

Am Dienstag kam die von mir bestellte NAKED
RAYGUN DVD aus den Staaten von Amazon. Komisch dachte ich zuerst, als ich die
Verpackung sah. Sonst sind die DVDs aber anders verpackt. Aber dieses Paeckchen
sah eher danach aus, als wenn ein Buch darin liegt. Und was soll ich sagen? Ich
lag nicht daneben! Da hatte man sich wohl beim Einpacken vergriffen gehabt, denn
anstatt der DVD war ein Buch mit dem Titel „Self-Editing For Fiction Writers,
Second Edition: How To Edit Yourself“ (ah ja, so so…) fuer eine gewisse Julia
Shumway in Westlake (Ohio), wie ich dem Bestellzettel entnehmen konnte. Auf dem
Paeckchen selbst war natuerlich meine Adresse mit Angaben der DVD. Flugs Amazon
in den USA kontaktiert und binnen eines Tages war die Sache auch schon geregelt.
Man entschuldigte sich vielmals fuer die vertauschten Waren. Ausserdem wurde mir
mitgeteilt, dass ich das Buch nicht zurueck schicken braeuchte, da es vom Porto
her zu teuer waere, und dass die DVD so schnell wie moeglich rausgeht. Und das
nicht auf dem Standardweg, sondern per Speed Shipping. Natuerlich wuerden keine
weiteren Kosten anfallen, schliesslich lag der Fehler bei Amazon. Was ein
Service! Ich bedankte mich und warte nun auf die erneute Lieferung. Ist mir
bisher bei Amazon auch noch nie so passiert, aber gut zu wissen, dass es auch in
solch einem Fall eine schnelle Loesung gibt. Das ist ja nun mal selten genug
geworden! Denn Karin und ich haben in punkto Serviceleistungen dieses Jahr eine
schlechte Erfahrung nach der anderen gemacht. Egal, ob das die Reparatur der
Waschmaschine war oder die der Heizung, zum Teil der Mitarbeiter-Service von AOL
oder wie vor kurzem erst ein Brief von der wie ich dachte serioesen Telekom. Da
wurde uns klargemacht, dass man mit Call und Surf jeden Monat so an die 15,00
EUR sparen kann. Wir braeuchten einfach nur unseren bestehenden Tarif bei der
Telekom zu wechseln. Mich hatte man schon fast rum, doch Karin wollte es genauer
wissen und rief die Telekom an. Und am Ende dieses Gespraeches war insbesondere
ich mal wieder um eine wertvolle Erfahrung reicher! Denn in dem Schreiben wurden
ganz wichtige Details einfach verschwiegen! Und das haette uns mal locker
wirklich ziemlich teuer zu stehen gekommen! Was sind das heute nur alles fuer
Flachwichser geworden! Echt, du kannst den Leuten heute wirklich nur noch vor
den Kopf gucken! Und dabei koennen die noch so nett sein! Hinter herum erzaehlen
sie einen Haufen Scheisse und verarschen dich!
the pLAyLiSt of the week:
CHANNEL 3 – “I Didn´t Know” (“I´ve Got A Gun”/”Afdter The Lights Go Out”-CD)
CHANNEL 3 – “Just On You”, “The Whine Of Youth”, “Best Of Intentions” + “The
Fortune Is A Lie” (s/t CD)
EXPLOITED – “Punk´s Not Dead”, Dogs Of War”, “Dead Cities” + “Hitler´s In The
Charts Again” (“Punk´s Not Dead”-CD digi-pak)
KEVIN K & THE HOLLYWOOD STARS – “Cool Ways” CD
LAST STAND – “Boston Callin´” CD
MAD PARADE – “This Is Life” CD
PARTISANS – “Police Story” + “Killing Machine” (s/t CD digi-pak)
Viva Punk Rock + 1977 Forever!
Ralf Real Shock (16:39 Uhr / Donnerstag, 22. November 2007)
Letzte Woche Mittwoch beim Zeitungsaustragen.
