. Ich hab die CD
nun schon seit einigen Wochen bei mir und kann mich jederzeit an diesen Tracks
auf ein Neues begeistern. „Britannia” ist in allen Belangen Dave´s ganz private
Liebeserklaerung an sein gutes altes England, was er vor ueber zwanzig Jahren
verlassen hatte, um in Amerika einen Neuanfang zu wagen. Die Songs sind bis ins
kleinste Detail projektiert, egal ob es diese einzigartige Musikvielfalt oder
die Auswahl der Texte betrifft, alles, wirklich alles fuegt sich am Ende perfekt
zusammen. Man spuert ganz tief im Inneren, das bei den Studioeinspielungen, egal
ob Ballade oder Mid-Tempo, jede Menge Herzblut vergossen wurde. Bis auf „Old
River Thames“ stammen allen Songs aus Dave´s Feder. Das unterstreicht einmal
mehr seine aussergewoehnliche Klasse als echter Songwriter, von denen es in der
Szene wirklich nicht mehr sehr viele gibt, zumindest aus der ´77er-Generation.
Ein Album, was bei mir sehr lange nachwirken wird. Ich hab ja schon immer
behauptet, dass ich im falschen Land geboren wurde.
( * * * * * )

THE BOYS
„Sick On You“ DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 29. Mai 2006 )
Ich hab ja nicht so den Plan von Technik, aber ich vermute mal, dass bei dieser
Aufzeichnung keine hochwertigen Digitalkameras benutzt wurden. Das grosse Manko
ist das das Bild oefters mal ziemlich unscharf wirkt, und die
Buehnenausleuchtung fuer einen Live-Mitschnitt einfach viel zu dunkel gehalten
wurde. Nur gut, das ich es damals auf keinen Fall hab nehmen lassen, mir das
erste Deutschland-Konzert der Boys, am 21. Dezember 2001 im Duesseldorfer „Tor
3“ anzuschauen. Das war wie 1987, the LURKERS im „Haus der Jugend“, ebenfalls in
D-dorf, wo die TOTEN HOSEN und der „HITSVILLE“-Recordstore gemeinsame Sache
gemacht haben, um die Band fuer nur einen Abend noch einmal zusammen zufuehren.
Dass es nicht dabei blieb wissen wir ja. Aber wir reden ja hier nicht ueber die
LURKERS, sondern ueber die Boys. Da hatten die Hosen natuerlich auch wieder ihre
Finger im Spiel und besonders fuer Campino ging nach 1991, als the Boys unter
the Yobs im Vorprogramm der TOTEN HOSEN ihr Weihnachtskonzert in der D-dorfer
"Philipshalle" bestritten, ein kleiner Kindheitstraum in Erfuellung. Man sah ihn
waehrend der Show oefters mal vorne im Pogo-Knaeuel rumspringen. Aus Hamburg war
zudem ein vollbesetzter Bus mit alten Punkrock-Haudegen eingetroffen und man sah
auch sonst wirklich nur bekannte Gesichter, wie etwa auch Peter Hein a ka Janie
J. Jones. Ein echtes Heimspiel also. ´77 Punk Rocker unter sich! Die Boys
praesentierten sich in einer bestechenden Form! Allen voran ein ewig jung
aussehender Kid Reid am Bass. Und so tingelten sie durch all ihre bekannten Hits
von damals. Als Zugabe gab es selbstverstaendlich noch einen Kurzauftritt der
YOBS, unter der tatkraeftigen Unterstuetzung der Hosen-Mitglieder. Das war ein
wirklich versoehnlicher Abschluss eines wirklich beschissenen Jahres. Wir
erinnern uns, zu Ostern verstarb JOEY RAMONE und der 11. September lag gerade
erst drei Monate zurueck. Die DVD endet mit einem Video-Mitschnitt aus dem Jahre
1980. Die Boys machten damals den Support für die RAMONES in der Norwich
University Of East Anglia. Die Aufnahme ist zwar in Farbe hat aber leider die
Qualitaet einer Kopie, die mindestens schon vierzigmal ueberspielt wurde. Aber
auch hier geht Kid Reid ab wie ein Flummi. Abschliessend ist diese DVD in erster
Linie fuer all die Leute gedacht, die 2001 in D-dorf waren. Leider was dieses
Konzert auch das einzige, was ich von den Boys gesehen habe, obwohl sie hier im
D-dorfer Raum bisher noch drei Mal gespielt haben. Aber das waren immer solch
irrwitzigen Festival-Stunts mit Combos die mich groesstenteils null
interessierten, mit den Boys als Hauptband, die dann so gegen halb zwei erst auf
die Buehne kommen sollten. Schade, denn die Band haette ich mir gerne noch
einmal in einem etwas kleineren Laden wie das „Tor 3“ mit vielleicht einer
Vorband angeschaut. Und der Weg nach London jetzt im September, wo die Boys an
zwei Abenden im „Barfly“ auftreten ist mir einfach viel zu kostspielig und zu
aufwendig. Aber immerhin gut zu wissen, das ich sie 2001, drei Tage vor
Weihnachten in D-dorf mal sehen durfte.
( * * * * * )

COCK SPARRER
„The Decca Years” CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 05. Juni 2006 )
Nach der „True Grit“-LP, 1987 auf „Razor Records“ erschienen, nun die erste
wirklich „offizielle” Veroeffentlichung von den legendaeren Aufnahmen, die die
Band 1976/1977 fuer das „Decca Label” gemacht hat. Darunter natuerlich die
Klassiker „Running Riot” (ihre erste Single!) und „Chip On My Shoulder”, sowie
die Songs ihrer ersten LP, die 1977 nur in Spanien raus gekommen war. Ausserdem
debuetiert der Track „Sunday Stripper” von „Oi!, The Album” nun endlich auch auf
CD. Das erste Lied, was ich ueberhaupt von Cock Sparrer zu hoeren bekam, war bei
JOHN PEEL und zugleich auch ihre zweite Single „We Love You” gewesen, einer
Coverversion der ROLLING STONES. Das Booklet beinhaltet Abbildungen von jeder
damaligen „Decca”-Release. Der Silberling an sich erscheint im Original „Decca”-Aufdruck.
Guter Einfall! Ziemlich einzigartig finde ich auch noch das Foto, wo die Band
1977 vor einer Londoner Plakatwand abgelichtet wurde. Im Hintergrund sieht man
u.a. Poster von LONDON fuer die „Friday On My Mind“-12“inch, the CLASH fuer die
„Complete Control“-Single und von the VIBRATORS. Bei dem Anblick muss man ganz
stark bleiben, um nicht Gelb vor Neid zu werden.
( * * * * )

CONFLICT
„It´s Time To See Who´s Who” CD digi-pak
( Mortarhate Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 01. Mai 2006 )
Hiermit eroeffne ich die kleine, aber feine Kollektion der ersten drei
CONFLICT-Alben, die in extremer Luxus-Ausfuehrung neu aufgelegt wurden. „It´s
Time To See Who´s Who” war das Debuet-Album von Conflict und wurde Anfang der
´80er veroeffentlicht. Neben CRASS brachen Conflict mit den alten Regeln,
schafften neue Standards und stuermten in den Independent Charts direkt von null
auf eins. Aufgenommen 1982, von Juli bis November in den Southern Studios,
produziert von Pete Wright (CRASS), nun also als komplettes Re-Master
erhaeltlich, zusaetzlich mit den Tracks ihrer ersten beiden EP´s fuer „Crass
Records“, „The House That Man Built“ und „To A Nation Of Animal Lovers“. Die CD
als digi-pak, mit allen Lyriks im Booklet, sowie dem Original-Artwork und vielen
Poster-Covern.
