So, hier nun das Update fuer April. Das Update fuer Mai erfolgt Anfang Juni 2009. Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.

BARETTA LOVE
„Promise I´ll Be Fine“ 7“ 3-song-e.p.
( Wanda Records / WandaRecords.de , Release Date: April 2009 )
Solider und gut produzierter pUnK rOcK mit teilweise schoen anzuhoerenden
Passagen, so klingt die erste Single des Trios aus Magdeburg. Die Jungspunde
bedienen sich dabei hauptsaechlich an Werken der CLASH, SWINGIN´ UTTERS und
RANCID, aber auch von deutschen Bands kann man sich eine Menge abschauen, denn
THE REVOLVERS oder FRONTKICK koennte man auch durchaus als Einfluss gelten
lassen. So gesehen hinterlassen die drei Songs einen recht sympathischen
Eindruck, wenn auch nicht wirklich bleibend. Doch fuer ein erstes Stelldichein
ist ihre 7“inch absolut im gruenen Bereich anzutreffen. Uebrigens, von der Optik
her fand ich die Single im eingeschweissten Hard-Cover als aeusserst gelungene
Idee. Kennt man ja sonst nur von LP-Scheiben.
( * * * * )

BIG JOHN BATES
„Bangtown“ CD
( Rookie Records / RookieRecords.de , Release Date: 08. Mai 2009 )
„Bangtown“ ist das bereits vierte Album von John Bates, der Vancouver seine
Heimat nennt. Wie man sicherlich schon am Cover erkennen kann, dreht es sich bei
der Musik eher um ein Arrangement, das vielerlei Richtungen unterworfen ist.
Spooky Rock’N’Roll bildet die Basis, auf denen sich Blues, Rockabilly und auch
der Punkrock ins Gefuege einbringen. Dabei wird Mr. Bates von den musikalischen
Maechten von Bands wie den CRAMPS, den STRAY CATS und SOCIAL DISTORTION immer
wieder heimgesucht. So sind 13 Tracks entstanden, die sagen wir mal, voll im
Trend liegen und den Bettie Page-Fakes und Johnny Cash-Posern durchaus ein
Laecheln auf das Gesicht zaubern. Fuer Live-Veranstaltungen zieht Mr. Bates noch
ein ganz besonders Bonbon aus dem Hut! Die beiden Profi-Taenzerinnen Little Miss
Risk und L'il Luvroc sorgen mit einer ausgekluegelten Choreografie unter dem
Namen „The Voodoo Dollz“ fuer die Showbegleitung.
( * * * )