Die Uhr zeigt kurz nach drei. In einer Seitenstrasse naehere ich mich einen
Garageneinfahrt. Verbrannter Qualm steigt mir ploetzlich in die Nase. Als ich
naeher komme sehe ich wie Etwas hell an der Garagenwand flackert. Klar, ein
Feuer! Aber nur ein winzig Kleines! Vor diesem steht ein Typ, schaetze mal Mitte
20er. Ich bleib stehen und sage eher fragend: „Guten Morgen.“ Er erwidert meinen
Gruss und wuenscht mir ebenfalls voellig normal wirkend einen „Guten Morgen.“
„Alles in Ordnung?“, sprudelt es auch schon aus mir hervor. „Jaja, alles klar“,
kommt es wiederum ziemlich vernuenftig von seinen Lippen. OKay, denke ich mir,
der sieht jetzt nicht danach aus, als wenn er gleich den Block anzuenden wird.
Spontan faellt mir zu dieser doch recht sonderbaren Geschichte ein, das der Typ
bestimmt vorher stundenlang am Telefon versucht hat seine Freundin zu ueberreden,
wieder zu ihm zurueck zu kommen. Als sie ihm dann schliesslich nach geschlagenen
sieben Stunden und zwei leer telefonierten Akkus endlich den Laufpass gibt,
rennt der Typ in seiner ersten Verzweifelung mit den Liebesbriefen, die er einst
fuer seine Angebetete verfasst hatte nach draussen und zuendet den kleinen
Haufen Papier vor der Garage an. Als ich diesen doch recht einleuchtenden
Gedanken zu Ende gedacht habe, bin ich mit meiner Runde fertig und am Auto
angelangt. Doch irgendwie kannst du den Leuten ja nur vor den Kopf gucken. Was
ist wenn er vielleicht ein Schizo ist und denkt er verbrennt geheime Dokumente.
Und da die im Haus, wo er wohnt sowieso denken, das er seit Anfang April meint
vom FBI observiert zu werden, verbrenne ich erst diese wichtigen Papiere, bevor
ich das ganze Haus in die Luft sprenge. Okay, der Liebesbrief-Verbrenner ist mir
ja ehrlich gesagt weitaus lieber, als ein durchgeknallter Schizo. Also schauste
am besten noch mal nach. Als ich an der Einfahrt vorbeifahre ist das Feuerchen
erloschen und vom Typen fehlt weit und breit jede Spur. Naja, denke ich
erleichtert, waren es dann wohl doch die Liebesbriefen gewesen, aber nicht das
der sich jetzt noch aus lauter Verzweifelung die Pulsadern in der Badewanne
aufschneidet. Nein, nein, Schluss mit solch duesteren Gedankengaengen. Lieber an
was Schoenes denken! Wie etwa, das ich heute vielleicht schon mein Spin-Magazin
vom Oktober im Briefkasten liegen habe. Und? Was soll ich sagen? Einige
eBay-Powerseller haben es drauf. Dienstag per Sofortkauf, direkt die
Ueberweisung durch PayPal getaetigt, und am Donnerstag ist das Heft schon bei
mir. War echt relativ schwer dran zukommen, aber das musste ich einfach haben.
Und wirklich, es hat sich gelohnt! Am interessantesten sind dabei die drei
ganzseitigen Fotostudioaufnahmen, die ganz aktuell im August diesen Jahres in
London, New York und in Los Angeles entstanden. Auf ihnen kamen altbekannte
Punk-Musiker wie beispielsweise Charlie Harper, Knox, Dee Generate und Poly
Styrene (fuer London) Debbie Harry, Chris Stein, Tommy Ramone und Andy Shernoff
(fuer New York) Ari Up, Chip Kinman, Don Bolles und Penelope Houston (fuer Los
Angeles) zu einem Gruppenfoto zusammen. Was ich dabei ganz wichtig finde, ist
das die Altersangabe und was jeder einzelne heute macht nicht unerwaehnt
bleiben. Ausserdem wurde im Anschluss an die Aufnahmen munter drauf los
diskutiert. Klar, wenn Punk Rock schon 30 Jahre alt wird gibt es jede Menge zu
