
JOE STRUMMER AND THE
MESCALEROS
„Global A Go-Go“ CD
( Hellcat Records , Release Date: 2001 )
Joe Strummer´s Stimme kann mich fast mit jeder Art von Musik ganz leicht um den
Finger wickeln. Immer wieder werde ich automatisch an the CLASH erinnert. Immer
wieder kehren alte Bilder zurueck. Laengst vergessene Erlebnisse nehmen
ploetzlich wieder Formen an. Das haelt das Geruest der Mescaleros fuer mich in
erster Linie aufrecht. Wuerde da irgendein Hanswurst singen, waere die Band fuer
mich gestorben. Gebe ich auch ehrlich zu, was soll ich dagegen machen? Auf dem
zweiten Album finde ich auf Anhieb leider keine derart grossartigen Songs wie „The
Road To Rock'n'Roll“, „Diggin´ The New“ oder „Yalla Yalla“. Dafuer haben sich
seine musikalischen Richtungen noch breiter gefaechert. Nicht umsonst heisst das
Album „Global A Go-Go“, das man wohl am besten mit dem englischen
Nationalgericht „Tikka Masala“, in der neuen Multikultur, vergleichen kann. Ist
glaube ich, ein indisch zubereitetes Huehnchen, das mit einer typisch britischen
Sauce nappiert wird. Oder aber auch die Textzeile im Song „Bhindi Bhagee“ trifft
es voll und ganz, wo Joe von jemanden gefragt wird, „What´s your music like?“,
und er antwortet: „It´s errm....., well, it´s kinda like...you know..It´s got a
bit of...um y´know...“ Grossartig, diese „erklaerenden“ Worte! Die ersten vier
Songs koennen mit dem Vorgaenger „Rock Art And The X-Ray Style“ zwar gleich
ziehen, doch danach wird es streckenweise zu langweilig. Die Texte allerdings
sprechen weiterhin die unbeugsame Sprache eines ex-CLASHERS. Vielleicht waren
aber auch meine Erwartungen nach dem ersten Album und dem Livekonzert in Brixton
zu hochgesteckt. Uebrigens, waere ich Tim Armstrong von RANCID wuerde ich mich
wirklich gluecklich schaetzen Joe Strummer auf meinem Label unter Vertrag zu
haben. Und so schliesst sich der Kreis wieder. Strummer sagt ueber das Album
folgendes: „I´m an optimist and I wanted to say things that are helpful rather
than wallowing in misery.....The job of the singer is to keep up the morale of
the troops. I hope that´s what Global A Go-Go achieves....Our audience is still
a punk rock outlaw crowd and they´re not happy consumers of what is going on.“
( * * * * * , aus 3RD No. 22 - Herbst/Winter 2001 )

JOE STRUMMER & THE MESCALEROS
„Streetcore” CD
( Hellcat Records , Release Date: 2003 )
Mit „Streetcore“ endet abrupt die Story von Joe Strummer, der nach seiner Zeit
mit the CLASH, 1999 zum zweiten Mal auszog um die Welt mit seiner Musik zu
erobern. Wenn man das beiliegende Booklet auseinander gefaltet vorliegen hat,
merkt man recht schnell, das „Streetcore“ ein sehr persoenliches Album geworden
ist. Jeder der mit Joe Strummer eng verbunden war, ist hier involviert.
Angefangen von der Familie bis hin zu guten Freunden. Man nahm sich auch die
Zeit, um die 10 Songs so gut wie moeglich auszustatten. Bei einigen Songs lagen
naemlich nur Joe´s stimmliche Fragmente vor, die die Mescaleros in
beeindruckender Art und Weise ausgearbeitet haben. Zahlreiche musikalische
Augenblicke erinnern spontan an das erste Album, „Rock Art and the X-Ray Style“.
Und mit dem Eroeffnungs-Track „Coma Girl“ ist noch schlussendlich einer der
besten Songs in der viel zu kurzen Zeit der Mescaleros entstanden. Das Album
birgt aber auch seine Schattenseiten. Ich kann es einfach nicht so oft
abspielen, wie ich es gerne moechte. Denn es erinnert mich leider immer wieder
zu stark an seinen unerwarteten Tod. Nie zuvor habe ich solch eine Anteilnahme
bei einem anderen Musiker verspuert. Das passiert mir nun auch mit den Scheiben
von the CLASH. Es macht sich fast regelmaessig eine grosse Traurigkeit breit.
Die Nachwirkungen auf sein musikalisches Erbe werden natuerlich immer mal wieder
auftauchen, wie z.B. Ende November 2003, als auf dem grossen Aids-Benefiz in
Kapstadt Saenger Bono von U2, Joe Strummer vor einem Millionenpublikum seinen
Dank aussprach. Joe Strummer hat die Musikwelt mit veraendert und gestaltet. Nun
ist wieder Winterszeit. Morgens dunkel, spaeter Nachmittag dunkel. Depression
und Melancholie haben ein leichtes Spiel. „Streetcore“ wird hauptsaechlich im
Regal ueberwintern, bis der Fruehling naht. Dann sehen wir weiter.
( * * * * * , aus 3RD No. 27 - Fruehjahr 2004 )