BOOZED
„One Mile” CD
( Chequers74 / NetInfect Promotion , Release Date: 08. Mai 2009 )
Dieser Sound klingt nach Friedhof. Sind solche Combos Ende der 80er nicht
ein fuer allemal eingesargt worden? Nein, natuerlich nicht! Denn sie wurden bei
jeder sich bietenden Gelegenheit immer wieder mit blossen Haenden ausgebuddelt.
Danach wie in einem schlechten „Frankenstein“-Film fit gemacht, um auf die
Menschheit losgelassen zu werden. Die Grabschaender von AC/DC (wie oft hat wohl
schon Angus sein „Highway To Fuckin´ Hell“ zehn Meter unter der Erde zum Besten
gegeben?) und MOTORHEAD (Lemmy, von den Erloesten zum wievielten Male
wiederauferstanden?) hoeren heute auf Namen wie HELLACOPTERS (RIP), GLUECIFER (RIP),
TURBONEGRO (near RIP) oder PSYCHOPUNCH. Und zugegeben Boozed aus heavy heavy
Germany stellen sich mit Spitze und Schaufel den skandinavischen Raubeinen
erfolgreich in den Weg. Auch sie wollten Angus, Lemmy und wie sie alle heissen
mal was Gutes tun! Boozed rockern sich kuttenfrei durch die Analen der
Hardrock-Geschichte. Das Ergebnis „One Mile“ ist fluessig gespielte Rockmusik.
Die Gitarrenmenschen moegen es dabei auf der Buehne gerne breitbeinig. Sollen
sie haben. Fuer die Headbangers ist allerdings nicht fuer genuegend Haare
gesorgt worden. Welch ein Glueck!
( * * * - )
THE BOTTROPS
„Entertainment Overkill“ CD digi-pak ( LP-Version bei Rookie Records )
( Destiny Records / Destiny-Tourbooking.com , Release Date: 24. April 2009 )
Nach ihrem ersten grandiosen Longplayer war die Spannung auf den Nachfolger
schon dementsprechend hochgeschraubt. Und so leid es mir auch tut, denn nahtlos
anknuepfen kann „Entertainment Overkill“ nur bedingt. Der zweite Teil aus dem
Versuchslabor der Bottrops hat trotzdem natuerlich seine starken sowie ziemlich
originellen Seiten aufzuweisen. Und mit denen fange ich mal an. Als ich die CD
in Haenden halte, erinnert mich die Art und besonders die Farben des Covers
sofort an eine andere Punk-Scheibe. Knapp zwei Tag sollte es dauern bis ich
darauf kam. Deshalb wohl etwas laenger, weil ich diese Platte nicht selbst
besitze. Aber wer schon mal das LP-Cover zu „Minutes To Go“ der daenischen SODS
aus dem Jahre ´79 gesehen hat wird mit mir sicherlich frueher oder spaeter
uebereinstimmen. Klar, die SODS wollte ich schon damals immer haben, aber es war
nicht so leicht fuer einen Kleinstadtpunk (nicht Dorfpunk!) da wirklich ran
zukommen. Vor knapp drei Jahren ungefaehr entdeckte ich im Internet, das die LP
mittlerweile auch auf CD erschienen ist. Allerdings auf einer daenischen Seite
und ausverkauft war das gute Stueck auch schon. Nun denn, waere das mit dem
Cover geklaert. In ihren 16 Songs wird als Schwerpunkt das Thema „Unterhaltung“
ausfuehrlich behandelt. Dabei wurden jede Menge Schreibtisch-Attentaeter dazu
gebracht, u.a. Jerk Goetterwind + Klaus N. Frick (die anderen Namen sagen mir
nix!), sich ebenfalls Gedanken zumachen, um kleine Geschichten zu jedem Songtext
auf Papier zu bringen. Hat einen sehr kultivierten Nebeneffekt wuerde ich mal
meinen. Musikalisch geht es mit den ersten beiden Songs direkt nach vorne in die
ersten Reihen. „Traegheit der Masse“ + „Die Grossen der Geschichte“ kuendigen
allerdings auch einen rapiden Wandel zum ersten Longplayer an. Was mir am
Erstling so gut gefallen hat, ist auf dem Nachfolger nicht mehr wirklich zu
vernehmen. Und zwar hatte das erste Werk ein voellig eigenstaendiges Ding am
Laufen, man legte verdammt lange Wege in die Vergangenheit zurueck, wo es Bands
wie MALE, MITTAGSPAUSE und KFC noch gab. Ich vermisse auf dem neuen Album solche
Knaller wie „Von A – Z“, „Hochhaus-Girl“ oder „Reduziert“. Das hat mir
persoenlich einfach alles viel mehr zugesagt. Aber nicht das hier der Eindruck
entstehen soll das ich „Entertainment Overkill“ vom musikalischen Standpunkt aus
gesehen entmuendigen will. Salopp gesagt koennte es sich auch ohne weiteres um
ein aktuelles TERRORGRUPPE-Album handeln, aber das waere bei genauerer
Ueberlegung ja nun doch ein wenig zu einfach, um mich evtl. aus der Affaere zu
ziehen. Denn da sind dann doch zu viele musikalische Abweichungen vorhanden. Das
britische 77er pUnK/rock-Motherboard ist bei den Bottrops allgegenwaertig! Beim
„Wandertag“ z.B. hat man das Intro von „Holidays In The Sun“ geschickt
eingebaut. Scheint sich mit dem Einstreuen von SEX PISTOLS-Fragmenten als „Running
Gag“ bei der Band zu entwickeln, wir erinnern uns gerne an den Song vom ersten
Album, „Eure Probleme“ wo man ihn mit „Problems“ hat ausklingen lassen. Und beim
„Der Stau“ hoere ich alle moeglichen Bands fast gleichzeitig raus, wie etwa THE
JAM, BUZZCOCKS und MAGAZINE. Verpackt im schnieken aufwendigen Digi-Pak ist das
aktuelle Werk unterm Strich trotz meiner bescheuerten Vorbehalte (interessiert
doch eh keine Sau, was ich hier so in die Tasten haue!) ein absolut
repraesentativer Nachfahre der Bottrops!
PS: Hab mir mal erlaubt auch das SODS-Cover mit abzubilden! Nur so zum
Vergleich, you know….
( * * * * + )

