So, hier nun das Update fuer Juni. Das Update fuer Juli erfolgt Anfang August 2009. Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.

ABSTUERZENDE BRIEFTAUBEN
„25 Jahre sind genug!” DoDVD
( AbstuerzendeBrieftauben.de / NetInfect.de , Release Date: 17. Juli 2009 )
Muelheim Ende der 80er. Ich
bekomme einen Anruf aus Berlin vom Thomas Spindler, der heutzutage die „Trinity
Concerts“, ein lokaler Konzertveranstalter in Berlin leitet. Ich kannte ihn noch
aus der Zeit, als er Anfang der 80er seinen Plattenladen „Screen“ und wenig
spaeter den „Sasquatsch-Mailorder“ eroeffnete. Und wo ich beinahe jede Woche
fleissig alles bestellte, was mit Ami-Hardcore zutun hatte. Ende der 80er war
ich in meiner ersten richtigen Band, den ZAKONAS. Und Spindler kam auf die Idee
uns fuer das Konzert der Brieftauben als support einzusetzen. Meine damaligen
Bandmitglieder waren wie ich voellig aus dem Haeuschen und wir freuten uns
gemeinsam wie doof. Fahrbare Untersaetze wurden organisiert, Schichten wurden
getauscht und aber auch ein gelber Schein wurde unserem Arbeitgeber rechtzeitig
zugestellt. Wir waren bereit. Leider sollte es aber nicht zu unserem Berlin-Trip
kommen. Denn mich erreichte wenige Tage vorm Konzert eine Absage. Grund: Wegen
den ganzen Kiddies im Publikum sollten die Brieftauben bis spaetestens 21.00 Uhr
ihr Konzert beendet haben, da blieb kein Platz fuer eine Vorband. Ob das
wirklich der Grund war und ob sich das wirklich alles so zugetragen hat mag ich
aus heutiger Sicht nicht vollends bestaetigen. Man vergisst halt viel mit den
Jahren…., nun aber zur DVD. Ueber zwei Stunden geht die Dokumentation „Wir war’n
die Tauben“, wo Konrad und Micro ausgiebig ueber ihre Bandgeschichte
schwadronieren. Es gibt natuerlich genug zu erzaehlen, aber fuer mich
persoenlich als Nicht-Fan der Band ist das doch etwas zu ausfuehrlich
ausgefallen. Aufgelockert wird das Ganze mit Filmeinspielern und kleinen
Gespraechen, u.a. mit Hape Kerkeling (in dessen Film „Kein Pardon“ die Tauben
mitwirkten), Fabsi von den MIMMIS und Christof & Thorsten von FURY IN THE
SLAUGHTERHOUSE. Outtakes und „die Brieftauben im Tonstudio 2006“ folgen im
Anschuss an die Dokumentation. Weiterhin befindet sich auf der Doppel-DVD die
zwei Live-Konzerte „Ausser Kontrolle“ (Auftritt aus dem Duesseldorfer „Tor 3“
von 1991) und „Macht’s noch einmal Tauben“ (ihr letzter Auftritt in ihrer
Heimatstadt Hannover in der „Glocksee“ 2002). Ausserdem noch ihre fuenf
Video-Clips und der bisher unveroeffentlichte letzte Song der Band
„Punkrockrente“. Schade, dass kein Menue vorhanden ist, oder aber ich war zu
bloede, es zu finden. Soll vorkommen! Leider finde ich auch, weder auf der DVD
selbst noch auf dem Cover irgendwelche Informationen ueber den viel zu fruehen
Tod von Konrad. Das macht man nicht! Und ist ziemlich merkwuerdig!