( * * * )
CONFLICT
„Increase The Pressure” CD digi-pak
( Mortarhate Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 17. April 2006 )
Nachdem ihr full-length Debuet schon fuer reichlich Furore sorgte, schickte
Colin´s kleine Anarcho-Bande ein gutes Jahr spaeter den zweiten Streich „Increase
The Pressure” ins Rennen. Das Album wurde weltweit von verschiedenen etablierten
Organisationen, wie etwa the Stonehenge Campaign, C.N.D., Hunt Sabs Association
und Stop The City „angenommen“ und sehr geschaetzt. Die sieben Songs wurden so
was wie eine Art von Quintessenzen fuer diese Organisationen. Auf dieser Release
gibt es noch einen Haufen Bonuse zu verzeichnen. Direkt nach den eigentlichen
LP-Tracks folgt ein Live-Konzert, aufgenommen am 08. Oktober 1983 in London´s „The
Brixton Ace“. Ausserdem noch die EP´s „The Serenade Is Dead” und „This Is Not
Enough”, sowie alternative Mixes von vier LP-Tracks. Ausfuehrung wie gehabt.
( * * * )

CONFLICT
„The Ungovernable Force” CD digi-pak
( Mortarhate Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 17. April 2006 )
Ihr drittes Album „The Ungovernable Force” wurde in Wales, in den Rockfield
Studios im August 1985 aufgenommen. Erst ein ganzes Jahr spaeter erschien das
Album dann endlich und wurde zum bestverkauften Conflict-Album. Zu den
regulaeren 15 LP-Tracks gesellen sich noch vier alternative Mixe, sowie die
beiden Songs „Mighty And Superior“ und „To Whom It May Concern“ von der „The
Battle Continues Single“ vom Oktober 1985. Neben CRASS waren Conflict in den
´80ern D-I-E Band gewesen, die fuer die spaetere Entwicklung der
Anarcho-Punk-Szene so wichtig und praegend war. Bis heute zieren tausende von
Lederjacken, Badges, Patches, Stickers und Shirts weltweit ihr Band-Logo.
( * * * )
DC SNIPERS
„Missile Sunset“ CD
( Dead Beat Records / Dead-Beat-Records.com , Release Date: Mai 2006 )
Der Anfang ist verdammt viel versprechend! „Note To Self“ haette von der New
Jersey Band bestimmt Ende der ´70er auch Gehoer im Radioprogramm von JOHN PEEL
gefunden, der ja bekanntlich ein leidenschaftlicher Fan von GANG OF FOUR und the
FALL war. DC Snipers mischen allerdings in den darauf folgenden Songs noch den
billigen „No Wave“-Touch a la the SCREAMERS bei, dessen Schrammel-Charakter von
the BRIEFS Ende der 90er auf ein Neues ausgegraben wurde und im 77er-Punk-Format
heute praesentiert wird. Leider steht bei DC Snipers der Mann an der Orgel fuer
meinen Geschmack bei fast allen Songs zu sehr im Vordergrund. Aber ansonsten ist
das hier schon eine recht flotte wie originelle CD mit ihren insgesamt 11 Tracks
geworden. Auf eine „aufgesetzte“ Lofi-Qualitaet wurde gluecklicherweise
verzichtet, die Instrumente so wie die Stimme sind gut voneinander zu
unterscheiden, und haben bei der Mischpult-Aufnahme mindestens eine Spur fuer
sich beanspruchen koennen. Endlich mal wieder eine „Deat Beat“-Releases der
besseren Sorte. Anspieltip(ps): „Note To Self“, „Electric Chair From Saigon“ und
„A.D.F.”
( * * * )
DEAD TO ME
„Cuban Ballerina” CD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.de , Release Date: 10. Juli 2006 )
Was machen Mitglieder der 2003 aufgeloesten ONE MAN ARMY und ein Mitglied der
noch intakten Band WESTERN ADDICTION? Richtig! Sie gruenden zusammen mit dem
unbekannten Schlagzeuger Ian Anderson eine neue Truppe. Dabei uebernimmt
Chicken, seines Zeichen Bassist bei WESTERN ADDICTION das Ruder und die beiden
Jungs von der ONE MAN ARMY, Jack Dalrymple (zweite Stimme + Guitar) und Brandon
(nur Guitar) spielen ganz offensichtlich nur die zweite Geige. Das soll
bedeuten, dass die Songs, insgesamt elf an der Zahl, sich musikalisch nie so
richtig einzuordnen lassen. Hier fehlt einfach eine klare Linie, eine Struktur.
„Cuban Ballerina“ ist nix Halbes und nix Ganzes. Es herrscht eine innerliche
Zerrissenheit, mal klingt es nach ONE MAN ARMY, dann wieder wie nach WESTERN
ADDICTION, aber das sich der musikalische Background mal in der Mitte trifft,
damit ist kaum zu rechnen. Schade, da haette ich einfach mehr von erwartet.
( * * * )
DEMENTED ARE GO
„Holy Hack Jack!” DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 26. Juni 2006 )
Anfang der ´80er in Cardiff gegruendet wurden Demented Are Go sehr schnell zu
einer der populaersten Bands in der englischen Psychobilly-Szene. Ihre
Live-Perfomances hatten immer etwas sehr spezielles, etwas spektakulaeres, mit
vielen Ueberraschungen, wie die zwei Shows auf dieser DVD eindrucksvoll
wiedergeben. „Holy Hack Jack“ hat dabei eine Spielzeit von 122 Minuten. Neben
den Live-Sets beim spanischen „Calella Music Festival“ von 2004 und im Club
„Princess Charlotte“ in Leicester 1998 werden ausserdem noch die Songs „I Wanna
Kill“ + „Stake In The Heart“ von ihrem Auftritt aus dem „Dome“, 1998 in
Morecambe gezeigt.
( * * * )
THE DOITS
„Lost, Lonely & Vicious” CD
( Wild Kingdom / Starkult Promotion , Release Date: 16. Juni 2006 )
Das zweite Album der Schweden. Und es hoert sich so an, als wenn sie sich nach
England ins Jahr ´79 zur wieder aufkeimenden Mod-Szene katapultiert haetten. Mod
ist auf jeden Fall ein ziemlich grosses Thema der insgesamt 13 Songs. Sehr
melodisch gehen die Doits vor, ich kann mir nicht helfen, aber haette mir
Mod-Master Dizzy von „Detour Records“ diese CD unter einem anderen Namen
zugeschickt, waere ich blindlings drauf reingefallen, und haette das Album fuer
verschollene Aufnahmen von irgendeiner Spaet-70er Mod-Band aus der englischen
Provinz gehalten. Evtl. haette mich die sehr ausgereifte Produktion stutzig
gemacht, aber sonst waere mir nichts weiter aufgefallen. Was den Songs
allerdings fehlt ist ein echter Hit, denn den hatte damals jede noch so kleine
Mod-Band im petto. Davon spuere ich auf dieser CD leider nicht viel. Im Ansatz
zwar vorhanden, aber das war es auch schon. Daran sollten die Doits noch
arbeiten und dann wird ihr drittes Album bestimmt ein echtes Knaller-Teil. Und
wenn man schon dabei ist, das Tempo ruhig mal richtig anziehen.
