So, hier nun das Juli-Update. Das naechste Update erfolgt dann Ende August 2005. Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.
THE EXPLOITED
„Death Before Dishonour” CD digi-pak
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 27. Juni 2005 )
Das fuenfte Studioalbum aus dem Jahre 1987 erfreut sich auf „Captain Oi!“ einer
schicken digi-pak Release-Belebung. Produziert wurden die 12 Tracks von Dave „Death”
Pine, der auch verantwortlich fuer die Mixe von Bristol´s Death-Metallers
ONSLAUGHT war. Ich glaube das ich Wattie und seiner neuen Backin´ Band etwas
vorschnell verurteilt habe, da ich sie zu den spaeteren Metal-Werken von GBH und
DISCHARGE stellen wollte. Wer glaubt, das hier ueberall nur Metal-Gitarren
aufjaulen, sieht sich getaeuscht. Eher sehr straighter ´82er-Punksound, der auch
nicht die typischen Sound-Merkmale vom Heavy Metal nach aussen kehrt. Eigentlich
mag ich ja den hohlen „Hau drauf“-Sound, den fast jeder Punker auf der Welt von
den ersten beiden Alben „Punk´s Not Dead“ und „Troops Of Tomorrow“ her kennt.
Kann ich zwar nicht jeden Tag empfehlen, aber irgendwie hat das was. Simpel,
aber sehr effektiv. Und ungefaehr in der Art wird auch hier wieder verfahren,
obwohl man auf keinen Fall an der Klasse der ersten beiden Alben anknuepfen
kann. Ein angepisster Wattie verschafft sich auf allen 12 Tracks ganz schoen
Luft. Was mich auch ein wenig verwundert, ist, das Wattie es bis zum heutigen
Tage nicht auf die Reihe bekommen hat, eine eigene Homepage fuer die Band
einzurichten. Ich hab mal in die Goggle-Suchmaschine „Exploited Wattie Punk“
eingegeben, und alles was das Netz mir ausgespuckt hatte, waren diverse
unausgegorene Fan-Pages. „„Death Before Dishonour” ist komplett re-mastered
worden, alle Texte finden sich im Booklet und zusaetzlich wurden die „Jesus Is
Dead“ EP und die 12“inch „War Now“ im Bonus-Part mit ihren sieben Tracks
angefuegt.
( * * * )

THE EXPLOITED
„The Massacre” CD digi-pak
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 27. Juni 2005 )
Auch auf dem sechsten Studioalbum, was 1990 zum ersten Mal erschien, wettert
Wattie wie ein Rohrspatz. Fuer die drastischen und zugegebenermaßen erschreckend
simpel gestrickten Wutausbruechen in seinen Texten bin ich Wattie in der
heutigen Zeit trotz allem sehr dankbar. Er erteilt allen eine klare Abfuhr, ob
es die Armee ist, die Politiker oder die „Boys In Blue“. Fuer ihn gilt nur ein
Motto, alle in einen Sack stecken und drauf kloppen. Du triffst dabei immer den
Richtigen! Zum letzten Album hoert man schon eine erhebliche Veraenderung raus.
Waehrend man auf „Death Before Dishonour” noch auf den alten dumpferen ´82er
Sound-Mix zurueckgriff, ist auf dieser Scheibe ein glasklarer ueberproduzierter
Sound zu vernehmen, dessen Auswirkung eigentlich der Band ueberhaupt nicht gut
zu Gesichte steht. Das diesmal der Produzent von NAPALM DEATH am Mischpult sass
ist leider Fakt und er drueckte seinen Stempel unverkennbar auf die insgesamt 12
Tracks auf. Hier kommen wir dann schon eher ins Gefilde, wo sich der
Heavy-Heiner und der Metal-Micha jeden Abend eine Gute Nacht wuenschen.