Und nun folgt ein Nachruf auf Konrad K, den ich am Freitag, 12. Mai 2006 in
meinen „Weekly Words“ verfasst habe:
„Das stimmt mich doch sehr nachdenklich und traurig. Letzte Woche verstarb
ploetzlich und voellig unerwartet Konrad K mit nur 44 Jahren, der mit den
ABSTUERZENDEN BRIEFTAUBEN in den 80ern die bekannteste Band in Sachen Fun-Punk
hinter den AERZTEN und den TOTEN HOSEN war. Wir alle kennen das Ende. Die Aerzte
loesten sich auf, versuchten sich in Soloprojekten, die aber nicht die
erwuenschten Erfolge erzielten und so machten sie schon bald wieder unter altem
Namen weiter. Die Hosen standen auch mal kurz vor der Aufloesung, wie
wahrscheinlich jede andere Band auch, aber sie berappelten sich und zaehlen
heute zu den Bands, die der Normalbuerger in Deutschland so unter „Punk Rock“
kennt. Nun, Konrad loeste seinen Zwei-Mann-Betrieb 1996 auf und spielte in zig
anderen Combos, die aber alle nur in der Underground-Szene bekannt waren und
sich nicht mehr in der „Bravo“ verirrten konnten. Haette Konrad mit den Tauben
weitergemacht waere er heute sicherlich an der Stelle gewesen, wo sich ein Felse
oder ein Campino aufhaelt. Konrad traf ich nur einmal. Und das auch nur ganz
ganz kurz. LA CRY, die Hamburger Punk’n’Roller-Truppe lud Mitte der 90er zu
ihrer ersten CD-Party aufs norddeutsche Land ein. Wir spielten damals auch, als
the Braggarts mit einem hoffnungslos betrunkenen Bernie Blitz am Bass. Nach dem
Auftritt meinte Konrad ziemlich fassungslos zu uns: „So muessen die Pistols 1976
im „100 Club“ gewesen sein. So was Aggressives habe ich bisher noch nie
gesehen.“ Bernie haute ihm noch einen Spruch rein um dieses Boesartige noch zu
unterstreichen und augenblicklich war Konrad ziemlich irritiert. Wahrscheinlich
dachte er, dass Bernie ihm jetzt an die Waesche wollte. Aber dafuer war er viel
zu besoffen. Szenen unseres Auftrittes damals habe ich auf Video und werde ich
sicherlich irgendwann mal im Rahmen einer DVD veroeffentlichen. Konrad und ich
waren fast ein Alter und haben wohl die selbe Scheisse durchgemacht, mit der man
so als junger Punk in den 80ern kaempfte. Das verbindet mich mit Konrad, obwohl
ich ihn persoenlich absolut nicht kannte, aber er war ein Seelenverwandter. Er
in Hannover und ich in Duisburg.“
( * * * * )
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AGAINST ME!
„The Original Cowboy“ CD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.com , Release Date: 03. Juli 2009 )
2003 erschien mit „As The Eternal Cowboy” das erste Album der Band aus
Gainesville, Florida bei „Fat Wreck“. Es folgte noch eine weitere full-length,
bevor sie dann zu „Sire Records” wechselten, wo sie 2007 ihr Major-Debuet „New
Wave“ ablieferten. Als allerdings vor knapp sechs Jahren „As the Eternal Cowboy”
eingespielt wurde, gab es, wie eigentlich bei jedem Studioaufenthalt so ueblich,
zuvor einige Trockenuebungen, bevor es dann ans Eingemachte geht. Diese
Trockenuebungen, im Musikerjargon unter dem Begriff „Demos“ natuerlich bestens
bekannt, findet man nun hier auf „The Original Cowboy“. Zu dieser
Veroeffentlichung meint ihr Saenger und Gitarrist Tom Gabel: „Recorded and mixed
in only a couple of hours. The Original Cowboy was only meant to be a trial run,
but, listening to it today, there’s a part of me that feels foolish for ever
recording these songs a second time.” Recht hat er, der gute Mann! Der
musikalische Mix von Against Me! aus Country, Hardcore, Folk, Punk sowie Blues
kommt hier eindeutig besser zum Ausdruck, als auf ihrer etwas zu glatt polierten
offiziellen Release.
( * * * )

THE COATHANGERS
„Scramble“ CD
( Suicide Squeeze Records / Cargo Records , Release Date: 19. Juni 2009 )
Vier kleine Maedchen die in ihrer hoffnungslos jungendlichen Naivitaet
verzweifelt versuchen auf ihren Instrumenten einigermassen Toene rauszubekommen,
den Takt dabei zu halten und evtl. auch mal, wenn es so richtig gut laeuft, im
Einklang zu sein. So ein spezieller Fall sind the Coathangers aus Atlanta im
Bundesstaat Georgia. Mit ihrer Palette an 15 Songs (mmhh, kann man dazu
eigentlich WIRKLICH Songs schreiben?) haetten sie 1978/79 bei Geoff Travis im
Londoner Record-Shop „Rough Trade“ sicherlich offene Tueren eingerannt. Aber
Bands wie THE RAINCOATS, THE SLITS, KLEENEX oder DELTA 5 konnten musikalische
Schwaechen damals mit verdammt viel Charme ueberspielen. Bei den Coathangers
gelingt das einfach nicht. Die sind bedauerlicherweise nur schlecht!