COCK SPARRER
„Guilty As Charged – 2009“ CD
„Two Monkeys – 2009” CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: Maerz 2009 )
Cock Sparrer spielten ihre erste Show auf deutschen Boden Anfang der 90er in
Moenchengladbach. Soweit ich mich erinnern kann war auch nur das eine Konzert
geplant gewesen. Die Karten waren in Rekordzeit verkauft. Auch ich ueberlegte
kurz hinzugehen, doch der ganze Skinhead-Trubel war mir dabei nicht ganz
geheuer. Denn man wusste zu dem Zeitpunkt wirklich nicht, was da am besagten
Abend auflaeuft. Nun, von anwesenden Bekannten, erfuhr ich dann, dass auch
einige Drecks-Rechte auftauchten, die aber schnell aus der Halle geboxt wurden.
Ansonsten war man gekommen um die Band zu feiern und wirklich richtigen Aerger
gab es gluecklicherweise auch nicht. Schwer beeindruckt von diesem
Erfolgserlebnis stiegen die Sparrer´s ein zweites Mal ins Punkrock-Biz ein. Das
Hamburger Label „Bitzcore“ nahm sie fuer ihr Comeback-Album „Guilty As Charged“
1994 unter Vertrag. Eine Tour mit der deutschen Band VULTURE CULTURE folgte.
Cock Sparrer blieben weiter im Geschaeft und drei Jahre spaeter kam eine weitere
LP mit dem Namen „Two Monkeys“, ebenfalls auf „Bitzcore“ raus. Den Machern vom
Konzert in Moenchengladbach sowie vom „Bitzcore Label“ verdanken Cock Sparrer
ihr so triumphierendes Comeback. Heutzutage haben sie den Status einer noch
existierten Kult-Band laengst erreicht. Ihre Studioaufenthalte und ihre
Live-Praesenz laufen dabei eher auf wohl dosierte Sparflamme. Das macht sie bei
jung und alt so beliebt und die Band verkommt somit nicht im alltaeglichen
Trott. „Captain Oi!“ muss anscheinend schon eine ganze Zeit hinter einer
Re-Issue der beiden Alben her gewesen sein. Da „Bitzcore“ heute mit TURBONEGRO
wahrscheinlich genug zu tun hat, war ihnen klar, das die beiden Scheiben beim „Captain
Oi!“ bestens aufgehoben sind. Und das Label hat es sich neben den normalen „Re-Issue“
deluxe Standards nicht nehmen lassen die Baender der urspruenglichen Aufnahmen
komplett neu abzumischen. Das war wohl auch dringend noetig gewesen, da die
damalige Produktion wohl ziemlich schlecht gewesen sein muss. So begaben sich
also Gitarrist Daryl Smith und Ex-VIBRATORS/BOYFRIENDS Pat Collier in die „Perry
Vale Studios“ um den insgesamt 32 Songs (wenn ich mich nicht verzaehlt habe) ein
frischeres Antlitz zu verleihen. Bei der „Guilty As Charged“ wurden die vier
Tracks der EP „Runaway“ als Bonus angefuegt. Die Bonus-Songs der „Two Monkeys“
gestalten sich durch vier bisher unveroeffentlichte Live-Werke von einer Show im
Jahr 2000 aus San Francisco. Auf der „Two Monkeys“ deuten Cock Sparrer mit dem
letzten Song „Goodbye“ auf ihre bevorstehende Aufloesung hin. Dass sie es sich
noch einmal anders ueberlegt haben wissen wir ja nun. Fast so wie die Stones…..
( * * * * + )