berichten. Auch John Lydon wird in der Ausgabe zu einem ausfuehrlichen Gespraech
gebeten, genauso wie Mick Jones, der allerdings etwas kuerzer aus dem
Punkrock-Jahr 1977 berichtet. Apropos John Lydon! Er, Steve, Paul und Glen
feierten grossartige Abende in Brixton´s „Academy“. Wer Karten bei allen restlos
ausverkauften fuenf Gigs bekam, konnte sich gluecklich schaetzen. Im Internet,
sei es auf „YouTube“ oder auf der offiziellen Sex Pistols-Page gibt es nur Worte
des Ueberschwangs. Alle, die dort waren, waren restlos begeistert. Johnny konnte
sich schliesslich auch vor heimischer Kulisse keinen arroganten Fehltritt
leisten! Das macht er wohl nur da, wo er sich nicht gerade zu Hause fuehlt. Und
Brixton ist ja quasi einst das Wohnzimmer der Pistols gewesen. 1996 war ich ja
noch am Fluchen und am Schimpfen, als sich die Pistols auf grosser Welttournee
aufmachten, aber auch bei mir hat in gut elf Jahren ein Umdenken diesbezueglich
stattgefunden. Ich hab mich auch in der Zeit immer auf dem Laufenden gehalten,
was gerade mit den Pistols, speziell natuerlich mit Rotten abgeht. Und irgendwie
hat er bei mir deutlich punkten koennen. Und wenn die Konzerte nicht so
wahnsinnig kurzfristig angesetzt worden waeren, haette ich mich auf jeden Fall
auch nach Brixton aufgemacht. Aber, vielleicht hoert man ja auch irgendwann im
naechsten Jahr per DVD von diesen Konzerten, denn kein Geringer als Julien
Temple war an einigen Abenden mit seiner Kamera da. Nun, kann man natuerlich nur
hoffen, das da irgendetwas Digitales bei rauskommt. Und ganz neu kam die News
noch rein, das beim Interview mit Paul Cook für den „London Paper“, die Pistols
2008 einige Sommer-Festivals in England spielen werden, sowie ein Auftritt in
London´s 02 Arena sei geplant. Na, dann mal abwarten.
the pLAyLiSt of the week:
DEAD KENNEDYS – “Moon Over Marin”, “Nazi Punks Fuck Off!”, “We´ve Got A Bigger
Problem Now” + “Rawhide” (“Plastic Surgery Disasters”/“In God We Trust”-CD)
IGGY POP – “Lust For Life”, “The Passenger” + “Candy” (“Nuke & Rude – The Best
Of Iggy Pop”-CD)
JOHNNY THUNDERS – “You Can´t Put Your Arms Round A Memory”, “Leave Me Alone” +
“London Boys” (“So Alone”-CD)
NEW YORK LOOSE – “Bitch”, “Monolith Kids”, “The Luckiest Girl” + “Green Light
Semaphore” (“Born To Loose”-CD)
TEDDYBEARS (featuring Iggy Pop) – “Punkrocker” (“Soft Machine”-CD)
UNDERTONES – “Teenage Kicks”, “My Perfect Cousin”, “Jimmy Jimmy”, “Here Comes
The Summer”, “You´ve Got My Number (Why Don´t You Use It?)”, “There Goes Norman”
+ “Get Over You” (“Teenage Kicks – The Best Of...”-CD)
UNDERTONES – “Thrill Me” + “Oh Please” (“Get What You Need”-CD)
Viva Punk Rock + 1977 Forever!
Ralf Real Shock (17:46 Uhr / Samstag, 17. November 2007)
Geschafft! Das Review-Update fuer Oktober ist
mit dem heutigen Tag am Netz!
Und das war es auch schon!!!
Weil ich Moment nichts sonst zu berichten habe, gibt es an dieser Stelle eine
Kolumne von mir, die in der 3RD-Print-Ausgabe (No. 11 / Frühjahr 1998) unter dem
Titel „COOKS IN ACTION“ erschienen war:
„In der heutigen Kolumne moechte ich euch ins Reich meiner fruehen Kochkuenste
entfuehren. Es ist schon Jahre her, fuenfzehn werden es bestimmt sein, als ich
damals mit meinem Kollegen Steiner eine Menge unglaublicher Geschichten erlebte
und wir unsere Spaesse machten, die auch mal kurz davor waren, in ungeahnte
Eskalationen jeglicher Art abzugleiten. Aber lest selbst....
