So, hier nun das zusammengefasste Update fuer August und September. Das naechste Update erfolgt dann Ende Oktober 2006. Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.
2ND DISTRICT
„Emotional Suicide“ CD
( Starkult Promotion / PeopleLikeYouRecords.com , Release Date: 15. September
2006 )
Das zweite Album, und um es vorsichtig auszudruecken komme ich mit der hohen
Stimmlage ihres Saengers nicht wirklich klar. Bei den REVOLVERS fiel das wegen
des abwechselnden Gesang von zwei Saengern nicht weiter auf, aber hier komme ich
nicht Drumherum. Und wenn der Gesang mich schon nicht begeistert, dann fuehrt
das eine zum anderen, und man entdeckt viel schneller Dinge, die einem auch
nicht wirklich zusagen. Der Sound ist zwar gut produziert, aber auch ein wenig
zu steril und zu perfekt im Abschluss. Und bei mir schleichen sich beim Anhoeren
von so einigen Songs immer mal wieder andere offensichtliche Klangbilder ein.
Alles schon mal irgendwie wo anders besser gehoert. Man kann auch sicherlich
geschickter abkupfern. Ausserdem klingt mir alles viel zu sehr nach Rock’n’Roll,
und nicht nach Punkrock! Es werden auch ganz einfach zu viele Klischees dabei
bedient, wobei ein Song wie „Yeah Yeah Yeah“ der beste Beweis dafuer ist. Leider
sind auch die beiden Coverversionen „Stuck On You“ (WAYNE COUNTY) und „I Think
Of Her“ (FORGOTTEN REBELS) nicht wirklich geglueckt. Mit den leider aufgeloesten
Revolvers hat man im Endeffekt bessere sowie anspruchsvollere Punkrock-Musik
geboten. Das strahlt mit dem Hoeren von „Emotional Suicide“ ganz schnell durch.
( * * * )
AGAINST ME!
„Americans Abroad!!! Against Me!!! Live In London!!!” CD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.de , Release Date: 21. August 2006 )
Against Me! ist so ueberhaupt nicht mein Ding! Zu viele Stops, zu viele Go´s! Da
hoer ich doch lieber die LURKERS mit „Go, Go, Go“. Haben wir Ende der 80er sogar
mal mit unserer kleinen kaputten Chaosband ZAKONAS gecovert! Obwohl, das ja hier
gar nichts zur Sache tut! Ist mir nur mal so spontan in den Sinn gekommen. Wat
soll ich sagen? Bin halt ein ´77er! Hehehe…., okay, dann hier die nuechternen
Fakten. Aufgenommen wurde der 17-Song-Mitschnitt am 21. Maerz 2006 im Londoner
Club „Mean Fiddler”. Mit „Americans Abroad” ist sogar exklusiv ein brandneuer
Track vertreten. Die Against Me!-Gemeinde wird das mit Begeisterung aufgenommen
haben. Ansonsten gibt es reichlich Material vom ersten Album. Als Bonus dann
noch das Video zu „Problems”. Und mit dieser Scheibe verabschieden sich die
Querdenker-Punker Against Me! von „Fat Wreck” und werden in naher Zukunft ihre
Broetchen auf dem Major „Sire Records” verdienen. Na denn ma tau.
( * * )

THE AMBER SQUAD
„Are We Having Another In Here Or What?” CD
( Detour Records / Detour-Records.co.uk , Release Date: 31. Juli 2006 )
Und wieder hat „Detour“-Dizzy mit einer weiteren Hammer-Release zugeschlagen!
Wer wie ich im Radio JOHN PEEL Ende der 70er und Anfang der 80er Samstag fuer
Samstag auf BFBS gehoert hat, dem wird Amber Squad aus dem kleinen Oertchen
Rutland (nahe Lincoln) sicherlich noch ein Begriff sein. Oder aber, man hat sich
damals schon ihre beiden Singles „I Can´t Put My Finger On You“ und „Can We Go
Dancing“ sofort nach Erscheinen zugelegt und huetet sie heute zwischen anderen
Punkrock-Vinyl-Schaetzen. Bei mir reichte das Taschengeld damals nur fuer ihre
zweite Single. Nun gibt es also auf dieser 19-Song-Compilation alles was das
Punkrock-Herzchen hoeher schlagen laesst. Natuerlich mit beiden Singles, dem
raren Song „Six Of Me“ vom noch rareren LP-Sampler „Where The Hell Is
Leicester“, sowie vierzehn zuvor unveroeffentlichten Songs, die bis auf zwei
Live-Aufnahmen im Studio aufgenommen worden sind. Und das in einer fuer die
damaligen Verhaeltnisse typischen und einwandfreien 7“inch“-Qualitaet.
Musikalisch alles im tiefgruenen Bereich anzutreffen! Einfach nur grossartiger
Power-Pop-Punk, wo man so viele Facetten gleichzeitig raushoert die von the BOYS
ueber the JAM bis hin zu den UNDERTONES reichen, um hier nur mal die wirklich
bekannteren Namen zu nennen. Aber das haben sich Amber Squad auch redlich
verdient! Wie ihr merkt, gerate ich wieder ins grenzenlose Schwaermen..., da
bleibt mir nur noch zusagen, thanks again Dizzy!
( * * * * * )

THE BOTTROPS
„Unterhund“ CD-R
( Aggropop Records / Destiny-Tourbooking.com , Release Date: 2006 )
Soso, hier das erste musikalische Lebenszeichen des Spaet-Trupp der verblichenen
TERRORGRUPPE. Mit neuem Saenger schliesst man am Erbe an. Ich kann da im Moment
keine wirklich grossen Aenderungen raushoeren, ausser das die Tracks ein wenig
punkiger (darf ich das schreiben?) rueberkommen. Die drei Songs „Unterhund“,
„Hochhaus-Girl“ und „Ruf mich an!“ wurden innerhalb von fuenf Tagen aufgenommen,
gemastert und veroeffentlicht. Akkordarbeit vom Allerfeinsten! Und da sagt noch
einer die Punker von heute sind arbeitsscheu! Dabei wurde dann allerdings auch
auf so unwichtige Dinge wie Presswerk, gedrucktes Cover oder gar Verpackung
konsequenterweise direkt ganz verzichtet. Und so ist es recht hoffnungslos, beim
Stamm-Mailorder nach der Scheibe zu fahnden. Denn die „Platte“ (falls man sie
denn dann noch als solche ueberhaupt bezeichnen darf) gibt es für 1,90 Euro
ausschliesslich beim Indie-Download-Portal OggStar.com. Ist das Punk? Ja, warum
nicht. Ich find das lustig. Sollte aber nicht zur Regel werden. Danke fuer den
CD-Burn, Jacho!
( * * * * )
CONFLICT
„Turning Rebellion Into Money” CD digi-pak
( Mortarhate Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 15. Mai 2006 )
Aufgenommen live in London beim historischen „Gathering Of 5000”-Festival, am
Samstag, den 18. April 1987 in Brixton´s „Academy”. Abgemischt damals in den
„Southern Studios” und nun fuer die CD-Release ist der Mitschnitt natuerlich,
wie auch schon die ersten Studioalben von Conflict, digital ueberarbeitet
worden, und erscheint mit einem zusaetzlichen 15-Seiten-Booklet. Neben den
vielen bekannten Conflict-Songs wurden bei der Show auch einige Stuecke von
CRASS nachgespielt. Wenn ich mich nicht verzaehlt habe gibt es 32 Tracks auf dem
Silberling zu hoeren.
( * * * )

THE DUEL
„Lets Finish What We Started“ CD
(Ffruk.com / MySpace.com/TheDuel , Release Date: 01. September 2006 )
Bei MySpace eine Seite zu haben lohnt sich aus promo-technischer Sicht durchaus.