( * * )

DIE CRASS STORY von George Berger
„Subversive Zeiten” (Buch)
( Bosworth Music GmbH / Mute Music Promotion , Release Date: 2009 )
CRASS spielten meines Erachtens (wenn mich mein Gedaechtnis nicht ganz im
Stich gelassen hat) im Maerz 1980 im „Okie Dokie“ von Neuss. Meine damaligen
Punker-Kumpels Jonny und Will hatten sich Karten besorgt und aergerten mich
damit. Tja, ich war damals in der Kochlehre und musste abends halt arbeiten. Im
Mai desselben Jahres hatte ich dann aber gut lachen. Meine Eltern fuhren meinen
aelteren Bruder, einen weiteren Punker-Kollege von uns, den Bernie und mich zu
THE CLASH in die Duesseldorfer „Philipshalle“. Vor der Halle trafen wir Jonny
und Will, die mit der Bahn aus Duisburg da waren und vorm Konzert wieder
abziehen mussten, um den letzten Zug zu erwischen. CLASH oder CRASS in 1980?
Auch schon damals lagen unerreichbar CLASH vorne! Das haette allerdings auch
anders ausgehen koennen. Denn zwei Jahre zuvor war ihr erstes Album „Feeding of
the 5000“ auf „Small Wonder“ erschienen. Bevor CRASS aber ueberhaupt etwas auf
Platte veroeffentlicht hatten, gab es im NME einige vielversprechende Fotos von
der Band zu sehen, schwarz/weiss (na, logo!) und ziemlich unscharf. Und in dem
Bericht war davon die Rede, das hier die naechste grosse Punkrock-Band nach den
SEX PISTOLS und THE CLASH kommen wuerde. Nun als junger Punkie verstand ich da
direkt einiges falsch. Dem Schreiber ging es wohl mehr um den Inhalt der Texte,
als um die Musik, denn als ich das erste Mal die „Feeding of the 5000“ hoerte,
war ich doch erheblich neben der Spur. Denn ich erwartete natuerlich einen Sound
wie auf der „Never Mind The Bollocks“ oder wie auf der ersten CLASH. Aber nichts
dergleichen trat ein. Musikalisch war das richtiger Schrott! Die konnten oder
wollten nicht spielen! Jede andere Punkrock-Single aus dem Jahr ´77, sei es die
DRONES, CORTINAS, SLAUGHTER & THE DOGS oder EATER gewesen, hatte musikalisch
weitaus mehr zu bieten. Das Einzige was positiv auffiel, war der rotzige und
wutschnaubende Schnatter-Gesang ihres Saengers Steve Ignorant, der einen sofort
an JOHNNY ROTTEN erinnerte. Ja, und Steve ist es auch, mit dessen Aussagen im
Buch ich mich dann auch am ehesten anfreunden kann. Er war der typische Punk,
ein Loser, der aus der Arbeiterklasse stammte und arm wie eine Kirchenmaus war,
und THE CLASH als sein Ventil im Punk Rock sah. So erzaehlt er rueckblickend,
wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Ein Punkrock-Rebell der alten Schule!
Schlagzeuger Penny Rimbaud hingegen war wesentlich aelter als Steve und war
streng genommen ein Kind der Hippie-Bewegung. Von THE CLASH war er auch nie
wirklich ueberzeugt gewesen. (Das ist schon mal ein dicker fetter Minuspunkt,
Penny! grins…) Penny hatte seine Sturm- und Drangzeit Ende der 60er/Anfang der
70er erlebt, und als 1976 der Punk auf der Bildflaeche tobte, war er wohl nicht
bereit, sich damit wirklich auseinander zusetzen. Er hatte einfach immer noch
sein Hippie-Ding am Laufen. Schlechtes Timing halt. Erst ab Seite 87 wird Punk
zum Thema und hier wird es fuer mich das erste Mal wirklich interessant. CRASS
hab ich nach der grauenhaften ersten Scheibe nicht weiterverfolgt. Gut in die „Stations
Of The Crass“ hab ich 1979 dann noch einmal reingehoert, aber das war auch nix.
