So, hier nun das etwas verfruehte Dezember-Update. Das letzte Update fuer das Jahr 2005. Das naechste Update erfolgt dann Ende Januar 2006. Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.
ALIEN SEX FIEND
„A Purple Clistener & Liquid Head In Tokyo” DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 29. August 2005 )
Diese DVD zeigt zwei Auftritte der ehemaligen Fuersten der britischen Batcave-
und Goth-Szene. 1983 im „Tin Can Club“ von Birmingham und zwei Jahre spaeter,
1985 im „Tsubaki House“ in Tokio. Alien Sex Fiend wurden vom Punk Rock der ´70er
durch die „Anarchy and We Come To Destroy“-Attitude der SEX PISTOLS stark
beeinflusst und reflektierten diese gewisse Einstellung besonders auf ihre
Live-Shows. Die Unterhaltung kommt beim Anblick eines voellig durchgeknallten
kalkgeschminkten Saengers wirklich nicht zu kurz, die synthetische Musik stimmt
mich allerdings weniger gluecklich. Ich meinte bisher ihren Song „Ignore The
Machine“ zu kennen, aber bei beiden Auftritten, wo sie ihn performten, erkannte
ich ihn einfach nicht mehr wieder.
( * * * )
ANTI-NOWHERE LEAGUE
„Kings & Queens” CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 21. November 2005 )
Das die League in ihren besten Tagen immer mal wieder gerne den Asi haben
raushaengen liessen, duerfte bekannt sein. Von diesem Image haben sie sich auch
knapp 25 Jahre spaeter nicht trennen koennen. Und so geben sie sich auf ihrer
neuen Scheibe „Kings & Queens“ ganz bewusst im Stil ihrer ersten full-length „We
Are The League“. Nur, das da doch Welten zwischen liegen. Von den Texten wohl
eher nicht, aber musikalisch merkt man schon, das hier in die Jahre gekommene
Punkrocker zu Werke gehen. Doch das Resultat ist durchaus zum mehrmaligen Hoeren
geeignet. Wer allerdings auf alte Hits wie „Streets Of London“, „I Hate People“
oder „For You“ hofft, wird bitter enttaeuscht sein. Doch mit ein wenig guten
Willen funktionieren Songs wie „Mother´s C!!!“, „Pump Action“ oder „The Punk´s
Prayer“ auch ohne Glanz und Glorie der alten Tage erstaunlich schnell. Animal´s
Voice bleibt unverkennbar und sucht immer noch seinesgleichen, waehrend ihr
musikalisches Motorcyle-Brett auch auf zwei Poetten hervorragend laeuft. Nach
zehn Jahren der Studioabstinenz eine ueberraschend gute Comeback-Scheibe, wofuer
sich keiner zu schaemen braucht.
( * * * * )
THE BOILS
„From The Bleachers“ CD
( TKO Records / TKORecords.com , Release Date: 15. November 2005 )
Direkt von den Strassen Philadelphia unterbreiten uns die Lokal-Helden the Boils
eine zweite full-length Studioscheibe, die satte 25 Songs umfasst. Es wird auf
Teufel komm raus abgebolzt. Ein ziemlich aufreibendes Teil! Schon nach nur
wenigen Songs ist fuer mich klar, das kann nichts mehr geben. Meine Nerven
machen das einfach nicht mehr mit! The Boils kamen in guter Absicht haben aber
ihr Ziel ganz offensichtlich verfehlt. Es sollte eine aggressive und schoen
angepisste Hardcore-CD bei rum springen, heraus gekommen ist nichts weiter als
ein sehr anstrengender 16-Stunden-Arbeitstag ohne Lohnausgleich.
( * * )
BRIGADE S.
„Menschenverachtende Untergrundmusik“ CD
( Teenage Rebel Records / TeenageRebel.de , Release Date: 25. November 2005 )
Ne Spur zu asozial.
( * )

CHELSEA
„Faster, Cheaper And Better Looking“ CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 21. November 2005 )
Mit einem so unberechenbaren Saenger wie Gene October ist es nicht ganz leicht,
zusammen an einer neuen full-length zu arbeiten. Diese Meinung wurde mir in der
Vergangenheit immer mal wieder von unabhaengigen Stellen bestaetigt. Genie und
Wahnsinn, das liegt manchmal eben ganz nahe beieinander. Nun ist es aber
tatsaechlich so weit gekommen, das mir ein neues Album der wohl letzten Londoner
´77er-Band vorliegt. Gitarrist James Stevenson und Schlagzeuger Chris Bashford
(der uebrigens an allen Songs beteiligt ist) von der Erstbesetzung haben
gemeinsam mit dem heutigen Bassisten der BUZZCOCKS, Tony Barber die Musik fuer
die insgesamt 12 Tracks genau auf Gene´s Stimme zugeschnitten. Das sind Chelsea
in Reinkultur, wie man sie seit 1977 kennt und zu schaetzen weiss. Dabei hat
sich mit „45 RPM“ auch ein Song vom letzten Album von Mike Peters seine ALARM
eingeschlichen, der es bis in die Independent Charts schaffte. James spielt
schon seit einiger Zeit bei the Alarm mit, also kommt diese Coverversion nicht
von ungefaehr, obwohl ich zugeben muss, das mir die Alarm-Fassung besser
gefaellt. Waehrend Gene´s ehemaliger Kumpel BILLY IDOL aus „Roxy Club“-Tagen
heutzutage bei „Viva La Bam“ zu Gast im fuckin´ MTV ist und zusieht, wie Bam
einem 250.000 Dollar teueren Lamborghini in Las Vegas ein Loch aus dem Dach
saegt, ist die Sachlage bei Chelsea weiterhin im normalen Bereich geblieben. Und
so spiegelt sich in ihren Texten meist die Erkenntnis wider, das es immer noch
die selben Probleme, Aengste und Sorgen gibt wie damals 1977, als diese jungen
Punks dachten, sie koennten die Welt veraendern. Das dachten wir wohl alle mal,
aber nun ist man in der Zwischenzeit ganz schoen alt geworden und sieht viele
Dinge aus einer ganz anderen Perspektive. Davon berichtet dieses Album in Songs
wie dem fuckin´ brillant Opener „Living In The Urban U.K.“, „New Utopia“, „Sliding
Down A Stream“ oder „If We Knew Then“. Ich mag das Album deswegen so sehr, weil
es mit der heutigen aktuellen Szene gar nicht konform geht. „Sex, Drugs,
Rock’n’Roll & Hi Baby“-Lyrics sucht man auf „Faster, Cheaper And Better Looking“
vergebens. Bei Chelsea ist eben nichts cool, sie entsprechen nicht dem typischen
heute so angesagten oberflaechlichen Rock’n’Roll-Klischee. Chelsea sind eine
pure Punkrock-Band! Und wahrscheinlich einer der letzten, die es mit der „Punk:
Attitude“ (remember DON LETTS!) noch wirklich ernst nehmen.