Ohne mich „einzuschleimen“ bekam ich das Duel-Debuet, was in einem knallig
bunten Punkrock-Layout daher kommt, frei Haus. Jetzt werden sich bestimmt wieder
einige Spinner ueber den Real Shock aufregen, von wegen „einschleimen“, you know….,
aber fuer die hab ich nur ein herzliches FUCK OFF! uebrig, und die die mich
(noch) kennen, wissen natuerlich wie das gemeint ist. Auf jeden Fall hat die
Band gut daran getan, dem 3RD eine Promo-Copy zu senden. Wollte mich eh selbst
noch drum gekuemmert haben, aber da kam man mir zuvor. Mir soll es nur recht
sein! Nun, the Duel kannte ich vor MySpace nicht! Wie so viele Bands, die sich
auf diesem Portal in alle Richtungen „austoben“. The Duel gehoeren auf jeden
Fall auf der sicheren Seite. Bedeutet, die Band schippert auf einer sehr
abwechselungsreichen Kreuzfahrt, hauptsaechlich durch die 77er-Gewaesser und
macht dabei richtig fette Beute. Denn, ihre Saengerin Tara Rez kann verdammt gut
singen, irgendwie eine perfekte Mischung aus KIM WILDE (nur viel viel snottier!),
WENDY JAMES und DEBBIE HARRY. Hier wird mir mal wieder bewusst wie wichtig es
fuer eine Band ist, einen wirklich guten Gesang zu haben. Damit steht und faellt
das Ganze! Da koennen so einige moderne Punker-Miezen echt einpacken! Gut finde
ich auch, dass sich Tara Rez nicht am zeitgenoessischen gelangweilten
Brody-SingSang orientiert. Duel scheinen eine durch und durch very british
Punkrock-Band zu sein. Denn auch musikalisch erinnert der Sound an
77er-Punkrock-Groessen from the U.K.! Aber die eigene Note hebt sich dabei immer
wieder gut ab, so dass man von einem sehr eigenstaendigen Stil mit Tiefgang
sprechen kann, der musikalisch in allen Belangen fuer grosses Kino sorgt.
Produziert wurden die 15 Tracks von Ex-VIBRATORS/BOYFRIENDS Pat Collier. Ein
huebsches Punkrock-Duett geben dann Tara und Knox (the VIBRATORS-Chief) auf „The
Duel“ ab. Ausserdem wurden mit „Pet Sematary“ (the RAMONES) und „Ain´t It Fun“ (the
DEAD BOYS) noch zwei Cover-Tracks untergemischt. Aber die eigentlichen
Highlights setzen die eigenen Songs, wie etwa „eNeM-E“ (hoert sich für meine
Begriffe nach eine Abrechnung mit dem englischen Musikpaper NME an), „Nothing To
Lose“, „Better Bombs Better Drugs“ oder der Opener „Camden Town“. Anfangs wollte
ich „nur“ vier Sternchen verteilen, aber wenn ich mir jetzt so die gesamte
Review anschaue, kann da nur ein echter Hit draus werden.
( * * * * * )

THE ELECTRIC KISSES
s/t CD
( Full Breach Kicks / FullBreach77.com , Release Date: 05. September 2006 )
Dieses kleine feine Power-Pop-Trio aus Seattle orientiert sich auf ihren
insgesamt 11 Songs an Bands wie the REAL KIDS, NIKKI AND THE CROVETTES, PAUL
COLLINS BEAT, the KIDS und natuerlich an den RAMONES. Leider nicht mit dem
erhofften Erfolg. Da stolpern sie bei den meisten Liedern doch noch ein wenig zu
arg und stossen recht schnell an ihre eigenen musikalischen Grenzen. Der Anfang
ist gemacht, nun sollte man sich den Feinheiten noch ein wenig widmen und
spaetestens ab dem naechsten Album kommen ihre Kompositionen bestimmt viel
fluessiger und direkter daher.
( * * * )
FABIENNE DELSOL & THE BRISTOLS
„The Best Of…“ CD
( Damaged Goods Records / DamagedGoods.co.uk , Release Date: 28. August 2006 )
Der Name Fabienne Delsol hoert sich zunaechst nach franzoesischen Chanson an.
Aber, weit gefehlt! Natuerlich! Real Shock goes Chanson? No Way! Die Auflossung
liegt auf der Hand! Denn Fabienne war von 1998 bis 2000 die Saengerin der
Bristols. In dieser Zeit veroeffentlichte die Band zwei Alben und fuenf Singles.
Die 14 Tracks sind, wie es der CD-Titel schon vorwegschickt eine „Best
Of“-Zusammenstellung. Und ich bin von mir ueberrascht, denn ihr eingaengiger
stark beeinflusster 60ties Pop-Beat spricht mich sofort an. Das liegt sicherlich
an den beschwingten Melodien und auch an Fabienne´s entzueckend frecher Stimme,
die nach Honig und Zucker klingt. Zu einem vierten Sternchen reicht es dann aber
doch nicht.
( * * * )
GLAXO BABIES
„Dreams Interrupted – The Bewilderbeat Years 1978-1980“ CD
( Cherry Red Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 17. Juli 2006 )
Die Experimentierfreude war Ende der 70er bei Bristol´s Glaxo Babies schier
unendlich. Das stellt diese Compilation aus insgesamt 19 Songs (?) ganz
unmissverstaendlich klar. Und so ist es auch nicht verwunderlich, das die noch
damals junge Expedition in ihrer kurzen experimentellen Bestehensphase als Band
(?) mit anderen Punkrock-Physikern wie the FALL, ALTERNATIVE TV, SUBWAY SECT,
GANG OF FOUR, the SLITS, the POP GROUP, SWELL MAPS, A CERTAIN RADIO oder PUBLIC
IMAGE LTD. immer wieder gerne in Verbindung gebracht wurde. Mir sagten die
Fischertechnik-Freaks schon damals nicht zu, und auch heute mit dem noetigen
Abstand kann ich immer noch nicht mit den musikalischen Strukturen umgehen. Die
Freunde aus der Forschung und Wissenschaft werden da sicherlich anderer Meinung
sein. Sie sind einfach nur froh endlich die sehr raren Singles der Band nun auf
einer CD vereint zuhaben.
( * * )

GOLDBLADE
„Strictly Hardcore – The Best Of Goldblade“ CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 08. September 2006 )
Da besonders die ersten drei Alben von Goldblade heutzutage wohl doch etwas
schwerer zubekommen sind, machte es durchaus Sinn eine „Best Of“ zusammen
zustellen, obwohl sich ihr Sound alles andere als nach „Strictly Hardcore“
anhoert. 16 Songs sind es geworden, ein sehr guter Querschnitt aus ihren Alben „Hometurf“
(1997), „Drop The Bomb!“ (1998), „Do U Believe In The Power Of Rock’n’Roll?“
(2002) und dem aktuellen auf „Captain Oi!”, „Rebel Songs“ (2005). Dabei gibt es
leichte Veraenderungen bei zwei Songs. „Who Was The Killa?“ ist die
Single-Version und „Uranus“ vom dritten Album wurde neu eingespielt. Ich hab
Goldblade immer wieder gerne als the RUTS der ´77er Punkrock-Neuzeit bezeichnet,
denn genau so klingt John Robb und sein Goldblade-„Brothers And Sisters“-Clan
fuer mich. Unheimlich robust und wuchtig. Wuerde mir die Band gerne noch mal in
einem kleinen Club anschauen, aber seit sie den support fuer den fuckin´ KING
1998 machten, haben sie es bisher nicht mehr nach Germany geschafft. Es wird
wirklich allerhoechste Eisenbahn.