Dann doch tausendmal lieber die UK SUBS oder STIFF LITTLE FINGERS. Ich hab CRASS
bislang immer als eine Hippie-Punk-Band gesehen, die sich durch ihre selbst
auferlegten „Anarchy&Peace“-Regeln ziemlich einschraenkten. Also, genau das
Gegenteil, fuer was Punk mal stand. Und dieser Eindruck bleibt auch ein wenig
haften, nachdem ich das Buch gelesen habe. Trotzdem ich mit vielen Aussagen
nicht einverstanden bin, haelt das Buch tatsaechlich einige plausible Antworten
parat. Und da kommt wieder Penny ins Gespraech, der mit seinen „Schriften“ (ja,
das sind tatsaechlich richtig Schriften!) nicht nur Denkanstoesse liefert,
sondern die Loesung fuer so einige Probleme der Welt auf der Hand hat. Denn
Penny ist eben ein gebildeter Mann mit klugem Verstand. Autor George Berger ist
es dann letztendlich zu verdanken, dass dieses Buch trotz anfaenglicher
Startschwierigkeit sich noch zu einem brillanten Punkrock-Schmoeker mit
erstaunlich vielen Hintergrundinformationen entwickelt. Er weiss ganz genau, von
was er da berichtet und ist immer auf Augenhoehe mit seinen Interview-Partnern.
Er outet sich zwar als CRASS-Fan, bleibt aber trotzdem gegenueber jeder
Situation kritisch und schreibt eben nicht mit Scheuklappen. So was kommt bei
mir immer gut an. Ganz klar! Spaetestens ab der besagten Seite 87 mit dem
Kapitel „721984“ hat er mich dann auch mit seinem ausgezeichneten Schreibstil um
den kleinen Finger gewickelt. In mancherlei Hinsicht ist „Subversive Zeiten“
genauso elementar wichtig fuer die gesamte Historie des Punk Rock wie etwa „Please
Kill Me“, „Punk Rock“, „Passion Is A Fashion“ oder „England’s Dreaming“. Denn
CRASS haben in den 80ern waehrend die beschissene eiserne Lady das Land regierte
ziemlich viel bewegt, was fuer immer nachwirken sollte. Wuerde CRASS jetzt auch
noch zu meinen musikalischen Faves gehoeren waeren es glatte sechs Sternchen
gewesen. Wer dieses Buch einmal zu Ende gelesen hat, der wird die Band CRASS mit
voellig anderen Augen sehen. Und das meine ich natuerlich nur im positiven
Sinne.
( * * * * * + )

THE DUEL
„Childish Behavior“ DoCD
( FfrUK Records / FfrUK.com , Release Date: Juni 2009 )
Leider kann die Londoner Band nicht an ihr erstes full-length „Lets Finish
What We Started“ von vor zwei Jahren anknuepfen, welches ich in meinen Reviews
vom August/September 2006 ueber den gruenen Klee gelobt habe. Hhhmm, woran
liegts? Schwierige Frage. Die neuen Songs sind natuerlich nicht wirklich
schlecht, aber die Dichte, die Atmosphaere, das Spezielle ihrer frueheren Werke
vermisse ich an allen Ecken und Enden. Man mag einfach nicht voll und ganz
zuhoeren. Der Produktion kann man dabei sicherlich eine Teilschuld einraeumen,
denn die klingt alles andere als gelungen und „knistert“ lustig vor sich hin.
Das bemerkte auch das WebZine „Punk77“ im Interview mit Saengerin Tara Rez und
Bassisten Andy Thierum, die sich ueber diese Frage aber eher lustig machten.
Naja, muessen sie eben selbst wissen, wenn sie so etwas „Halbgares“ abliefern.
Schade nur, denn die Songs haetten definitiv eine weitaus bessere Produktion
verdient gehabt. Besonders schlimm hat es dabei das Abnehmen des Schlagzeuges
erwischt, was extrem trashig und billig daherkommt. Und das obwohl Ex-VIBRATORS/BOYFRIENDS
Pat Collier das Ganze zum Schluss wieder abgemixt hat. Schlechten Tag erwischt,
oder was?!? Aber er konnte wahrscheinlich auch nicht mehr das retten, was vorher
in der Produktion schief gelaufen war, fuer die sich eben ihr besagter Bassist
verantworten muss, der das Ganze im Alleingang produziert hat. Kein Song
erreicht hier auch nur annaehrend das Niveau von Liedern ihrer ersten Scheibe
wie etwa „eNeM-E“, „Better Bombs Better Drugs“ oder „Camden Town“. Als Bonus
liegt noch eine weitere CD bei, wo die Band die Lieder noch einmal in
akustischen Versionen spielt. Ach uebrigens, diesmal hat man als Gastmusiker
Frank Cornelli von THE SKUNKS und Rob Banks von THE TIGHTS gewinnen koennen,
beides Bands, die in den 70ern aktiv waren, wobei THE SKUNKS sicherlich noch mit
ihrem Song „Good From The Bad“ und THE TIGHTS mit „Howard Hughes“ aus JOHN
PEEL’S Radio-Show bekannt sein duerfte. Bleibt zu hoffe, das dies ein einmaliger
Ausrutscher war und die naechste Scheibe wieder „anstaendig“ produziert wird.
