So, hier nun das Update fuer August. Das Update fuer September erfolgt Anfang Oktober 2008. Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.

ADRENALIN O.D.
„The Wacky Hi-Jinks Of…“ DoCD
( Chunksaah Records / Chunksaah.com , Release Date: 26. August 2008 )
Aus der Rubrik „Als Hardcore noch Hardcore war“
praesentiere ich an dieser Stelle die offizielle CD-Erstveroeffentlichung des
full-length Debuets von New Jersey´s ADRENALIN O.D., oder aber auch besser unter
ihrem Kuerzel A.O.D. bekannt. Durch den ehemaligen Schlagzeuger der Band, Dave
Scott, der zu meinen „MySpace-Freunden“ zaehlt, bekam ich per „Bullet“ die
Neuigkeit von dieser Veroeffentlichung reingereicht. Nach kurzem „E-Small-Talk“
und meiner Anfrage, die CD besprechen zu wollen, wurde ich direkt an das
Platten-Label weitergeleitet. Auch dort gab es keine Anstalten von Maetzchen
wegen meiner Bitte und schon nach einer Woche lag ein Exemplar bei mir
wohlbehalten im Briefkasten. So sollte es eigentlich immer sein! Aber da werden
ja heute die unmoeglichsten Unterschiede bei diversen Platten- und Promofirmen
gemacht, so dass ich es aufgegeben habe mit so einigen tollen Hechten aus diesen
Branchen weiter zusammen zuarbeiten. Lohnt sich nicht, diese Egos auch noch zu
pushen. Aber dieses Thema sollte nicht Gegenstand dieser Review sein, da werde
ich mich demnaechst mal wieder auf meinen „Real Shocks Words“ zu auslassen. Um
jetzt aber nichts zu beschoenigen, ich hatte die Original-Vinylpressung der „The
Wacky Hi-Jinks Of…“ von anno ´84 tatsaechlich schon einmal in meinem Besitz,
verkaufte sie dann aber fuer verdammt gutes Geld, nach dem der allgemeine
HC-Boom vorbei war und das Teil sich in sehr kurzer Zeit schon zu einem
Sammlerstueck entwickelte. Trotzdem hat mich der Hardcore aus den Staaten von
Anfang an ziemlich im Bann gehalten. Ich kaufte alles, was ich in die Finger
bekam. Und in dem speziellen Zeitraum fand ich auch viele Bands wirklich gut.
Doch die Musik wirkte bei mir nicht nach. Das war wie eine von diesen
klassischen Momentaufnahmen. Nun, nach all den Jahren wollte ich es aber noch
einmal genauer wissen, um mit dem gewissen Abstand zu erfahren, ob ich damals
wirklich so falsch gelegen habe. Schon nach den ersten Ansaetzen verlor ich
allerdings und zu meinem Bedauern ganz automatisch das Interesse an A.O.D. Der
Hoellen-Sound von einem Benzin betriebenen alten Rasenmaeher kommt den Aufnahmen
von A.O.D. ziemlich nahe. A.O.D. maehen durch ihr Material, als wenn sie die Axt
im Walde gerade neu erfunden haben. Ganzkoerper-Einsatz ist bei diesem
Endlos-Massaker dringend erlaubt! Wacken wirkt dagegen so harmlos wie
Barbieland! Und wenn ich mir noch einen Vergleich erlauben darf, moechte ich das
Buch von Martin Buesser „If The Kids Are United“ heranziehen, indem der
Schreiber sich im Vorwort fuer die „Wissenschaftlichkeit der Sprache“
ausdruecklich entschuldigt. Aber vielleicht konnte er auch gar nicht anders,
wenn man bedenkt, dass er bei den Arbeiten zu dem Buche gerade mitten im Studium
fuer Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft steckte. Zum
besseren Verstaendnis: Der Autor dieses Buches legt den Schwerpunkt auf die
Entstehungsgeschichte des amerikanischen Hardcore. Es liest sich mit all seinen
nicht gerade alltaeglichen Fremdworten wie eine eitle Doktorarbeit oder wie ein
anstrengender Lernstoff zu bevorstehenden Pruefungen. Also, im krassen
Widerspruch zu dem was Hardcore einst mal verkoerperte. Musik von der
primitivsten Sorte runtergepruegelt und mit einfachsten gestrickten Worten
notduerftig zusammen gehalten. Verstaendlich fuer jedermann, fuer Kids, die
nicht gerade die hellsten Leuchten waren, wie es juengst so einige Beispiele im
Film von Steven Blush „American Hardcore“ auch heute noch gnadenlos offen legen.
Bisschen hinterm Mond zu leben ist sicherlich kein Verbrechen, aber bitte schoen
sollte es auch keine Intelligentsbestie oder Jemanden mit Klugscheisser-Syndrom
sein. Der Mittelweg sollte es in der Regel richten. Nicht bei jedem Thema
mitreden, aber trotzdem Bescheid wissen, was in der Welt so vor sich geht.
Uebrigens, besagter Filmemacher bekommt im Vorwort zur CD von Jim Testa (Editor
des „Jersey Beat Magazine“) mit einem „Fuck You“ sein Fett weg, aus dem ganz
einfachen Grund, weil A.O.D. in seinem Film keine Rolle spielen. Und das, obwohl
A.O.D. die nachkommende Hardcore-Punk-Welt gravierend beeinflusste. Und genau
das, sollte man dieser Band unbedingt zu Gute kommen lassen. Und deswegen ist
diese Release auch so elementar wichtig, um in die Hirne von den heutigen Kids
einzudringen, die es doch eher mal mit A.O.D. versuchen sollten, als mit so
manchen seelenlosen Possen-Gangs, die sich ihrer Combo Hardcore auf die Fahne
schreiben.
( * * * * )

