So, hier nun das Update fuer Januar. Das Update fuer Februar erfolgt Anfang Maerz 2009. Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.
AN ALBATROSS
„The An Albatross Family Album” CD
( Eyeball Records / Gordeon Promotion , Release Date. 24. Oktober 2008 )
Die erste Besprechung im neuen Jahr. Und dann direkt so ein verfickter
Drecks-Industrial-Scheiss! Oder wie man heute dazu so vollmundig neu-modisch
verkuendet, voll der Stresser-Core, du ´77er-Weichei-Ausgeburt!!! Ja, ist denn
ein neuer Punkrock-King in der City, oder wat?! Who would like to break the punk
rock law? Das ich nicht bittersuess vom Throne auf euch herablache! haharHAAARR!!!
Junge, Junge, 2009 faengt ja so richtig gut an! Gossen-Punx, ihr seid gegruesst!
And I Want My Woody Back, you fuckin´ Schimmelgesichter! P-L-E-A-S-E!!!! I don´t
say it twice!
( * )
THE CORTINAS
„For Fucks Sake Plymouth” CD-R
( Bristol Archive Records / BristolArchiveRecords.com , Release Date: 06.
Oktober 2008 )
„Bristol Archive Records” hat es sich zur Aufgabe gemacht, wie es der Name
ja auch eigentlich exakt wiedergibt, Musik aus Bristol vom Beginn der
Punkrock-Rechnung, also ab dem Jahr 1977, zu archivieren und sie dann im
restaurierten Zustand der breiten Oeffentlichkeit zugaenglich zu machen. Dabei
sind vieler dieser Bands und ihre Veroeffentlichungen bisher voellig unbekannt
oder sehr selten gewesen. Das Material wird, egal ob es von Vinylscheiben,
Kassetten oder Studio-Tapes stammt, digital remastered. Neben einer limitierten
Vinyl-Edition, von 1000 Kopien oder weniger, werden die ueberarbeiteten
Versionen auch bei „iTunes“ als Download angeboten. Schnitt! Auf der sehr
informativen Homepage von „Vive Le Punk!“ entdeckte ich einen Artikel von Shane
Baldwin (dem ehemaligen VICE SQUAD-Schlagzeuger) ueber die Cortinas. Anlass
dafuer waren die nun zu besprechenden beiden CDs. Nun, ich persoenlich hoerte
die Cortinas das erste Mal im Sommer 1977 auf WDR2. Der Musikjournalist Winfried
Trenkler moderierte an zwei darauf folgenden Sonntagen die Extraausgaben von der
Sendung „Radiothek“ und spielte „den neuen Sound“, den er sich bei einem Besuch
in London Tuetenweise hat einpacken lassen. Und irgendwann lief dann auch die
erste Single der Cortinas, „Fascist Dictator“ und wenig spaeter im Programm auch
deren B-Seite „Telvision Families“. Schnitt! „Sniffing Glue war mein Fanzine.
Step Forward war mein Record Label.“ Das sind die ersten Worte von Mark P.´s
Linernotes zu der CD-SingleCollection „I Wanna Punk Rock“, die alle „Step
Forward“-Singles beinhaltet. Mit der Hilfe von Miles Copeland (POLICE-Manager)
wollte er zunaechst die ADVERTS signen, aber die gingen zu „Stiff“ und uebrig
blieben fuer die ersten drei Single-Veroeffentlichungen die CORTINAS, CHELSEA
und die MODELS, exakt in der Reihenfolge. Natuerlich wurden diese Singles zu
wahren Punkrock-Klassikern! Schnitt! Die Jungs von den Cortinas trafen 1975 auf
ihrer Schule zusammen und beschlossen im zarten Alter von 15 sich an Rhythm&Blues-Covern
zu versuchen. Als Punk Rock Bristol erfasste wurden auch die Cortina-Jungs nicht
verschont und einfach mitgerissen. Die Cover-Songs wurden schneller und bald
wurden auch die ersten eigenen Songs geschrieben. Durch ihren regelmaessigen
Besuch in London hatten sie sich binnen kurzer Zeit dort in der Szene etabliert.
Sie gehoerten zu den ersten Bands, die im „Roxy Club“ spielten. Ihren ersten Gig
hatten sie dort als support von den STRANGLERS im Januar 1977. Danach spielten
sie zwei Mal im Februar als Headliner. Und im Maerz und April spielten sie
wieder als Hauptband. Der support kam von den MODELS. Und so ging es mit der
Band weiter vorwaerts. Alles war schoen, alles war gut. Sie spielten im Jahr 77
viele weitere Gigs (u.a. zusammen mit BLONDIE und CHELSEA), nahmen ihre beiden
Singles „Fascist Dictator“ + „Defiant Pose“ auf und spielten im Juli ´77 eine
JOHN PEEL Session ein. 1977 war definitiv das Jahr fuer die junge Band aus
Bristol. Die 13 Tracks, die jetzt aufgetaucht sind, sind ein perfekter Einblick
in ihre Live-Qualitaeten. Die Aufnahme ist zwar nicht wirklich berauschend, aber
das sollte Nebensache sein. Viel wichtiger ist, mit welcher Wucht und Aggression
die Songs raus gehauen werden. Die Jungs spielen so, als ginge es um das nackte
Ueberleben. Es ist echt schade, das Songs wie „We´re Gonna Play In The Subway
Today“, „Tokyo Joe“ oder „Gonna Get Mary In The Bus Shelter“ niemals im Studio
vertont wurden. Unter diesen Umstaenden kann man diese Live-Aufnahmen als ein
echtes Zeitdokument betrachten. Ein weiterer denkwuerdiger Tag im Punkrock-Jahr
1977! Und Schnitt!
( * * * * + )
THE CORTINAS
„Please Don´t Hit Me” CD-R
( Bristol Archive Records / BristolArchiveRecords.com , Release Date: 06.
Oktober 2008 )
Der erste Song beginnt wie von den STOOGES „I Wanna Be Your Dog”, die Stimme
von Jeremy Valentine erinnert dabei gleichzeitig an Nicky Tesco (THE MEMBERS),
Malcolm Owen (THE RUTS) und an JOHNNY MOPED. Doch trotz dieser viel
versprechenden Vorboten nahm die Geschichte der Cortinas ein unheilvolles Ende.
1977 war vorbei und die WASPS besangen „Can´t Wait Till ´78“. Nun, fuer die
Cortinas waere es sicherlich vorteilhafter gewesen in der Zeitschleife stecken
zubleiben. Denn 1978 war kein gutes Jahr mehr fuer die Band. Sie entdeckten,
dass sie mal als Rhythm&Blues-Coverband angefangen hatten. Das sie zu „CBS“
gewechselt haben war wohl ein weiterer Fehler. Denn ihre Single „Heartache“ und
ihr erstes Album „True Romances“ hatte nichts mehr mit den Cortinas 1977 zutun.
Das Album hoerte sich so an, als wenn es von alternden Pub Rockern eingespielte
worden war, anstatt von fuenf Teenage Punk Rockern. Die 12 Songs die auf „Please
Don´t Hit Me“ nun veroeffentlicht wurden stammen vom Januar ´78 und koennte man
wohl aus heutiger Sicht als Demos bezeichnen. Denn beinahe alle Lieder
erschienen spaeter dann in Neufassungen auf besagtem Album. Besonders
erschreckend ist dabei der direkte Vergleich der Songs „Have It With You“ und „Further
Education“, die auf der Live-CD von ´77 zu hoeren sind. Denn da klang das noch
nach reinem Punk Rock, die Demofassungen hingegen sind einfach nur sehr lahm.
Soviel ich weiss floppte das offizielle Album auch ordentlich. Ich meine mich
erinnern zu koennen, dass ich es nach dem ersten Hoeren in einem Plattenladen
auch direkt wieder ins Regal gestellt habe. So nahm das Unheil seinen Lauf und
schon kurze Zeit spaeter trennte sich die Band dann im September. Die Geschichte
geht aber noch ein Stueck weiter. Unter dem Motto „Where Are They Now?” ist
folgendes bekannt.
Nick Sheppard spielte Gitarre mit der letzten Line-Up von THE CLASH. Das duerfte
hinlaenglich bekannt sein. Seit 1993 lebt er in Perth (Australien) und macht
weiter Musik.
Schlagzeuger Daniel Swan zog es nach San Fransisco, wo er u.a. fuer Bands wie
RANCID, OFFSPRING und GREEN DAY arbeitet.
Saenger Jeremy Valentine ist heute Soziologielektor an der Queen Margaret
Universitaet in Edinburgh. (Punk Rock? Why not?)
Bassist Dexter Dalwood studierte am St. Martins College fuer Kunst und am Royal
College fuer Kunst und ist heute ein bekannter Maler, der seine Werke in New
York, London und Liverpool ausstellt.
Vom zweiten Gitarristen der Band, Mike Fewings verliert sich leider die Spur. Es
ist lediglich bekannt, das er kurz nach dem Split der Cortinas noch bei der Band
ESSENTIAL BOP spielte.
( * * * + )
EXCEPT THE GENERAL
„The Dolls House Demos“ CD
( Council House Records / MySpace.com/383564432 , Release Date: 2008 )
Immer wieder eine Freude neue Bands aufzuspueren! Wie kam ich also an diese
kleine aber feine Band aus dem britischen Cambridge ran? Nun, mal wieder ueber
MySpace. Auch wenn viele aktuell MySpace verteufeln, ich hingegen finde immer
noch, dass man hier schon so einige wirklich gute Bands auskundschaften kann.
Nun, mit Except The General ging das in etwa so. HONEY BANE schickte ein „Bullet“
raus, indem sie auf die Seite von JOHN PEEL RADIO FESTIVAL GERMANY hinwies.
Alles was mit John Peel irgendwie zu tun hat steigert mein Interesse ganz
automatisch und so klickte ich die Seite im Nu an. Die Seite dient als
Umschlagplatz fuer eine Radio-Show und diverse Festivalveranstaltungen, die die
musikalische Denkweise von John Peel in diesen Aktivitaeten nahezu perfekt
widerspiegelt Im Player befand sich ein Song, der mir auf Anhieb zusagte und
mich sofort an alten Radioshows von good old Peel erinnerte. Zuerst dachte ich
naemlich, dass dieser Song sicherlich ein altes Moehrchen aus den 70ern sei. Mir
war so, als wenn ich dieses Lied wirklich kenne. Das musste ich unbedingt
herausfinden. Ich schrieb Fred, den Macher der Seite an und er liess sich nicht
lange bitten und teilte mir den Namen der Band mit, die natuerlich auch eine
Seite auf MySpace haben. Von wegen altes Moehrchen! Hierbei handelt es sich
tatsaechlich um eine momentan existierende Band! Fred war dann auch noch so
freundlich, mir direkt einen Stoss an Promos von der „The Dolls House Demos“-CD
(gepresst in einer limitierten Auflage als „Vinyl Style CD“, sehr cool!) zu
zusenden. Einige Zeit spaeter lag dann das Paeckchen bei mir im Briefkasten. Der
Song aus dem Player mit dem Titel „Festive 50” war zwar auch mit dabei,
allerdings, wie es der Name der CD wiedergibt, nur als Demo-Fassung. Die ist
natuerlich auch nicht schlecht, aber ihre aktuellere Studio-Version gefaellt mir
weitaus besser. „Festive 50“ geht auf John Peel´s jaehrliche Top 50 Songs
zurueck, die allseits als „Festive 50“ bekannt waren. Nun aber endlich zur CD,
die mir hier vorliegt. Die insgesamt acht „Part-Time-Punks“-Tracks erinnern
stark an die DISCO ZOMBIES, TV PERSONALITIES und O’LEVEL. Eine Musik, die heute
kaum noch grosse Beachtung findet. Was fuer eine Schande! Auf ihrer
MySpace-Seite beschreiben sich Except The General mit folgenden Worten: „Psychedelic
Pop painted with Punk Rock brushes.“ Ja, so koennte man es auch nennen. Zwei
Songs stammen dabei noch von einer Session in Frankreich, wo WRECKLESS ERIC mit
seiner Frau AMY RIGBY mitwirken. Der Song „Crystal Palace“ muesste nach meiner
Vermutung vom SEX PISTOLS Gig 2002 handeln, schade, das mir hier keine Texte
vorliegen. Eine LP der Band soll nebenbei bemerkt in der Mache sein. Ich bin
absolut gespannt und lasse die Jungs jetzt auch keinen Augenblick mehr aus den
Augen.
( * * * * * )