( * * * * )

THE EXPLOITED
„Punk’s Not Dead” 3-Disc DVD-Set
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 27. Oktober 2008 )
Der Erscheinungstermin liegt zwar schon einige Monate zurueck, aber trotzdem
ist es keineswegs ein Verbrechen diesem DVD-Set nachtraeglich seine ganze
Aufmerksamkeit zu schenken. Die drei DVDs „Rock’n’Roll Outlaws“/„Sexual Favours“,
„Live in Japan & Argentina“ und „Live At The Palm Cove“/„83-87“ sind hier unter
dem Titel „Punk’s Not Dead“ zusammengefasst worden, und das zu einem recht
akzeptablen Preis von knapp 25,00 EUR. Auf gut 270 Minuten Filmmaterial draengen
sich dabei besonders die fruehen Videoaufzeichnungen in den Vordergrund. Und die
erzaehlen Geschichten, wie es damals in den 80ern bei Konzerten von Wattie & Co
abgegangen ist. Es wird viel gespuckt und heftig gepogt. Die fuer die damalige
Zeit so typischen uniformierten Lederjacken-Punx im Publikum entern dabei auch
schon mal die Buehne. Auch wenn die Exploited nicht zu den wirklich geistreichen
Bands zaehlten, konnten sie auf anderem Gebiet punkten. Und dazu gehoerte ihre
Live-Show, auf der im wahrsten Sinne des Wortes die Fetzen flogen. Und eine
blutige Lippe bei einer Runde Pogo konnte man sich auch nebenher abholen. Zu
dieser Zeit war das Asselpunkertum gluecklicherweise noch nicht so weit
verbreitet wie heute. Die Punx damals waren zwar auch am Saufen wie die Loecher,
aber das hatte irgendwie noch alles ein wenig mehr mit Stil zutun gehabt. Und
man wurde auch nicht so bloede von der Seite von irgendwelchen verlausten
Vollsuff-Pennern wegen ein paar Pence angewixt. Ich spreche da aus Erfahrung,
weil ich damals in London 1982 mir die Exploited im ausverkauften „100 Club“
angeschaut habe und mir in diesem Sommer auch auf anderen Konzerten in London
nichts dergleichen widerfahren ist. War eben eine voellig andere Zeit damals.
Schniff….
( * * * * )

THE MO-DETTES
„The Story So Far” CD
( Cherry Red Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 01. Dezember 2008 )
„No More Heroes”–Autor Alex Ogg leistet in seinen Sleevenotes wirklich ganze
Arbeit. Das Einzige, was ich vorher von den Mo-dettes wusste, war, das ihre
Bassistin Jane Crockford auf einem Gig der CLASH Shane MacGowan ins Ohr gebissen
hatte, dessen nachfolgende Berichterstattung dann in der Musikpresse u.a. mit
der Ueberschrift „Cannibalism at Clash Gig“ die Runde machte. Das allerdings
ihre Gitarristin Kate Corris, woher der SLITS-Originalbesetzung angehoerte, oder
das ihre Schlagzeugerin June Miles-Kingstone als Produktionsassistentin beim SEX
PISTOLS-Film „The Great Rock’n’Roll Swindle“ zusammen mit Kate arbeitete, oder
aber auch das ihre Saengerin Ramona Carlier urspruenglich aus der Schweiz kam
und vorher unter dem Nickname Regula Sing bei KLEENEX bis 1979 am Gesang
fungierte, all das war mir vorher gaenzlich fremd. Und so bekommt die
Vorgehensweise an diese CD ploetzlich ein voellig neues Gesicht! Denn hier hatte
man es tatsaechlich mit vier Punkrock-Girls der ersten Stunde zu tun. Und das
erklaert so vieles! Wie etwa, der etwas unbeholfene englische Gesang von Ramona
bei den Mo-dettes. Oder das der Sound manchmal an die SLITS erinnerte. Leider
war es mir 1980 (oder war es sogar schon 1981?) aufgrund meiner beschissenen
Arbeitszeiten als Kochlehrling vergoennt, die Band zusammen mit SPIZZ ENERGI im
„Okie Dokie“ in Neuss live zu sehen. Nun, JOHN PEEL spielte 1979 in seinem
Programm ihre erste Single „White Mice“, die mir auf Anhieb richtig gut gefiel,
und auch die zweite Single, das STONES-Cover „Paint It Black“ fand sich 1980 auf
seinem Plattenteller. Im Oktober desselben Jahres kam dann die Debuet-LP „The
Story So Far“ raus, die ich einige Jahre spaeter in einer Wuehl-Kiste von einem
ganz normalen Platten-Laden fuer unglaubliche 5,00 DM kaufte. Das „Cherry Red“
nun nach all den Jahren die Lizenz von „Universal Music“ bekommen hat, das Album
auf CD zu veroeffentlichten, ist sicherlich auf zaehe und kostenintensive
Verhandlungen zurueckzufuehren. Nun denn, hoffentlich klappt es da bald auch mit
den Aufnahmen von TV21, die ebenfalls bei dieser Firma unter Verschluss sind.