( * * * * * )

CHRON GEN
„Chronic Generation” CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 21. November 2005 )
1994 veroeffentlichte das Label eine „Best Of“ von Chron Gen, die wahrscheinlich
nun „out of print“ ist. Also wurde flugs das erste Album der Band neu-aufgelegt
und mit 12 Bonus-Tracks angereichert. Chron Gen hatten ihre grosse Zeit,
beginnend mit ihrer ersten EP vom Juli 1981 mit dem Titel „Puppets Of War“ auf
dem eigenen „Gargoyle Label“, wobei „Fresh Records“ das Pressen der Single
uebernahm, bis zum Ende ´82. In der Zeit nahm die Band aus Stevenage, Herts
insgesamt vier Singles und dieses Album auf. Die schon erwaehnte „Puppets Of
War“ die Single fuer „Step Forward“, „Reality“, und die beiden 7“inches auf „Secret
Records“, „Jet Boy Jet Girl“ (der PLASTIC BERTRAND bzw. CAPTAIN SENSIBLE-Knaller!)
und „Outlaw“, wo auch die „Chronic Generation“-LP im Maerz ´82 erschien. Zu dem
Zeitpunkt knuepfte ich auch selbst einen Kontakt zu der Band, da ich fuer mein
Fanzine „Real Shocks“ neben BLITZ und PARTISANS eben auch Chron Gen einige
Fragen fuer ein Interview schickte. Von Chron Gen bekam ich mit Abstand den
laengsten Brief zurueck, beantwortet vom Gitarristen Jon Thurlow. Den
Originalbrief habe ich immer noch. Falls ich also jemals ein „Punk Rock Museum“
eroeffnen sollte, wird dieser Brief mit Sicherheit hinter einer dicken
Panzerglasscheibe zu sehen sein. Besonders ein Song von der Band hat sich bis
heute im Gedaechtnis festgesetzt. Die Rede ist von dem Lied „Outlaw“, dessen
Text die Zustaende innerhalb der Szene erschreckend authentisch wiedergab. Nicht
nur in England ging es genau so ab, wie im Text beschrieben, denn auch in
Deutschland waren diese Posen allgegenwaertig und sind es bisweilen auch noch
bis heute geblieben! Chron Gen waren somit der Zeit weit voraus! Uebrigens, die
GENERATORS aus Los Angeles haben den Song bereits seit Jahren in ihrem Live-Set!
An eins kann ich mich auch noch gut dran erinnern. Ich ging damals voller
Vorfreude ins Duisburger „Rock On“ und wollte mir das Album zulegen. Als ich
dann die Titelauswahl sah war ich doch ziemlich enttaeuscht. Denn von den zwoelf
Songs kannte ich schon fuenf Stuecke von ihren Singles her. Da hatte es die Band
wohl nicht noetig, das Album nur mit neuen Songs aufzunehmen. Dafuer hatte ich
aber das Glueck, das bei meiner LP-Copy auch die Gratis Live-EP beilag. „Captain
Oi!“ spricht im Booklet davon, das es durchaus noch moeglich ist die Re-Issue
von der Mini-LP „Nowhere To Run“ in naher Zukunft nachzulegen. Aber das wiederum
ist ein anderes Kapitel.
( * * * * * )
THE COFFIN LIDS
„´Round Midnight“ CD
( Bomp! Records / Bomp.com , Release Date: 25. Oktober 2005 )
Mir wieder eine Spur zu garagen-lastig, zu monoton, eben eine gewollt
nachlaessige Studioproduktion, wo die Energie und Power der einzelnen Songs
beinahe voellig auf der Strecke bleibt und in keiner Weise als ausgepraegt gilt.
Zum Beispiel wird der LIME SPIDERS-Klassiker „Slave Girl“ in einer erschreckend
abgeschmackten Version praesentiert. Alle reden davon, das solche Bands wie die
Coffin Lids den Garagen Rock’n’Roll heutzutage in seiner ganzen Abgedrehtheit
wuerdig vertreten. Ob da mal ein Pferdchen nicht zu bunt angemalt wird. Ich
finde es jedenfalls hoffnungslos ueberbewertet und verweise in dem Fall lieber
auf die FUN THINGS mit „Savage“ oder die LIME SPIDERS mit „Out Of Control“.
( * * )

DEAD KENNEDYS
„Fresh Fruit For Rotting Vegetables – Special 25th Anniversary Edition“ CD + DVD
( Cherry Red Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 07. November 2005 )
Was diese Release natuerlich so verdammt interessant macht ist die DVD, die sich
mit der Geschichte der Dead Kennedys unter dem Titel „Fresh Fruit For Rotting
Eyeballs“ auseinandersetzt. Wenn die Hauptakteure auf die Namen des Gitarristen
East Bay Ray und des Bassisten Klaus Flouride hoeren, duerfte klar sein das die
Zentralfigur, Saenger Jello Biafra aussen vorgelassen wurde. Denn schon seit
Jahren bekriegen sich beide Parteien und sind wegen der Anrechte der DK-Songs
hoffnungslos zerstritten. Trotzdem muss man sofort anerkennen, das es den
Machern des Filmes gelungen ist eine durch und durch spannende Dokumentation zu
schaffen, die allerhand rares Material gleich mitliefert. So sieht man z.B. in
zahlreichen Filmaufnahmen, wie Jello Biafra 1979 fuer das Buergermeisteramt von
San Francisco kandidiert und das Rennen mit einem beachtlichen vierten Platz
beendet. Aber auch noch andere damalige wichtige Personen kommen zu Wort, wie
etwa die Ex-Managerin oder aber auch Dirk Dirksen, der bis 1986 Shows im „Mabuhay“
buchte, wo die Kennedys als eine Art Hausband fungierten. Neben dem Film gibt es
auch noch eine Reihe von zuvor unveroeffentlichten Live-Aufnahmen, die
qualitativ alle sehr ansehnlich ausgefallen sind, u.a. eine s/w Aufzeichnung des
Song „Kill The Poor“ von 1978. Das Debuet-Album „Fresh Fruit For Rotting
Vegetables“, um was es ja hier eigentlich geht wurde uebrigens im Studio
re-mastered und braucht keine Erklaerung mehr. Diese LP wird schliesslich auch
noch heute in einem Atemzug mit der „Never Mind The Bollocks“ und der ersten
CLASH genannt.