FRONTKICK
„The New Beginning” 7” 3-song-e.p.
( Wanda Records / WandaRecords.de , Release Date: 2008 )
Nach ihrer doch mittelpraechtigen letzten full-length „Cause Of The Rebel“
hat die Band zur alter Staerke wieder gefunden. Beim Titelsong „The New
Beginning“ schwirren mir sofort musikalisch benachbarte Bands im Kopf herum,
besonders die aus der Schweizer-Abteilung mit ihren ehemaligen CLASH-Ablegern
HUNGRY FOR WHAT, SOZZ und LAST ROMANCE. „The New Beginning“ ist perfekter
poppiger CLASH-pUnK! Dann folgt ein Cover aus den 80ern, der Song „Revolucion“
von der katalonischen Band CODIGO NEUROTICO. Auch sehr ansprechend! Mit ihrem
letzten Song habe ich allerdings einige Probleme. Nicht aus musikalischer Sicht,
da bleibt alles wie gehabt, sondern der Text zu „Serenade For Survivors“ koennte
man auch durchaus anders interpretieren. Und zwar als Glorifizierung
heimkehrender Soldaten aus dem Krieg. Also diese Wortwahl im Text behagt mir gar
nicht. Aber vielleicht liege ich ja auch mit meiner Meinung voellig daneben. Zu
wuenschen waere es!
( * * * * + )