BEN COOPER
„Rockin´“ CD
( Cherry Pie Recordings / CherryRed.co.uk , Release Date: 14. Juli 2008 )
Wer zur Hoelle ist Ben Cooper, fragt sich der sichtlich verwirrte Real Shock
beim Anblick dieser CD hier. Nun, Ben Cooper war Gruendungsmitglied und
Schlagzeuger der 80er Neo-Rockabilly Band RESTLESS. Ben Cooper schrieb damals
fuer die Band die meistens Songs. Das hat sich auch bis zum heutigen Tage nicht
geaendert. Nur mit dem Unterschied, das er jetzt solo unterwegs ist und nun auch
sein erstes Werk auf „Cherry Pie Recordings“ praesentiert. Um das Album gut zu
promoten hat er allerdings wieder extra eine Band gegruendet. Auf „Rockin´“ gibt
es insgesamt 12 Tracks, die sich klar dem alten sowie neuen Rockabilly-Sound
widmen. RESTLESS-Kenner werden genuesslich mit der Zunge schnalzen.
( * * * )

FIELDS OF THE NEPHILIM
„Paradise Regained” DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 30. Juni 2008 )
Gegruendet 1984 in Stevenage, Hertfordshire machte sich die Band auf den
Weg, um im Laufe der Spaet-80er zu einer der erfolgreichsten britischen
Gothic-Bands aufzusteigen. Ihre bizarre Mischung aus duesterem Todmacher-Sound
und dem Element des Western-Chic zog jede Menge merkwuerdiges Publikum an. Auf
dieser DVD ist ein Live-Auftritt mit einer Spielzeit von 65 Min. zu sehen, der
Anfang der 90er in Duesseldorf aufgezeichnet wurde.
( * * * )

GOLDBLADE
„Mutiny” CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 01. September 2008 )
Ich hoffe ja mal nicht, das „Captain Oi!“ nun komplett auf Papp-Promos
umstellt, und das dies hier beim mittlerweile sechsten Goldblade-Studioalbum,
wenn man die „Best Of“-CD mitzaehlt, eine einmalige Ausnahme war. Was wird
erwartet oder besser gefragt was kann man erwarten? Goldblade setzen zu meinem
Entsetzen auf die vorgeschriebenen Regeln, die im aktuellen Punk-Geschaeft
modern geworden sind und mit denen man einen gewissen Erfolg vorbuchen kann. Da
werden alle moeglichen Musik-Stile lustig miteinander verbunden, wobei besonders
der Country & Western-Anteil und der von Whiskey durchtraenkte Folk unbedingtes
Heimrecht geniessen. Ich komme mir vor wie auf einer Abzocker-Butterfahrt! Oder,
als wenn man auf sein Salamibrot dick fett Nutella schmiert. Aber solche
Geschmacksverirrten soll es auch geben. Da ist nun mal eben alles drin, was den
Punker, den Greaser und die kunterbunt taetowierte Welt der MySpace-Fraktion von
heute gleichermassen zufrieden stimmt. Gibt man sich hier bereits schon
geschlagen? Goldblade hatten zu Anfang das Zeug die neuen RUTS zu werden, haben
dann aber eher mit dem Greaser, der ein TURBO AC´s-Shirt traegt geliebaeugelt.
Vom reinen Punkrock-Stuff hat sich Goldblade nun endgueltig losgesagt und so
bestimmen kraftvoll vorgetragene, aber voellig einfallslose und fuerchterliche
Schunkel-Schlachtrufe diese Scheibe. Und das ist genau der Sound, den ich von
Goldblade natuerlich am allerwenigsten hoere wollte. Wo bleibt die Intelligenz
frueherer Scheiben? Nur der Opener „Jukebox Generation“ erinnert ein wenig an
bessere Zeiten. „Mutiny“ ist der optimale Sound-Track zu einer zuenftigen
Massenschlaegerei besoffener Hirnloser im Westernsalon. Haette ich nie und
nimmer mitgerechnet, das Goldblade so kolossal mal abstuerzen werden. Im
Anschluss hoere ich mir dann doch ganz schnell lieber einige Smash-Hits von
ihrer „!Drop The Bomb!“-CD an, um mein musikalisches Punkrock-Gleichgewicht
wieder zu erlangen.
( * * * - )