( * * * )
ENGLISH DOGS
„Psycho Killer“ DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 29. August 2006 )
Noch so meine Band, die mich damals nie grossartig interessiert hatte. „Mad Punx
And English Dogs“, ihre Debuet-12“inch von ´83 auf „Clay Records“ erschienen
ging spurlos an mir vorbei. Schliesslich machten G.B.H und teilweise auch
DISCHARGE auf dem Label weitaus besseren Hardcore-Punk. Die Dogs klangen
vielleicht im Ansatz auch so in etwa, aber sie mischten halt noch die ekelhafte
Metal-Komponente dazu, und schon hatten sie bei mir keine Chancen mehr. Hier nun
zwei Auftritte mit einer Laufzeit von insgesamt 82. Minuten. Der eine im „Cas
Rock“ von Edinburgh 1994 und der andere in Blackpool´s „Winter Gardens“ 1996
aufgezeichnet beim ersten „Holidays In The Sun“-Festival.
( * * * )
THE EXPLOITED
„Live In Japan & Argentina” DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 26. Juni 2006 )
Das „Live In Japan” wurde im Juni 1991 im „Club Citta“ in Kawasaki gefilmt und
das „Live In Argentina“ wurde im Maerz 1993 in Buenos Aires“ aufgenommen. Wattie
bei beiden Auftritten mit schlaffen Iro. Sieht das vielleicht scheisse aus!
Natuerlich beide Gigs in Front von einem durchgeknallten Pogo-Mob. Die Hits wie
„Dogs Of War“, „Punks Not Dead“, „Dead Cities“ oder „Exploited Barmy Army“
duerfen dabei nicht fehlen. Leider ist die Tonqualitaet bei beiden Shows nicht
wirklich gut, so dass man einige Lieder entweder erst viel spaeter erkennt oder
ueberhaupt nicht. Lustig, sind auf jeden Fall die „Backstage“-Aufnahmen aus
Argentinien, wo kurz vorm Show-Beginn „die Gaeste“ ein wenig unsanft aus dem
Raum befoerdert werden. Jaja, Wattie und seine Gang waren ja immer schon so
kleine Moechtegern-Sternchen gewesen! Fuer meine Begriffe hatten die Exploited
ihre beste Zeit in den ´80ern laengst hinter sich gelassen. Von daher wuerde es
mich viel eher interessieren, die DVDs „Rock’n’Roll Outlaws“/„Sexual Favours“
und „Live At The Palm Cove/„83-87“ mal zu besprechen.
( * * * )
G.G. ALLIN AND ANTiSEEN
„Murder Junkies“ CD
( TKO Records / TKORecords.com , Release Date: 13. Juni 2006 )
Die einen vergoettern ihn (immer noch), die einen hassen ihn bis aufs Blut. Ich
habe den liebeswerten verrueckten Scheisshaufen nicht wirklich gehasst, aber
auch nie gemocht. Für groessere Sitzungen behalte ich mir auch noch heute
unbedingt das Recht vor, rechtzeitig eine Toilette aufzusuchen. G.G.´s Klo war
immer die Buehne gewesen. Gott hab ihn selig. Scheisse..., aeh....Asche auf sein
Haupt.
( * )

GOLDBLADE
„Testify” DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 26. Juni 2006 )
Ich war zunaechst etwas irritiert, als ich mir die DVD anschaute. Aber nach
einer kleinen Internetrecherche meinerseits stand fest, das GoldBlade schon seit
laengerem in einer neuen Besetzung spielen. Von der Line-Up ihrer ersten
full-length „Hometurf“ aus dem Jahre ´97 ist nur noch Bassist Keith Curtis und
natuerlich Saenger John Robb von uebrig geblieben. Schade, denn ihren frueheren
Gitarristen Jay Taylor fand ich im Vorprogramm vom KING 1998 ziemlich gut. Da
habe ich auch noch einige ziemlich gute Fotos damals im „Konzert-Graben“ in
Dortmund und Koeln gemacht, die irgendwann auch mal bei meinem „Punk Rock Album“
auftauchen werden. Auf „Testify!“ also mit den neuen alten Gitarristen Pete
Gorgeous und Johny Skullknuckles am Start, die irgendwie auch optisch gut zu „Eight-Ball“-Posergruetze
a la the BONES passen koennten. Der Sound ist davon gluecklicherweise nicht
befallen. Aufgenommen 2005 in dem gut ueberschaubaren Club namens „Royal Oak“ in
Blackpool legt die Band auf der winzig kleinen Buehne eine reichlich
action-beladene Performance hin. Auch das Publikum mischt dabei ordentlich mit
und die Camcorder-Maenner liefern „unter Einsatz ihres Lebens“ unglaublich gute
Bilder ab. Schon nach wenigen Minuten dampft der kleine Club wie eine Sauna. Das
ist Punk Rock in absoluter Reinkultur! Punk Rock gehoert einfach in kleine Clubs
mit einem gut aufgelegten Pogo-Mob vor der Band. Und nicht auf irgendwelche
grossen beschissenen Mainstream-Stages mit Scheiss-Absperrgitter und
Scheiss-Graben davor! Da haben GoldBlade sich wirklich Gedanken gemacht, wie man
sich und ihre Musik am Besten repraesentieren kann. Das macht so richtig Spass
mit anzusehen, wenn ploetzlich die Barrieren zwischen Buehne und Zuschauerraum
komplett verschwinden, und die Band ihre Hits wie „AC/DC“, „Hairstyle“, „Psycho“,
„Do You Believe In The Power Of Rock’n’Roll“ oder „Kiss My Ass“ rausfeuert. Doch
damit ist die DVD mit ihren 87 Min. noch lange nicht zu Ende! Im Anschluss gibt
es drei Promo-Videos zu „AC/DC“, „Who Was The Killa“ und „Psycho“ und einige
Extras aus John Robb´s Archive unter dem Titel „Do You Believe“. Punk Rock, what
else?
( * * * * * )

GOOD RIDDANCE
„My Republic“ CD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.de , Release Date: 26. Juni 2006 )
Ein neues Album von Good Riddance verspricht immer wieder eine gelungene
Mischung aus politischen sowie sozialkritischen Texten und einem Sound, der
seine Einfluesse klar in den fruehen ´80ern bei Bands wie ADOLESCENTS, BAD
RELIGION, DESCENDENTS und D.I. ausmacht. Ihr siebtes Studioalbum fuer „Fat Wreck“
ist gleichzeitig auch das Beste! Nie habe ich Good Riddance zuvor so wunderbar
melodisch und straight gehoert. Auch die schnellen Stop- And Go-Passagen
gehoeren beinahe der Vergangenheit an. Auf der CD gibt es neben den 14 Tracks
noch ein PETA-Video und ein Live-Mitschnitt mit drei Songs von einer Show in
Santa Cruz.
( * * * * )
THEE HEADCOATS SECT
„Deerstalking Men“ CD
( Damaged Goods Records / DamagedGoods.co.uk , Release Date: 12. Juni 2006 )
1996 wurde dieses 12-Track-Album das erste Mal veroeffentlicht und zwar unter
der Mitwirkung von zwei Original-Mitgliedern der 60er Rhythm & Blues Band the
DOWLINERS SECT, Keith Grant (Bass + Voc.) und Don Craine (Guitar + Voc.) Die
restliche Besetzung machten thee HEADCOATS aus, unter Anleitung von Billy
Childish an der Gitarre, die auf „Damaged Goods“ schon so einige Scheiben in den
letzten fuenfzehn Jahren veroeffentlicht haben. Die Zusammenfuehrung der beiden
Bands ist recht interessant ausgefallen, da thee HEADCOATS den DOWNLINERS SECT
vom Sound her gut liegen. Daher auch nicht wirklich ueberraschend das Album mit
der Cover-Version „Strychnine“ zu beginnen. Und ueber den Rest kann man
streiten, mein Geschmack ist ihr Mix aus Garagen-Punk und Rhythm & Blues auf
jeden Fall nicht. Trotzdem eine artige Verbeugung vor beiden Bands, die auf
ihrem Gebiet eine Menge geleistet haben.