THE GEE STRINGS
„No Good For You” 7” 3-song-e.p.
( Spinter Records / GeeStrings.de , Release Date: 2008 )
Wieder mal was Neues von den Gee Strings, die nach wie vor, besonders im
Ausland oft und gerne unterwegs sind. Ihre aktuelle Single verbluefft mich
allerdings ganz schoen! Ihr ehemals doch stark beeinflusster AVENGERS-Punkrock
bekommt nun die volle Breitseite der Schweden-Front ab, was ich persoenlich gar
nicht gut heissen kann. Schweinerock-Gitarren bis zum Abwinken, die drei Songs
trashen was das Zeug haelt! Real Shock ist schockiert! Das geht mir alten Sack
viel zu schnell hier! Nun, ich haette es mir aber auch denken koennen, bei dem
nachgemachten STOOGES-Schriftzug auf dem Cover, aber dass es so verdammt heftig
wird, das haette ich dann doch nicht vermutet. Auch das IGGY POP-Cover „Real
Wild Child“ wird in Rekordzeit runtergepruegelt. Der Schweden-Virus hat sich da
von A bis Z komplett im Soundgeflecht ausgebreitet. Nee, die alten Gee Strings
gefielen mir deutlich besser.
( * * * + )

HAMBURG RAMONES
„Merry Christmas” MCD
( Nicotine Records / NicotineRecords.com , Release Date: 2008 )
Weihnachten ist vorbei. In drei Tagen wird bei uns abgebaut. Etliche
Schoko-Weihnachtsmaenner von After-Eight ueber Kinderschokolade bis zum
Klassiker, den von Lindt muessen noch vertilgt werden und ja die paar
selbstgebackenen Plaetzchen die schaff ich auch noch! Kein Kunststueck fuer mich
verfressenes Suessmaul, but don´t ask me nach meinem Gewicht, Cowboy! Und die
MCD erreichte mich tatsaechlich auch noch puenktlich am Heiligabend. Schoen,
schoen…., doch trotzdem lief bei uns wie immer zur Bescherung dezent im
Hintergrund good old Franky Boy! Was ich schon an der aktuellen zweiten CD „Long
Black Hair“ angekreidet hab, setzt sich hier ungluecklicherweise fort. Ohne dem
Saenger hier zu nahe zu treten, aber man, das ist in meinen Augen eine
klassische Fehlbesetzung. Eben leider verdammt langweilig und kein wenig rotzig,
klingt das fuer mich! Das schmerzt die Ohren! Das erinnert mich an meine eigenen
ersten Versuche als Sangesmeister bei den laengst verblichenen ZAKONAS!
Musikalisch gibt es hingegen nichts zu beanstanden, da ist alles im tiefgruenen
Bereich! RAMONES eben, you know…., das ist wie Mutters Sauerbraten, der gelingt
auch immer!
( * * * )