„Rraaalf, was gibt’s heut zum Mittag?“. Die Schwingtuer wiegte sich noch in den
Angeln. Da stand er nun an der Ausgabe. 1,90cm hoch gewachsen, hager und mit
jeder Menge Pickeln in seiner Hackfresse beschenkt worden. Ueber seinen oberen
Lippenpartien zeichnete sich schon ein leichter Flaumansatz ab. Alles Vorzeichen
eines Musterproleten. „Kannst du nicht warten, bis wir die Gesellschaft raus
haben?“, ertoente es von meinem Gegenueber. „Dauert noch so eine halbe Stunde,
dann haben wir den Hauptgang raus.“ Mein Gegenueber war ein ziemlich gerissener
Hund. Gut, er war ein Hippie, hoerte BAP, Pink Floyd und Fleetwood Mac, hatte
einen Riesen-Rauschel-Bart, kiffte auch mal gerne, aber ansonsten kam ich mit
ihm beruflich wie auch privat bestens klar. Ich war der Punk und er war der
Hippie. Und in dem Ausflugslokal, wo wir beide als Koeche arbeiteten, lief
abwechselnd BAPs „Verdammt lang her“ und „Streets Of London“ von der
Anti-Nowhere League. Er gab jedes Mal kontra, wenn unser Chef oder unsere
Chefin, sich wieder was in ihren kranken Hirnen ausgedacht hatten, um uns noch
mehr Arbeit aufzuhalsen. Ich war eher der ruhende Pol und mischte mich auch fast
nie ein. „Ne, ich muss noch Hausaufgaben machen und danach wollte ich mit meinen
Kumpels weg“, sprach das 1,90 grosse Gewaechs. Er war der aelteste Sohn der
Familie. Sein Name war Klaus. Und Klaus war wirklich ein Riesenspinner. Er war
seine 17 Jahre alt und konnte uns immer wieder gut in Rage bringen, wenn er
unverhofft in der Tuere stand und sofort was Essbares zwischen seinen Kiemen
verlangte. Aber das ging nicht immer so einfach. Heute z.b. hatten wir eine
Hochzeitsgesellschaft im grossen Saal, so an die 50 Personen und die wollten
erstmal versorgt werden. Was scherte uns da dieser Pimpf. Der Pimpf wusste aber
auch ganz genau, dass er den Anweisungen seiner Eltern zu gehorchen hatte, die
da lauteten, wenn die beiden Koeche im Stress sind, sollte er uns mit seinem
Gewinsel gefaelligst in Ruhe lassen. Aber wie es sich nun mal fuer angehende
dumme Proleten-Schweine gehoerte, versuchte er es immer wieder. Steiner, den ich
seit ich ihn kenne, immer nur mit seinem Nachnamen anredete, konnte da so
richtig schoen fies und gemein werden. Heute hatte Steiner jedoch keine Zeit, um
Klaus einen rein zuwuergen und so liess er ihn einfach stehen. Klaus wand sich
wieder an mich. Er wusste das er bei mir eher eine Chance haette, frueher an
sein Mittagessen zu kommen. Ich ruehrte gerade in einem Topf Suppe, schwenkte
die Bratkartoffeln und achtete auf das Gemuese, damit es nicht zerkochte. „Ralf,
kannste mir nicht ein paar Bratkartoffeln abgeben. Vielleicht mit Heringstopf?“.
Gespannt schaute er in meine Richtung. „Hoer mal Klaus, die brauch ich jetzt als
Beilage. Aber danach schmeiss ich dir welche rein. Okay?“ In dem Moment kam die
Chefin rein. „Klaus hast du schon was zu essen?“ Und ohne eine Antwort
abzuwarten meinte sie: „Herr Steiner, koennen sie meinem Sohn ein Schweinesteak
auf den Grill legen. Klaus, du isst doch Schweinsteak?“ „Ja“, kam es aus der
Hohlbirne, „aber mit Bratkartoffeln.“ „Herr Huenebeck, machen sie meinem Sohn
doch eine Portion Bratkartoffeln mit.“ „Ja Frau Kamps, gern.“ Klaus guckte
zufrieden und rauschte wieder ab. Jetzt stand die Chefin im Raum. „Herr Steiner,
ist das Essen fuer die Gesellschaft schon raus?“ „Frau Kamps, sie sehen doch,
das wir gerade damit anfangen.“ „Ja, aber die Leute warten schon etwas laenger
darauf.“ „Ich hab auch nur zwei Haende zum Arbeiten. Und was ist mit den Gaesten
von unten? Sollen die etwa verhungern?“ Mit unten waren die Gaeste gemeint, die
mittels der herkoemmlichen Mittagskarte weiter bedient wurden. Das Restaurant
war unterteilt, oben im ersten Stock wurde der grosse Saal fuer Festlichkeiten
aller Art genutzt und unten war neben der Kneipe mit Theke das normale
Restaurantgeschaeft angeschlossen. Doch ich ahnte schon wieder schlimmes.