( * * * * * )
THE GONADS
„Old Boots No Panties“ CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 04. Juli 2006 )
„Oi!”-Oldtimer Garry Bushell schlaegt mit den drolligen Gonads wieder zu! Wie
immer witzig und lustig bis zum ultimativen Schenkelklopfer, aber mal ehrlich
jetzt: Bringt mich das ein Stueck weiter??? No Sir, denn dafuer muesste man
schon waschechter Englaender sein und den entsprechenden Bierbauch(ansatz) von
den unzaehligen durchzechten Naechten im Pub haben. Den Bauch hab ich zwar auch,
aber den von Schokolade und Weingummis. Ich mag English Winegums von Bassett
lieber als Haribo, aber english chocolate definitiv sucks! Ich kann zu den
Gonads keinen Bezug aufbauen und so geht mir die CD schon ab Track Nr. 4 mit „Oi
Mate“ ganz gehoerig da rein und da raus. I mean Ohren, you know. Sorry Mates!
( * * )

KEVIN K
„Rockin Roll Dynamite“ CD
( Full Breach Kicks / FullBreach77.com , Release Date: 11. April 2006 )
Das musste ja mal passieren! Man kann eben nicht immer auf hoechstem Niveau
spielen. „Rockin Roll Dynamite“ ist zwar ein musikalischer Einbruch, der uns
jetzt aber nicht in Panik versetzen sollte. Leider nicht mehr ganz so stark
praesentiert sich Kevin K auf seiner aktuellen Errungenschaft, leichte
Abnutzungserscheinungen fallen da ins Gewicht. Aber alles, wie erwaehnt, halb so
dramatisch. Neben zehn neuen Songs hat Kevin mit seiner europaeischen Backin´
Band the REAL KOOL KATS auch zwei alte Songs der ROAD VULTURES mit „Call“ und „She“
neu ins Programm aufgenommen, die aber leider nicht an die alten Fassungen
heranreichen, da sie mir einfach einen tick zu schnell eingespielt wurden.
Unterm Strich bleibt Kevin selbstverstaendlich seinem alten New Yorker
Rock’n’Roll-Motto treu. Also, alles wieder aufatmen!
( * * * * )

THE LAST OF THE BAD MEN
„Nowhere Is Safe…” CD
( Last Of The Bad Men / myspace.com/thelastofthebadmen, Release Date: 25. August
2006 )
Grosse Namen garantieren laengst noch nicht fuer grosse Musik. Dieses Schicksal
erleidet diese CD hier! So schlecht ist sie natuerlich nicht, aber wenn solche
klangvollen Namen wie die Godoy-Zwillinge, Art + Steve (ex-EXPLODING FUCK DOLLS)
dabei sind oder gerade auch ein Deniz Tek von RADIO BIRDMAN an der Gitarre
weilt, da sollte schon etwas mehr bei raus springen. Die Songs haben nicht den
erwuenschten Widererkennungswert, duempeln irgendwo zwischen Orange County und
Sydney´s Underground Musikschmiede, aber was richtig Gescheites kommt bei allen
neun Songs nicht raus. Vielleicht stand man sich im Studio auch zu sehr in der
Quere, wahrscheinlich eher unbewusst, weil man einem Deniz Tek schon einen
gewissen Freiraum bieten wollte, und alles was er auf seiner Gitarre spielte
bedenkenlos gut fand. Ich kann hier nur Spekulationen aussprechen….., aber
„rund“ hoert sich fuer meine Begriffe irgendwie anders an……, schade…….
( * * * )
THE LONELY KINGS
„The End Of Forever“ CD
( Flight 13 Records / Flight13.com , Release Date: 25. August 2006 )
Wie gehen die denn heute ab? Hatte mich auf ein schoenes FACE TO FACE/DESCENDENTS-beeinflusstes
neues Album eingestellt, aber was ich hier zu hoeren bekomme ist zunaechst
schwer zu verdauen! Richtig fette Metal-Einfluesse, Stop- And Go-Gefrickel ohne
Ende, alter Schwede, was haben die sich aber seit ihrer „Crowning Glory“-Scheibe
veraendert. Als wenn hier zeitweise voellig verschiedene Combos am Werke sind.
Ich bin doch ein wenig entsetzt! Nur die zwei Tracks „United By Fate (Punk Rock
Parents)“ und „Throw Yourself Away“ gehen in den melodischen Core-Bereich, aber
der Rest? Nein danke! Fix die „Crowning Glory“ mal reinschmeissen und die
schlechten Eindruecke von „The End Of Forever“ ganz schnell vergessen machen.
Aber was ist das? Hatte ich doch dieses Album wesentlich besser in Erinnerung.
Hat sich mein Musikgeschmack in den letzten paar Jahren dann doch so stark
veraendert, dass ich einer Band wie den Lonely Kings heute nicht mehr sehr viel
abgewinnen kann? Fuer die hatte ich doch mal vier Sternchen verteilt, heute
wuerde ich evtl. auch nur zwei Sternchen uebrig haben. So etwas wie die Lonely
Kings hoere ich heute einfach nicht mehr……
( * * )

MAJOR ACCIDENT
„A Clockwork Legion“ CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 10. Juli 2006 )
Ihr Label-Wechsel von „Step Forward“ zu „Flicknife“ schien ihnen in
musikalischer Hinsicht gut zu tun. Kurz darauf erschien 1984 das zweite Album „A
Clockwork Legion“. Die einstige Provinzband aus dem abgelegenen Kaff Darlington
im nordoestlichen Teil von England hatte sich erstaunlich weiterentwickelt.
Vorbei die Zeiten der ruppigen kurzen und einfallslosen Songs, die es auf ihrer
ersten full-length „Massacred Melodies“ zuhauf gab. Die zehn Songs wirkten
ausgefeilter und man konnte sich sehr schnell mit den Melodien anfreunden, wobei
vor allem ihre Single-Nummern „Fight To Win“, „Leaders Of Tomorrow“ und „Respectable“
(STIFF LITTLE FINGERS-Gitarre laesst zu Anfang schoen gruessen!), sowie der
Track „Affliction“ ins Ohr stachen. Natuerlich blieb es auch auf ihrem zweiten
Album nicht aus, das ueber den Songs der Geist von Alex und seinen Droggies
schwebte. Im letzten Update hatte ich noch die „Massacred Melodies“ mit den
Worten, das es mir eigentlich heute egal ist, ob ich was von Major Accident zum
Besprechen zugeschickt bekomme oder nicht abgefertigt. Doch bei „A Clockwork
Legion“ bin ich dann doch recht froh, das Album heute noch einmal „neu“ zu
entdecken. Aufgefuellt wird die CD mit fuenf Bonus-Tracks, u.a. mit der
Single-Version von „Leaders Of Tomorrow“ und dem B-Seiten Cover „Breakaway“.
Obwohl ich die ADICTS und PETER AND THE TEST TUBE BABIES zu ihren Anfangszeiten
bevorzuge, liegt man nicht verkehrt, Major Accident irgendwo dazu zuzaehlen. PS:
Gestern lief uebrigens auf WDR „Clockwork Orange“, leider zur spaeten Stunde.
Ich hab den Film schon seit Jahren nicht mehr gesehen, schaute zwischen den
Werbepausen bei „Monk“ kurz rein und war in null komma nix wieder voellig
gefesselt von der Optik und der absurden Sprache. Jetzt hab ich mir die DVD
direkt bei AMAZON.de bestellt, damit der Klassiker endlich im Hause ist.