( * * * * * )
DEAD MAN´S SHADOW
„The 4P´s” CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 21. November 2005 )
Machen wir uns nichts vor! Das Londoner Trio Dead Man´s Shadow war mit Beginn
der zweiten Punkrock-Explosion in England Anfang der ´80er eine Band unter
vielen. Ende 1981 hoerte ich sie da erste Mal auf Vinyl, eine Split-EP gemeinsam
mit ACTION PACT die den Namen „The Heathrow Touchdown“ trug. Die beiden Songs
„Police Force“ und „Danger UXB“ konnten mich nicht wirklich begeistern und so
verlor ich die Band direkt wieder aus den Augen und verfolgte ihren Werdegang in
der britischen Punk-Szene nicht weiter. Diese 27-Song-CD, eine Zusammenstellung
ihrer ersten LP „The 4P´s“ und der ersten fuenf Singles bestaetigt eigentlich
nur mein frueheres Desinteresse. Musikalisch in etwa gleichzusetzen mit den
ebenfalls voellig ueberbewerteten SPECIAL DUTIES. Beide Bands verbindet, das sie
einfach nicht ueber genuegend Kreativitaet verfuegten, um ihre Musik eine Spur
abwechselungsreicher zu gestalten. Dead Man´s Shadow´s Punker-Welt reduzierte
sich somit auf das Noetigste, denn wo nichts ist kann auch nichts entstehen,
oder aber nennen wir mal das Kind ganz ungeschminkt beim Namen, die drei Jungs
waren einfach sehr schlechte Musiker! Unverstaendlich fuer mich das der damalige
Punk-Guru vom „Sounds“, Steve Keaton die LP ueber den gruenen Klee lobte und ihr
satte fuenf Sterne gab. Ihr politisches Denken und Handeln brachte sie immer
wieder in die Naehe von CRASS, the MOB und CONFLICT. Und deswegen will ich auch
noch mal gnaedig sein und verteile drei Sterne.
( * * * )
DEAN DIRG
„26 Kicks To Make The Whole World Pay” CD
( Dead Beat Records / Dead-Beat-Records.com , Release Date: 19. Oktober 2005 )
Auweia! Darauf habe ich ja nur gewartet. Das ich mal eine Scheibe von German´s
Dean Dirg besprechen „muss“. Also mache ich es kurz! Diese CD birgt 12 Songs
ihrer ersten LP aus dem Jahre 2002, erschienen auf „Pandoras Box Records“ und 14
Songs ihres Nachfolgewerk „Last Kid On The Block“, veroeffentlicht 2004 bei
„Stereodrive Records“. Als es das 3RD noch in reiner Print-Form gab, konnte ich
mich ja immer ganz geschickt und aeusserst fair aus der Affaere ziehen, indem
ich den Dean Dirg-Output einem anderen Mitschreiber vermachte, der die Band
wesentlich besser fand als ich. Aber nachdem ich nun seit Dezember 2004 alle
Promos auf der Homepage im Alleingang bespreche, muss man schon mal die ein oder
andere bittere Pille schlucken. Dean Dirg war von Anfang an ein rotes Tuch fuer
mich. Ich mochte diese hektischen „Schlag mich tot“-Anfaelle ueberhaupt nicht.
Allerdings kann ich mir sehr gut vorstellen, das Leute, die the FEELERS, HENRY
FIATS OPENS SCORE, CATHOLIC BOYS und the HIVES schaetzen und moegen auch mit
Dean Dirg keine allzu großen Probleme haben werden.
( * * )

THE EXPLOITED
„The Complete Punk Singles Collection“ CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 21. November 2005 )
Ein herrlich anzuschauendes „Poser“-Punkrock-Cover! Bassist Gary McCormack „glaenzt“
neben Wattie im allerfeinsten „Identity X-RAY SPEX“-Shirt und VIBRATORS-Badge
auf seiner kurzaermligen Leather-Jacket , waehrend sich „Aushaengeschild“ Wattie
mit einer Neuauflage des Jamie Reid „SEDITIONARIES“-Entwurf der „Anarchy In The
U.K.“-Flagge auf seinem Shirt praesentiert. Big John guckt derweil muerrisch von
der rechten Flanke aus in die Kamera. Eine gute Einstimmung auf den
28-Song-Blockbuster, der alle 7“inches der schottischen „Punk´s Not
Dead“-Fraktion erfasst. Angefangen mit dem Klassiker „Army Life“ vom Juli 1980
bis zur „War Now“, die im November 1988 veroeffentlicht wurde. Zwischen den
beiden Singles liegen natuerlich all ihre bekannten Songs wie etwa „I Believe In
Anarchy“, „Dogs Of War“, „Dead Cities“, „Alternative“ oder „Addiction“.
Zweifelsohne hatten die Exploited ihre staerkste Phase bis zu ihrer letzten
Single „Computers Don´t Blunder“ auf „Secret Records“. Mit dem Labelwechsel 1983
zu „Pax Records“ hatte die Band mit „Rival Leaders“, „Jesus Is Dead“ und der
eben genannten „War Now“ nur noch eine Auswahl an Songs zu bieten, die im guten
Mittelfeld rangierten. Das CD-Booklet bietet wie immer reichlich an
Informationsquelle in Wort und Bild.