Steiner konnte mal wieder nicht sein Schandmaul halten. Aber Recht hatte er.
Seit morgens 8.00 Uhr standen wir nun hinterm Herd, hatten nur eine kurze Pause
von zehn Minuten gemacht und dann wieder weiter malocht wie die Doofen. Jetzt
war es kurz nach 13.00Uhr und wir waren doch ein wenig gereizt. „Herr Steiner“,
kam es entruestet von den Lippen unserer Chefin. „Frau Kamps“, machte Steiner
den Tonfall nach. Doch die winkte nur ab. „Ja, sie sind mir ja einer.“ Mit
diesen Worten verschwand sie wieder. Steiner schuettelte den Kopf. Ich schmiss
die naechste Ladung Kartoffelnscheiben in die Pfanne. Ein paar Stunden spaeter,
als wir wieder etwas Luft hatten, sassen wir vor dem offenen Riesenfenster, das
dazu da war, um die woechentliche Fleischlieferung, die mit einem Kran
hochgezogen wurde, in Empfang zunehmen. Von hier aus hatten wir beide einen
wunderschoenen Ausblick auf die gegenueberliegende Strassenallee. Steiner und
ich hingen also auf unseren Stuehlen und schauten raus. Ein paar Minuten spaeter
waren wir wieder voll in der Arbeit. Am Abend hatten sich wieder einige
Gesellschaften angemeldet, ein heisser Tanz in der Kueche stand uns bevor. Als
das Abendgeschaeft anbrach, stuerzte auch wieder unser Klaeuschen in die Kueche.
Voellig ungeniert platzte es aus ihm heraus: „Ich hab Hunger!“ Steiner gab ihm
direkt einen Korb. „Von mir kriegste erstmal nichts.“ Wieder wollte er es bei
mir versuchen. Doch Fehlanzeige! „Das dauert auf jeden Fall eine halbe Stunde.“
„Soviel Zeit hab ich nicht“, boelkte er uns an. Oh, wie wir unseren Klausi
liebten! „Meine Kumpels warten unten. Wir wollen noch weg. Dann will ich ein
Teller Pommes. Das geht ja wohl schnell.“ Um endlich Ruhe vor dem Trotzkopf
zuhaben nickten wir nur stumm und ein „machen wir“ kam von unseren Lippen.
Steiner und ich waren angenervt. Das war sowieso ziemlich widerlich, was er da
mit seinen „Kumpels“ immer wieder anstellte. Denn die sassen dann jedes Mal am
Tisch dabei und durften zugucken, wie Klausemann genuesslich sein Abendessen in
sich hinein schaufelte. Gewoehnlich war es halt ein dickes Steak mit Kroketten
oder pommes und um ihn herum wurde kollektiv gesabbert. Die haetten sicherlich
auch gerne ab und zu so einen leckeren Teller verspeist, aber im Alter von 16,
17 Jahren war es zu der Zeit doch sehr unueblich, das die Kids die dicke Kohle
am Start hatten, um sich das leisten zu koennen. Doch heute wollten wir dem
kleinen Dummi einen Streich spielen. Wir legten ein rohes Ei in die Mitte des
Tellers und haeuften darauf die pommes, bis vom Ei nichts mehr zuerkennen war.