EX HUMANS
„Chicane“ 7“
( Full Breach Kicks / FullBreach77.com , Release Date: Februar 2009 )
pUnK rOcK kann so herrlich schoen einfach sein! Wie oft habe ich diesen Satz
in ueber „20 Jahren Review schreiben“ schon ueber die Lippen gebracht oder
besser formuliert in die Tasten gehauen? Zugegeben seit Beginn der
Jahrtausendwende eher weniger, denn da fing es an, das der Punkrock-Ursprung mit
soviel musikalischen Duennschiss uebergossen wurde, das es manchmal in der Seele
richtig weh tat. Die 70er-Bands wurden vielfach uebergangen oder oft genug
komplett entsorgt. Aber lassen wir das Thema. Sonst regt sich der Real Shock nur
wieder unnoetig auf! Die Ex Humans, die vorher in Gruppen wie CARBONAS, BEAT
BEAT BEAT und the STAR SPANGLES gespielt haben, sind da gluecklicherweise ein
ganz anderes Kaliber! Das Trio aus Brooklyn legt verdammt viel Wert auf Bands
der ersten Stunde! Kein Ton zuviel wird vergeudet, man kommt sofort zur Sache.
So mag ich das! Die beiden Songs der A- und B-Seite, „Chicane“ + „Detector“,
sind in ihrer Produktion absolut simpel, aber keineswegs billig oder noch
schlimmer lofi-maessig abgemixt. Das ist pUnK rOcK, wo es absolut kein Vertun
gibt. Rotziger Sound, schwer angepisste Stimme, was im Gesamtbild einen an die
DEAD BOYS (besonders der Basslauf so ziemlich am Schluss von „Chicane“ hat
definitiv was von „Sonic Reducer“) oder die PAGANS erinnert. Yes, unsere „Killed
By Death“-Gemeinschaft haelt dann in fruehestens zwanzig Jahren verzweifelt
Ausschau nach dieser 7“inch. Wie eingangs von mir verfasst, pUnK rOcK kann so
herrlich schoen einfach sein!
( * * * * * )

HIGH FIVE DRIVE
„Full Blast” CD
( Fond Of Life Records / Dynamic Discord Agency , Release Date: 13. April 2009 )
Wenn ich deren „MySpace“-Seite sehe bekomme ich direkt die Kotze! Was ist
hier wichtiger? Klamotten verkaufen oder Musik spielen? Die heutige
Punker-Generation hat schwer einen Schaden! Geht es nicht eine Spur dezenter?
Und wer um Himmelswillen will schon ueber 12000 „MySpace-Fake-Freunde“ auf
seiner Liste haben? Kommentarlos wird alles aufgenommen, wat zwei Beine hat. Was
besonders sauer aufstoesst, ist diese duemmlich lasziv dreinschauende leicht
bekleidete Tussen-Fraktion. Sind die ueber Nacht irgendwann mal vom Himmel
gefallen? Und was haben solche Einfalts-Miezen denn ueberhaupt bei High Five
Drive zu suchen? Die sollen sich gefaelligst auf irgendwelchen Greaser-Seiten
tummeln. Denn High Five Drive spielt nicht gerade den Groupie-Schuhplattler, der
sich zum Koerperfluessigkeitsaustausch eignet. Wenn wir mal den rein
geschaeftlichen Aspekt aussen vorlassen, dann hat die Band aus Kanada (kommt
doch aus Kanada, oder etwa nicht?) durchaus ihre Vorzuege. Nicht, das ich ein
Freund von dem kraftvoll inszenierten HC-Sound bin, aber ganz objektiv
betrachtet sind die insgesamt 12 Tracks als voellig in Ordnung anzusehen.
( * * * )