( * * * )
THE HELLBILLYS
„Torture Garden” CD
( Nickel And Dime Records / Dead-Beat-Records.com , Release Date: Mai 2006 )
Ziemlich interessante Mischung, denn hier sind Mitglieder von DEMENTED ARE GO
und CHRIST ON PARADE am Werke. Und so hoeren sich die 15 Songs dann auch an.
Psychobilly meets ´80er-Hardcore meets Rockabilly! Dazu ab und an eine
Double-Bass auf Speed-Metal-Basis. Musikalische Einfluesse von beiden Bands sind
wirklich deutlich wahrzunehmen, wobei der Psychobilly-Anteil doch etwas hoeher
liegt. Kann mir sogar vorstellen, das MISFITS-Ghouls angefixt werden koennen! „Torture
Garden“ kam 1995 zum ersten Mal auf dem US-Label „Ransom Note Records“ raus und
wurde nun auf „Nickel And Dime Records“ als Remaster wieder-veroeffentlicht.
Eine aeusserst abwechselungsreiche Sache, obwohl es absolut nicht mein
Soundtrack ist. Trotzdem, das geht schon irgendwie in Ordnung.
( * * * )
![]()
ICON A.D.
„Lest We Forget“ CD
( Overground Records / OvergroundRecords.co.uk , Release Date: 03. Juli 2006 )
Nicht zu Verwechseln mit ICONS OF FILTH, wie ich es zunaechst irrtuemlich
gemacht habe! Vier Schulfreunde aus Leeds, im Alter von 16 bis 18 gruendeten
1978 ohne jegliches musikalisches Wissen (wie es nun mal im Punk oefters
vorkommt), aber mit der richtigen Einstellung ihre Band: ICON A.D. Vergeblich
versuchten sie ueber die lokale Tageszeitung und einigen Rock-Clubs in der Stadt
an Auftritte zu kommen. Als die vier Upstarts schon beinahe mit dem Gedanken
spielten, die Band wieder aufzuloesen, entdeckten sie eine Anzeige von CRASS,
die unbekannte Bands fuer einen geplanten Sampler suchten. Schnell wurde ein
Demo zusammengestellt und der Song „Cancer“ wurde tatsaechlich fuer den ersten
und nun legendaeren „Bullshit Detector“ verwendet. Nun konnte die kleine
Privatshow beginnen! Die Band wurde durch den Einfluss von CRASS zunehmend
politischer und schickte einige neue Aufnahmen zu „Radical Change Records“, die
dann im September 1982 die EP-7“inch „Don´t Feed Us Shit“ veroeffentlichte. Die
Single wurde ein ziemlich grosser Erfolg und kam bis auf Platz Zwei der
britischen Independent Charts, und wurde in der „Anarcho-Punk“-Tradition als „Pay
No More Than“-Preis ausgezeichnet. Im selben Monat nahm die Band eine Session
bei JOHN PEEL auf. Ihre zweite Single wurde im Juni 1983 mit dem Titel „Let The
Vultures Fly“, ebenfalls auf „Radical Change Records“ raus gebracht. Natuerlich
wieder unter dem „Anarcho Punk“-Preis! Die Single verbuchte einen aehnlichen
Erfolgkurs wie das Debuet. Und so wollte das Label die Band in eine Ecke
draengen, die den Jungs so gar nicht behagte. „Radical Change“ hatte die Idee,
die Band im Mainstream-Punk „unterzubringen“ und wollte sie mit der Zusicherung
schoener Farb-Cover und den entsprechenden normalen Plattenpreisen fuer sich
„neu“ gewinnen. Die Band lehnte dankend ab. Das brach ihr dann auch das Genick!
Und Incon A.D. waren Geschichte. Auf dieser 23-Song-CD sind beide Singles
vertreten, die dritte bisher nicht veroeffentlichte 7“inch, ihre John Peel
Session und zwei verschollene Studio-Tracks.
( * * * )
ICONS OF FILTH
„Onward Christian Soldiers” CD digi-pak
( Mortarhate Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 15. Mai 2006 )
Na ja, mit den britischen Anarcho-Peace-Punk-Bands Anfang der ´80er hatte ich es
ja noch nie gehalten. Aber im Moment scheint es so, das vor allem Colin Jerwood
mit der Wiederbelebung seines frueheren Label „Mortarhate Records“ es fuer
wichtig und auch noetig haelt, seine Releases der heutigen Szene zugaenglich zu
machen. Der Saenger von CONFLICT hat die Aufnahmen „seiner Bands“ dabei komplett
re-mastert lassen. Zu Icons Of Flith hatte Colin immer einen besonders guten
Draht gehabt. Ausschlaggebend war dabei sicherlich das gemeinsame Touren der
beiden Bands gewesen. Hier das erste Mal auf CD, die debuet full-length, die im
Dezember 1983 aufgenommen wurde, und mit ihren 16 Tracks, als „complete project“,
in einem deluxe digi-pak mit Original-Artwork raus gekommen ist.
( * * * )

JUNIOR
„Y´all Ready To Rock?” CD
( Rude Records / Gordeon Promotion , Release Date: 06. Juli 2006 )
Sommer 2006! Ich seh mich. Mich am Huntington Beach. Im Auto. In einem Cabrio
selbstverstaendlich! Die Anlage ist schoen laut. Aus ihr kommen die ersten zehn
Songs des Junior-Album! Ich bekomme Bock auf ein Softeis! Halte an der naechsten
Ave. Die Palmen bieten ein wenig Schatten. Der Softeis-Mann ist nett und gibt
mir eine Gratiskugel! Ich bestelle Schoko-Vanille-Schoko! Ich huepfe zurueck in
mein Cabrio! Und fahre mit den zehn Junior-Tracks im Ruecken am Strand entlang,
bis es langsam anfaengt zu daemmern. Schoener Tag am Beach. Morgen geht es
wieder zurueck nach Doof-Fresse-Germoney! Im Ernst, bei den Songs von Junior
ueberkam mich der Gedanke spontan auszuwandern. Natuerlich nach Los Angeles!
Aber erst noch fuckin´ Arnold umnieten und olle TSOL-Jack als Gouvernur waehlen.
Warum ist der Ex-Bundestrainer Klinsmann eigentlich immer gut aufgelegt? 300
Sonnentage gehen eben nicht spurlos an einem vorbei. Egal ob Klinsmann oder
Junior, den Jungs scheint die Sonne eben aus dem Allerwertesten! Junior machen
wunderbaren Pop, solide auf kalifornischen Punkrock-Ground a la NOFX und GREEN
DAY gebaut. Junior sind drei junge Typen, die ein exzellentes Gespuer für
feinste Ohrwuermer entwickelt haben. Frisch von der Leber weg, unbekuemmert und
immer fein straight spielen sie ihre kleinen Hit-Perlen wie „She´s So Amazing“,
„You´re # 1“, „Let´s Do It Again“ oder „I´d Hate To Be You Now“. Dass sie noch
verdammt jung sind, merkt man dann an den letzten vier Songs, wo sie einen auf
„voll Lustig & extrem Bloed-Albern mit Sonnenstich-Garantie“ machen. Trifft dann
so gar nicht meinen Geschmack, aber das macht nichts! Die ersten zehn Songs
haben ihre five stars doppelt und dreifach verdient! Fuer mich bis jetzt die
Sommer-Scheibe 2006!