( * * * * * )

GERMS
„Media Blitz – The Germs Story“ Do-DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 31. Oktober 2005 )
Auf diese DVD war ich doch recht gespannt! Sollte doch mit dieser Release die
Geschichte einer der wichtigsten L.A.-Bands zumindest angerissen werden. Dies
Unterfangen wurde glaenzend geloest! Disc 1 zeigt einen Auftritt aus dem
legendaeren „Whisky-A-Go-Go“ von 1979. Die Qualitaet der Aufnahme ist wirklich
ganz okay, waere da nicht die mangelhafte Ausleuchtung der Buehne. Vom
Gitarristen Pat Smear – der natuerlich viel eher bekannter ist durch NIRVANA und
den FOO FIGHTERS – und der Bassistin Lorna Doom bekommt man kaum was zu sehen,
von Schlagzeuger Don Bolles (formte wenig spaeter nach den Germs, die
Gothic-Punkband 45 GRAVE) ganz zu schweigen. Von einer richtigen Ausleuchtung
der Buehne kann man sowieso nicht sprechen, denn es gibt nur einen verschissenen
Spotlight, der lustig hin- und herschwenkt, und versucht verzweifelt die
Aktionen von Saenger Darby Crash irgendwie einzufangen. Echt, das sind die
tiefsten 70er! Die wuenscht sich kein Mensch mehr zurueck! Darby hab ich
allerdings schon mal weitaus aktiver gesehen, und zwar in dem L.A.-Punkrock-Film
„The Decline Of Western Civilization“, den ich Mitte der 80er mal in einem
Londoner Programmkino gesehen habe, und der so hoffe ich auch bald auf DVD
erscheinen wird. 2006 waere doch dafuer der ideale Anlass, you know 30 Jahre
lang Punkrock! Wir werden sehen, und bis dahin muss man sich halt mit dieser DVD
begnuegen. Trotz einiger Ermuedungserscheinungen bleibt Darby ein absolutes
Magnet auf der Buehne, eben ein echter „Hingucker“. Frueher sagte man ueber
Darby er waere der amerikanische SID VICIOUS gewesen. Wenn man seinen fruehen
Drogentod im Dezember 1980 dazuzaehlt ergeben sich schon erstaunlich viele
Parallelen. Und so wimmert, schreit und bellt er sich durch die
10-Song-Performance, mal voellig apathisch, dann wieder gaenzlich out of control,
so als wenn ihn gerade die Muse gekuesst haette, und er nicht weiss wohin mit
all seiner Energie und Power. Im Anschluss kann man sich auch noch 18 Audio
Tracks aus den Jahren ´77 bis ´79 geben, wovon auch einige bisher nicht
veroeffentlicht worden sind. Auf Disc 2 wurde ein Interview mit Don Bolles
aufgezeichnet, was den Titel „Germ Warfare – The Germs Story“ traegt. Mr. Bolles
ist gezeichnet vom harten Musikerleben und erzaehlt, wie es war, die ganze
Geschichte von A bis Z. Leider ist der gute Mann ziemlich oft nicht wirklich zu
verstehen und sein Auftritt wirkt mit seiner Fellmuetze auf dem Kopf – war es
etwa Winter in L.A.?, oder waren es nur knapp 25 Grad? – insgesamt etwas skurril
und abgedreht. Danach folgt eine kleine feine „Photo Slide Show“ der Band,
inklusive Darby´s Totenschein. Schade nur, das man nicht mal auf den Trichter
kam auch Pat Smear oder Lorna Doom im Interview mit einzubinden. Denn gute 45
Minuten mit Mr. Bolles koennen unter Umstaenden eine Ewigkeit dauern. Trotzdem
bleibt es unterm Strich eine verdammt gelungene Ausgrabung. Germs Fans
Everywhere werden sich alle zehn Finger nach dem Teil lecken.
( * * * * * )
HALFPRICE
„Taking Life Seriously“ CD
( Red Ambulance / Gordeon Music Promotion , Release Date: November 2005 )
Der Bandname ist Programm. Zum halben Preis bietet das suedafrikanische Quartett
alle erdenklichen Formen des heutigen Punk-Sound an. Ska spielt da eine grosse
Rolle, NOFX und RANCID auch, sowie ein wenig Street-Punk und einem Spritzer
Rock’n’Roll darf es auch jederzeit sein. Das ganze Gebraeu aus 16 satt
produzierten Songs kommt dabei leider nie aus dem gut gesicherten Mittelfeld
heraus. Nur Durchschnittskost, leider!
( * * * )
HATEFUL
„Diamond Among The Coal“ CD
( Rebellion Records / Gordeon Music Promotion , Release Date: 02. November 2005
)
Schade! Zu gerne haette ich mir die Texte der insgesamt 12 Songs umfassenden CD
des schottischen Trios gegeben, aber diese unruhig strukturierte Krakelschrift
raubt mir schon bei den ersten Zeilen den Nerv. Der das Layout zu diesem Booklet
entworfen hat gehoert augenblicklich an die Wand! Ihren Hit setzen Hateful
direkt als Opener ein. „Storytellers“ ist ein denkwuerdiger Augenblick im
heutigen aktuellen ´77er-Punksound und geizt nicht mit Melodienboegen im
Mittelteil und Sing-A-Long Refrains. Die Gitarre setzt genau an den richtigen
Stellen ein und alles scheint in Butter zu sein. Denkste! Schon mit dem
naechsten Song „Backstabber“ beginnt der langsame aber stetige Verfall dieser
CD. Und es kommt noch schlimmer! Auf halber Strecke gehen der Band schlicht und
ergreifend die Ideen aus und outen sich zu einer Parodie ihrer selbst. Man lag
der Vermutung nahe, das sie nach so einem viel versprechenden Opener im Stile
der GUITAR GANGSTERS, COCK SPARRER, the CLASH und STIFF LITTLE FINGERS das Zeug
für die ganz großen Brecher besitzen wuerden, aber kein Song kommt ueber dieses
selbst auferlegte Niveau mehr hinaus. Im Mittelfeld wird die Partie dann artig
zu Ende gekickt.
( * * * )
THE HYPSTRZ
„Live At The Longhorn“ CD
( Bomp! Records / Bomp.com , Release Date: 25. Oktober 2005 )
37 Live-Tracks, da qualmen mir spaetestens ab Liedchen Nummero Ten ganz gewaltig
die Oehrchen. Ueber die gesamte Spielzeit hinweg gehen die Hypstrz ab wie die
Lutzi, kaum Zeit zum Durchatmen, es reicht hoechstens fuer einen Lungenzug. Die
Hypstrz sind Garagen-Rock’n’Roll pur, die die noetige Punk-Attitude zuhauf intus
hat. 37 astreine Energiebuendel, wobei die Aufnahmequalitaet aus dem Jahre 1979
durchaus beachtlich ist. Es kommt eine Menge vom Live-Feeling rueber, die Band
hat sich nach nur drei vier Liedern in einen wahren Rauschzustand gespielt.
Trotzdem haette ich so manchen Song ganz gerne mal in einer geraeuscharmen
Studioversion gehoert. Diese CD enthaelt ihre erste EP, das Album „Hysperization“,
sowie jede Menge Bonus-Tracks, alles fein verpackt mit aktuellen Liner-Notes der
Band. Zusammen mit den CHESTERFIELD KINGS von der Ostkueste und den CRAWDADDYS
aus San Diego galten die Hysptrz Anfang der ´80er lange als Speerspitze des MC5
und PRETTY THINGS beeinflussten Garagen-Rock-Underground. Nicht unbedingt mein
Fall, aber die Band hat solch eine Wucht und Ausdruckskraft, das muss
schliesslich gewuerdigt werden.