Abschliessend denke ich, das die beiden Alben sicherlich nicht noch mal in
meinem Player landen werden, denn dann bevorzuge ich wie gehabt die ersten
beiden full-length der Band. Und das reicht mir von den Exploited voll und ganz!
„The Massacre“ ist wie „Death Before Dishonour” komplett re-mastered worden,
auch hier finden sich alle Texte im Booklet und zusaetzlich wurden vier
Live-Tracks von der Japan-Tour ´91 angefuegt. Ausserdem sind bei beiden
Re-Releases informative Linernotes von Ian Glasper, dem Autor des Buches „Burning
Britain“ nachzulesen.
( * * * )
FM BATS
„Everybody Out… Shark In The Water” MCD digi-pak
( TKO Records / TKORecords.com , Release Date: Juni 2005 )
Oh je! Das Saenger Todd Jacobs schon immer ein schraeger Vogel war, bewies er
unlaengst in Bands wie LE SHOK und NEON KING KONG. Nun hat er mit FM Bats seine
dritte Anlaufstelle fuer „schwer erziehbare Kuenstler“ aus der Taufe gehoben und
gibt ein weiteres ungesundes Statement ab, frei nach dem Motto, „abgedreht, und
trotzdem glücklich“….., ich komme auf solch ein Spezies nun gar nicht drauf klar
und betitele das „Meisterwerk“ mal schlicht weg, als musikalischer Abfall! Ab
auf den Kompost damit! Ich bin mir fast sicher das Mr. Jacobs dies als
Kompliment versteht.
( * )
GALLON DRUNK
„One For The Ladies“ DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 18. Juli 2005 )
Folgendes Zitat ist von JOHN PEEL auf dem Cover zu lesen: „The only time I went
to see them, the buggers were too pissed to play”. Nach kurzem
Anschauungsunterricht machte das wohl kaum einen grossen Unterschied aus. Ob
Gallon Drunk nuechtern oder betrunken auf der Buehne anzutreffen waren, spielt
fuer mich keine Rolle. Schliesslich spielt die Band nicht im Entferntesten den
Soundtrack, mit dem ich aufgewachsen bin und deren positiven Auswirkungen mich
auch noch heute sehr intensiv beschaeftigen. Aber der Schmalzlocken-Duester-Kram
hier schiesst bei mir meilenweit am Ziel vorbei und deswegen werde ich auch
keine weitere Sekunde damit vergeuden. Hab schliesslich besseres zu tun, wie
etwa jetzt direkt im Anschluss an diese Review die NIPS ´n´ NIPPLE ERECTORS
„Bops, Babes, Booze & Bower“ CD einzulegen.
( * )

THE HATEPINKS
„Plastic Bag Ambitions” CD
( TKO Records / TKORecords.com , Release Date: Juni 2005 )
Split-Releases sind ja schwer in Mode. So auch hier. Die 13-Track-CD erscheint
in den Staaten bei „TKO“, waehrend den Part der LP-Version das franzoesische „Lollipop
Label“ uebernommen hat. Eigentlich sind die Hatepinks da auch zu Hause. Den
Sound, den die Hatepinks mittlerweile an den Tag gelegt haben, ist ja seit der
Einfuehrung der BRIEFS in die holde Punker-Gilde, auch ganz schoen in Mode
gekommen. ´77er Amateure, die von ihren Vorbildern aber noch eine Menge lernen
muessen. Gefaehrlich klingt das naemlich absolut nicht. Ganz im Gegenteil! Dann
schon eher wie Kindergeburtstag, inkl. Quaekstimme und Klimpergitarre. Mein
kleines Punkrock-Herz laesst sich bei so einer braven Vorstellung kaum
erweichen.
( * * )

THE NOW
„Fuzztone Fizzadelic“ CD
( Damaged Goods Records / DamagedGoods.co.uk , Release Date: 15. August 2005 )
Zunaechst dachte ich, das waere eine Ansammelung ihrer Werke von 1977 bis 1979.