KICK JONESES
„True Freaks Union” CD digi-pak
( Rookie Records / RookieRecords.de , Release Date: 06. Maerz 2009 )
Das neue Album der Kick Joneses um Alt-Punk und UNDERTONES-Fan Beppo klingt
mir leider einfach zu gefaellig! Zu erhaben irgendwie! Es fehlt der letzte
Wille, der diese CD wirklich nach vorne bringen koennte. Das klingt zwar alles
ganz toll und auf hohen Niveau absolut professionell durchstrukturiert, doch das
was diese Musik eigentlich und in erster Linie vermitteln sollte, naemlich
ungetruebte Begeisterung, vermisse ich. Die Band hat sich den Regeln der
heutigen Mainstream-Punker-Gesellschaft beinahe komplett angepasst und laesst
z.B. ekeligen Britpop in ihren Sound teilweise zu. Echt, fuer meine Ohren gibt
es nichts Schlimmeres als solch blasierten Britpop-Bullshit! Bei diesem Begriff
sehe ich sofort die arroganten Fressen von fuckin´ OASIS vor der Linse. Und
jetzt mal ehrlich, wer moechte diesen hochnaesigen Pennern nicht einfach mal das
Maul stopfen? Und ueberhaupt, stiften die verschiedenen Stilrichtungen fuer
reichlich Verwirrung. Was so im Info steht trifft fast alles zu! Haette ich
nicht besser formulieren koennen, wenn von BEATLES, Bubblegum-Pop der 70er, New
Wave, Neo-Rock’n’Roll, Britpop (FUCK!FUCK!FUCK!) und Post-Punk die Rede ist. Die
Gitarren klingen einfach zu brav, das Schlagwerk macht auch bei jedem Song ein
viel zu freundliches Gesicht und die Trompete haette ruhig auch mal im Schrank
ueberwintern koennen. Die besten Songs und das mit meilenweiten Abstand sind die
flotten Pop-Punker „Dying Is The End Of Nagging“ und „Shine On You Lazy
Diamond“. Sie besitzen die gewisse Staerke von der ich eingangs sprach, aber
leider ist das bei insgesamt elf Songs einfach zu wenig. Okay, werde ich jetzt
einen Kopf kuerzer gemacht?
( * * * + )

NOFX
„Backstage Passport” DoDVD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.com , Release Date: 13. Maerz 2009 )
Ehrlich gesagt, ich hatte noch nicht die Zeit, mir komplett die regulaere
DVD plus ihrer Bonus-DVD mit einer Gesamtlaenge von exakt 5 Stunden und dreissig
Minuten zu geben. Und so habe ich in den letzten vergangenen Wochen,
haeppchenweise am Sonntagmorgen jeweils eine Episode angeschaut. Denn so eine
Folge geht nur knapp 30 Minuten, das passt dann schon. Am 27. September 2006
brach die Band plus Crew zu einer Art selbstmoerderischen „JackAss“-Tour auf.
Ein Kamerateam begleitete den verrueckten kleinen Tross und hielt seine
skurrilen Begebenheiten in bewegten Bildern fest. Im April 2008 wurde dann auf
dem amerikanischen Kabel-Sender „Fuse TV“ die achtteilige Serie „NO FX:
Backstage Passport“ zum ersten Mal ausgestrahlt. Fat Mike, Eric Melvin, Smelly
und El Hefe wollten der Routine und der Langweile die sich in ihr Tourleben
eingeschlichen hatte entfliehen und planten eine Tour in die entlegensten
Laendern dieser Erde, da wo sonst vorher fast noch nie eine europaeische oder
amerikanische Rock-Band geschweige denn eine Punk-Band einen Fuss gesetzt hatte.
Auf ihrem Guide standen u.a. Brasilien, Ecuador, Singapur, Suedkorea (natuerlich
nicht Nordkorea, denn da waeren die Jungs garantiert nicht mehr lebend raus
gekommen!), Taiwan, Indonesien und Israel. Die kleinen Filmchen die dann
zusammen geschnitten wurden, sind extrem unterhaltsam, denn NOFX und ihre Crew
sind alles andere als Spass/Party-Muffel. Man erlebt die Jungs, wie sie sich
teilweise mit voellig inkompetenten Promotern und total ueberdrehten Fans
rumschlagen muessen. Auf so einige linke Promoter bekommt man da sofort schoen
Hass hinterher geschoben und moechte ihnen direkt kommentarlos an die Gurgel
springen. Kent J., der Manager ist nuechtern eigentlich ein ganz netter Kerl,
besoffen allerdings erinnert er mich immer wieder an meinen frueheren
Bandkollegen Bernie Blitz, wenn er zu tief in die Tasse geschaut hatte. Frueher
war das mal lustig, heute kann ich lallende Leute mit ihrem BlaBla nicht mehr
ertragen. Denn dieses Alk/Drogen-Ding in der Punker-Szene habe ich schon lange
hinter mir gelassen. Also, wenn Kent mal wieder irgendwo sturzbesoffen
zusammenbricht, dann ist das einfach nur noch ein mitleidserregendes
Trauerspiel, fuer das ich Null Verstaendnis aufbringen kann. Uebrigens, das
einzige was bei den Zusammenschnitten richtig stoert sind die konservativen
Pieptoene bei „Fuck“ und aehnlichen Schimpfworten, aber klar das Ganze lief ja
vorher in den (schein)heiligen Staaten auf TV, da muss das so sein. Schade, das
man da nicht hingegangen ist, um es fuer die DVD-Release einfach
wegzuretuschieren. Die DVD ist im aufklappbaren „Deluxe“-Hardcover erschienen
mit einem speziellen „Passport“-Booklet, wo es noch jede Menge an Photos und
aehnlichen Mitbringseln zu bestaunen gibt. Auch wenn man NOFX nicht zu seinem
erlauchten Musikgeschmack (oder nur mit bestimmten Songs) zaehlt, wird man
keinerlei Probleme haben, die abstrusen kleinen Abenteuer schnell in sein Herz
zu schliessen. Frei nach dem Schunkelliedchen von (und jetzt kommst!) Willy
Millowitsch, „Wir sind alle kleine Suenderlein, das war immer so“. Willy
Millowitsch und Fat Mike, das passt doch irgendwie, na ja so ungefaehr um
hunderttausenden Ecken!
( * * * * * )