( * * * * )
THE METEORS
„Monkey´s Breath” CD digi-pak
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 23. August 2006 )
Eigentlich kann ich mich hier nur wiederholen und die selbe Wortwahl treffen,
die ich im September-Update 2005 zur Re-Issue ihres Album „Sewertime Blues”, im
November-Update 2005 zur Re-Issue ihres Album „Don´t Touch The Bang Bang Fruit”
und im Maerz-Update 2006 zur Re-Issue ihres Album „Stampede“ verwendet habe:
„Das die Meteors nicht meinem musikalischen Naturell entsprechen, duerfte
hinlaenglich bekannt sein. Deshalb nur kurz die wichtigsten Fakten zur CD: „Das
Album kam 1985 raus und stuermte direkt die Top Ten der Independent-Charts. Nach
all den Jahren gibt es die 12 Songs nun als spezial CD digi-pak – „Psychobilly
Collectors Series No. 50“ – wobei mit „Bad Moon Rising“, „Rhythm Of The Bell“
und „Hogs & Cuties“ als 12“inch Mix noch drei ziemlich rare Bonus-Tracks
angefuegt wurden. Der englische „Record Collector“ schrieb einst ueber die Band:
„Only the Meteors can genuinely claim to have started, led and defined a whole
subculture based around the energy of punk!“ Nun gut, ich halt mich, wie schon
bei der „Sewertime Blues”-Review, der „Don´t Touch The Bang Bang Fruit“-Review
und der „Stampede“-Review vornehm zurueck.“
( * * * )
RANTANPLAN
„Two Worlds At Once” CD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 14. August 2006 )
Ein laengst verschollenes Psychobilly-Album, was 1990 bei „Link Records“ raus
kam, und nun zum ersten Mal auf CD mit einem zusaetzlichen Bonus-Track
erscheint. Die Jungs stammten uebrigens aus Bremen und wie es der Zufall so
wollte kamen sie in Kontakt mit Chuck Flintstone von the FRANTIC FLINTSTONES,
der damals als A&R-Mann bei „Link“ taetig war, und so den Plattendeal
einfaedelte. Nach dem die Scheibe auf dem Markt war tourten sie brav und artig
durch halb Europa. Uebrigens, heute ist ihr Saenger und Banjospieler Carlos in
der Berliner Musikbranche taetig und ist mit seiner Agentur „Creative Talent“
damit beschaeftigt Bands vom Kaliber der Stones nach Berlin zu holen. So kann es
gehen…….
( * * * )
RESISTANCE 77
„Songs For A Nanny State“ CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 04. September 2006 )
Auch ihr drittes Album nach der Neuformierung vor gut fuenf Jahren kann mich
nicht wirklich begeistern. Extrem fahrlaessig wird mit den Songs umgegangen, sie
klingen einfach zu alltaeglich, die Abmischung des Schlagzeug ist ein weiterer
Minuspunkt auf der Skala nach unten, und die Gesamtproduktion laesst viele
Fragen offen, weil sie nicht auf den Punkt gebracht wurde. Dabei kommt der
Spielwitz ebenso eindeutig zu kurz und viele Lieder verschwimmen foermlich vor
meinen Augen (Ohren?), weil sie einfach viel zu schnell und lieblos runter
gedroschen werden. So gesehen sind die 12 Tracks leider nur Durchschnittskost im
britischen „Punk & Oi!“-Bereich. Vergeblich sucht man nach richtigen
abwechslungsreichen Hits, wie es auf dem Re-Union-Album „Retaliate First“ mit
Songs wie „Bored Forever“, „Steal Your Thunder“, „No Place To Run“ und „Far Away“
noch der Fall war.
( * * * )
RIOT SQUAD
„No Potential Threat” CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 29. August 2006 )
Wie es „Burning Britain”-Author Ian Glasper im Booklet am Schluss schon richtig
formulierte waren Mansfield´s Riot Squad nicht gerade die musikalische
Offenbarung, als sie 1982 mit ihrer ersten Single „Fuck The Tories” auf „Rondolet
Records” in der Szene auftauchten, doch sie vertraten dafuer den damals so
wichtigen politischen Aspekt gegen die katastrophale Regierung der eisernen Lady
Thatcher in ihren Texten vorzugehen. Genuetzt hat es wie so oft nicht viel. Aber
Flagge zeigen ist immer wichtig! Auf dieser 21-Song-CD befindet sich der
komplette Satz an Singles, die damals in den Independent Charts allesamt auf
gute Positionen vertreten waren. Ihr Sound erinnerte stets an eine Mischung aus
EXPLOITED, BLITZ und ONE WAY SYSTEM, nur schlechter, you know, oder vornehmer
ausgedrueckt, eben unmusikalischer. Trotzdem werden sicherlich viele
Hardcore-Nieten-Crust-Punx, die sich heute zu the CASUALTIES oder TOTAL CHAOS
lustig im Kreise drehen an Songs wie „Religion Doesn´t Mean A Thing“, „Riots In
The City“, „Police Power“ oder „No Solution“ ihre helle Freude haben. Die CD
erscheint uebrigens exklusiv im Original Picture-Sleeve der brasilianischen
´84er Vinylpressung.
( * * * )
ROTTEN APPLES
„Snap Out Of It“ 7“inch 3-song.e.p.
( Trash 2001 Records / Trash2001.de , Release Date: 21. August 2006 )
Passend zur ersten Europa-Tournee, die am 19. Oktober im hollaendischen
Eindhofen beginnt. Dabei glaenzt die Band eher durch die optische Aufmachung der
Single im zweifarbigen extra schweren 70g Vinyl, als durch musikalisches Koennen.
Denn nur die Cover-Version von BLONDIE´s „Picture This“ kann mich wirklich
ueberzeugen, kennt man aber schon vom „Tribute To Blondie“-Sampler. Die beiden
eigenen Darbietungen „Snap Out Of It“ + „Anxiety“ hinken schwer nach, der Mix
aus the MUFFS und ELASTICA ist eher mittelpraechtiger Natur. Live auf der Buehne
kommt das bestimmt eine Ecke rotziger! Mit „Trash 2001“ haben die vier Maedels
aus Seattle ein sehr gutes Label hinter sich, die sich um ihre Bands wirklich
sorgt. Hier wird also nix dem Zufall ueberlassen. Und so wird auch die Zeit in
der sie in Europa verweilen genutzt, um im hauseigenen KS-Studio in Bottrop
unter der Leitung von Andreas Seidler ein zweites Album mit dem Namen „Give You
Mean“ einzuspielen. Und mit ein wenig Glueck wird die CD dann am Ende der Tour
noch praesentiert. Wenn das mal kein perfektes Timing ist.