Dem war aber gar nicht so, denn im Verlauf des letzten Jahres wurde in
Originalbesetzung diese full-length aufgenommen, und zwar repraesentieren die 14
Tracks die Setliste von ihrem ersten Auftritt im Jahr 1977. Eine gute Idee, wie
ich finde! Einige Bandmitglieder hatten seit 27 Jahren kein Instrument mehr in
der Hand gehabt, aber trotzdem gab es keinerlei Probleme die Songs innerhalb von
einer dreistuendigen Probe wieder „einzupauken“, um sie dann in nur zwei Tagen
im Studio aufzunehmen und fertig abzumischen. Das Ergebnis kann sich
uneingeschraenkt hoeren lassen! Jeder einzelne Song steht fuer sich! Fuer
´77er-Punks kommt zu keiner Sekunde Langweile auf. Wenn alle ehemaligen
kleineren ´77er-Bands so gekonnt und unverbraucht ihr altes Material in einem
unverkennbaren authentischen ´77er-Style raus hauen, dann moechte ich gerne auch
die erste Setlisten von Bands wie the USERS, the UNWANTED oder the KILLJOYS
demnaechst im Studio aufgenommen haben. Der CD-Titel entstammt uebrigens aus der
Feder des „England´s Dreaming“-Autoren Jon Savage, der damals im englischen
„Sounds“ vom 05.11.1977 ihre Debuet-7“inch „Development Corporations“ besprochen
hatte. Schade nur, das das Booket so spaerlich ausgefallen ist und keine
wichtigen Angaben zur Scheibe preisgibt. Fuer mehr Informationen solltet ihr
dann mal im Internet auf the-now.com klicken. 1977 in 2005, warum auch nicht?
The Now brauchen ueberhaupt keine Vergleiche mit bekannteren ´77er-Bands zu
scheuen. Denn sie haben mit „Fuzztone Fizzadelic“ einen unverfaelschten
britischen Punkrock-Klassiker praktisch aus dem Nichts gezaubert. Das werden
aber viele Leute erst in ein paar Jahren wirklich zu Kenntnis nehmen und dann
auch hoffentlich zu schaetzen wissen.
( * * * * * )

PANTYCHRIST
„Never Love Anything“ CD
( Amp Records / AmpRecords.com , Release Date: Juni 2005 )
Die vier jungen Girlies aus Kanada machen es mir aber auch nicht gerade
sonderlich leicht! Sie haben anscheinend noch nicht das Schoene dieser Welt fuer
sich entdecken koennen. Hektisch bis Kante hetzen sie mich durch ihr
13-Song-Arsenal. Eine Schlagzeugerin, fuer die das Wort Rhythmuswechsel bisher
ein Fremdwort war, eine Saengerin die bestimmt Haare auf den Zaehnen hat, so wie
die Gift und Galle spuckt, und die Saitenkuenstlerinnen kommen nicht ueber die
ueblichen drei Akkorde hinaus. Okay, man koennte es noch einfacher haben und
manche Band versteht auch die Kunst mit solch einfachen Mitteln wirkungsvoll
abzuschneiden, aber bei Pantychrist kommt dieses Gefuehl leider nie auf. Eine
ganz boese Punker-Scheibe fuer die heutige Teenage-Punk-Generation! Und da
zaehle ich mich bestimmt nicht mehr zu.