( * * * * * )
KITTY AND THE KOWALSKIS
„Chinese Democracy“ CD
( Amp Records / EvilBitch666.com , Release Date: 02. Mai 2006 )
Was gefaellt mir an dieser New Yorker Band nicht? Die Frage ist schnell
beantwortet! Kitty´s Gesang! Denn der ist bei den insgesamt elf Songs voellig
untergemischt worden. Dafuer kann die Kitty natuerlich nix, aber den Jungs am
Mischpult haette das spaetestens beim Endmix auffallen muessen. Aber ich finde,
Kitty kann auch ueberhaupt nicht richtig gut singen! Sie trifft fast immer den
falschen Ton, hohe Toene gehen ueberhaupt nicht, und sie zieht Worte, besonders
ihr Lieblingswort „Baby“ unertraeglich in die Laenge. Besonders grausam ist da
die Vorstellung bei der Ballade „Matter Of Time“. Jede gute Saengerin haette da
wesentlich mehr rausgeholt, aber Kitty´s Stimme bleibt nur auf einer Tonart
durchgehend haengen. Da steckt einfach null Kraft hinter, das klingt einfach nur
gewollt oder ungewollt cool und laessig. Musikalisch begibt sich Familie
Kowalskis auf einen eher durchschnittlichen PopPunk-Trip, den ich auch schon mal
besser gehoert habe. Auch wenn sie DEE DEE RAMONE und JOEY RAMONE Songs gewidmet
haben und zwei Cover-Tracks mit „Get Over You“ (the UNDERTONES) und „I Love You
Baby But I Hate Your Friends (ANDY SHERNOFF) dabei haben, aendert das nichts an
meinem Urteil. Und im beiliegendem Infoblaettchen Kitty´s Gesang in einem Satz
mit Debbie „BLONDIE“ Harry, Belinda Carlisle (the GO-GO´S) und Kim Shattuck (the
MUFFS) gleichziehen zu lassen, entspricht ueberhaupt nicht den Tatsachen! Da
liegen naemlich Lichtjahre zwischen! Also, die CD ist wirklich nix Aufregendes
und hat demzufolge nichts Herausragendes zu bieten. Einfach nur okay! Aber, da
hab ich mir wesentlich mehr von versprochen.
( * * * )
LIVEFASTDIE
„Bandana Thrash“ CD
( Dead Beat Records / Dead-Beat-Records.com , Release Date: Mai 2006 )
Aus dem Info: „Every track on „Bandama Thrash” was recorded on an old betamax
recorder and mixed with a Radio Shack mixer. Probably about as low brow as you
can get. The mics were placed in different places when recording different songs.”
Damit scheint alles gesagt zu sein. Ich moechte am liebsten persoenlich in einen
Flieger nach L.A. steigen und den Jungs ein paar saftige Ohrfeigen fuer diese
obermiese Qualitaet geben. Das solch ein „Bandama Thrash” auf Vinyl und CD
rauskommt ist echt eine Zumutung. Aber das wirklich tragische an der Scheibe ist
die Tatsache, das die Songs an sich mal wieder schnoerkellosen Snot-Rock’n’Roll
bieten. Man, ick verlang doch nicht viel. Jeweils eine Spur fuer Gitarre, Bass,
Gesang und evtl. drei oder vier fuer das Schlagzeug. Fertig ist die Lauge und es
wuerde immer noch billig klingen. Was waere das nur für eine coole Scheibe
geworden. So in Richtung DEAD BOYS und SAINTS. Aber diese Art von
Aufnahmetechnik(?) werde ich nie verstehen. Konsequenterweise ein fucked-up
Sternchen fuer solch einen unfassbaren Production-Bullshit……
( * )

LOST CHERREES
„Free To Speak….But Not To Question” CD digi-pak
( Mortarhate Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 17. April 2006 )
1981 im englischen Sutton (Surrey) unter dem Namen ZYCLON C gegruendet aenderten
sie den Namen der Band 1982 in Lost Cherrees. Mitte der ´80er trennte man sich
bereits. Aber, man hatte sich in der kurzen Zeit einen sehr guten Ruf in der
Anarcho-Punk-Szene Englands erspielt gehabt. 2003 wollten sie es noch einmal
wissen und reformierten sich in ihrer beinahe Originalbesetzung. Zwei Jahre
spaeter dann spielten sie die 16 Tracks für dieses neue Studioalbum ein. Ich
kannte die Band in den ´80ern eigentlich nur vom Hoerensagen. Kann sein, dass
ich auch schon mal den ein oder anderen Song von ihnen unbewusst mitbekommen
habe. Denn sonst haette ich beim Auspacken der CD bestimmt nicht daran gedacht,
mich an Mid-Tempo-Punk mit Frauenstimme zu erinnern. Yep, und ich lag
goldrichtig. Die CD besteht aus recht einfachen braven Punk-Songs im mittleren
Tempobereich angesiedelt, mit einer weiblichen Stimme, die sich ein wenig wie
Fay Fife von the REZILLOS anhoert. Aber leider ist Beverley´s gesangliche
Qualitaet nicht wirklich abwechslungsreich, denn sie mischt da noch nervig hohe
Leier-Toene hinzu, so, als wenn man annehmen koennte, das der Produzent an der
Gesangsspur manipuliert haette. Uebers Mittelmass schiessen die Liederchen
wirklich nicht hinaus. Von der textlichen Warte aus betrachtet haben Lost
Cherrees allerdings nichts von ihrer hohen politischen Brisanz eingebuesst.
( * * * )
LOST CHERREES
„In The Beginning: The Studio & Live Recordings 1982-1985” Do-CD digi-pak
( Mortarhate Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 17. April 2006 )
Ueber die Qualitaeten im musikalischen sowie textlichen Bereich hab ich ja schon
in der vorherigen Review gesprochen. Also, kommen wir direkt zum Punkt! Hier nun
das erste Mal auf CD die ´80er-Komplettpalette der Anarcho-Punk-Band, die sich
damals im Fahrwasser mit Bands wie FLUX OF PINK INDIANS, RUDIMENTARY PENI, DIRT,
ICONS OF FILTH, SUBHUMANS und CONFLICT bewegten. Auf Disc 1 befinden sich dabei
28 Songs. Das waeren im einzelnen u.a. die Tracks der „All Part Of Growin Up”
12“inch, die der „Unwanted Childeren“ 12“inch und der beiden EP´s „No Fighting,
No War, No Trouble, No More“ und „A Man´s Duty, A Woman´s Place”. Auf Disc 2
befinden sich jede Menge Demos und obskure Raritaeten, die vorher ueberwiegend
noch nicht verlegt waren. Yep, dann kaemen da auch noch einmal satte 37(!)
Tracks zusammen. Also, in allen Belangen eine wirklich lohnenswerte Anschaffung!
( * * * )

MAJOR ACCIDENT
„Massacred Melodies“ CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com, Release Date: 05. Juni 2006 )
Yep, die hatte ich auch mal. Landete aber Mitte der ´80er auf meiner
Verkaufsliste. Bin ich froh, dass ich sie jetzt wieder als CD unter die Nase
gejubelt bekomme? Ach, ist schon in Ordnung so. Obwohl ich mit den Songs im Jahr
2006 nicht mehr sehr viel anfangen kann. Major Accident waren mir wohl schon in
ihren Anfangstagen mit ihrem leicht STIFF LITTLE FINGERS beeinflussten Sound
immer ein wenig zu gleich klingend. Es mangelte hauptsaechlich am
durchschlagendem Talent mitreissende Songs, wie etwa im Stile ihrer „Clockwork
Orange“-Kollegen the ADICTS zu schreiben. „Massacred Melodies“ war 1983 ihr
Debuet-Album für das „Step Foward Label“ gewesen. Die 14 LP-Songs sind hier auf
CD mit den beiden Singles „Warboots” and „Mr. Nobody” vertreten. Im Booklet sind
wie bei fast allen „Captain Oi!“-Veroeffentlichungen die Texte und verschiedene
Cover-Abbildungen abgedruckt.