KEVIN K AND THE ST. PETE ALLSTARS
„Palm Trees And Humidity” CD
( Kicking Records / MySpace.com/KevinKRock , Release Date: 2009 )
Kevin K hat sich unter der Sonne von Florida mit einigen lokalen
Rock’n’Roll-Musikanten aus seinem Wohnort St. Petersburg zusammen getan und in
der Garage von Mrs. Mandelbaum(?) mit einem 8-Spur-Rekorder diese 12 Songs
eingespielt. Wir erwarten Rock’n’Roll-pUnK und bekommen, na klar, auch
Rock’n’Roll-pUnK. Hat uns Kevin K in der Hinsicht schon mal enttaeuscht oder
schlimmer noch, sogar haengen gelassen? Nein, bisher war auf den Mann immer 100%
Verlass! New York City hat er ja schon vor einigen Jaehrchen den Ruecken
gekehrt. Hoechste Zeit war es also, dass er mit dem CD-Titel seinem neuen
Domizil einen Song gewidmet hat. Auch gibt es eine neue Version von „Nine Lives“,
die urspruenglich aus der Feder seines verstorbenen Bruders Alan K stammte, und
auf der „Rule The Heart“-CD das erste Mal zu hoeren war. Das 8-Spur-Geraet wurde
uebrigens fuer die Aufnahmen optimal eingesetzt. Vom Lofi-Sound angesagter
GaragenFuzz-Fuzzis ist man weit weit entfernt, die Gitarre von Kevin K kontert
immer noch elegant den Donner-Sound. Es hat sich rein gar nichts veraendert, und
das schon seit 1993, als ich wegen der ersten ROAD VULTURES-CD „Fire It Up“ mit
Kevin K das erste Mal Kontakt aufnahm. Manche Dinge aendern sich nie! Und das
ist verdammt gut so!
( * * * * + )

LIME SPIDERS
„Live at the Esplanade” CD
( Nicotine Records / NicotineRecords.com , Release Date: 2008 )
Was mich extrem nervt bei reinen Promo-CDs ist die Tatsache, dass in den
meisten Faellen jegliches Informationsmaterial fehlt, wie etwa der herkoemmliche
und wirklich notwendige Waschzettel. Man bekommt die „nackte CD“ und wenn es
hochkommt, evtl. noch ein kopiertes Cover aus dem Drucker. Das wars! Peng!
Schluss! Aus! Bestes Beispiel ist die Zusendung des aktuellen Outputs von „Nicotine
Records“. Vier CDs an der Zahl, die im Grunde genommen fast allesamt meinen
Geschmack treffen. Einraeumen sollte ich allerdings bei dieser speziellen
Besprechung hier, dass ich vor kurzem die beiden Studio-Alben der Lime Spiders
fuer erschreckend wenig bares bei eBay „losgeworden“ bin. Nun habe ich
allerdings wieder den Fehler begangen und war auf der Homepage des Labels, um an
weitere sachdienliche Hinweise zu kommen. Aber auch dort blieben meine Fragen
meist unbeantwortet. Nun, wenn es das Label selbst auf ihrer Homepage nicht
einmal fuer noetig haelt, mich mit den wichtigsten Informationen zu versorgen,
dann habe ich mich jetzt mal spontan dazu entschlossen, keine weiteren
Suchaktivitaeten in der Richtung mehr zu starten. Der Letzte in der
Nahrungskette ist natuerlich der Leser und der fuehlt sich wahrscheinlich
gelackmeiert. Aber dafuer kann ich ja nix! Beschwerden bitte direkt an die
jeweiligen Labels richten! So, waere das jetzt auch ein fuer allemal vom Tisch!
Meine musikalische Liaison zu den australischen GaragenPunk-Koenige begann in
den 80ern, als sie mit ihrer ersten 12“inch von sich reden machten. Ihr „Slave
Girl“ entwickelte sich innerhalb der Szene zum Top-Geheimtipp! Waehrend ihre
beiden darauf folgenden full-length so lala waren, hatten sie im Single-Bereich
einen weiteren astreinen Klopper raus gehauen. „Out Of Control“ und auch die
B-Seite „Save My Soul“ gehoeren bis heute zum Besten was die australische
Punkrock-Garage zu bieten hat. „Out Of Control“ ist solch ein
Wahnsinns-Hammerteil, das locker mit dem Punkrock-Klassiker „Savage“ von THE FUN
THINGS mithalten kann. Diese beiden Tracks, sowie der Hit „Slave Girl“ sind u.a.
auf dieser Live-CD enthalten. Die Qualitaet geht dabei voellig in Ordnung. Live
ist das sogar alles ein wenig schneller gespielt und zu meiner Ueberraschung
auch ganz schoen rotzig vorgetragen. Und in dem Zusammenhang faellt mir auch
noch ein, das ich die Band sogar mal Ende der 80er in Holland gesehen habe, wenn
auch nur fuer eine knappe viertel Stunde, weil wir damals so doof waren, die
Konzertorte zu verwechseln. Und weil unser damaliger voellig zugekiffter Fahrer
so unglaublich gut drauf war, das ihm kurz vorm Ziel noch einfiel, eine
Frittenbude aufzusuchen. Scheiss-Hippies! Dafuer gehoerte er damals wie heute
geteert und gefedert.
( * * * + )