( * * )

THE PLAGUE
„The X Tapes“ CD
( Bin Liner Records / Detour-Records.co.uk , Release Date. 27. Juni 2005 )
Obwohl es sich um eine Band handelt, die genau meinen Geschmack treffen sollte,
hatte ich zunaechst meine Anfangsschwierigkeiten mit der 14-Track-CD. Das ist
mir z.B. bei der „Fuzztone Fizzadelic“ CD von THE NOW nicht passiert, denn die
lief direkt im ersten Durchlauf auf der Erfolgsspur. So beschaeftigte ich mich
mit der Plague-CD etwas intensiver und siehe da im dritten Anlauf war die Sache
gegessen und der Bann gebrochen. Ich bin jetzt davon ueberzeugt, das meine
ersten Hoerversuche aufgrund ihres ziemlich hardrock-lastigem Opener „Come
Together“ missglueckten. Aber danach wendete sich das Blatt zum Guten. Nun aber
kurz zur Entstehungsgeschichte. Open the books, please! 1976 kamen auf dem
O´Level College in Catford, im Sueden Londons vier Freunde zusammen, die
beschlossen eine Band zu gruenden. Am 08. November 1977 spielten sie zum ersten
Mal im „Roxy Club“, als support von CRISIS und YOUTHANASIA. Fortan waren sie
dort gerne gesehen und spielten noch, bis zur Schliessung des Clubs Ende April
1978, einige Gigs. Dies ist nun also das Vermaechtnis einer von diesen
unzaehligen Bands, die 1977 in London und Umgebung ihre Shows spielten, evtl.
ein oder gar zwei 7“inches aufnahmen, um dann schon noch recht kurzer Zeit
wieder in der Versenkung verschwanden. The Plague nahmen allerdings noch mehr
Material auf! Was fuer ein unverschaemtes Glueck! Auf der CD gibt es die
vollstaendige Auswahl ihrer Studioaufnahmen mit elf Songs. Darunter die beiden
Singles „In Love“ (1978 auf dem legendaeren „Psycho Label“ erschienen) und „Out
With Me All Night“ (kam 1980 auf dem „Evolution Label“ raus). Beide 7“inches
kamen in Minimal-Auflagen von jeweils 500 Kopien raus, wobei ihre Debuet-Single
von „Evolution“ noch mal neu-aufgelegt und zwar in einer 6000er-Pressung, die
sich verkaufte wie warme Semmel. Die Band war auf ihren Singles nicht schlechter
oder besser, als andere Londoner Bands, nur hatten sie wohl mit dem Handicap zu
kaempfen, das ihr Bekanntheitsgrad doch eher auf lokaler Ebne zu finden war. The
Plague stehen fuer erstklassigen ´77er Punkrock, der mich immer mal wieder an
Songs von anderen kleineren englischen ´70er-Bands erinnert, wie etwa TOO MUCH,
HORRORCOMIC, BEE BEE CEE, RUNNING DOGS, PAYOLAS oder DANSETTE DAMAGE. Meine
persoenlichen Lieblingsstuecke „Lay Me In The Moonlight“ und „Dog Days“ sind
allerdings etwas vom damals grassiertem PowerPop-Sound beeinflusst worden. Eine
grandiose Mischung! Zwei echte Perlen der fruehen britischen Punk
Rock-Geschichte! So typische JOHN PEEL-Songs, die man gerne in seiner Show
gehoert haette. Ihr Saenger Gareth stieg Ende ´79 aus und von da an existierte
in den Hirnen der verbliebenen Mitglieder die Idee, eine Saengerin zu
verpflichten. Mit Sue Slack fand man dann endlich Ersatz und man nahm mit „Stop“
eine weitere Pop-Punk Granate auf. Quasi als Bonus gibt es am Schluss der CD die
allerersten Demo-Aufnahmen zu hoeren, und das in einer erstaunlich guten
Soundqualitaet! „On The Dole“, „Again And Again“ und Nightmares“ wurden im
Living Room von ihrem Gitarristen Marcus Jeffries aufgenommen. Ein
formvollendetes Booklet im klassischen Photoschnipseln-Stil und einigen
Band-Infos rundet diese Scheibe ab. Fxxx All The “So-Called” Garage Lo-Fi
Punk-Bands Of Today! Listen To THE PLAGUE, my son! N-O-W!!!