PLEXI 3
„Timebox” 7”
( Full Breach Kicks / FullBreach77.com , Release Date: Februar 2009 )
OKay, diese Single haut mich jetzt nicht wirklich um! Ich steh auch nicht
gerade auf den 60er Girl Group Pop Sound. Denn diesen speziellen Eindruck
vermitteln die beiden Songs hauptsaechlich. pUnK rOcK kommt hier fuer meine
Begriffe eindeutig zu kurz. Das wird der Band aber auch herzlich egal sein, was
da ein German Shit-Writer von ihrer 7“inch haelt. So soll es auch sein! Denn das
Dreier-Gespann aus Milwaukee macht schliesslich nicht erst seit gestern Musik.
Von ihnen sind bereits zwei Singles im Umlauf, dessen Auflagen mittlerweile
restlos vergriffen sind. Freunde der gemaessigten Power-Pop-Schiene koennten
durchaus mit Plexi 3 eine neue Band fuer sich gewinnen. Also Beatniks, es gilt
antesten!
( * * * + )

POISON ARROWS
„Sticky Situations” 7” 3-song-e.p.
( Full Breach Kicks / FullBreach77.com , Release Date: Februar 2009 )
Weit ab vom aufgesetzten Punker-Glammer hat Josh von „Full Breach Kicks“
bereits mit der STREET BRATS-7“inch ein unglaublich glueckliches Haendchen fuer
die unbeachteten jungen Hinterhof-Punkcombos dieser Welt bewiesen. Nun kommt mit
der ersten Single von Poison Arrows ein aehnliches Hammergeschoss unvermittelt
ums Eck. Vinyl laeuft dabei auf 33RPM. Soviel Zeit muss sein! Die Single
entpuppt sich direkt beim ersten Hoeren zu einer hochkaraetigen Punkrock-Perle!
Ich bin mir ziemlich sicher, dass UNDERTONES-Liebhaber JOHN PEEL aehnlich denken
wuerde. Wie komme ich jetzt ploetzlich in diesem Zusammenhang auf Peely? Nun ja,
ich lese gerade das Buch „John Peel – Memoiren einer DJ-Legende“. Und John Peel
hat jeder noch so unbekannten Band, wenn es ihm die Zeit ermoeglichte bei Tonnen
von taeglich zugesandten Demo-Tapes, sein Ohr geschenkt. Das dazu, um jetzt so
etwas wie eine Eselsbruecke zu schlagen. Bei Poison Arrows wird nicht lustlos
irgendein Stil eins zu eins kopiert. Die Songs leben zwar durch und durch vom
´77er Punkrock (SLAUGHTER & THE DOGS, THE BOYS, TEENAGE HEAD machen da bei mir
im Hirn spontan die Runde!), aber die Band ist jederzeit in der Lage ihren
eigenen exzellenten Stil durchklingen zu lassen. Hervorgegangen aus den HEART
ATTACKS, die ich eigentlich nie besonders gut fand, machen die Jungs hier nun
alles goldrichtig! Vom Tempo her koennten die Songs durchaus noch einen leichten
Kick vertragen. Aber das sollte keinesfalls als ein Kritikpunkt verstanden
werden! Mein Hit befindet sich mit „Wild Hearts Beat Free“ auf der B-Seite. Der
Uebergang von Strophe zu Refrain bleibt dabei jetzt schon einer dieser
unvergessenen magischen Momente in meiner bescheidenen Punkrock-Welt. Auf
Augenhoehe mit „For Our Hearts“ von THE GREATEST HITS und „You´ll Never Walk
Alone“ von den STREET BRATS. Definitiv, die Single des Monats! Das Label
verspricht, das in absehbarer Zeit noch mehr von der Band zu erwarten ist. Da
kann ich nur sagen: „Punk On Josh!“
PS: Josh hat im Uebrigen einen brillanten T-Shirt Shop im Netz
aufgezogen, wo es unglaublich gute Punkrock-Motive fuer ziemlich kleine Kohle
auf qualitativ hochwertigen Shirt-Marken gibt.
( * * * * * + )