LAG WAGON
„I Think My Older Brother Used To Listen To LagWagon“ MCD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.com , Release Date: 15. August 2008 )
LagWagon in ihrer gewohnt frischen und unbekuemmerten Art. Diesmal reichte
die Zeit allerdings nur fuer eine MCD mit sieben Tracks, die aber doppelt gut
reinpfeffern. Die DESCENDENTS, BAD RELIGION und NOFX lassen dabei wie immer
ihren musikalischen Fingerabdruck zurueck.
( * * * * )

THE LEGENDARY RAW DEAL
„Outlaw Man” CD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 14. Juli 2008 )
Das dritte Solo-Album von METEORS-Chef P. Paul Fenech. Urspruenglich schon
1997 auf „Vinyl Japan“ veroeffentlicht, kommt es nun auf „Anagram“ knapp elf
Jahre spaeter ein zweites Mal raus. 13 Songs, darunter auch Cover-Versionen von
JIMMY WAGES und RAY HARRIS. Klar, diese Namen sagen mir auch nicht viel. Ein Mix
aus Rockabilly und den typischen Psychobilly-Klaengen, die man sonst so von THE
METEORS gewohnt sind.
( * * * )

LONDON COWBOYS
„Relapse“ DoCD
( Jungle Records / Jungle-Records.com , Release Date: 08. September 2008 )
Scheint so, als wenn ich bei Label-Boss Alan Hauser ein Stein im Brett habe.
Der gute Mann hat mich bisher nicht aus seiner Bemusterungs-Liste
gestrichen. Und so bekam ich ohne jegliche Ankuendigung eine „Best
Of“-Zusammenstellung, verbunden mit bisher unveroeffentlichtes Material der
London Cowboys zugesandt. Mit dieser Band wurde ich allerdings schon in ihrer
aktiven Zeit nie wirklich warm und das hatte natuerlich auch seinen ganz
speziellen Grund. Musikalisch war mir die ganze Chose einfach zu lahm
vorgetragen. Da konnten auch solch vertrauten Namen wie Tony James (GENERATION
X), Terry Chimes (THE CLASH), Sylvain Sylvain (NEW YORK DOLLS) und JOHNNY
THUNDERS nichts dran drehen, die als Gastmusiker dort ein- und ausgingen. Zum
harten Kern der Band gehoerten SEX PISTOLS-Bassist Glen Matlock, und allen voran
das Gespann Steve Dior und Barry Jones. Letztgenannter managte uebrigens
gemeinsam mit Andy Czezowski den „Roxy Club“, das damalige Mekka des Punk Rock.
Aber es gibt auch zu den London Cowboys noch eine gewisse Vorgeschichte zu
erzaehlen. Als Drummer Jerry Nolan die HEARTBREAKERS verlassen hatte, gruendete
er gemeinsam mit Steve und Barry ziemlich spontan THE IDOLS, die in New York
dann mit Arthur „Killer“ Kane (Ex-Basser der NEW YORK DOLLS) zusammen kamen.
Flugs wurde eine Single eingespielt, dessen Songs „Girl That I Love“ und „You“
auf der ersten CD als Bonus-Tracks vertreten sind und den Hoehepunkt dieser
Release ausmachen. Und natuerlich laengst im „Killed By Death“-Olymp avanciert
sind. Gleiches gilt eigentlich auch fuer zwei weitere Bonus-Tracks die die
zweite Disc abschliessen. Hierbei handelt es sich um unveroeffentlichtes
Demo-Material der Band. Tja, und der Rest? Wie schon zu Anfang erwaehnt fehlte
es den spaeteren Nachfolgern doch einiges an Schnelligkeit. Die London Cowboys
klangen in den meisten Faellen wie die NEW YORK DOLLS, allerdings mit
angezogener Handbremse und weitaus harmloser. Schade, und das bei den
musikalischen Vorgeschichten. Und irgendwie werde ich das Gefuehl auch nicht
los, das besonders Steve Dior so ein wenig den Schickimicki hat raushaengen
lassen. So ein Moechtegern-Johnny Thunders, you know…., kann aber mit meiner
Vermutung auch voellig daneben liegen. Insgesamt erwarten den willigen
Konsumenten 31 Songs und ein sehr informatives Booklet mit einer Menge an
Background-Informationen. Allein die vier IDOLS-Songs retten hier ein viertes
Sternchen dazu.
( * * * * )