( * * * * * )
THE PRICKS
„Maximum S&M” CD
( Rockstar Records / RockStarRecords.de , Release Date: Juni 2005 )
Verkehrte Welt! Die sind ja richtig einfallsreich! Erst wird man aufgrund der
optischen Begegnung mit der gepiercten „Dumm aus der Waesche
guckenden“-Kirschdame auf dem Cover kraeftig verarscht, da ein jeder bei diesem
Anblick denkt, die Pricks die machen schwer einen auf the BONES, so janz
gefaehrliche Greaser-Haeuptlinge, you know. Dann legt man die CD von den
Stockholmer Bubis ein und erlebt eine boese Ueberraschung mit gallebitteren
Geschmacksknospen. Laermendes Hardcore-Gebratze mit eklig hohen
Nervgezeter-Gesang, so das ich mir im ersten Moment lieber wieder die
Greaser-Parade zurueckwuensche. Auf dem Booklet-Back steht: „the Pricks –
Pissing People Seriously Off Since 1997!“ Da scheint was dran zu sein. Denn ich
bin wirklich angepisst! Mach mir den Effe, oh yeah!
( * )

RED ALERT
„Wearside” CD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: Juli 2005 )
Ich war nie ein erklaerter Fan von Red Alert gewesen. Hatte zwar damals in den
´80ern ihre ersten drei „No Future“-Singles gekauft. Doch dann liess das
Interesse doch stark nach und ich widmete mich mehr dem Ami Hardcore. Mitte der
´90er verkaufte ich auch fast saemtliche Singles vom „No Future Label“ und auch
die Singles von Red Alert fielen darunter. Ich glaube heute wuerde ich mir das
zweimal ueberlegen, aber was solls. Das nur kurz zur Vergangenheitsbewaeltigung.
Es gibt für mich heute wesentlich wichtigere Dinge, als sorgfaeltig weiter nach
raren Platten zu forschen. Schliesslich erhalte ich fast tagtaeglich derart viel
neuen Stoff, wo natuerlich auch ein großer Teil Re-Issues dazu gehoeren.
Mittlerweile habe ich dann auch die 7“inches auf CD nachgereicht bekommen. Ich
brauche die Originale nicht mehr, mir reicht es wenn ich sie in einwandfreier
CD-Qualitaet hoeren kann. Nun aber zur Platte. Die 14 Songs von Sunderland´s
Oi!-Punk Legende Red Alert strotzen nur so vor Selbstbewusstsein und
Lebensfreude. Sie klingen keineswegs muede oder ausgelaugt. Sie spielen eine
wirkungsvolle Kreuzung aus unbeschwerten Pub Rock Klaengen, griffigen Streetpunk
Melodien, die kontinuierlich von ohrwurm-artigen Chorgesaengen befallen werden.
Dadurch kreieren sie automatisch den „Working Class Stil“ auf ein Neues, der in
den spaeten ´70ern Jahren im Londoner East End seinen Ursprung hatte und Punk
Rock als solches damals neu definierte und bis heute einen festen Platz in der
Punk Rock Szene gefunden hat. Es finden sich auch einige sehr ruhige Balladen
mit tollen melodischen Augenblicken ein. Da 1999 „Wearside“ zum ersten Mal auf
„Rhythm Vicar“ raus kam, hab ich deren Review aus der Print-Ausgabe vom 3RD No.
16 mit wenigen Abstrichen hier uebernommen. Hat halt immer noch Bestand. „Cherry
Red“ hielt es fuer notwendig, das Album in seine „Punk Collectors Series“
aufzunehmen und hat nun knapp sechs Jahre spaeter die damals sehr schnell
vergriffene CD wieder neu-aufgelegt.