( * * * * * )

SHOP ASSISTANTS
„Will Anything Happen” CD
( Cherry Red Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 20. Oktober 2008 )
Mitte der 80er erschienen auf „The Subway Organisation Label“ gleich
reihenweise exzellenter Singles, die ich mir damals teilweise im Duisburger
“Garageland” Woche fuer Woche fein zulegt habe. Darunter u.a. THE CHESTERFIELDS,
THE SOUP DRAGONS, RAZORCUTS, THE FLATMATES und auch die erste Single der
schottischen Shop Assistants mit dem Titel „Shopping Parade“. Die Band bestand
aus zwei Jungs und zwei Maedels. Sarah war eines der Maedels, die neben den Bass
auch fuer den Gesang verantwortlich war und den Liedern mit ihrer feinfuehligen
Stimme erst den richtigen Pop-Anstrich verpasste. Denn all diese Singles verband
naemlich der Hang zu sehr poppigen Melodien, die sich auch schon in Songs der
UNDERTONES, BLONDIE, BOYS, RAMONES, BUZZCOCKS, und ab und zu auch bei TV
PERSONALITIES widergespiegelt hatten. Mit den „Subway“-Bands begann eine neue
Pop-Aera, die wenig spaeter auch die PRIMITIVES und MEGA CITY FOUR in ihrer
Arbeit massgeblich beeinflussen sollte. Was wir hier auf der ersten und einzigen
full-length „Will Anything Happen” von 1986 vorfinden, sind einzigartige Momente
des Minimalisten-Pop. Das hatte ein Jahr zuvor auch schon MORRISSEY erkannt, der
den Song „All Day Long“ von der „Shopping Parade“-7“inch, als Song des Jahres
auserwaehlte. Auch bei JOHN PEEL stiess die Band nicht auf taube Ohren. Sie
nahmen zwei Sessions fuer ihn auf und in seinen beruehmt beruechtigten
jaehrlichen „Festive Fifty“ von 1985 und 1986 waren tatsaechlich zwei Songs der
Shop Assistants vertreten. Leider ist nicht ueberliefert, woher die beiden
Bonus-Tracks, der insgesamt 16-Track-CD stammen. Songs wie „Before I Wake“, „Home
Again“, „After Dark“ oder „Seems To Be“ bleiben fuer alle Ewigkeiten brillante
Momentaufnahmen dieses speziellen Musikabschnitts.
( * * * * * + )

THE SILVER SHINE
„No Mercy” CD digi-pak
( Crazy Love Records / Cargo Records , Release Date: 19. Juni 2009 )
Die erste Adresse in der ungarischen Hauptstadt Budapest fuer traditionellen
Psychobilly ist das Trio von SilverShine, was sich im Sommer 2004 zusammen
gefunden hatte. Seitdem ist es mit der Combo steil nach oben gegangen. Im Sommer
2009 koennen sie dabei nun auf zahlreiche Konzerte mit Bands wie MAD SIN, THE
METEORS, REZUREX, KLINGONZ, PEACOCKS, PHANTOM ROCKERS oder DEADLINE verweisen.
Und mit „No Mercy“ ist aktuell bereits ihr drittes full-length erschienen. Auf
diesem bieten die Drei einen weiteren schlagfertigen 11-Song-Mix, der auch
einige Punk- und Rockabilly-Momente parat hat.
( * * * )

SODOMY SOLDIERS
s/t CD
( Knaster Records / SodomySoldiers.com , Release Date: 09. Mai 2009 )
RANICD-Klone, die wievielte Ausgabe ist das jetzt schon? Nun, wollen wir mal
den Teufel nicht direkt an die Wand malen, aber dieses Trio aus dem schwedischen
Ronneby hat auf ihrer ersten full-length definitiv den RANCID-Virus intus. Was
aber nicht weiter schlimm ist, es mischen sich noch die BOMBSHELL ROCKS ein und
auch die RAMONES wollen sich diese Punkrock-Party auf keinen Fall entgehen
lassen. 15 Street-Punker, die richtig gut produziert sind, zwar keine echten
Highlights bietet, doch trotzdem sicher bis zum Ziel in der Spur bleiben. Da
koennte unter Umstaenden noch etwas Groesseres draus werden! Denn der Anfang
klingt trotz der anfaenglichen Skepsis reichlich viel versprechend!