THE NAZI DOGS
„Latex Love” 7” 3-song-e.p.
( Wanda Records / WandaRecords.de , Release Date: 2008 )
„Latex Love“ ueberrascht durch seine reife Leistung als 77er-Mid-Tempo mit
ziemlich abgefuckten Textzeilen. Dabei noelt Karsten nicht allzu garstig ins
Mikro, sondern haelt seine Stimme (verzerrungsfrei!) schoen fein im Zaum.
„Private Hell“ hat hingegen den unverkennbaren rotzigen STITCHES-Touch intus,
und hier klingt der Gesang dabei leicht verzerrt. Der dritte Song im Bunde, „Bummer
Bitch“ kam mir bekannt vor, konnte ihn aber spontan nicht zuordnen. Kurz ins
Netz geschaut und siehe da, der Himmel klaerte sich in Bruchteilen von Sekunden
auf. „Bummer Bitch“ war 1978 als Single erschienen und zwar von der L.A.-Band
FREESTONE, die im Grunde genommen aber nicht viel mit Punk am Hut hatten,
sondern als Hippies ihr Musikerleben zelebrierten. „Bummer Bitch“ war eher ein
Witz gewesen, nichts Ernstes also. Heute allerdings ist diese Single bei
KBD-Vinyljunkies heiss begehrt und wird zu unglaublichen Kursen gehandelt. Das
die Nazi Dogs sich diesen kleine Hit angenommen haben, passt perfekt zu ihrer
Punkrock-Mentalitaet. Uebrigens, die aktuelle Version der Nazi Dogs wurde auf
einem 4-Track-Rekorder aufgenommen, und zwar vom Gitarristen der Band, Diezel.
Dieser ist leider Ende 2008 aus der Band ausgestiegen. Wirklich schade, gerade
jetzt, wo es so gut laeuft. Denn „Latex Love“ und „Private Hell“ sind bisher die
besten Songs der Band! Aber dem Negativfluss nicht genug. „TKO Records“ hat seit
geraumer Zeit finanzielle Schwierigkeiten. Schwer zu sagen, ob die dort
angekuendigte und bereits komplett im Kasten eingespielte zweite full-length der
Band (von denen die beiden eben genannten Tracks stammen) mit dem Titel „Old
Habits Die Hard“ dort noch erscheint. Den Nazi Dogs waere es zu wuenschen. Und
Real Shock drueckt die Daumen!
( * * * * + )

NO DIRECTION
s/t CD
( Nicotine Records / NicotineRecords.com , Release Date: 2008 )
Charlie Harper von den U.K. SUBS soll angeblich hin und weg sein, wenn er
von No Direction spricht. Woher die Band kommt? Keine Ahnung! Wahrscheinlich aus
England! Ist mir aber auch scheissegal! Ich finde die elf Songs einfach nur
grausam! Was fuer ein aetzender Schweinerock! Fuck Heavy! Fuck Metal! Charlie,
ich versteh dich nicht!
( * )

SILENT MEOW
s/t CD
( Trash 2001 Records / Trash2001.de , Release Date: 01. September 2008 )
DeRITA SISTERS haben jetzt eine Saengerin!
( * * * )