( * * * * )

INFA RIOT
„The Best Of Infa Riot” CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 21. November 2005 )
Von der zweiten und recht mageren Studio-LP „Sound And Fury“ haben es lediglich
nur die letzten drei Songs auf der insgesamt 20-„Best Of“-Songs geschafft. Ich
hatte ja eigentlich damit gerechnet gehabt, das „Captain Oi!“ ihr erstes
Hit-Album „Still Out Of Order“ noch mal als digi-pak raus haut, aber auch dieser
Zusammenschnitt stimmt mich hochzufrieden. Infa-Riot waren sicherlich nicht die
ganz grossen Abraeumer zu Beginn der ´80er. Sie wurden aufgrund ihres einfachen
Punk-Sound und besonders aber wegen der Stimme von Lee Wilson, als die kleine
Brueder der ANGELIC UPSTARTS angesehen. Songs wie „Kids Of The 80´s“, „The
Winner“, „Riot Riot“ oder „Five Minute Fashion“ liefen damals bei mir
automatisch neben den Songs von the EXPLOITED, VICE SQUAD, ANTI-PASTI, CHRON
GEN. oder GBH mit. Das war schon eine spezielle Zeit damals, die durch meinen
zweiwoechigen London-Aufenthalt im Sommer 1982 seinen Hoehepunkt fand. Im
Booklet findet zudem noch eine ausfuehrliche Bandstory, aufgeschrieben von Gary
Fielding.
( * * * * )
THE INVISIBLE EYES
„Laugh In The Dark“ CD
( Bomp! Records / Bomp.com , Release Date: 25. Oktober 2005 )
Es gab mal eine Zeit in meinem Leben da durchlief ich saemtliche Bands auf dem
australischen „Citadel Label“. Die meisten Scheiben davon habe ich auch noch
heute bei mir im Regal stehen. Und es kommt auch heute immer mal wieder vor das
ich gerne eine STEMS oder LIME SPIDERS auflege. Seattle´s Invisible Eyes gehen
auf ihrer aktuellen Release „Laugh In The Dark” fast identische Wege, wie damals
ihre “Down Under”-Kollegen in den ´80ern. Mit dem einen gravierenden
Unterschied, das die Stimme bei Invisible Eyes permanent studiotechnischen
Verzerrungen ausgesetzt ist. Und dann kann eine augenscheinlich zuversichtlich
beginnende Besprechung sich ploetzlich um 180 Grad drehen. Gegen die etwas
unterproduzierte Musik auf den insgesamt 16 Songs habe ich ja nichts
einzuwenden, doch das stimmliche Gewand stoesst in sekundenschnelle an meine
Toleranzgrenze.
( * * )

JOHNNY THUNDERS & THE HEARTBREAKERS
„Down To Kill“ Do-CD + DVD
( Jungle Records / Jungle-Records.com , Release Date: 07. November 2005 )
Alan Hauser und sein „Jungle Records“-Team sind die britischen Verwalter des
Vermaechtnis der New Yorker und haben diesmal ein verdammt glanzvolles
Schmuckkaestchen fuer Johnny, Jerry, Walter und Billy gebastelt. Im klassischen
´77er- Pappschuber-Outfit befinden sich drei digitale Silberlinge, die es
wirklich in sich haben, und dessen kompletten Aufnahmen bisher der
Oeffentlichkeit nicht zugaenglich waren. Disc 1 beginnt unter dem
verheissungsvollen Titel „Raw & Rare“. Hierbei handelt es sich um wieder
entdeckte Demoversionen von so Klassikern wie „Born To Lose“, „Do You Love Me“
oder „It´s Not Enough“. Uebrigens, nur hier kommt man im Genuss den Song „Take A
Chance“ mal in Studioqualitaet zu hoeren. Denn es existiert bis zum heutigen
Tage keine weitere Studioaufnahme von dem Song! Insgesamt sind es acht Tracks,
aufgenommen 1976 auf Staten Island (NY). Das genaue Datum ist allerdings unklar,
nur soviel ist sicher, das Demo entstand, bevor sie nach London fuer die spaeter
skandaltraechtige „Anarchy In The U.K.“-Tour der SEX PISTOLS, zusammen mit the
CLASH und the DAMNED abflogen. Mit „Flight“ folgt eine weitere bisher ungehoerte
Ausgrabung und somit ein voellig neuer Song der Heartbreakers! Entstanden 1975
bei einer Studiosession mit Richard Hell(!) am Bass. Danach gibt es ein eher
zufaellig entstandenes Studiowerk zu hoeren. Als Joey von den RAMONES an einem
Tag irgendwann im Jahre ´85 nicht im Studio erschien, uebernahm Walter Lure –
der zu der Zeit sehr haeufig bei den Ramones im Studio mitspielte – spontan den
Gesang fuer das ROLLING STONES-Cover „Street Fighting Man“. Den Abschluss dieser
14-Song-CD bilden zwei Sessions, aus denen jeweils zwei Tracks entsprungen sind.