( * * * + )

STRESSOR
„Red Hot Rocket” CD digi-pak
( Crazy Love Records / Cargo Records , Release Date: 19. Juni 2009 )
Das „Crazy Love“-Label hat anscheinend ein gutes Haendchen, was eher
exotischere Bands angeht. Normalerweise ist man dazu verleitet zu glauben, dass
Rockabilly-Bands vorzugsweise aus England oder den USA kommen, aber auch im
entfernten Russland, genauer gesagt in der Industriestadt Tula, suedlich, knapp
190 Kilometer von Moskau gelegen, gibt es mit Stressor ein Quartett, das seit
2004 ihren Sound der Flat-tragenden Welt offenbart. Ihr Stil bei den insgesamt
11 Songs klingt dabei ziemlich aberwitzig und ganz schoen abgedreht. Fuer
unterhaltsame Abwechselung ist also bestens gesorgt. Mit BATMOBILE werden sie
oft in der Presse verglichen und so kommt es auch nicht von ungefaehr, das sie
fuer diese Band schon einmal den support act gespielt haben.
( * * * )

THERE FOR TOMORROW
„A Little Faster“ CD
( Hopeless Records / RudeRecorz.com , Release Date: 26. Juni 2009 )
Das war aber echt ein Schuss in den Ofen! Dachte eigentlich, dass ich ueber
die italienische Promo-Firma „Rude Records“ an die neue ANTI-FLAG rankomme, weil
die halt auch „Side One Dummy“ promoten. Aber da lag ich dann wohl etwas falsch,
da „Rude Records“ nur Italien bemustern und Deutschland seine eigene PromoFirma
hat, die es allerdings auch nicht fuer noetig haelt, mal kurz zurueck zumailen,
was Sache ist! Haetten die Italiener mir aber auch vorher mal stecken koennen,
dann waere ich bestimmt nicht auf die Idee gekommen, mit ihnen in Kontakt
zutreten. Und ich haette die ANTI-FLAG dann schon bei meiner (beinahe)
allmonatlichen AMAZON-Order in England, zusammen mit den neuen CDs von RANCID,
SPINNERETTE, MANIC STREET PREACHERS und der Re-Issue des zweiten
UNDERTONES-Album „Hypnotised“ mitbestellt. Scheiss drauf! Auch egal! Werde ich
mir die ANTI-FLAG eben naechsten Monat bestellen, weil die dort auf der Insel
trotz Versandkosten viel guenstiger ist, als hier im ueberteuerten fuckin´
EURO-Paradise Germoney. Dass mir „Rude Records“ dann aber eine dermassen
angepasste Muell-Combo, wie es There Be Tomorrow nun mal augenscheinlich ist,
vorsetzt, haette ich ueberhaupt nicht vermutet. Aber „Hopeless Records” scheint
mit den Jahren wohl auch ganz schoen runtergekommen zu sein, wenn man sich mit
solchen Schoenlingen abgibt! Wer solch einen shitty fuckin´ neu-deutsch
stylis(c)h HairCu(N)t traegt, kann da wirklich gute Musik bei rumkommen? Auf
ihrer MySpace-Site werden sie unter „Rock/Pop/Alternative“ gefuehrt. Und so ist
es auch! Kein pUnK, geschweige denn pUnKrOcK! Einfach nur, angepasster
Drecks-Sound! MainStream, ick hab dick janz doll lieb, ihr Faker, macht mich
reich und beruehmt, ich leg mich auch unters Messer! Mir ist alles recht! Das
sind noch nicht einmal mehr liebe und brave C&A-Punkies das ist schlicht und
ergreifend eine vorgegaukelte Plastic-World. You Are Welcome Ken + Barbie! Da
faellt mir noch zu ein, die haetten auch wunderbar zur diesjaehrigen zweiten „Sell-Out”-Tour
von SOCIAL DISTORTION gepasst. 35,00 EUR in Berlin an der AK und 33,00 EUR in
D-dorf. Ja, spinn ich, oder wat? 70,00 DM in 2009 fuer fuckin´ SxDx zublechen?