THE SKIDS
„The Absolute Game“ CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: Januar 2009 )
Es gibt Firmen die ziehen in Rekordzeit Haeuser hoch, es gibt, oder vielmehr
es gab auch Bands die machten das unfreiwillig mit ihrer Musik. Bestes Beispiel
waren da die Skids aus der schottischen Provinz. Vom 24. Februar 1978 bis zum
Dezember 1981 veroeffentlichte die Band neben knapp einem Dutzend
Singles/12“inches auch vier komplette full-length-Scheiben. Qualitativ gab es
nur geringste Einschnitte dabei zu verbuchen! „The Absolute Game“ war das dritte
Album der Band. Es erschien im September 1980 und war gleichzeitig auch das
erfolgreichste in ihrer kurzlebigen Laufbahn. „Captain Oi!“ legt nun – nach dem
die ersten beiden Alben „Scared To Dance“ (2005) + „Days In Europa“ (2001)
bereits auf CD raus sind – also nach. Allerdings wurde der Termin verschoben.
Urspruenglich fuer November 2008 angekuendigt wurde die CD dann endgueltig im
Laufe des letzten Monats freigegeben. Grund der Verzoegerung waren
Ungenauigkeiten in den Linernotes von Alex „No More Heroes“ Ogg. Die wurden dann
kurzerhand vom schottischen Musikjournalist Tim Barr korrigiert und neu
verfasst. „Captain Oi!“ bekam in den letzten Jahren zahlreiche Anfragen, das
Album doch bitte zu veroeffentlichen. Nun, hat es endlich geklappt. „The
Absolute Game“ beinhaltet mit „Circus Games“, „Goodbye Civilian“ und „A Woman In
Winter“ drei weitere Hit-Singles der Band, sowie eine Neufassung von „Out Of
Town“, was zuerst 1979 auf der „Masquerade“-Single zu hoeren war. Wenn man mal
genau ueberlegt, was fuer ein unglaublicher Output da in den knapp drei Jahren
(die „Joy“-LP nicht mitgerechnet) im Studio von den Skids produziert wurde, das
bekommt heutzutage keine einzige Band auf die Reihe. Deswegen war 1976/1977 und
natuerlich auch die Zeit danach bis vielleicht 1981 die wichtigste ueberhaupt in
der Musikszene auf der britischen Insel gewesen. Guck dir doch heute die ganzen
Affen auf der Insel an, die Woche fuer Woche im NME hochgepusht werden. Das hat
doch alles ueberhaupt keine Substanz. Und dann immer diese krampfhaften
Vergleiche zu alten Bands herstellen, wie etwa zu THE CLASH, THE JAM, BUZZCOCKS
oder auch THE SKIDS. Da kann man nur herzhaft drueber lachen. Die britische
Szene hat in der Hinsicht schon lange nix mehr zu bieten! Schnitt! Neben den
regulaeren 10-LP-Tracks gibt es einen satten Bonus von 11 Songs! Dabei die
Single-Versionen oben erwaehnter Lieder und zum ersten Mal ueberhaupt
veroeffentlicht das 8-Song-Album „Strength Through Joy“, was der ersten
Vinyl-Auflage 1980 gratis beilag.
( * * * * * )

THE SNAZZY BOYS
s/t CD
( No Front Teeth Records / WandaRecords.de , Release Date: 2008 )
Die italienischen Snazzy Boys orientieren sich mit grossem Spass an THE
BRIEFS, THE RAMONES, NEUROTIC SWINGERS und THE HATEPINKS. Dazu traegt der Punk
von heute ein EATER oder wahlweise ein GENERATION X – T-Shirt, und Buttons von
THE DAMNED an der Lederjacke. Die REZILLOS-Sonnenbrille darf dabei auch nicht im
Sortiment fehlen. Volle Kanne 77 ist angesagt! Das ist gut so. Nur, ich kann bei
diesen ganzen aktuellen Jung-Bands nicht mehr wirklich unterscheiden, welche es
nun tatsaechlich auch ist. Da fehlt es am urspruenglichen Charme der Bands, die
1977 wirklich dabei gewesen sind. Ist leider so.
( * * * * )

STOMPER 98
„Tage deiner Jugend” DoCD digi-pak
( DSS Records / Gordeon Promotion , Release Date: 15. Dezember 2008 )
Jetzt kommt wieder eine Band, die nichts mit dem Real Shock zu tun hat.
Stomper 98 machen lupenreine Skinhead-Mucke und haben letztes Jahr ihr
Zehnjaehriges gefeiert. Damit der Aussenstehende auch was davon hat, wurde extra
diese DoCD angefertigt. Auf ihr finden sich neue wie alte Songs der Band, sowie
einige Cover-Versionen, u.a. von CRO-MAGS, 4-SKINS, THE SPECIALS, THE OPPRESSED
und ANGELIC UPSTARTS. Dazu wurden Gastsaenger von befreundeten Bands wie etwa
VOLXSTURM, BROILERS, SPRINGTOIFEL und TOXPACK ins Studio geladen. Ihr Drummer
lebt uebrigens in New York und der Rest der Combo lebt in ganz Deutschland
verteilt. Trotz dieser nicht ganz optimalen Bedingungen hat es die Band bisher
immer geschafft, ihre Konzerte und Touren durchzuziehen.
( * * * )

SUNSETDOWN
„Put The Pedal To The Metal” CD
( Bret Hard Records / Dynamic Discord Agency , Release Date: 31. Januar 2009 )
Eine junge Koelner SkatepUnK-Band geht konsequent ihren Weg. Nach einer
ersten EP erscheint nun ein gutes Jahr spaeter das full-length Debuet, welches
mit guter Produktion und ultraschnellen Songs zu Glaenzen versteht. In
Eigenregie hier in Deutschland veroeffentlicht, erscheint das Album auch im
fernen Japan. Musikalisch geht der Sound dabei volle Kanne in die „Fat
Wreck“-Richtung. NOFX und LAGWAGON standen dabei Pate!
( * * * )

THE THINGS
s/t CD
( Nicotine Records / NicotineRecords.com , Release Date: 2008 )
Garagen-pUnK aus Dublin, Irland. Scheint ihr erstes Studio-Album zu sein.
Sehen auf zwei Live-Bildern so ein wenig wie die BLACK HALOS aus, haben aber
musikalisch sonst nix gemeinsam. Der Saenger versucht oefters mal wie Elvis zu
klingen, ein betraechtlicher Rockabilly-Effekt macht sich ebenfalls unanstaendig
breit, dann gibt es zur Abwechselung wieder richtig fiesen abgedrehten
Garagen-Sound aus der untersten Schublade mit Kaputnik-Gitarren und verzerrter
Stimme, dazu nervt unaufhoerlich eine „Munsters“-Orgel im Hintergrund, MOTORHEAD
und STOOGES hoert man ab und an auch ganz gut durch, von einem musikalischen
Konzept ist die Band also meilenweit entfernt. Man versucht sich eben auf allen
Buehnen dieser Welt. Das stiftet fuer reichlich Verwirrung in meiner Hirnschale.
Keine Musik, womit der Real Shock jemals gluecklich wird.
( * * + )