( * * * )

THE MEMBERS
„Uprhythm, Downbeat“ CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com, Release Date: 05. Juni 2006 )
Nach zwei hervorragenden Reggae-Punk-Alben auf „Virgin Records“ wurden sie 1980
vom Label mir nichts dir nichts gefeuert. Die Band stand ohne Plattenvertrag da,
buchstaeblich auf der Strasse und vor dem Nichts. Da sie mit der Punk-Szene
Anfang der 80er ueberhaupt nichts mehr anfangen konnten, fingen sie an, sich
fuer andere Musikstile zu interessieren. Was ja zunaechst auch voellig normal
ist, denn die Members galten nie als stereotype Punk-Band, sie waren gegenueber
neuen Richtungen immer sehr aufgeschlossen gewesen. Aber musste es dann wirklich
Funk und Disco sein? Gekoppelt mit ihrem starken Reggae-Touch entwickelte sich
eine ehemals gute Rock’n’Roll-Band zu einer miesen elektronischen Ausgabe, die
nun noch mehr Wert auf Blasinstrumente legte. In den USA kam das Album 1982
raus, also zur Hochbluete der zweiten Punk-Generation in the U.K. In Great
Britain konnten sie kein Label finden, das ihre neuen Songs veroeffentlichte.
Nun hat „Captain Oi!“ zur Trilogie-Vervollstaendigung die 10 Songs zusaetzlich
mit sechs Bonus-Tracks im Jahr 2006 zum ersten Mal auf CD veroeffentlicht. Von
mir aus, haette sich das Label diese peinliche Vorstellung auch sparen koennen.
Die Songs sind unertraeglich nervig und haben mit den Members zu „Sounds Of The
Suburbs“-Zeiten nichts mehr zu tun. Einziger Lichtblick ist ihre Single „Working
Girl“ gewesen, was nicht vom Trompeten-Kalle zerstoert wurde. „Working Girl“
haette gut auf ihrer zweiten Scheibe „1980 – The Choice Is Yours“ gepasst, aber
sicherlich nicht auf dieser langweiligen Dance-Funk-Scheibe. Im Booklet
erzaehlen dann Nicky Tesco und Gitarrist JC in Interviewform, wie es zu diesen
Umstaenden gekommen ist. Waere „Working Girl“ hier nicht drauf, gaebe es nur
zwei Sternchen. Aber so, in Gedenken an eine ehemals tolle Band, und mit
zugekniffenen Augen……
( * * * )

THE MESSENGERS
s/t LP
( Wanda Records / WandaRecords.de , Release Date: Juni 2006 )
Bereits im April 2005 kam das Debuet-Album dieser jungen Band aus Cincinnati
(Ohio) in den Staaten auf „Punkcore Records“ raus. Nun hat „Wanda Records“ fuer
Europa nachgelegt und praesentiert die Vinyl-Ausgabe. Eigentlich haette ich die
11 Songs schon laengst besprechen koennen, aber „Starkult Promotion“, die die
CD-Version betreuten hatten einen unfaehigen Praktikanten fuer die Versendung
der Bemusterungs-Exemplare eingeteilt, der aber leider mit der Aufgabe sichtlich
ueberfordert war. So verschwand „mein Exemplar“ in den Wirren der deutschen
Postanstalt. Vielleicht bekomme ich ja dat CDchen irgendwann mal nach 77 Jahren
von der Post zugestellt, wenn es irgendwo zwischen Luedenscheid-Nord und
Luedenscheid-Ost aufgetaucht ist. Nun bin ich natuerlich froh, doch noch an der
Musik der Messengers teilzuhaben. Ge-frontet von einem Punkrock-Girl namens
Shannon, die eine unglaubliche Power in ihrer Stimme besitzt, wird sie von einer
verdammt gut eingespielten „Guitar-Bass-Drums“-Besetzung unterstuetzt. Die
Songs, allesamt auf mid-tempo ausgerichtet (Real Shock´s Fave-Tempo!) entwickeln
sich in Rekordzeit zu richtig grossartigen Punkrock-Smashern. Ihre musikalischen
Einfluesse liegen dabei ganz klar im ´77er-Bereich, angefuehrt von Bands wie the
CLASH, the CREAMERS, the RAMONES oder the AVENGERS. Und in ihrer Textauswahl
geben sie sich bewusst politisch. Hier ist keine x-beliebige Streetpunk-Band am
Werke, sondern das sind vier junge intelligente Punks, die sich in Musik und
Text sehr gut ausdruecken koennen, und wahrscheinlich auch ein besseres Publikum
verdient haetten, als der sonst uebliche „Saturday Night“-VollSuff-Mob, der nun
mal von Streetpunk-Bands im Allgemeinen frequentiert wird. Die Band macht auf
mich, insbesondere ihr Gitarrist Don auf dem LP-Cover, einen eher nachdenklichen
Eindruck, aber keineswegs zerstreuten. Dafuer sind die Messengers in ihrer
Ausfuehrung einfach viel zu lebendig. Die Lieder kannst du in einem Schwung
mitnehmen, so abwechselungsreich und aussergewoehnlich gut sind sie im Endeffekt
gelungen. Dabei haben sich auch direkt die Songs „It´s Up To You“ (der Hit der
Scheibe!), „Between The Lines“, „Murder“, „Buy Or Die“, „The End“ und „American
Slob“ auf meiner Festplatte im Hirn eingebrannt. Loeschen zwecklos! Hoffentlich
kommt die Band mal nach Europa! Eine echte Ausnahmeerscheinung aus den „US Of
Hate“! PS: Im Nachhinein hab ich jetzt die CD-Version zum „Schnaeppchen-Preis“
bei AMANZON.de ergattern koennen, da fuer mein Befinden der Sound allgemein auf
CD viel fetter und satter klingt, als auf Vinyl. Und diese Klasse-Scheibe musste
ich unbedingt in CD-Form haben, wobei ich hier noch unbedingt anfuegen moechte,
dass das Artwork der LP natuerlich auch nicht zu Verachten ist.
( * * * * * )
REDUCERS SF
„Raise Your Hackles” CD
( TKO Records / TKORecords.com , Release Date: 13. Juni 2006 )
Lange war es ruhig um Frisco´s Pub-Rocker! Nun steht also nach einer Auszeit von
knapp sechs Jahren das neue Studioalbum an. Ich hatte ja schon Bedenken
bezueglich ihrer aktuellen Textthematik wegen der patriotischen Haltung vieler
US-Bands aus dem benachbarten Genre seit dem 11. September 2001. Aber die Band
beschraenkt sich auf harmlose „Hurry Up Harry“-Gesaenge mit dem obligatorischen
COCK SPARRER-Touch. Sicherlich eine Spur zu bieder, eben ganz nett. Mehr nicht.
( * * * )
SHADOWS FALL
„Fallout The War“ CD
( Century Media Records / CenturyMedia.com , Release Date: 09. Juni 2006 )
Hier meldet sich Ralle Real Shock mit Shadows Fall von der Heavy Metal-Front!
Bekomme sofort weiche Knie und mein Puls jagt hoch bis zum Hals. Headbangen mit
fast 45? Mach dich nicht aelter, als du bist, du Vollidiot ´ey. Schoen ist eben
anders!
( * )
SKEPTIC ELEPTIC
„Atomic” 7” 3-song-e.p.
( Wanda Records / WandaRecords.de , Release Date: April 2006 )
Hier versucht sich das Punkrock-Quartett aus Oesterreich am BLONDIE-Song „Atomic”.