( * * * )

SADO-NATION
„Future Past, Present, Tense“ CD
( Grand Theft Audio Records / MySpace.com/SadoNation , 04. Juli 2005 )
Es begab sich vor einer langen langen Zeit. Da fuhr mein damaliger
Punkrock-Kumpel Jonny zwei bis drei Mal im Jahr nach London, um sich in den
Second Hand Laeden mit raren Punkrock-Stuff einzudecken. Mitte der ´80er waren
wir beiden zu absoluten Vinyl-Junkies mutiert! Und kauften wie die Irren! Wenn
Jonny sich dann nach London aufmachte, gab ich ihm auch immer eine
Punkrock-Wantlist von meinen gesuchten Scheiben mit. Natuerlich hielt er
zunaechst Ausschau nach seinen gesuchten Records und dann nach meinen. Und so
wurde der Tag regelrecht zelebriert, wenn Jonny wieder nach Hause kam, und er
erst seinen Stapel praesentierte und dann meinen vor die Nase schob. Von einem
seiner London-Trips brachte er die von mir schon seit Jahren gesuchte
Sado-Nation EP aus dem Jahr 1980 mit. Das gute Stueck kostete damals im Jahr
1983 an die 40,-DM, ein damaliger verhaeltnismaessiger recht hoher Kurs. 40
Schleifen sind auch bis zum heutigen Tage das hoechste der Gefuehle in Sachen
Singles geblieben. Ich hatte mir damals solch ein Limit gesetzt gehabt. Die
40,-DM bzw. 20,-EURO wuerde ich auch noch heute für dieses Kleinod bedenkenlos
hinlegen, obwohl im Jahr 2006 20,-EURO ja ein verfluchter Witz ist. Alle vier
Songs dieser EP sind absolute Punkrock-Smasher im klassischen ´77er-Sound, wobei
fuer mich der Song „Gimme You“ das Sahnestueck ist. Produziert hatte uebrigens
Greg Sage von the WIPERS. Bereits im Sommer des letzten Jahres kam diese
Compilation auf „Grand Theft Audio“ raus, aber erst jetzt und dank der Hilfe
durch MYSPACE kam ich in den Genuss der CD, die mir ihre zweite Saengerin Mish
unverbindlich zuschickte. Und hier erwarteten mich noch weitere Knaller! Obwohl
ich direkt vorausschicken sollte das die EP-Songs „I´m Trouble“, „Gimme You“,
„On Whom They Beat“ und „Mom & Pop Democracy“ unerreicht bleiben. Sie gestalten
auch den Opener. Man hatte auch noch die alten Masterbaender zur Hand, denn so
hoert man keinerlei Rauschen oder Kratzen wie von einer viel-bespielten
Vinylscheibe, wie es etwa beispielsweise bei der CONTROLLERS-CD leider der Fall
war. Aber wie soll oder kann man den Sound von Sado-Nation beschreiben?
Sound-technisch sind das die bewaehrten Akkordfolgen, die auch die RAMONES
verwendet haben, aber dazu gesellt sich ein verdammt trashiges Schlagzeugspiel,
eine typisch saegende ´70er-Punkrock-Gitarre und der sich wechselnde Gesang von
Gitarrist David Corboy und ihrer ersten Saengerin Leesa Nation, aehnlich wie bei
Band X. Solche Songs konnten wohl auch nur in dieser bestimmten Zeit entstehen,
ich habe sonst keine andere Erklaerung fuer diesen grandiosen Punkrock-Stuff! Zu
vergleichen mit den Geniestreichen von Bands wie the BAGS, CRACKED ACTOR, the
POLES, the TOOLS, the ALLEY CATS oder the PAGANS. Eben der typische „Killed By
Death“-Sound! So, jetzt hab ich aber die EP genug gelobt, kommen wir zu dem Teil
der CD, der mir bisher unbekannt gewesen ist. Ende 1980 nahm die Band neun
weitere Songs auf, die eigentlich fuer die erste full-length unter dem Namen „Disruptive
Pattern“ gedacht waren, aber wegen eines finanziellen Engpass und der Tatsache,
das Leesa kurz nach den Aufnahmen beschlossen hatte nach New York City zugehen,
wurden die Songs niemals auf Vinyl gepresst, obwohl das Cover-Artwork schon fix
und fertig gestaltet war!!! 25 verdammte Jahre spaeter sind diese Stuecke nun
endlich auf dieser CD zu hoeren und kommen recht nah an den Songs der EP ran.
1982 nahm man dann mit der zweiten Saengerin Mish Bondage 11 weitere Songs auf,
plus der Live-Fassung von „Johnny Paranoid“, die dann tatsaechlich als erste LP
mit dem Namen „We´re Not Equal“ veroeffentlicht wurde. Ich meine mich erinnern
zu koennen dieses Album schon mal vor Jahren in der Hand gehabt zuhaben, und war
vom Sound her doch etwas verwundert. Denn mit Mish entfernte man sich doch ein
ganzes Stueck vom ´77er Punkrock-Mid-Tempo, und hin zu teilweise recht schnell
gespielten Punk-Nummen, die sich vielleicht am ehesten mit den Tracks vom ersten
VICE SQUAD-Album „No Cause For Concern“ vergleichen liessen. Mish hatte eine
aehnlich hohe Pop-Stimme wie Leesa, oder aber wie Beki Bondage. Auch David sang
seine Songs „Industrial Revolution“ und „Cut Off The Cord“ von der ´80er
Album-Session neu ein. Dann wurde es still um die Band und erst zwanzig Jahre
spaeter traf sich David und Misch mit neuer Line-Up wieder im Studio um fuenf
Songs für die MCD „The Teal Project“ aufzunehmen. Hier wird der Weg des
Hektik-Punk weiter fortgesetzt und leider sind die ersten drei Lieder „Void“,
„Nil“ und „Cut“ dann auch die ersten wirklichen Schwachpunkte der CD. Mit dem
entfernt 45 GRAVE-beeinflussten „Insomnia Insomniac“ geht es dann in eine
voellige andere Richtung und „16 Again“ versoehnt einen wieder mit dem typischen
Garagensound der Band Das Ende bilden vier Live-Recordings aus dem Jahre ´83,
die man sich durchaus noch anhoeren kann. Zum Schluss schwaecht die 34-Track-CD
zwar ab, aber natuerlich spreche ich hier eine Kaufempfehlung aus, denn wie
schon tausendmal in dieser Review erwaehnt, sind die ersten vier Songs, D-I-E
Punkrock-Killer schlechthin. Im Booklet gibt es dann auch noch genug zum
Nachschlagen weiterer wichtiger Informationen zur Band, sowie einige Texte und
Coverabbildungen.
( * * * * * )

THE SCARRED
„No Solution“ CD
( Punkcore Records / PunkCore.com , Release Date: 04. April 2006 )
Da ich ja ein aufmerksames Kerlchen bin und immer fein die Mailorder-Listen
verfolge, die ich beispielsweise von „Green Hell“ oder „Flight 13“ zugeschickt
bekomme, stiess mein Interesse diesmal auf das erste Album von dem
suedkalifornischen Trio Scarred. O-Ton, „Green Hell“-Alfred: „Mit „No Solution“
haetten The Scarred rein musikalisch auch problemlos bei „Hostage Records“
debuetieren koennen.“ Hostage??? Wow!!! Das liess mich sofort aufhorchen. Durch
meine neue Connection der „MySpace“-Maschine kam ich zunaechst an die Band
selbst „ran“, die mich dann an einen gewissen Mike vom „Punkcore Label“ verwies.
Der liess sich nicht lange bitten und schickte mir kurzerhand eine Promo-Copy
frei Haus. Thanks Mike! Da „Green Hell“-Alfred einen exzellenten Geschmack
besitzt, der sich schon oft genug in der Vergangenheit mit meinem gedeckt hatte,
war eine gewisse Haltung der grossen Erwartung vorprogrammiert. Doch leider
bestaetigte sich diese nur teilweise. Mit den meisten „Hostage“-Bands koennen
Scarred nicht wirklich mithalten, da fehlt es ihnen noch an der richtigen
Schaerfe und Rotzigkeit. Aber schlecht sind die beiden Iro-Punks an den
Gitarrensaiten und das Maedel hinterm Schlagwerk nun auch wiederum nicht. Ueberm
Durtchschnitt sind sie mit ihren trocken gespielten zwoelf Tracks auf jeden
Fall, was ihnen so ein wenig fehlt ist die musikalische Abwechselung. Aber sonst
meistern Scarred ihre Sache schon verdammt gut. Von daher bleibt es ein absolut
empfehlenswertes Punkrock-Album im klassischen 77er-Mid-Tempo-Stil, das jeden US
BOMBS- und RANCID-Hoerer mehr als nur zufrieden stellt. Meine Messlatte war halt
nur zu hoch gelegt.