TROUBLEK!D
„Identity Crisis“ CD digi-pak
( Wanda Records / WandaRecords.de , Release Date: Oktober 2008 )
Ziemlich ambitioniert geht das Trio auf ihrer ersten full-length zu Werke.
Es bleibt im Punk leider immer noch eine Seltenheit, wenn der weibliche
Nachwuchs selbst zum Instrument greift, Lieder schreibt und ganz nebenbei noch
eine Band auf die Beine stellt. Denn im Grunde genommen haben doch die Girlies
von heute nichts weiter im Kopf als Shoppen zu gehen und die ganzen TV-Formate
abzuklappern, wo einem vorgegaukelt wird, das aus ihnen ein Star gemacht wird.
Clon after Clon, willkommen in deren kunterbunten Plastikwelt, aber sicherlich
nicht in der realen Welt. Denn genau ueber diesen ganzen Scheiss da draussen
lassen sich Troublek!d ausgiebig in ihren Texten aus. Musikalisch geht das in
den allseits bekannten Street-pUnK! Wobei sofort auffaellt, dass die Songs sehr
rotzig und ganz schoen angepisst klingen! Das liegt in erster Linie am extrem
aggressiven Gesang ihrer Saengerin. Diese Kids haben Punk schon richtig
verstanden! Gute Einstellung! Kommt mit TV SMITH-Cover „Only One Flavour“.
( * * * * )
T.S.O.L.
„Life, Liberty & The Pursuit of Free Downloads” CD (free download)
( MySpace.com/TSOL / hurley.com/tsol , Release Date: 08. Januar 2009 )
TSOL haben Anfang 2009 ihr neues Album, bestehend aus 10 Tracks, fuer lau
ins Netz auf Hurley.com (alteingesessene Firma seit den 70ern aus Costa Mesa
fuer Surfbretter) gestellt. Na, das nenne ich mal eine absolut coole
Punkrock-Aktion. Jack Grisham und seine Bande sind jetzt anscheinend in ein
Alter gekommen, wo ihnen wohl alles scheissegal geworden ist. Sie sind offenbar
nicht auf das Geld angewiesen, was ihnen jetzt durch die bestimmt nicht wenigen
„for free downloads“ durch die Lappen geht. Kann sein, das TSOL sich selbst nur
noch als lieb gewonnener Zeitvertreib sehen. Ich kann mit meinen Vermutungen
aber auch wieder einmal voellig verkehrt liegen. Egal! Ich hab mir das Teil
sofort nach dem es knapp einen Tag am Netz war auf meine Kiste ruebergezogen.
Solche lauen Sachen bespreche ich natuerlich janz freiwillig. Produziert hat das
Album uebrigens David Bianco, der evtl. fuer seine Arbeiten am ersten D
GENERATION Album und am Album von THE DAMNED „Grave Disorder“ dem ein oder
anderen bekannt vorkommt. Nun, gerade mit THE DAMNED hat „Life, Liberty & The
Pursuit of Free Downloads” doch recht viel gemeinsam. Die Musik ist aehnlich
gestrickt, stark psychedelic angehaucht, so dass man schon eher an JOYKILLER
denkt, als an den rasiermesserscharfen TSOL-Sound frueherer Tage. Denn da ist
dieses Album sicherlich nicht anzusiedeln. TSOL klingen deutlich gesetzter. Aber
trotzdem bringen gerade die Anfangs-Songs sehr gute Momente zum Vorschein. „Come
Into My Nightmare“ ist wirklich ein perfekter Opener. Bis zu Track 5 „She´s Got
A Bomb“ laeuft alles wie geschmiert. TSOL meets ganz viel JOYKILLER! Yes, ich
hab es verstanden! Mit „Someone Like You“ wird allerdings dann voellig
unerwartet der Untergang der restlichen Tracks eingelaeutet. Ueber „The Pain We
Go Through“ haengt dann ein schwerer suesser Duft, der jeden ollen Punker gruen
anlaufen laesst, „Wait For Me“ ist Pathos pur und spaetestens jetzt sind alle an
der Kotzrinne zu finden, „We´re Together“ versucht verzweifelt das Steuer dann
noch einmal umzureissen, aber mit dem letzten Song haben sich TSOL ein sehr
unglueckliches Finale gesetzt. Zur Sicherheit bleibt man in der Naehe der
Kotzrinne! Nun, TSOL-Fans der ersten Stunde haben ihre Lektion gelernt und
werden bitter enttaeuscht sein. Freunde von JOYKILLER werden mit der Platte auf
jeden Fall um einiges besser zu recht kommen.
( * * * * )