Scheint mir im ersten Moment auch recht gut geglueckt zu sein, aber warum
ausgerechnet dieser Song von BLONDIE? Meines Erachtens passt der nach einer
weiteren Betrachtung so gar nicht zu Skeptic Eleptic. Das funkt irgendwie nicht
so wirklich! Schade, obwohl ich sonst die Band ja sehr gut finde. Da reissen
auch leider die beiden zuvor unveroeffentlichten B-Seiten-Tracks „Oh Yeah“ und
„TV Eye“ nicht mehr viel raus. Die EP ist uebrigens handnummeriert in einer Ltd.
Edition von 350 Stueck.
( * * * )
STAGE FRITE
„Island Of Lost Souls“ CD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 24. Juli 2006 )
„Island Of Lost Souls“ wurde 1989 veroeffentlicht und verkaufte sich sehr gut.
So gut, das es sogar Platz Vier der Independent Charts in Frankreich erreichte.
Zwei Jahre spaeter trennte sich die Band aus East Anglia und man ging eigene
musikalische Wege. So fand sich z.B. der Drummer Stevie Death bei der lokalen
Punkrock-Band VOMITING PIGS wieder, waehrenddessen der Gitarrist Dave Rounce bei
verschiedenen Neo-Rockabilly Bands fleissig die sechs Saiten zupfte. Die Band
kam uebrigens nie mehr zusammen und ist bis zum heutigen Tage in anderen Combos
musikalisch aktiv. Deshalb scheint ihr erstes und natuerlich auch einziges Album
„Island Of Lost Souls“ mit den Jahren fuer die Collectors, die 1989 leer
ausgegangen sind, so verdammt interessant geworden zu sein. „Cherry Red“ hatte
ein Einsehen und hat das Album nun, versehen mit sechs Bonus-Tracks, zum ersten
Mal auf CD veroeffentlicht. Another long lost Psychobilly-Album, finally back on
CD!
( * * * )

THE STITCHES
„8 X 12”“ CD
( TKO Records / TKORecords.com , Release Date: 13. Juni 2006 )
1995 erschienen die 8 Songs zum ersten Mal auf Vinyl. Es wurden an die 4000
Kopien verkauft. Danach war die Scheibe zwei lange Jahre vergriffen. Ich habe
mir damals diesen Orange County Klassiker direkt bei Saenger Mike Lohrman
bestellt, zusammen mit der ersten U.S. BOMBS Langspielplatte. Als dann das
Paeckcken ankam beschwerte sich Mike darueber, dass ich zu wenig Geld
mitgeschickt haette, aber das er ja ein Guter sei und fuer das eine Mal beide
Augen zudrueckt. Eigentlich war ich mir keiner Schuld bewusst, schliesslich
hatte ich ausreichend Dollarnoten beigelegt. Naja, auf jeden Fall war sein Brief
sehr witzig, ich wurde noch so ein wenig fuck-maessig beschimpft und auf der
Rueckseite seiner hitzigen Wortwahl war er und Duane Peters auf einem Foto
abgebildet, wo sie sich beide Aug in Aug gegenueber standen. Grossartiges
Picture, welches für die beiden Langrillen werben sollte. Zu den Stitches ist
ansonsten im 3RD schon alles gesagt worden. Wer damals gepennt hat sich an dem
zeitlosen Punkrock-Smasher „8 X 12““ zu bedienen, der sollte das mit dieser
zweiten Re-Release (die erste Re-Release der acht Songs erschien 1999 bei
„American Punk“ erstmalig auf CD) schleunigst nachholen. Inkl. dem ´78er-Cover „Better
Off Dead“ von LA PESTE, den kaum einer anderen Band besser zu Gesichte steht als
diesem unberechenbaren Punk Rock Haufen hier, mit ihrer ungeschminkten „Fuck
You“-Attituede. Im September erscheint uebrigens die erste Stitches-DVD auf „TKO
Records“.
( * * * * * )
THROBBIN URGES
s/t CD
( Dead Beat Records / Dead-Beat-Records.com , Release Date: Mai 2006 )
Ich hab Angst! Angst davor, wieder eine Scheibe auf dem “Dead Beat Label” in der
Luft zu zerfetzen! Aber, was soll ich machen? Ich kann aus meiner Haut einfach
nicht raus! Bei den ersten Takten dachte ich noch, na, vielleicht wird es ja
nicht so schlimm werden. Denkste Real Shock! Es wurde noch viel schlimmer, als
ich angekommen habe. Und, ich koennte der Band dabei pausenlos ins Genick hauen.
Denn, mir tut es in der Seele weh, wenn ich diesen Sound hoere, deren
Gesamtlautstaerke nur etwas herunter gedreht haette werden muessen. Wer in einer
Band mal gespielt hat oder immer noch aktiv Musik betreibt kann den
nachfolgenden Tatbestand bestimmt ganz gut nachvollziehen. OKay, es geht los.
Man trifft sich zur Probe. Klassische Vierer-Punkrock-Besetzung, you know. Soll
bedeuten: Gesang, Gitarre, Bass und Schlagzeug. Jetzt kommt es schon auf die
Feinheiten an. OKay, ein Schlagzeug kannste nicht lauter oder leiser drehen.
Klar, das geht nicht! Aber die Verstaerker der angeschlossenen Boxen schon! Ein
Schritt zurueck bitte! Throbbin Urges treffen sich zur Probe. Da gibt es den
Adam, den Scott und den Kenny. Hhhhmm, uns faellt auf, ein Trio also! Nun, der
Kenny geht zu seinem Schlagzeug. Bevor er sich auf seinen kleinen Hocker
niederlaesst genehmigt er sich noch einen ordentlichen Schluck Bier aus seinem
mitgebrachten 5-Liter-Faesschen. Der Adam und der Scott, die haben
waehrenddessen schon ihre Gitarren angeschlossen. Dabei faellt dem Adam ein,
dass er sein Stimmgeraet vergessen hat. Der Adam schaut verstohlen zu Scott, und
da bemerkt er erleichtert, dass der Scott seinen Bass auch nicht gestimmt hat.
Ach, denkt sich der Adam, scheiss drauf, Stimmgeraete sind eh teuer und fuer ´n
Arsch, wir sind Rock’n’Roll und basta! Alle Anlagen auf Anschlag! Dann zaehlt
der Scott kurz an und der Kenny, der Adam und der Scott natuerlich auch fallen
gleichzeitig voellig ausgehungert ueber den Opener „I´m So Sick“ her. Dabei ist
der Grund ihres rotzigen Sound sogar richtig gut, wenn man sich die Muehe macht
einige Takte dabei zu bleiben. Aber die Qualitaet der Produktion gehoert in die
Tonne! Kannst du noch nicht mal als Demo-Tape durchgehen lassen. Aber der Kenny,
der Adam und der Scott, die wollten das ja so! Uebersteuert, verzerrt, eben alle
Instrumente bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Wo ist da der Bass und wo ist nur
die Gitarre, fragt man sich ziemlich verstoert, und ueberhaupt, ist der
Schlagzeuger eigentlich noch an seinem Platz? Der Kenny, der Adam und der Scott,
unerschrockene junge Maenner auf dem Weg in die Taubheit.
( * )
V.A.: „ANTI-DISCO LEAGUE VOL. 1”
CD
( Templecombe Records / TKORecords.com , Release Date: 30. Mai 2006 )
Das erinnert mich teilweise an ganz finster klingende und ziemlich
dilettantische Skinhead-Mucke aus den 80er. Dat mochte ich damals nicht und
heute erst recht nicht. Aber das soll bestimmt auch so rueberkommen. Zu den
besseren Bands gehoeren ON-FILE, PISSED ON ARRIVAL und DEADLINE. Naja, zum
Schluss wird die CD etwas angenehmer zu hoeren. „Aufgefrischt“ wurde der
16-Song-Sampler mit einigen alten Punk-Bilderchen.