( * * * * )

SEX GANG CHILDREN
„Song & Legend“ CD
( Cherry Red Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 06. Juni 2005 )
Mit der Sex Gang Children hatte ich eigentlich nie was mit am Hut gehabt. Obwohl
ich mir 1982 ihre erste full-length zugelegt habe. Ich glaube, das ich mich
damals deswegen zu dem Kauf der LP verleiten liess, weil in den englischen
Musicpapers die Band ziemlich hoch gepusht wurde, entfernt mit Bands wie THEATRE
OF HATE, KILLING JOKE oder UK DECAY in Verbindung gebracht wurde, und ja auch
fast die komplette Besetzung der Combo ihren Ursprung eigentlich in der
´77er-Bewegung hatte. Die Scheibe hatte ich dann aber auch nur fuer kurze Zeit
in meinem Besitz. Das war einer dieser klassischen Fehlkaeufe! Denn nur mit
einem Song konnte ich direkt Freundschaft schliessen, „Killer ´K´“. Was sich bei
diesem Track abspielte erfuellte meine Erwartungen sofort. Denn hier konnte man
auch die Verbindung zu dem Produzenten der Platte, Tony James von GENERATION X
irgendwie nachempfinden. „Killer ´K´“ ist ein schoen aggressiver Song, der seine
Roots ganz klar im early Punkrock erkennen laesst. Hier werden die Gitarren noch
voll durchgezogen und sind weit entfernt von den merkwuerdigen Anwandlungen, die
auf den restlichen Tracks zu vernehmen sind. Als es die Sex Gang Children gab,
war das Wort „Gothic“ noch nicht fuer diesen Stil erfunden worden. Damals sprach
man zunaechst noch von der Post-Punk-Aera. Heute gilt ihr Debuet „Song And
Legend“ laengst zum Klassiker in der „Gothic Rock“-Szene. Und „Cherry Red“ hat
an alle nachrueckenden Fans mit der Erstveroeffentlichung auf CD bestimmt einen
grossen Dienst erwiesen. Mein Urteil von damals muss ich allerdings gruendlich
revidieren. Denn der Sound sagt mir heutzutage wesentlich mehr zu, als vor 23
Jahren. Deswegen gibt es auch ein klares OKay von meiner Stelle aus. Aufgestockt
ist die 12-Song-CD mit drei Bonus-Tracks, die von Saenger Andi Sex Gang in
diesem Jahr als Akustik-Versionen aufgenommen wurden. Dabei handelt es sich um
die LP-Stuecke „Shout And Scream“, „Sebastiane“ und „Song And Legend“.
( * * * )
TEST DEPT.
„Program For Progress” DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: Juni 2005 )
Mitte der ´80er besuchte ich mit meinem damaligen Punker-Kumpel Jonny den
Berliner Plattenladen „Sasquatsch“. Einer deren Mitarbeiter mit Namen Niels nahm
uns dann abends mit auf eine ausgedehnte Sauftour durch Berlin´s
Underground-Schuppen, die natuerlich erst im fruehen Morgengrauen endete.
Irgendwann in dieser Nacht sassen wir drei dann in einer damals wohl ziemlich
angesagten „Trendy Cunt“-Kneipe rum, als die Tuer aufging und ein voellig
abgefuckter Blixa Bargeld die Spelunke betrat. Campino von den TOTEN HOSEN sagte
einmal, als er JOHNNY THUNDERS bei der Studio-Session zu dem Cover-Album „Learning
English, Lesson 1“ traf, das er dem Tod nie naeher gewesen waere. 48 Stunden
spaeter fand man Johnny tot in einem Hotelzimmer in New Orleans, gestorben an
einer Ueberdosis. Nach der kurzen Begegnung mit Bargeld konnte ich Campino´s
Worte ganz gut nachvollziehen. Das ist so spontan was mir eingefallen ist, als
ich fuer ganz wenige Augenblicke diese DVD betrachtete. Schon damals empfand
ich, das die EINSTUERZENDEN NEUBAUTEN oder WIRTSCHAFTSWUNDER, die ich uebrigens
auch mal 1980 im „Ratinger Hof“ sehen konnte, eher ein klassischer Fall fuer die
Couch beim Psychiater waeren. Test Dept. stehen ganz in der Industrial-Tradition
von den Neubauten, nur das sie weitaus politischer waren, als ihre Kollegen aus
Berlin. Sie unterstuetzen die Bergarbeiter 1984 in ihrem Streik und kaempften
gegen die Apartheid, die sich auf vielen Ebenen in ihrer Heimat England
unterschwellig ausgebreitet hatte. „Program For Progress“ erschien im Original
1984 und beinhaltet ihre acht Film-Videos von ´82 bis ´84. Nun erscheint der
Titel das erste Mal auf DVD. Wer Lust auf tiefer gehende Depressionen (bleibende
Schaeden nicht ausgeschlossen!) verspuert oder ganz einfach mal gerne an seinen
Pulsadern rumschnitzt, der findet in „Program For Progress“ das optimal
akustische Begleitmaterial. Und sagt hinterher nicht, ich habe euch vorher nicht
gewarnt!