Dann wurde sein Essen runtergeschickt. Mit schelmischen Mienen warteten wir dann
auf sein Kommen. Sah bestimmt ziemlich bloede aus, wie Klausi grosskotzig seine
pommes vor den hungernden Augenpaaren seiner Kumpels verschlingte, um dann
ploetzlich in ein rohes Ei die Gabel zu setzen. Und so kam er dann auch nach
oben und maulte rum. In solchen Situationen liessen wir ihn einfach am Pass
stehen und auflaufen. Steiner verschwand in der Spuelkueche und ich veschwand im
Kuehlhaus. Jeder fuer sich schuettelte sich aus vor Lachen. Und Klausi stand
dann immer ganz allein in der Kueche. Kalt abserviert. Am darauf folgenden
Samstag ueberschlugen sich dann die Ereignisse. Zum einen war am Sonntag
Schuetzenfest im angrenzenden Dorf und die ganzen bekloppten Bauersleut
versammelten sich bereits Samstagsabend ab 20.00 Uhr an der Kneipentheke, um
sich schon mal einzusaufen. Steiner und ich schufteten wie es an Wochenenden in
solchen Kuechen ueblich ist wie die Irren und schmissen mit einem Affenzahn ein
Essen nach dem anderen raus. Kueche ging immer bis 23.00 Uhr. Kurz danach
machten wir Feierabend. Nicht so an diesem Abend. Die Kueche blieb laenger fuer
das gemeine Schuetzenvolk auf. Es war kurz vor Mitternacht, als Steiner das
Riesenfenster oeffnete und kurz eine Zigarette rauchte. „ey Ralf, da kommt
gerade einer von diesen Schuetzenidioten aus dem Lokal. Mein Gott, ist der
hacke.“ Ich eilte zum Fenster und wir beiden schauten nach unten. Wir haetten
dem Typ direkt auf sein doofes Huetchen rotzen koennen, aber es kam noch besser.
Der Typ taumelte die Allee hoch, ueberquerte sie und machte an einer der Baeume
halt. Er stand nun mit dem Ruecken zu uns, packte breitbeinig sein Ding aus und
fing an zu pinkeln. Steiner rief ploetzlich: „Lass uns ein Ei rueberschmeissen“.
Ich lief ins Kuehlhaus und holte ein Ei. Steiner nahm es in seine rechte Hand
und holte aus. Im letzten Moment kneifte er aber und lachte nur. „Gib mal her“,
hoerte ich mich sagen. Steiner gab mir das Ei. Ich nahm es in Empfang und warf
es ohne richtig zu zielen Richtung Baum. Wir waren beide gleichermassen
erstaunt. Das Ei kam genau zwischen den Beinen des Schuetzen auf. Wir sahen noch
wie der Typ verdutzt seinen Kopf nach unten senkte. Wir, nicht doof, machten
sofort das Fenster zu und rannten jeder fuer sich erstmal in Spuelkueche/Kuehlhaus
und lachten uns einen Ast ab. Ein paar Minuten spaeter stand der Schuetze mit
unserer Chefin oben in der Kueche an der Essensausgabe. Der Schuetze war total
besoffen, ein dummer bloeder Schnauz-Proll mit hochrotem Kopfe und schrie uns
an. Wir verstanden nicht die Bohne. „Herr Steiner“, wollte unsere Chefin
schlichten. „Haben sie ein Ei ueber die Strasse geworfen?“ Steiner, der geborene
Schauspieler in solchen Lagen, zog seine Unschuldsmiene auf und fragte
verwundert. „Was fuer ein Ei denn?“ „Nun, Herr Schlueter hat mir erzaehlt, dass
er am Baum stand, als ein Ei nach ihm geworfen wurde.“ „Das kann ja wohl nicht
sein.“ Steiners Entruestrung war so echt, das ich im ersten Moment selber nicht
daran glauben konnte, das Ei geworfen zuhaben. „Also Frau Kamps aus unserer
Kueche wurde kein Ei geworfen.“ Herr Schlueter war natuerlich immer noch sehr
ungehalten, doch unsere Chefin besaenftigte ihn mit den Worten: „Heinz, lass uns
runtergehen und ich gib noch einen aus auf den Weg. Einen Kurzen und ein
Bierchen. Na, wie waere das?“ Irgendwas murmelte sich Heinz nun in seinen
Schnaeuzer. Als er aus der Kueche ging richteten wir unsere Augenpaare, wie auf
Knopfdruck, auf das Schuhwerk. Der Eidotter hatte deutlich Spuren auf den
Quadratlatschen hinterlassen. Sie waren voellig bekleckst worden Diesmal fanden
wir uns beide im Kuehlhaus wieder und kamen die naechsten fuenf Minuten auch
nicht mehr raus. Doch am darauf folgenden Tage sollte dann der Hoehepunkt
erreicht werden. Es war Sonntag. Fuer Steiner und mich bedeutete das
durchzuarbeiten von morgens bis abends. Da muss man sich natuerlich weiter bei
Laune halten. Der Abend kam, und wir befanden uns in der Scheisse (Fachjargon
bei Koechen wenn nix mehr geht, sich die Bestellungen stapeln) da kam er wieder,
unser lieber Hass-Freund, Klausi. Heute war die beruehmte Spitze des Eisberges
erreicht. Unverschaemterweise lief er auch noch bei uns am Herd entlang.