( * * * * )

THE STIFFS
„Let´s Activate“ DVD
( Dork Records / mhendriks.fsnet.co.uk/INDEX.html , Release Date: 28. Juli 2006
)
Da haben die Stiffs doch tatsaechlich die Ankuendigung einer DVD wahr gemacht.
Extra fuer die Show flog auch Dave Philp, Saenger von the AUTOMATICS, an diesem
11. November des letzten Jahres aus dem sonnigen Kalifornien ins verregnete
kalte englische Blackburn, um mit den Stiffs gemeinsam fuenf seiner Songs –
darunter natuerlich die „When The Tanks Roll Over Poland Again“-Single und der
Punkrock-Klassiker der Automatics „British Beat“ – auf der Buehne der
ausverkauften „King Georges Hall“ zu spielen. Selbstverstaendlich kommen die
Stiffs „pur“ nicht zu kurz und praesentieren ihre Schokoladenseite u.a. mit „Nothing
To Lose“, „Inside Out“, „Kids On The Street“ und „Crazy Mixed Up Emotion“.
Zugegeben, das Buehnenlicht ist nicht optimal ausgewaehlt worden, die Farbe Rot
ist der Stagekiller schlechthin, und auch sonst bleibt die Buehne im Halbdunkeln
und ist den ganzen Abend ueber nicht ausreichend ausgeleuchtet. Aber man darf
auch nicht vergessen, das dies das beste Resultat war, was man visuell bekommen
konnte, und ausserdem dachte sich die Band, besser als nichts, und es waere doch
schoen, diese Aufnahme mit anderen Leuten weltweit zu teilen, die in diesem
Leben bestimmt nicht mehr in den Genuss kommen, die Band mal live zu sehen. Denn
die Stiffs spielen heutzutage nur dann mal wieder in Originalbesetzung, wenn man
die vier Bandmitglieder von der Zeit her unter einem Hut bekommt, und dann auch
nur in England. Der Sound hingegen ist erstklassig. Das entschaedigt für das
etwas dunkle Bild, denn Saenger und Gitarrist Phil Hendriks nahm sich
ausreichend Zeit, den Sound in seinem hauseigenen Studio zu mischen. Das
Ergebnis ist nicht zu toppen! Am Ende der Show ist dann noch ein Interview von
der Band „angehaengt“, was, so wie ich es verstanden habe, einen Tag vorm
Konzert aufgenommen wurde. Trotzdem Phil kein grosser Freund von dieser Art von
Interviews ist, hatte er sich von einem sehr guten Freund breitschlagen lassen.
Phil versicherte mir ausserdem, dass er die Haelfte von dem Interview selbst
auch kaum versteht, da in Blackburn wohl ein sehr harter Akzent gesprochen wird.
Ich als Laie verstehe kaum etwas, aber trotzdem hatte die Band jede Menge Spass
beim Interview, wie man sehr gut erkennen kann. Als ein grosser Freund von der
Musik der STIFFS und natuerlich der AUTOMATICS haette die Band ueberspitzt
gesagt, meinetwegen auch ohne Buehnenlicht auskommen koennen, denn hier gibt es
fuer mich nur die hoechste Bewertung frei zuschalten.
( * * * * * )
STRIKE ANYWHERE
„Dead FM“ CD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.de , Release Date: 04. September 2006 )
Es scheint so als wenn auch „Fat Wreck“ nun auf Papp-Promos umgestiegen ist.
Schade eigentlich, denn die fertige CD mit allem Schnickschnack verspricht
natuerlich den absoluten Hoergenuss. Richmond´s Strike Anywhere sind eine
weitere gute Melodic-Core-Band, die goldrichtig bei „Fat Wreck“ ist.
Pfeilgeschwind und rasant werden die 14 Songs ohne nervige Frickel-Passagen
durchgestiefelt. Irgendwo zwischen GOOD RIDDANCE, NOFX, BAD RELIGION kann man
ihren Sound einordnen. Da hab ich nix auszusetzen. Geht voellig in Ordnung für
mich.
( * * * )
THE TAILGATORS
s/t CD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 11. September 2006 )
Irgendwann in den ´80ern fanden sich the Tailgators im englischen Shrewsbury
zusammen und probten emsig in einer heruntergekommenen Garage. Als endlich genug
Stuecke am Start waren spielten sie zunaechst ihre kleinen Shows in der Umgebung
ihrer Heimatstadt. Schnell hatten sie sich Fans „erspielt“, die aber eher aus
der Scooter-Szene kamen. Lag es etwa daran, das die komplette Band auf
Lambrettas und Vespas unterwegs war? Ihren ersten wirklich groesseren Auftritt
hatten sie in Oswestry, als support von FRENZY. Durch diesen einen Auftritt
oeffnete sich wie durch Zauberhand auch die Pforten zur Pyschobilly-Szene. Und
schon bald spielten sie in regelmaessigen Abstaenden Konzerte in London, Leeds,
Sheffield und Birmingham. Chuck, die alte Flintstone-Socke von the FRANTIC
FLINTSTONES und damals seines Zeichen als Agent fuer „Link Records“ staendig auf
Brautschau nahm die Flat-Boys unter Vertrag. Und 1990 kam dann das erste Album
raus, was nun das CD-Debuet feiert. Darunter natuerlich die 14 LP-Tracks, sowie
der Bonus-Song „Doo Doo“ und fuenf Live-Aufnahmen aus Birmingham´s beruechtigtem
Club „Kaleidoscope“.
( * * * )

TERRORGRUPPE
„Rust In Pieces” CD
( Destiny Records / Destiny-Tourbooking.com , Release Date: 25. August 2006 )
Schade, dass es Archi, Johnny, Slash Vicious und S.M. West nicht mehr geschafft
haben, eine ganze CD voll mit 70er Glam-Hits einzuspielen. Denn die geniale
Coverversion von „Rock’n’Roll Loveletter“ hatte mich damals zu dieser aeusserst
kuehnen Aussage in einer eMail an Johnny hinreissen lassen. Und Johnny fand die
wohl janz jut. Wie auch immer, die Terrorgruppe hat ueber dreizehn Jahre lang
halb Punkrock-Deutschland mit ihren knackigen Buehnenshows und provokanter
Text-Wortwahl in Atem gehalten. Sie haben eindrucksvoll gezeigt, das
„Deutsch-Punk“ auch voellig anders funktioniert, zwar den dummen Bullen, den
bloeden Prollschweinen und den Scheiss-Nazis auch schoen auf die Fresse hauen,
aber nicht plump auf die Zwoelf, sondern ganz elegant und mit viel Charme
verpackt zum coolen Schwinger ausholen. Frei nach dem RIO REISER-Motto „Macht
kaputt, was euch kaputt macht“ walzten die Berliner Jungs durch unsere schoene
Republik und hatten ganz schnell ein treues Gefolge im Sack. Im November des
letzten Jahres verliess dann Archi Alert die Band. Der Schock sass tief! Somit
war die Terrorgruppe Geschichte! Um dem kollektiven Selbstmord tausender von
Terrorgruppe-Junkies vorzubeugen, erschien nun Ende August ihre
Abschieds-Scheibe in gaenzlich englischer Sprache formuliert, davon allein sind
11 Tracks ihres Album „Fundamental“ entnommen und in neuem musikalischen
Beinkleid(?) gehuellt worden. Yep, die Gemeinde ist wieder runter vom Turkey und
fein ruhig gestellt, hat sie sich doch „Rust In Pieces“ laengst ganz tief in die
noch vorhandenen fitten Venen gespritzt, und sind momentan auf einem Trip ins
kleine kunterbunte Zauberland wo der „Rambo III“ in „Satellite City“ mit „DeeDee“
und „Marylin“ auf die Jagd nach der „Hedonistic Salvation Front“ gehen. Gruesst
alle „Pinheads“ und auch den saubloeden „Hey Tough Guy” an der Ecke und erinnert
euch immer an die Worte: „The World´s Not Bad At All“. Mit dem Abgang der
Terrorgruppe ist sie nur ein wenig trostloser und freudloser geworden. Danke
Jungs! Und nun: Freibier fuer alle! Auch fuer mich? Okay! Hast Dir eins
verdient…..