( * * )
V.A.: “MIGRAINE FUER MEIN ELECTROKOPF”
7” 4-song-e.p.
( Wanda Records / WandaRecords.de , Release Date: Januar 2006 )
Von der Covergestaltung her erinnert die EP verblueffend an den Output vom
franzoesischen Label „Lollipop Records”. Nun, kein Wunder aber auch, denn mit
the HATEPINKS und NEUROTIC SWINGERS sind gleich zwei Vertreter dabei, die
Frankreich ihr Zuhause nennen. Die deutsche Delegation richten the SHOEMAKERS
und die inzwischen aufgeloesten MOTRAS aus. Somit ist die Punk-Richtung wohl
klar. 1977 eben! Jede Band praesentiert einen Song vom jeweils aktuellen Album.
Dabei schiessen the SHOEMAKERS mit „She Has No Time“ eindeutig den Vogel ab.
Nach ihrer D.I.Y-10”inch aus dem Jahre 2003 haben sie sich an ihren Instrumenten
ganz schoen gemausert. Der Song ist ein vorzueglicher Appetizer auf ihr erstes
Album, woran sie z.Z. arbeiten. Man darf also mit Recht gespannt sein, denn „She
Has No Time“ hat extra coolen Garagen-Punk im Stile von the PAGANS parat. Der
zweite Track, der mir am besten gefaellt ist der von den NEUROTIC SWINGERS mit
ihrem feinen Mid-Tempo-Kracher „Sexy & Mysterious“. Natuerlich sind auch die
restlichen beiden Tracks absolut hoerenswert und zum Pogo Dancing freigegeben
( * * * * )
V.A.: „PSYCHO-MANIA”
DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 23. Juni 2006 )
Ich kann mich an dieser Stelle nur wiederholen. „Cherry Red“ schickt weiterhin
fleissig alle Psychobilly-Sachen zu mir und ich muss mich dann damit
rumschlagen. Aber was ich beim kurzen Sichten bei den Psycho-Bands immer absolut
unterhaltsam fand, waren diese abwechselungsreichen Live-Auftritte. Hier nun,
und das zum groessten Teil auch zum erste Mal ueberhaupt zu sehen, Mitschnitte
von den Bands KLINGONZ, QUAKES und SKITZO bei dem „Night Of The Long
Knives““-Festival, 1988 in Birmingham. Mit Pampers und Schnuller stehen die drei
KLINGONZ-Knalltueten halbnackt und mit gruen-roten Farbtupfern auf der Haut auf
der Buehne und sind komplett am durchdrehen. Einfach nur lustig anzuschauen! Die
QUAKES sind da schon ernster zunehmen und gehen ebenfalls ziemlich ab. SKITZO,
die bekannteste Psychobilly-Band im Bunde sind nicht ganz so durchgeknallt und
bringen eine solide Show. Das Publikum hingegen ist typisch für die End ´80er.
Man steht cool rum, ist ausschliesslich auf sein Outfit bedacht, oder aber man
sitzt auf dem Buehnenrand und wendet der Band ganz laessig den Ruecken zu. Solch
ein Verhalten kann fuer jede Stimmung natuerlich toedlich sein! Da unterscheiden
sich die Punk-Gigs von Psycho-Gigs nicht besonders, ausser das bei
Psycho-Konzerten damals die Gewaltbereitschaft meist wesentlich hoeher war.
( * * * )

V.A.: „PUNK ON THE ROAD”
DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 28. August 2006 )
Diese DVD birgt das Debuet der legendaeren ´83er Video-Release „Punk On The
Road“, gekoppelt mit Aufzeichnungen von bereits veroeffentlichten Punkrock-DVDs
auf „Cherry Red“. Insgesamt kommt man so auf insgesamt 26 Mitschnitte bei einer
Laufzeit von 70 Minuten. Leicht schwammige Bildqualitaet aus den ´80ern wechselt
sich ab mit heutiger Digitalqualitaet. Und hier einige Namen: ANGELIC UPSTARTS,
GBH, the ADICTS, ONE WAY SYSTEM, EATER, JAYNE COUNTY, the DRONES, MENACE, DEAD
MAN´S SHADOW, XPOZEZ, the LURKERS, CHELSEA, MAJOR ACCIDENT, the MAU MAUS und the
BUSINESS. Fuer jeden Geschmack also was dabei.
( * * * * )
V.A.: “ROCKABILLY SHAKEDOWN”
DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 28. August 2006 )
Auf dieser DVD mit einer Laufzeit von 66 Minuten sind insgesamt neun
verschiedene Rockabilly-Bands aus dem Vereinten Koenigreich mit maximal drei
Live-Songs zu sehen. Das waeren im einzelnen the HAYRIDERS, RIVERSIDE TRIO, the
DELTAS, RAY CAMPI, CRAZY TIM & SID, the RHYTHMAIRES, WAY OUT WEST, RESTLESS und
JETS. Die Aufnahmen stammen zum groesstenteils aus den Mitt-80ern. Sagt mir
malles nichts, aber was solls?
( * * * )

THE VAGEENAS
„Teenage Music” CD digi-pak
( Plastic Bomb Records / PlasticBombRecords.de , Release Date: 24. Februar 2006
)
Das the BRIEFS erklaerende musikalische Lieblinge von Saengerin Babette und
Gitarristen Rene sind, duerfte mit den 15 „Teenage Music“-Songs deutlich
untermauert worden zu sein. Die Vageenas haben jedenfalls ihren ganz grossen
Coup gelandet! Dank einer ausgewogenen Studioproduktion wurde ihr bestaendiger
snotty Punk-Sound ordentlich auf Vordermann gebracht und exakt 1:1 konserviert.
Mitreissende ´77er-Refrains, serviert mit einem richtig satten Gitarrensound!
Babette´s Stimme klingt ausgefeilter, ohne aber nur ein Quaentchen an Rotzigkeit
zu verlieren. Das passt alles ganz einfach optimal in mein kleines
Punker-Weltbild. Wenn man eben lang genug am Pogo-Ball bleibt, zahlt es sich
irgendwann mal doppelt und dreifach aus. Die Vagennas gehen auf „Teenage Music“
mit mustergueltigem Beispiel voran. Alle Achtung!
( * * * * )
THE WELCH BOYS
s/t CD
( I Scream Records / Gordeon Promotion , Release Date: 16. Juni 2006 )
Leider vertreten auch die Welch Boys aus Boston, u.a. mit Mitgliedern von
SLAPSHOT und den BLUE BLOODS nichts anderes als den „Brother United“-Stolz des
Arbeiterklasse-Ghettos. Fuer mich sind solche Floskeln natuerlich Gift!!! Und
wenn man sich dann noch den patriotischen Text zu „Can´t Wait“ durchliest, kann
man schon mal arge Beklemmungen bekommen. Ich koennte mich jetzt wieder
stundenlang aufregen, aber die Energie ist mir dafuer einfach zu schade.
Irgendwann muss auch ich akzeptieren, dass es solche Bands immer und immer
wieder geben wird. Was das allerdings mit Punk Rock zu tun hat? Ich habe keinen
blassen Schimmer. Einen letzten Versuch starte ich aber dennoch. Denn die
Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Ich empfehle solchen „harten Typen“ wie den
Welch Boys das Buch von JOHN LYDON „No Irish, No Blacks, No Dogs“ und MATT DAMON
in dem Kino-Film „Good Will Hunting“, der uebrigens auch in Boston´s
Arbeiterklasse spielt.
( * )