Zum einen aus der „Heroes“-Session, aufgenommen 1978 in den „Island Studios“ mit
den Liedern „Too Much Junkie Business“ und „Seven Day Weekend“, allerdings hier
ohne Johnny und Jerry, dafür u.a. mit Steve Nicol von EDDIE & THE HOT RODS, und
zum anderen die beiden Demos zu „London Boys“ und (noch einmal, weil es so
schoen ist) „Too Much Junkie Business“, die am 13. Dezember 1977 in den „Riverside
Studios“ unter Mitwirkung des ersten CLASH-Schlagzeuger Terry Chimes eingespielt
wurden. Somit schliesst sich die erste Disc mit einem wahren Paukenschlag! Disc
2 koennte man als die unspektakulaerste CD bezeichnen, weil hier „nur“ die „Complete
Live At The Speakeasy“ vom 15. Maerz 1977 enthalten ist. Insgesamt 15 Tracks,
die aus zwei Live-Sets stammen. Da wiederholt sich schon mal der ein oder andere
Songs. Es sei noch unbedingt erwaehnt, das diese Aufnahmen und die Songs der „Raw
& Rare-Studio Recordings“ in diesem Jahr remixed wurden. Somit ist fuer eine
einwandfreie Qualität garantiert. Komme ich nun zu der DVD, die den Namen „Arrested
Alive“ traegt und bisher nicht veroeffentlichtes Filmmaterial aus dem Jahre ´84
zeigt. In den 50 Minuten gibt es Ausschnitte der Heartbreakers-Shows aus dem „Lyceum“
und dem „Marquee“, inklusive einiger Backstage-Aufnahmen mit Glen Matlock und
Stiv Bator, sowie eine recht ungewoehnliche Momentaufnahme, als Johnny in dem „Greenhouse
Studio“ vier Songs, nur mit Akustikgitarre einsingt. Die Extras der DVD zeigen
die Heartbreakers waehrend des Soundcheck im „Lyceum“. Es folgt ein
TV-Ausschnitt aus dem Jahr ´82, als Johnny im schwedischen TV solo auftrat und
das Publikum wuest beschimpfte (kennt man ja zuhauf, von dem „Born To Lose – The
Last Rock’n’Roll Movie“-Portraet), sowie zwei Clips, der u.a. mit dem Song „Get
Off The Phone“ unterlegt ist. Natuerlich kommt bei solch einem Mammutwerk die
Schrift nicht zu kurz. Im 24-Page-Booklet gibt es ein aktuelles Interview mit
Walter Lure, was Nina Antonia – die natuerlich durch ihre Johnny
Thunders-Biographie „In Cold Blood“ seit Jahren bekannt ist – im Mai diesen
Jahres gefuehrt hat. Ausserdem die Original Sleevenotes von Kris Needs (dem
Autor des Buches „Joe Strummer And The Legend Of the Clash“) aus vom „D.T.K.“-Album
von 1982. Und wieder einmal gibt uns dieses imposante Werk zu verstehen, das die
Heartbreakers und insbesondere Johnny Thunders niemals in Vergessenheit geraten.
Dank „Jungle Records“ und speziell Alan Hauser!
( * * * * * )
DIE KASSIERER
„19 Künstler und sie selbst spielen Songs von Die Kassierer – KUNST!“ CD
( Teenage Rebel Records / TeenageRebel.de , Release Date: 04. November 2005 )
Es verwundert mich schon sehr, wie viele und vor allen Dingen welche Bands sich
hier als Fans der Bochumer outen. Da waeren die DONOTS und 2 FICKENDE HUNDE an
erster Stelle zu nennen, wobei es sich bei den sexuell aktiven Hunden um Bela B.
und Rod von den AERZTEN handelt. Auch der hoechst unsympathische Gunter
Gabriel(!!!) mischt mit und kann mit seiner Interpretation von „Du hast geguckt“
seine Portokasse ein wenig aufbessern. Hat der gute Mann ja auch bitterlich
noetig, bei den hohen Schulden, die sich mittlerweile beim Finanzamt angesammelt
haben. Ich sag nur: „PRO 7“-Zuschauer wissen mehr! Und noch ein weiteres
TV-Gesicht ist mit dabei, RTL-Comedian Hennes Bender (den mag ich auch nicht!)
hat sich mit seinem frueheren Kumpel Heinz-Peter Lengkeit(who?) dem
„Menschenkatapult“ genaehert. So krank und unsinnig die Texte der Kassierer auch
sind, so aehnlich gestaltet sich die weitere musikalische Auflistung der
Tribute-Bands. Von HACK MACK JACKSON, SUSANNA KEYE, MAMBO KURT, PURPLE SEX HEADS,
MATTHIAS SCHAMP hab ich vorher noch nie was gehoert und das war auch ganz gut
so. Das Bands wie PUNX ARMY, BRIGADE S., FBI, LOKALMATATDORE und die
EMSCHERKURVE 77 mitwirkten, war ja natuerlich logisch. Die „Klassiker“ des
Bochumer Ensembles werden in Ska-, Jazz-, HipHop-, Country- und gar in
Punk-Versionen vertont. Diese CD ist ein weiterer Beleg dafuer, warum ich den
Humor(?) und die musikalische Umsetzung(?) der Kassierer von Anfang an nicht
gemocht habe.
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MENACE
„Punk Singles Collection“ CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 21. November 2005 )
Es sollte nicht sein! Als ich 2001 beim „Punk Aid Festival“ im Londoner „100
Club“ war fiel die Band wegen eines Sterbefall innerhalb von der Familie eines
Bandmitgliedes verstaendlicherweise aus. Im Oktober dieses Jahres spielten
Menace dann einige wenige Shows in Deutschland. Da ich die Band noch nie live
gesehen habe, haette ich mir sie schon gerne im Duesseldorfer „AK 47“
angeschaut. Aber da seit „Rogues Gallery“, dem zweiten full-length Album nach
ihrer ´99er-Reunion ihr zweiter Saenger John Lacey durch Oddy von RESISTANCE 77
ausgetauscht wurde hatte mein Interesse in der Hinsicht stark nachgelassen. John
Lacey war fuer mich der perfekte Ersatz ihres ersten Saengers Morgan Webster
gewesen. Sowie beispielsweise Paul McLoone Feargal Sharkey bei den UNDERTONES am
Mikro ersetzt hatte. Doch Oddy passte nach meiner Ansicht mit seiner piepsigen
Stimme ueberhaupt nicht in die „Working Class“-Schmiede der ehemaligen SHAM
69-Nachkommen. Das war dann auch der Grund, warum ich das Konzert im „AK 47“
sausen liess. Auf dieser 25-Song-CD befinden sich nun alle Singles von 1977 bis
2000, sowie einige rare Sampler-Tracks, u.a. mit einer astrein nachgespielten
Version des RUTS-Klassiker „Babylon´s Burning“. Jedes Single-Cover ist mit
einigen wichtigen Erlaeuterungen im Booklet abgebildet. Und so bekam ich die mir
bis dato unbekannte Info gesteckt, das John Lacey schon sehr frueh und zwar
Anfang der ´80er mit der Band zu tun hatte. Er spielte naemlich gemeinsam mit
Bassist Charlie Casey und Schlagzeuger Noel Martin auf der ACES-7“inch „One Way
Street“.