Da lacht der alte Punkrocker in the back mal ganz herzlich und gediegen ab! Und
wirft noch kurz ein, dass er 1992 in Essen schon von Mike Ness Poser-Gehabe auf
der Buehne peinlichst beruehrt war! Und wirft zugleich angeekelt und mit roten
Hektik-Flecken im Gesicht uebersaet diese CD hier aus seinem Player! Gib mir
ganz schnell irgendwat von CHELSEA oder STIFF LITTLE FINGERS, sonst dreh ich
noch komplett durch!!!!
( * )

TV21
„Forever 22“ CD
( Powbeat Records / MySpace.com/tv21official , Release Date: Mai 2009 )
Ohne „MySpace“ waere die Band TV21 sicherlich nicht noch einmal so offensiv
an die Oeffentlichkeit herangetreten, wie sie es nun in den letzten Monaten sehr
offenkundig zelebriert haben. Vielen wird diese Band heute allerdings nichts
mehr sagen. Nur wirklich „Uebriggebliebene“ koennen sich noch an diese Band aus
Scottland erinnern. Mich traf TV21 das erste Mal so richtig 1981, als JOHN PEEL
in seinem Programm die bereits dritte Single der Band „On The Run“ vorstellte.
Den wohl besten Song den die Band jemals abgeliefert hat. Augenblicklich wollte
ich von dieser Band natuerlich alles wissen. Ich machte mich schlau und binnen
weniger Wochen hatte ich auch ihre ersten beiden Singles „Shattered By It All“ +
„Ambition“ (auf ihrem eigenen Label „Powbeat Records“ erschienen) auf dem Tisch.
Es folgten noch drei weitere Singles, eine 10“inch und ihr einziges Album „A
Thin Red Line“. Dann war es (wie bei so vielen Bands damals) auch schon wieder
vorbei und im Mai ´82 trennte man sich. Sie kamen einfach nicht mit der
Situation zurecht, zur naechst hoeheren Ebene durchzubrechen. Und so beschloss
die Band kurzerhand – direkt nachdem sie den support fuer die Stones (ja,
richtig gelesen, die langweiligen alten Stones!) im Edinburgh „Playhouse“
gespielt hatten – sich aufzuloesen. 28 satte Jahre spaeter meldet sich die Band
mit drei Originalmitgliedern zurueck und praesentiert sozusagen mit „Forever 22“
den Nachfolger ihres ersten Albums. 2005 kam die Band das erste Mal fuer einen
„John Peel Testimonial“-Gig zusammen, ausserdem spielten sie eine Show auf dem
alljaehrlichen „Rebellion“-Festival in Blackpool. Beide Konzerte stiessen auf
reges Interesse. So war es dann nicht verwunderlich, das sie eines schoenen
Tages ins Studio gingen, um neue Songs aufzunehmen, die zunaechst nur bei „MySpace“
und auf der Band-Website zuhoeren waren. Um diesen Schritt zu vervollstaendigen
wurden die Songs nun als Bonus-Tracks auf „Forever 22“ veroeffentlicht. Die
offiziellen elf Tracks fuer das Album wurden naemlich einige Zeit spaeter im
Studio eingespielt. „Forever 22“ ist in allen Belangen ein beeindruckendes
Musik-Werk geworden. Dabei sind die Neu-Einspielungen beispielsweise von „Shattered
By It All“, „On The Run“, „Snakes And Ladders“ (ihre dritte Single) oder „Something´s
Wrong“ (ihre vierte Single) rundum gelungen, und, die sich perfekt neben den
neuen Songs wie etwa „One Day In Summertime“, „How Did You Get It So Wrong?“
oder „Look To The Sun“ einreihen. TV21 haben eine voellig unverkrampfte Art ihre
Musik naeher zu bringen. Es sind kleine Musik-Juwelen, die man gerne an einem
angenehmen Ort aufbewahrt. TV21 haben es in all den Jahren nicht verlernt
wirklich grosse Post-Punk-Songs zu schreiben. Den optimalen Beweiss dafuer
liefert einer der Bonus-Tracks, „It´s Me“, der „On The Run“ zwar nicht das
Wasser reichen kann, aber doch bedenklich nahe rankommt. „Forever 22” ist fuer
alle, die im Geist jung geblieben sind und sich auch heute noch immer mit guten
Gewissen THE JAM, THE MOONDOGS, JOY DIVISION oder THE SKIDS auflegen. Das Album
des Monats, was sonst?
PS: Und immer wieder dank an JOHN PEEL, der mich musikalisch in die
richtige Richtung gelenkt hat.
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