RADIO DEAD ONES
„Gambian Bumsters“ 7“ 4-song-e.p.
( Wanda Records / WandaRecords.de , Release Date: April 2009 )
Das „Wanda Records” in punkto Aufmachung einen exquisiten Geschmack
besitzen, beweisen sie mit der neuen Single von Berlins Senkrechtstartern des
letzten Jahres. Gemeint sind natuerlich die allseits beliebten Radio Dead Ones,
die 2008 mit ihrem famosen ersten Album auf der pUnk/rOcK-Showbuehne maechtig
beeindrucken konnten. Nun gibt es ein neues Lebenszeichen in Form einer Single,
wahrscheinlich auch, um die Wartezeit auf ein zweites Album ein wenig in Zaum
zuhalten. „Wanda Records“ ist mit ihrer aufwendigen Cover-Gestaltung zuerst in
die Bresche gesprungen. Ein Klapp-Cover sollte es sein, bitte schoen in
full-color, dazu extra schweres Vinyl, Junkie-Heart, wat willste mehr? Auch die
Band liess sich keineswegs lumpen und holte weit aus. Gut, den brillanten
Titel-Track kennt man von CD/LP, doch die restlichen drei Songs sind gaenzlich
neu. Allerdings gelingt es den beiden Studioaufnahmen, „Runaway Son“ + „Rough
And Forbidden“ nicht in die volle Punktzahl vom boring old Real Shock zu
gelangen. Denn wenn man immer noch einige der Knaller-Songs ihrer ersten
full-length im Ohr hat, ist das beinahe unmoeglich im Moment zu toppen. Ich
spekuliere jetzt auch einfach mal darauf, dass diese beiden Lieder vor ihrem
Album aufgenommen wurden. Mit „Take It On Trust“, einer Live-Version vom „Full
Force Festival“ letzten Jahres sind wir dann am Ende angelangt. Hier stellen die
Berliner ihre vorzuegliche Live-Qualitaet doppelt und dreifach unter Beweis.
Zumal ganz speziell dieser Song zu einer meiner erklaerten RDO-Faves gehoert.
( * * * * * )

SCOTT DELUXE DRAKE
„Beneath The Bloodshot Lights” CD
( Rankoutsider Records / MySpace.com/ScottDeluxeDrake , Release Date: 16. Juni
2009 )
Ein neues Solo-Album vom ehemaligen SUICIDE KINGS bzw. HUMPERS-Saenger.
Scott Drake hat schon vor Jahren dem sonnigen Kalifornien den Ruecken gekehrt
und lebt heute mit Kind und Kegel im eher tristen Portland (OR). Hier hat er im
Laufe der Zeit erneut vom Rock’n’Roll schwer gezeichnete Maenner gefunden, die
er liebevoll „The World´s Strongest Men“ nennt und sich als seine ganz
persoenliche Begleit-Band im Hintergrund haelt. „Rankoutsider Records“ ist dabei
wie geschaffen fuer die neuen musikalischen Taten der Altherrenriege. Sechs
Songs sind es zwar nur geworden, aber das macht rein gar nichts, da die Band
direkt zum Punkt kommt. Obwohl ich die Humpers und besonders die Suicide Kings
um einiges besser fand, lassen sich auf „Beneath The Bloodshot Lights” ebenfalls
die Symptome zu den DEAD BOYS, IGGY POP, NEW YORK DOLLS und den HEARTBREAKERS
leicht bestimmen. Gute Platte!
( * * * * )