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MILLENCOLIN
„Kingwood” CD digi-pak
( Burning Heart Records / BurningHeart.com , Release Date: 29. Maerz 2005 )
Platten von Millencolin bleiben konstant gut. „Kingwood“ beherbergt 12 Songs,
die in einem Rutsch ohne jegliche Probleme durchlaufen und gluecklicherweise
immer noch nicht weich gespuelt klingen. Ganz im Gegenteil! Denn Schweden´s
Millencolin zeigen sich neben ihrer vertrauten „Melodycore“-Schiene auch mal
gerne von einer eher rocklastigen Seite a la BACKYARD BABIES, und das schneller
lauter haerter haben sie auch noch nicht verlernt. Fuer reichlich Abwechselung
ist also gesorgt worden. Einpraegende Melodien ketten sich dabei wie von
unsichtbarer Hand geleitet aneinander und wurden im Studio vom Produzenten der
HELLACOPTERS, Chips Kiesbye zu einer wuchtigen hermetisch abgeriegelten
Produktion 1:1 konserviert. Mein persoenlicher Hit auf „Kingwood“, „Shut You
Out“. Im Anschluss gibt es auf der CD-Rom noch eine „Studio Video Diary“ von
knapp 55 Minuten.
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THE MORMONS
„Statement Of No Statement” CD
( Nickel And Dime Records / Dead-Beat-Records.com , Release Date: 12. Juli 2005
)
Schraeg, schraeger am schraegsten! Eine extrem sonderbare Kreuzung, die mir da
mit den Mormons aus L.A. untergekommen ist. Die Songauswahl erweist sich als
verstimmter Blocker, es fehlt ein melodisches Bindeglied, nur bei Track 4 und
Track 5 kann man Ansaetze von Melodien wieder erkennen, aber dann war es das
auch schon. Dafuer soll ihre Buehnenshow ganz schoen was hermachen, was mir an
dieser Stelle herzlich wenig nuetzt. Die musikalische Umsetzung ist sehr sparsam
ausgefallen und kann mich trotz der „No Wave“-Taktik nicht wirklich ueberzeugen.
Die insgesamt zwoelf Songs koennte man ganz gut mit einem verpfuschten Rohbau
vergleichen, der an wenigen Stellen den baulichen Auflagen entspricht. Und da
komme ich dann wieder zu Track 4 und Track 5, die diese CD in der Bewertung vor
dem sicheren Abgrund bewahrt. Fans von DEVO, the BRIEFS und the HIVES sollten
sich die Mormons trotzdem ruhig mal geben. Da kann man an einem guten Tag im
Grunde genommen nicht wirklich verkehrt liegen.
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OHL
„Wir sind die Türken von morgen” CD
( Teenage Rebel Records / TeenageRebel.de , Release Date: 02. Dezember 2005 )
Bei OHL bekomme ich jedes Mal eine Schreibblockade!
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THE RABID DOGS
„Intruder“ CD
( Pelado Records / ZCMRecords.com , Release Date: 04. Januar 2005 )
Super aber auch, da will man sich vorab im Netz unter der angegebenen
www-Adresse der Band ein wenig Backgroundwissen einfahren, da funkt die Seite
nicht. Und beim „Pelado“-Pat gibt es seit geraumer Zeit schon sowieso keine
weiteren Infos und Angaben mehr zu seinen Label-Bands! Ist doch irgendwie
scheisse, oder? Muss ich mich halt auf die Musik beschraenken. Amis sind es
schon mal auf jeden Fall, und diese fuenf jungen Punk-Rotznasen, die da auf dem
rot-durchtraenkten Frontcover abgebildet sind machen auf ihren 10 Tracks eine
erstaunlich gute Pogo-Figur, mit der Gesamtnote von ZweiPlus. Dabei klingen sie
wie eine Mischung aus the RIFFS, the HUMPERS und the SIGN-OFFS. Bei solch einer
vertrauten Fuegung lasse ich mich auch nicht lange bitten.
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RADIO REELERS
„The Next Big Thing” CD
( Dead Beat Records / Dead-Beat-Records.com , Release Date: 19. Oktober 2005 )
Eine richtig feine Punkrock-Scheibe, die sofort ab Track Uno mit „Devil On My
Shoulder“ in die Offensive rauscht. Vielleicht im ersten Augenblick etwas billig
die Band mit den BRIEFS zu vergleichen, aber mir faellt auf die Schnelle keine
andere Combo ein, die in etwa den Stuff spielen, der auf der 10-Song-CD hier zu
hoeren ist. Kommt mit dem Bonus-Video-Trailer zu der Anfang 2006 erscheinenden
DVD „The Last Of The Leather Apes!“, ein Mitschnitt, der zusammen mit den
befreundeten LEG HOUNDS auf ihrer diesjaehrigen Europa-Tour gefilmt wurde. Junge
Typen mit Sonnenbrille auf der Nase und in Leaderjacken gepackt, dazu die
BRIEFS, die DEVIL DOGS und natuerlich die RAMONES, dann passt das schon!
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RED INVASION
„I´m Not Too Young To Die” CD
( Pelado Records / ZCMRecords.com , Release Date: 04. Oktober 2005 )
Der erste Song und somit auch der Titeltrack dieser CD erinnert mich an eine
voellige andere Band, auf die ich jetzt aber nicht so schnell komme. Ist es etwa
die Stimme oder die Melodie? I Don´t Know. Als Homepage hat die Band „MySpace“
angegeben. Ja, ich glaub jeder ist heutzutage auf „My Space“ gelandet und einer
Band kann wohl auch nichts besseres passieren, denn hier kann man weltweit
Kontakte zu Labels und Veranstaltern in Rekordzeit knuepfen. Die Band stammt aus
Boston und zeigt erfreulicherweise, das es dort auch noch andere Punkrock-Bands
gibt, die lieber ein wenig Glam-Sound einstreuen, anstatt auf die
Streetpunk-Attitude zu schwoeren. Die fuenf Jungs sind noch relativ jung und
koennten mit ihrem musikalischen Talent einen aehnlichen Gang hinlegen, der sie
vielleicht auch irgendwann mal in die Top-Liga von Bands wie D-GENERATION,
BACKYARD BABIES, AMERICAN HEARTBREAK und den BLACK HALOS katapultiert. Aber dann
muessen sich die Bubis noch ganz schoen anstrengen. Der erste Schritt ist auf
ihrer Debuet-CD auf jeden Fall getan und ihre elf Songs sind richtig gut
gemachte kleine rotzige Glam-Punk-Nummern. Und jetzt weiss ich auch, welche Band
ich zu Anfang meinte, die L.E.S. STITCHES, you know…..