( * * * * * )
TRASHCAN DARLINGS
„Getting Away With Murder“ CD
( East Side Records / EastSideRecords.de , Release Date: 01. September 2006 )
Einige Booklet-Pictures finde ich so was von daneben, und loesen bei mir eine
gewisse Fassungslosigkeit aus, aehnlich wie beim letzten Album von LARS
FREDERIKSEN & THE BASTARDS! Sick Sex & Violence Spielchen sells, you know...,
besonders das von Chris Damien Doll und Andy Hunter ist unterste Schublade!
Haben die Jungs das echt noetig? Vielleicht auch eine Generationsfrage? Wer
weiss das schon? Okay, der CD-Titel soll das Programm darstellen, hab ich schon
verstanden, aber ob das nun „kuenstlerisch wertvoll ist“ sei mal dahingestellt.
Auch das Coverbild mit den leicht bekleideten weiblichen „Leichen“ sagt mir
ueberhaupt nicht zu! Wenn ich es nicht besser wuesste, dann haette ich bei solch
einem aufgesetzten Poser-Bullshit schwer einen auf Rockstar-Metal-Gruetze
getippt. Musikalisch haut mich der „neue Sound“ leider auch nicht um! Wo
gottverdammt sind die unbekuemmerten Teenage-Hooks von der ersten full-length
„Episode 1: The Lipstick Menace“ nur abgeblieben? Und, dachte ich noch bei ihrer
letzten MCD „Peggy-Sue Is Dead“ das sie in dieser grandiosen Richtung like thee
TRASH BRATS meets TEENAGE HEAD weitermachen, dann kommt mir das neue Album wie
eine herbe Enttaeuschung vor. Die Stimme klingt grauenhaft entstellt und zu
allem Ueberfluss auch noch an manchen Stellen sehr Hardrock-belastet, die miese
Produktion ist auf „Garagen-Trash“ ausgerichtet, und die meisten Songs an sich
besitzen ueberhaupt keine Klasse bzw. Tiefe mehr! Wo sind die glasklaren
Gitarren und die wohldurchdachten Refrains nur hin, die ich auf der MCD so sehr
geschaetzt habe. Das Songwriting hat demzufolge stark nachgelassen, oder ist in
eine voellige andere Richtung abgedriftet. Haette ich niemals für moeglich
gehalten, das ich hier solch einen Verriss zu Papier bringen werde, aber die
Erwartungen waren nach einer solchen Hammer-MCD wirklich verdammt hoch! Und
genau das ist der Punkt! Natuerlich habe ich mich so richtig gefreut, als die CD
endlich im Briefkasten lag. Aber, wenn das Punk-Glam-Rock’n’Roll sein soll, dann
hab ich die ganzen Jahre in der Punkerschule nicht aufgepasst. Dann bin ein
Loser, der im Jahr ´77 sitzen geblieben ist, und ihr die Gewinner! Dann hat man
den RealShock endgueltig auf der abschuessigen Strasse ueberholt, wo ein
bestimmter Mode-Stil wohl langsam auch schon wichtiger geworden ist als die
Musik. Den Eindruck vermittelt mir diese CD. Leider! Nun sitze ich hier, hab
meine Enttaeuschung freien Lauf gelassen, und weiss nicht so recht, ob ich das
Teil nun so richtig scheisse finde oder nicht. Beeinflusst bin ich sicherlich
vom ultraschlechten fuckin´ Rockstar-Cover. Da gibt es ein ganz klares
Shit-Sternchen! Aber, da ich die Band noch nicht ganz abgeschrieben habe und den
Sound unabhaengig von den MYSPACE-FAKE-PICTURES hier mal bewerten sollte, dann
wuerde gerade noch so ein OKay bei rum. Und dabei belasse ich es dann auch! Man
Jungs, macht wieder Songs wie „Peggy-Sue Is Dead“!
( * * * )

V.A.: “ANTI-CAPITALISM” (Anarcho-Punk Compilation Vol. 4)
CD
( Overground Records / OvergroundRecords.co.uk , Release Date: 09. Oktober 2006
)
Call, me a lazy bastard, aber die Review koennte genauso beginnen, wie die unter
den Titeln „Anti-War“, „Anti-State“ oder „Anti-Society“: „Es war einmal vor sehr
langer Zeit, da trieben auf den Strassen im englischen Koenigreich Unholde und
Schelme ihr Unwesen und versetzten das Land in eine Art Schockzustand. Sie
nannten ihre kleinen Banden LIVING LEGENDS, ATOMIC FILTH, ANARKA AND POPPY, COLD
WAR, LEGION OF PARASITES, EPILEPTICS, TEARS OF DESTRUCTION, KULTURKAMPF, CRAVATS,
SLAUGHTER OF THE INNOCENT, FREEBORN, HEX oder ANTISECT. Von der Gemeinschaft
verstossen bauten sie ein Netzwerk im Untergrund auf und liessen das was sie zu
Sagen hatten auf kleinen Buehnen in noch kleineren Clubs auf musikalische Art
frei nach Schnauze raus. Ein politischer Denkprozess hatte in dieser
ueberschaubaren Gemeinde eingesetzt und es gab so viel Unrecht auf Englands
Boden, gegen den es sich lohnte zu kaempfen. Sehr anschaulich wurde das auch
schon in der Booklet-Einleitung vom ersten, zweiten und dritten Teil, von Sean
McGhee vor Augen gefuehrt, dem damaligen Saenger der Band PSYCHO FACTION und der
auch mitverantwortlich bei der Zusammenstellung dieser CD-Reihe war. Diesmal
allerdings hat sich Penny Rimbaud von CRASS ins Zeug gelegt. Und auch wenn der
politische Anteil bis auf den heutigen Tag immer kleiner wurde, gibt es
mittlerweile ueberall auf der Welt Punkrock-Bands, die sich auf die damaligen
Vorreiter und Nachfahren der CRASS- und CONFLICT-Punx berufen und ihrer extrem
politischen Haltung folgten. Gut, das „Overground Records“ diese einmalige
insbesondere auf England ausgerichtete Erscheinung neu aufgerollt hat. In der
Aufmachung und in der Durchfuehrung gleicht der vierte und auch finale Part
dieser Anarcho-Punk Compilation dem der „Bored Teenagers“-Sampler-Reihe von
Dizzy Detour. Mit der Liebe zum Detail werden die insgesamt 23 Bands und ihre
Darbietungen in Text und Bild festgehalten. Auf jeden Fall wieder ein brillanter
Job von „Overground Records“.