TV SMITH & THE BORED TEENAGERS
„Live At The 100 Club” DVD
( WDF Productions / WDFProductions.co.uk , Release Date: 2007 )
TV Smith ist auf allen Underground-Stages dieser Welt ein gern gesehener
Gast. Das haengt sicherlich damit zusammen, dass er einfach einen sehr
sympathischen Eindruck macht. Keine Spur von Allueren, eben ein normal
gebliebener und geradeaus denkender Mensch, der seine Gedanken in hervorragenden
Texten umsetzen kann. Seinen Solo-Geschichten stand ich in letzter Zeit
allerdings etwas skeptischer gegenueber, aber das nur aus dem Grund, dass ich
auf reine Akustik-Songs nicht immer die grosse Lust verspuere. Darum fand ich es
natuerlich toll, als feststand, das TV im April 2007 im Londoner „100 Club“ vor
ausverkauftem Haus mit der spanischen Band LOS QUATTROS (die sich fuer diesen
Abend in BORED TEENAGERS umbenannten) die komplette erste LP „Crossing The Red
Sea With The Adverts“ exakt in der selben Reihefolge wie auf Platte anlaesslich
ihrer ersten Gigs 1977 im „Roxy“ auf der Buehne praesentierte. Ein Kamera-Team
von „WDF Productions“ wurde dafuer angeheuert und filmte die ganze Geschichte.
Und die machten ihren Job richtig gut. Immer am Puls des Geschehens und immer
auf Augenhoehe mit den Akteuren auf der Buehne. So wird die knappe Stunde
Spielzeit durch optimale Schnitte, dank einer genialen Kamerafuehrung, in
erstklassiger Ton- und Bildqualitaet wiedergegeben. TV Smith gibt auf der Buehne
alles. Er arbeitet. Er zappelt vorm Mikro, macht aberwitzige Verrenkungen und er
unternimmt den Versuch eine Art von Tanz zu meistern. Zwischen den Songs wird er
wieder zu einem echten Sympathietraeger des britischen 77er pUnK-rOcK! Seine
kurzen Reden sind aufrichtig und ehrlich gemeint. Wenn es dann aber wieder in
die naechste Nummer geht, verwandelt er sich meist in einen angepissten „Fuck
You“-Frontmann, so wie man es aus London seit 1977 gewohnt ist. Tja, ein TV
Smith kann dann auch nicht mehr aus seiner Haut. Das scheint eingebrannt zu
sein. Auf Lebzeiten. Seine spanischen Freunde machen als backin´ band einen sehr
sicheren Eindruck. Die Songs klingen natuerlich musikalisch um einiges
ausgereifter, besonders ihr Bassist Jonathan Vidal bietet neben TV einen
weiteren Action beladenen Blickfang auf der Buehne. Im Anschluss an die LP-Songs
werden auch die B-Seiten „We Who Wait“ + „New Day Dawning“ von den Singles „Safety
In Numbers“ + „No Time To Be 21“ gespielt. Und auch der Klassiker „Gary
Gilmore´s Eyes“ darf in der ersten Zugabe nicht fehlen. Im zweiten Zugabenblock
dann „The Adverts“ von der zweiten LP „Cast Of Thousands“, und „Good Times Are
Back“ von seiner Solo-LP „Misinformation Overload“ bildet dann den Schlusspunkt
eines absolut gelungenen Abend. Als „Bonus Features“ agieren ein kleines
Interview mit dem Basser der BORED TEENAGERS und ein knapp 20 Minuten
Solo-Auftritt von TV Smith in einem Club namens „The Bull And Gate“.
( * * * * * )

WALTER LURE
„Live in Berlin“ CD
( Nicotine Records / NicotineRecords.com , Release Date: 2008 )
Walter Lure, der ehemalige Team-Kollege von JOHNNY THUNDERS gastierte mit
einer bunt zusammen gewuerfelten Backin´ Band im April 2007 im Rahmen einer
Mini-Tour durch Europa neben Dresden auch einen Tag spaeter im Berliner „Wild At
Heart“. Weiter in den Westen der Republik reichte es dann leider nicht. Die
restlichen Shows spielten sich in Frankreich und Belgien ab. Wenn man sich die
Songauswahl so auf den ersten Blick anschaut, kann schon ein wenig Frust
hochkommen. Die 14 Tracks lassen naemlich kaum weitere Wuensche offen. Direkt
der Opener „One Track Mind“ ist mein ewiger Favorit der HEARTBREAKERS. Dann
folgen mit „Sorry“, „Never Get Away“ und „Cry Baby“ drei Songs vom „Rent
Party“-Album der WALDOS, eine Band die Walter Lure Anfang/Mitte der 90er mit
einigen befreundeten New Yorker Musikern gegruendet hatte. Produzent war damals
uebrigens Andy Shernoff. Und Gastauftritte lieferten sich Michael Monroe, Jesse
Malin und Daniel Rey. Muss ich noch mehr sagen? Ich denke nicht! Zurueck aber
wieder zur Live-CD. Dessen Aufnahmequalitaet ist nicht nur optimal ausgefallen,
sondern die darauf folgenden 10 Songs beinhalten u.a. dann die ganz grossen
Momente des New Yorker 70er Jahre Junk-Rock, wie etwa „Get Off The Phone“,
„London Boys“, „Born To Lose“, „Chinese Rocks“ und „Too Much Junkie Business“.
Gerade in der heutigen Zeit, wo mich live-maessig nichts mehr wirklich kickt,
haette ich mir diese Show mit einem echten Original der New Yorker Szene
natuerlich nur zu gerne angeschaut. So bleibt mir derzeit der schwache Trost ihn
1996 unter THE LURES mal in New York gesehen zu haben. Walters Stimme klingt
hier zwar etwas mitgenommen, aber das macht rein gar nichts. Denn solange sein
Gitarrenspiel wie einst dabei gewittert und donnert, kann er sich eine kleine
Schwachstelle ruhig erlauben.
( * * * * + )