„Verpiss dich, du Sack“, roehrte Steiner ihn an. Klausi guckte nur mit grossen
Augen und ging dann ganz schnell hinter dem Pass in Sicherheit. Von da aus hatte
er wieder eine grosse Schnauze. Das uebliche Ritual halt. Kein Dankeschoen nix,
einfach nur machen, Er ist ja schliesslich der Sohn des Chefs und wir nur die
bloede Koeche. Diesmal wollte er ein Schweinesteak mit pommes und Sc.
Hollandaise. Kaum war er raus, zischte Steiner: „Am liebsten wuerde ich ihm in
die Hollandaise reinpissen.“ Zur Erklaerung sei hier kurz erwaehnt, das eine
Sauce Hollandaise eine auf dem Wasserbad aufgeschlagene Sauce ist, bestehend aus
Eigelb und Weisswein, dann wird lauwarme Butter untergeruehrt, mit Salz und
Zitronensaft schliesslich abgeschmeckt. Alles gelb in gelb. Steiner schmiss das
Schweinesteak drauf. Er nahm eine kleine Silberschale aus dem Regal und zweigte
zwei Kehlen aus dem grossen Topf mit der Sc.Hollandaise ab und stellte ihn
erstmal ab. „Was soll das denn jetzt werden, Steiner? Willste da echt
reinpissen“?? Das Steak war mittlerweile fertig, Steiner entschwand mit der
Silberschale in Richtung Umkleidekabine, kurz vor der Tuer machte er einen
Rueckzieher und kam wieder zurueck. „Scheisse, ich machs doch nicht.“ Wieder wie
schon beim Eierwurf nahm ich ihm geistesgegenwaertig die Schuessel aus der Hand.
Schweigend trabte ich in die Umkleidekabine und konzentrierte mich kurz. Fuer
ein paar abgedrueckte Troepfchen reichte es. Stolz wie Oskar kam ich wieder in
die Kueche. Steiner schaute versteinert. „Hast du da jetzt echt reingepisst??“
Ich nickte nur mit meinem Schaedel und verruehrte vorsichtig die Schandtat
unter. Gottseidank die Sauce machte keine Anstalt zu gerinnen. Das Fleisch war
fertig, die pommes wurden angerichtet und zum guten Schluss kamen zwei leckere
Kehlen dieser koestlichen Sauce auf das Steak. Das Essen wurde dann im Aufzug
nach unten geschickt. Wir vertieften uns wieder ins Geschaeft und als die Sache
schon fast in Vergessenheit geriet, tauchte auf einmal Klausi in der Kueche auf:
„Das Essen war ja lecker, aber die Hollandaise schmeckte diesmal wie Pisse.“
Steiner und ich schauten uns nur bloede an, wir liessen augenblicklich Pfanne,
Messer, alles was wir gerade so in der Hand hielten fallen und verschwanden in
unsere Kicherecken. Ich stand im Kuehlhaus, wischte mir die Suppe aus den Augen
und ich hoerte Klausi rufen: „Wat ist denn jetzt mit denen los?“ Und mit den
Worten „Die Koeche spinnen mal wieder“ verliess er die Kueche. Wir kamen erst
wieder aus unseren Verstecken an den Herd zurueck, als unsere Gesichter nur noch
einer sich schieflachenden entstellten Fratze aehnelte. Gott, wir sahen aus wie
kleine wimmernde irre Hohlkoepfe. Als sich unsere Blicke am Herd trafen, konnten
wir nicht mehr und liefen beide schreiend vor Lachen straight into the Kuehlhaus.
Haette uns nicht einer der Kuechenhilfen nach kurzer Zeit dort gefunden, wuerden
wir wahrscheinlich immer noch da stehen, uns die Baeuche halten, in den Armen
liegen und uns gegenseitig das Wasser aus den Augen wischen.“
the pLAyLiSt of the week:
BLOOD & ROSES – “Enough Is Never Enough”, “Heaven” + “Love Under Will” (“Same As
It Never Was”-CD)
BRIEFS – “The Greatest Story Ever Told” CD/DVD
MANIC STREET PREACHERS – “Motorcycle Emptiness”, “Little Baby Nothing” + “Stay
Beautiful” (“Generation Terrorists”-CD)
MIA SAN DAGENG! – Dokumentation ueber 30 Jahre Punk in Muenchen (Promo-DVD)
PHOTOS – s/t CD
SEX PISTOLS – “In Japan – The Filthy Lucre Tour 1996” DVD
Viva Punk Rock + 1977 Forever!