( * * * * * )

V.A.: „BORED TEENAGERS VOL. 4”
CD
( Bin Liner Records / Detour-Records.co.uk , Release Date: 17. Juli 2006 )
Gut fuenf Jahre war die vierte Ausgabe der ersten bzw. zweiten Generation an
gelangweilten britischen Teenager in Arbeit. Und wieder mal beweist das kleine
Platten-Label aus West Sussex, das sich die lange Wartezeit mehr als nur gelohnt
hat. Eine Zusammenstellung von voellig unbekannten Bands aus den Jahren ´77 -
´82. Insgesamt 18 Beitraege, davon neun von Singles und der Rest stammt von
Demo-Tapes, dessen Restaurierung sehr viele Arbeitsstunden bedeutete. Ausser der
Gruppe the MACHINES, von denen ich die ´78er-EP “True Life” habe, sagen mir die
anderen Combos; the ORDINARYS (> Vier gnadenlos brillante PowerPop-Demos,
aufgenommen im Sommer ´78. Schafften es nie zu einer Vinyl-Veroeffentlichung!
Unglaublich! <), the RUNNING SORES, LOW PROFYLE (> Spielen von the STRANGLERS „Hangin´
Around“ <), PUBLIC PISSTAKE (> Jimmy Pursey am Gesang und Backin´ Band the
PRETENDERS, allerdings ohne Chrissie Hynde. Bandname sowie der Songtitel war als
Anlehnung an die erste Single von John Lydon´s PUBLIC IMAGE LTD. gedacht. <) the
CANE (> Kirk Brandon´s erste Band vor the PACK. <), ELEVATORS (> Mit „Your I’s
Are Too Close Together“ war ihnen 1980 ein grossartiger PowerPop-Smasher
gelungen. <), the STEROID KIDDIES und the INTROZE rein gar nichts!!! Wie auch
schon auf den drei Vorgaengern, wurden die Aufnahmen ausdruecklich in
Zusammenarbeit und der offiziellen Zusagen der einzelnen Bands veroeffentlicht.
Das macht die CD erst so richtig sympathisch, und wird dem Leitspruch „Fighting
Against The Bootlegers“ ein viertes Mal erfolgreich gerecht. Im Booklet sind
ausfuehrliche Schluesselerlebnis von den Bands aktuell nachzulesen, die mit
Uralt-Fotos aus der Punk Rock Kiste vom Dachboden unterstrichen werden. Der
fuenfte Teil soll auch schon in Arbeit sein. Great punk rock work again, Dizzy!
( * * * * * )
V.A.: „THE SPEEDFREAKS BALL“
DVD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 03. September 2006 )
Die erste “Captain Oi!”-DVD! Um ehrlich zu sein hatte ich da eine etwas andere
Zusammenstellung erwartet. Aber was solls, wir sind ja hier nicht auf einem
Wunschkonzert. Und so muss ich halt den Tatsachen ins Auge schauen. Gefilmt
wurden die 29 Darbietungen Mitte November des letzten Jahres im „Pontins Holiday
Centre“ von Hemsby im englischen Great Yarmouth, waehrend der ersten „Speedfreaks
Ball“-Veranstaltung. Die geladenen Buehnengaeste an dem verlaengertem Wochenende
waren CRASHED OUT, GUNS ON THE ROOF, COFFIN NAILS, GOLDBLADE, JAXY & THE 357´s,
LONG TALL TEXANS, ARGY BARGY, SKABILLY REBELS, GUANA BATZ, SECTION 5, RIFFS,
RESTLESS, the BUSINESS und BAD MANNERS. Also ein bunter Mix aus Ska-,
Psychobilly-, Oi!- und Punkbands. Wobei ich zu meinem Bedauern feststellen muss,
dass reine Punkrock-Bands klar in der Minderheit sind. Nun, den Besuchern war
das aber schnurz piepe egal. Sie tanzten ausgelassen zu (fast) jeder Band. Fuer
mich sind solche United-Dinge stets ein regelrechter Alptraum gewesen! Warum bin
ich wohl nicht zum diesjaehrigen “Sounds Of The Suburbs”-Festival nach Essen
gefahren? Weil mich keine einzige Band interessiert hat, ausser natuerlich the
BOYS und the KIDS. Und so habe ich auch erhebliche Probleme mit dieser DVD hier.
Einzig und allein GOLDBLADE rettet fuer mich den Abend, der Rest sagt mir als
aufgeschlossener und super-toleranter Idioten-Punk einfach nicht zu.
( * * * )
V.A.: „MAXIMUM Oi!“
DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 25. September 2006 )
Diese DVD mit einer Laufzeit von exakt 100 Minuten teilen sich die beiden ´80er
Oi!-Bands the OPPRESSED und the WARRIORS (aka the LAST RESORT). Aufgenommen 1996
im englischen Cardiff vor einer Kulisse von 500 lustig abgehenden Zuschauern,
servieren sie ihre „Best-Of“-Hits in einer akzeptablen Ton- und Bildqualitaet.
Angereichert noch mit einigen Interviewpassagen. Nun zum ersten Mal wird der
Mitschnitt, den das Punk-Video-Label „Visionary“ damals gemacht hatte, auf DVD
veroeffentlicht.
( * * * )
WHITE DEMONS
„Say Go” CD
( Sonic Swirl Records / SonicSwirlRecords.com , Release Date: 28. Mai 2006 )
Die White Demons aus Phoenix Rock-Szene entsprungen und die ihre erste Show 2004
spielten, will mir das Label doch tatsaechlich als klassische Punk’n’Roll-Band
unterjubeln, wobei auch Vergleiche zu the DAMNED(!!!!!) und the DEAD BOYS(!!!!!)
herhalten muessen. Nee, mit den beiden Bands haben die White Demons aber so was
von absolut nix mit zu schaffen!!! Echt ´ne Frechheit, die ueberhaupt im
Info-Sheet zu erwaehnen. Was leiden doch so einige Leute an Geschmacksverirrung!
Unglaublich!!!!! Das was man hier naemlich auf dieser 10-Song-CD zuhoeren
bekommt ist hochgradig stinklangweiliger Mainstream-Rock, der beschissenen 80er,
der in jede Spandexhose und in jede Fransenjacke passt. Mir wird richtig
schlecht bei diesen aetzend hohen Gitarrensolis und dem schrillen Gesang. Fuckin´
AC/DC-, fuckin´ AEROSMITH- und fuckin´ GUNS ’N ROSES-People koennen sich aber
ruhig angesprochen fuehlen, obwohl die sich sicherlich nicht auf solch eine
PxRx-Seite verirren.
( * )
YELLOW CAKE
„Fasten Your Seatbelt“ CD digi-pak
( Trash 2001 Records / Trash2001.de , Release Date: Juni 2006 )
Das schon zweite Album der Band hat „Trash 2001” so gut gefallen, das sie es in
ihre Promo-Arbeit aufgenommen haben. Nun, die 12 Tracks sind auf jeden Fall
ziemlich druckvoll und mit dem noetigen Energieschub im Studio aufgenommen
worden. Da kommt man nicht sofort drauf, dass die Band in der Umgebung von
Duisburg beheimatet ist. Da kann man auch spontan auf die Westkueste der USA
tippen. Richtig, wir bewegen uns im Melodic-Punk-Core-Sound, der auch feine
Facetten der Melancholie besitzt. Da koennten FACE TO FACE ganz schnell ins
Gespraech kommen, aber da hat Yellow Cake natuerlich auch noch ein Woertchen
mitzureden. Denn ihr Sound orientiert sich fuer meine Begriffe leider zu sehr an
rockige Stop- and Go-Passagen. Ich habe es schon (zu) oft in anderen Reviews
erwaehnt, ich find das kommt bei jeder noch so musikalisch guten Band aus diesem
Genre einem Todesurteil gleich. Aber, wie schon erwaehnt, Yellow Cake hat jede
Menge Potential. Das sollte man ihnen dann auch zum Schluss zu Gute heissen.
( * * * )