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DIE SCHWARZEN SCHAFE
„Wir haben noch lange nicht genug!” CD
( Teenage Rebel Records / TeenageRebel.de , Release Date: 04. November 2005 )
Die Schwarzen Schafe haben definitiv was gemeinsam mit Charlie Harper und seinen
U.K. SUBS. Denn beide Bands koennen auf eine stetig veraenderte Formation
verweisen, wobei bei den Subs Charlie Harper und bei den Schafen Armin die
einzigen konstanten Personen im lustigen „Baeumchen wechsel dich“-Spielchen
geblieben sind. Von 1987 bis 2004 sind auf dieser CD 27 Songs zusammen getragen
worden, die die Band von allen musikalischen Seiten ihres eigenstaendigen
Deutschpunk sehr gut abdeckt. Der groesste Teil der hier vertretenden Songs sind
heute kaum noch anderweitig zubekommen, da mittlerweile die alten Vinylscheiben
der Band nahezu ausverkauft sind.
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SONS OF CYRUS
„Monkey Business” CD
( Dead Beat Records / Dead-Beat-Records.com , Release Date: 19. Oktober 2005 )
Wieder einmal eine schwierige Angelegenheit! 20 Songs sind hier von der
Stockholmer Fraktion zusammengetragen worden, resultierend aus saemtlichen
Singles und Sampler-Beitraegen. „Dead Beat Records“ gibt auf seinen
Infoblaettern immer gerne eine Art Hilfestellung, indem am Schluss Bands genannt
werden, dessen Fans auch Sons Of Cyrus evtl. gut finden koennten. Dabei u.a. the
PAGANS, the SAINTS, the REAL KIDS, RADIO BIRDMAN, aber auch ungluecklicherweise
HELLACOPTERS, DIRTBOMBS, MULLENS und the PREACHERS KIDS. Und so ganz falsch
liegt man da wirklich nicht, denn die Schweden klingen wie eine Mischung eben
genannter Bands. Fuer mich bleibt da nur der Rueckzug.
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STATUES
„Aux“ CD
( Pelado Records / ZCMRecords.com , Release Date: 15. Februar 2005 )
Diese Release ist zwar schon etwas aelter, aber es lohnt sich allemal sich die
insgesamt 15 Tracks des kanadischen Trios anzuhoeren. Für „Pelado“–Verhaeltnisse
ist der Statues-Stil doch zunaechst etwas ungewohnt, aber schon recht schnell
bekommt man mit, das Labelboss Pat hier eine Band an den Start geschickt hat die
zwar aus dem sonst ueblichen Rahmen faellt, aber dennoch unverkennbar den
Punk-Spirit aufleben laesst. Die groesste Staerke die das Trio besitzt ist es
Melodien zu schreiben, dessen Umsetzung auf den Hoerer bei einigen Songs sofort
funktioniert, die restlichen Songs verbleiben in den Startloechern, das aber
nicht fuer sehr lange, denn auch dann bekommt man unweigerlich mit, was fuer
grossartige musikalische Momente die Statues auf „Aux“ geschaffen haben. Wie
erwaehnt, Melodien sind das A und O der Band, worauf sich ein wunderbarer Mix
aus altem britischen Power-Pop, New Wave der ´80er, vereinzelten schraegen
Gitarrentoenen und der optimalen Punkrock-Dosis aufgebaut hat, und all diese
Komponenten wurden auf einer meisterlichen Studioproduktion verewigt. Eine tolle
Platte, die ganz eigene Akzente setzt und sich nie wie eine Kopie von einer
Kopie anhoert. Und nicht von ungefaehr covern sie „Telecommunication“, den ´80er
„New Wave“-Hit der Band A FLOCK OF SEAGULLS.
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SUBHUMANS
„All Gone Live” DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 07. November 2005 )
England´s Subhumans haben sich vor ungefaehr drei Jahren wieder
zusammengefunden, nach dem sie ihre erfolgreichste Zeit in der Anarcho-Punkszene
wohl zwischen 1980 und 1985 hatten. In dieser Zeit veroeffentlichten sie auf
ihrem eigenen „Bluurg Record“-Label fuenf LP´s und sechs EP´s. Kurz nach ihrer
Reunion unternahm die Band 2003 eine Tour durch die Staaten. Speziell fuer die
DVD wurden Shows aus Chicago, Minneapolis und Milwaukee professionell zusammen
geschnitten, wobei ihre bekannten Songs wie „Rats“ oder „Religious War“
natuerlich nicht fehlen duerfen. Saenger Dick ist immer noch so spindelduerr,
wie vor ueber 20 Jahren, als ich mir die Band im Duisburger „Eschhaus“
angeschaut habe. Er hat sich wirklich kaum veraendert und hat sogar das selbe
Brillengestell auf seiner Nase beibehalten. Im Anschluss an den regulaeren
Livemitschnitt kann man sich unter „Extras“ noch einige Aufnahmen im besten „Home-Movie
Stil“ anschauen, die die Band waehrend der Tour gedreht haben. Alles in allem
werden wohl besonders die Leute auf ihre Kosten kommen, dessen Faible im
britischen Anarcho-Punk liegt.
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TOMMY AND THE TERRORS
„Unleash The Fury” CD
( TKO Records / TKORecords.com , Release Date: 15. November 2005 )
Produziert vom Schlagzeuger der DROPKICK MURPHYS, Matt Kelly haemmern mir
Tommy´s Terror-Gang aus Boston auf ihrer zweiten full-length 15mal ihren
stinknormalen Streetpunk-Allerlei aus den Boxen, ohne das bei mir weder was
Positives noch Negatives haengen bleibt. Eine Band unter vielen, die keinerlei
Auszeichnung verdient hat. Und fertig ist die Lauge!
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TRACTOR SEX FATALITY
„Peel And Eat” CD
( Dead Beat Records / Dead-Beat-Records.com , Release Date: 19. Oktober 2005 )
„Dead Beat” hat ja anscheinend ueberhaupt keine Probleme damit sich jede noch so
verworrene Gurkenband anzulachen. Was soll man also von vier jungen Maennern
erwarten, die sich auf dem Backcover nur so zum Spass eine Plastiktuete ueber
die Ruebe stuelpen, um dann im Passbildautomaten Leiche zu spielen. Das was das
„Plasticbag“-Team aus Seattle da musikalisch auf ihren 11 Songs(?) anrichtet ist
gewiss nicht fuer meine Wenigkeit bestimmt. Verzerrungen ohne Ende, ob es die
Stimme, die Gitarre oder das Schlagwerk betrifft, nichts kommt hier ohne diesen
verfluchten „Lofi“-Bullshit aus. Die Toilettenspuelung tut es da auch.
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