SPASTIX
„Dreck Vieh Youth” 7” 6-song-e.p.
( Matula Records / MatulaRecords.de , Release Date: Maerz 2009 )
Oh je, das ist heftig! Mit aeusserste Brutalitaet wird man voellig
unbeteiligt ins Verderben mit hineingezogen. Hilfe, wie komme ich da wieder
raus? Dieser kleine Chaoten-Trupp hatte wohl verstaendlicherweise keinen Bock
mehr in lahmen SOCIAL DISTORTION- und MISFITS-CoverBands seine Zeit zu vergeuden
und so tat man sich zusammen, mit dem einen Ziel, den US-Hardcore der fruehen
80er auf die Pelle zuruecken. Dafuer wurden acht kleine Monster erschaffen, die
sich auf den beiden Vinylseiten dicht an dicht draengeln. Jaja, immer mit der
Ruhe, ihr kommt ja alle dran! Von Anfang bis Ende gibt es nur Saueres. Ein
hektisch ueberdrehtes, wie soll ich sagen?....aeh, Angepisse? (kurze Ueberlegung),
ja Angepisse wird im hohen Bogen voller Wut ausgespuckt, so dass man zum Schluss
kommen kann, dass sich die Hardcore-Helden von einst durchaus geehrt sehen
koennen. Zwar heutzutage nicht mehr mein Ding, trotzdem eine feine Sache fuer
die Nachkommen!
( * * * + )

STRUNG OUT
„Prototypes And Painkillers” CD digi-pak
( Fat Wreck Chords / FatWreck.com , Release Date: 27. Maerz 2009 )
Wie doch die Zeit vergeht! Denn schon seit 17 Jahren beackern die
kalifornischen Strung Out mit ihrem Melodic-HC die Punk- und Hardcore-Felder
dieser Welt. Sechs Studio-Alben mit einer halben Million Plattenverkaeufe
sprechen dabei eine sehr deutliche Sprache. Um die Wartezeit auf ihr neues Album
zu verkuerzen, war es wohl der perfekt gewaehlte Zeitpunkt im Archiv der Band
genauer nach bisher unveroeffentlichtem Material und out of print songs zu
fahnden. Und wie man sieht, hat sich die Suchaktion gelohnt, denn es kamen
insgesamt 25 Songs zum Vorschein. U.a. Songs, die bis ´92 zurueckreichen und von
diversen rauen Demo-Sessions erzaehlen. Der juengste Song stammt uebrigens von
2007, der als Bonus-Track bei der Erstpressung des letzten Album „Blackhawks
Over Los Angeles“ angefuegt war. Zu finden ist auch ein Cover vom
DESCENDENTS-Song „I´m Not A Loser“. Fuer treue Fans sollte diese Release ein
wahres Freudenfest sein!
( * * * * )

TATORT TOILET
„Yuppie Dance” 7” 5-song-e.p.
( Matula Records / MatulaRecords.de , Release Date: Maerz 2009 )
Tatort Toilet haben sich seit ihrer ersten LP „Heil Hightech“ auf ihren
Instrumenten stark verbessert und knallen uns somit gekonnt und locker aus der
Huefte spielend eine Single um die Ohren, dessen Machart ganz vortrefflich die
rotzfreche 77er-Attitude anvisiert. Da werden alle Register vom „Hoeren sagen“
der fruehen pUnK/rOcK-Historie hinzugezogen. Es bereitet echtes Vergnuegen, den
fuenf Jungs bei der Arbeit zuzuhoeren. Es fallen mir Begriffe/Namen wie KBD,
DAF, PAGANS, BRIEFS und SHOCKS ein, und sie alle haben ihre Berechtigung. Nur
leider ist es so, das der Sound nicht fuer alte Saecke wie mich noch gilt,
sondern ganz klar in erster Linie an eine Generation von neuen pUnK/rOcK-Losern
gerichtet ist. So funktionierst mit der Vermittelung und nicht anders. Ich bleib
dann doch lieber bei den Bands haengen, die ich in meiner verdorbenen Jugend
gehoert habe.
( * * * * + )