Ralf Real Shock (16:10 Uhr / Donnerstag, 08. November 2007)
Haette ich gestern meine „Weekly Words“
rausgeballert, waere mir auf der Stelle eine Menge eingefallen. Aber leider bin
ich noch nicht so firm in unserem vor einer Woche zu gelegtem All-In-One-HP,
also mit dem man scannen, kopieren und drucken kann. Besonders mit dem Scanner
hadere ich noch. Da fand ich meinen alten Canon-Scanner doch wesentlich
einfacher zu handhaben. Aber das neue Teil hier muss erst einmal ausgetrickst
werden, bis man an seine Fotos gelangt. Und das hat gestern viel zu lange
gedauert, dass ich irgendwann dann mal keine Lust mehr hatte, die Fotos, die ich
in den NEWS einbauen wollte weiter zu bearbeiten. Aber ich komme da noch hinter.
ADOLESCENTS spielen ihr einziges Konzert in Deutschland und das in Koeln! Hat
mich spontan erst einmal begeistert, dass noch zwei weitere Bands mitspielen
weniger. Eine haette doch dicke gereicht! Und auch der Eintrittspreis im
Internet-VVK ist reine Abzocke. Kostet das Ticket, wenn ich es mir nach Hause
schicken will, knapp 28,00 EUR!!! An den Verkaufsstellen kostet es dann 14,00
EUR plus VVK-Gebuehr. Was weiss ich, was da noch drauf geschlagen wird.
Vielleicht ein Pfund Butter! Der Preis fuer die Abendkasse wird demnaechst noch
bekannt gegeben. Dann warte ich mal ab. Ich richte mich an die 18,00 EUR ein.
Das sind immerhin 36,00 DM! 36,00 DM fuer ein Punk-Konzert! Ich mach mir gleich
vor Lachen in die Hose! Wat laecherlich! Wer will hier eigentlich wenn
verarschen. Ich werde mich mit diesen unverschaemten Preisen nie abfinden
koennen. Frueher zu DM-Zeiten haette ich jedem Veranstalter einen Vogel gezeigt,
wenn er diesen Kurs verlangt haette. 18 DM bis 20 DM war das hoechste der
Gefuehle. Und in den kleineren Laeden hat man zwischen 6 DM und 12 DM bezahlt.
Ich weiss nicht, wo das noch alles hinfuehren soll. Schreckt mich nach wie vor
ab, weil solche Kurse ueberhaupt nicht berechtigt sind. Das „Underground“
ist ja hinlaenglich fuer seine Apothekenpreise bekannt. Von daher ist meine
Vorfreude doch ganz schoen gedaempft. Ich sehe im Moment einfach nicht ein, auch
wenn ich ADOLESCENTS liebend gerne sehen moechte, solch einen Preis zu bezahlen.
Man muss einfach mal auf dem Teppich bleiben. Das geht einfach nicht! Ich schau
mal, ist ja noch was Zeit bis Mitte Dezember. Aber ich glaub, da kaufe ich mir
von dem Geld lieber eine DVD.
the pLAyLiSt of the week:
ARTLESS – “Tanzparty Deutschland” CD
DICKIES – “Idjit Savant“ / “Dogs From The Hare That Bit Us“ CD
FAST CARS – “Well...You Started It!” CD
JESSE MALIN – “Glitter In The Gutter” CD
NAZI DOGS - “In Good Vibrations And Vicious Transmissions Vol. 1” CD
RAMONES – “Daytime Dilemma (Dangers Of Love)”, Something To Believe In”, “I
Wanna Life”, “Pet Sematary” + “Poison Heart” (“Anthology”-DoCD)
RUTS – “The Punk Singles Collection” CD
RUTS – “West One (Shine On Me)” (“Grin & Bear It”-CD)
V.A.: “PUNK ROCK RARITIES VOL. 2” CD
Viva Punk Rock + 1977 Forever!
Ralf Real Shock (10:06 Uhr / Freitag, 02. November 2007)