( * )

V.A.: „GIVE US A FUTURE – The History Of Anagram Records 1982-1987”
CD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: Juli 2005 )
Mitte ´82 signte Phil Langham, der vorher vier Jahre mit the DARK Musik gemacht
hatte und im Alter von nur 27 Jahren zwei Jahre spaeter an einer Ueberdosis
starb, ONE WAY SYSTEM als erste Band fuer das „Anagram Label“. „Anagram“
startete zunaechst als reines Punk-Label, spaeter gesellten sich neben den
ANGELIC UPSTARTS, the VIBRATORS, VICE SQUAD, PRESSURE (Geheimtip!) und the
OUTCASTS aber auch Bands wie ALIEN SEX FIEND oder the METEORS hinzu. Die
20-Track-CD dokumentiert diesen Verlauf in all seinen Einzelheiten, sei es auf
dem Silberling selbst oder im reich bebilderten aufklappbaren Falt-Booklet, wo
eine ausfuehrliche Story zu lesen ist, und auch zusaetzlich eine komplette
Discographie abgedruckt wurde. Ich mochte „Anagram“ vom ersten Moment an und
kaufte mir zu Vinylzeiten fast all ihre Punkrock-Veroeffentlichungen. Trotz
einiger Bands, die auf der CD nicht meinen Geschmack treffen, gibt es die volle
Sternchenzahl, und das nicht nur wegen des vortrefflich gelungenem „SEX
PISTOLS“-Cover.
( * * * * * )

V.A.: „GOOD VIBRATIONS - The Punk Singles Collection”
CD
( Cherry Red Records / CherryRed.co.uk , Release Date: Juli 2005 )
Nord-Irland´s Punkrock-Profis immer mal wieder als Re-Release aufleben zu lassen
ist nie verkehrt. Die Zusammenstellung der Bands, die damals in den ´70ern auf
Terri Hooley´s „Good Vibrations Label“ ihre heute bekannten Debuet-Klassiker in
7“inch-Form veroeffentlichten konnten, sind Hauptbestandteil dieser 25-Song-CD.
Wir hoeren RUDI mit „Big Time“, the OUTCASTS mit „Self Conscious Over You“, the
IDIOTS mit „Parents“, PROTEX mit „Don´t Ring Me Up“, the BEARS mit „Decisions“,
RUEFREX mit „Cross The Line“, the UNDERTONES mit „Emergency Cases“ (und nicht
mit „Smarter Than U“, wie faelschlicherweise angegeben!), the TEARJERKERS mit
„Love Affair“, the MOONDOGS mit „Ya Don´t Do Ya“ oder the SHAPES mit „Airline
Disaster“, die aber als einer der wenigen „Good Vibrations“-Bands, nicht aus der
nordirischen Szene kamen. Nord-Irland hatte damals eine ganz spezielle Szene,
die sich durch einen bemerkenswerten musikalischen Flair auszeichnete. Noch
Fragen?
( * * * * * )