05. Oktober 2000
FORGOTTEN REBELS
„AZ“ / Muelheim
Es geschehen noch Zeichen und Wunder!
Wer haette je daran gedacht, das die Rebels, einer meiner Alltime-Faves, nur ein
paar Minuten von meiner Wohnung entfernt mal auftreten wuerden. Und dann auch
nur fuer einen laecherlichen Betrag von 10 DM (oder waren es 15 DM?). Egal,
guenstig war es so oder so!!!
Am besagten Donnerstag fanden sich erschreckend wenig Besucher vorm Laden ein.
Wer war eigentlich die Vorband? Ach, ist doch schnuppe.......
So gut wie ein Jahr zuvor in der Duesseldorfer „Tube“ konnte es natuerlich nicht
werden, denn dafuer fehlt dem „AZ“ das noetige Ambiente.
Fuer meine Begriffe traten die Rebels eh viel zu spaet auf. Bevor sie ihren
ersten Song anstimmten hatte schon so mancher Konzertbesucher den Heimathafen
angesteuert.
Und eigentlich blieben auch die musikalischen Qualitaeten etwas auf der Strecke
und hinterliessen nicht nur bei mir so einige Fragezeichen im Gesicht. Aber das
hatte vielmehr was mit der Anlage des „AZ“ zu tun, als mit der Band selbst. Denn
nach der Mimik der Rebels zu urteilen muss der Sound auf der Buehne zeitweise
eine echte Katastrophe gewesen sein. Die Jungs machten aber das Beste aus ihrer
Situation. Augen zu und durch, wie es sich fuer ein eingespieltes Team gehoert.
Ein jaemmerliches Haeuflein unerschrockener Pogo-Freunde hatte den Weg trotz
vorgerueckter Stunde nach vorne gefunden um sich Mickeys Glam-Fummel-Show aus
der Naehe zu betrachten. Der groesste Teil des Publikums verschanzte sich
allerdings im sicheren Mittelfeld und nippte gelangweilt am Becher Bier oder
vertrat sich ein wenig die Fuesse.
Saenger Mickey war an diesem Abend nie wirklich anwesend. Er schien Millionen
von Lichtjahren entfernt zu sein. Nur wenn eine Kamera blitzte wachte er fuer
einen kurzen Moment auf, um sogleich aber wieder im Daemmerzustand zu verfallen.
Seine Sprueche zwischendurch haette er auch durchaus vom Band einspielen lassen
koennen. Keiner von den paar Zuschauern waere was wirklich aufgefallen.
Das hier nicht viel zu reissen war merkte auch der Rest der Band recht schnell.
So spielten sie ihr Programm ohne groessere Vorkommnisse professionell runter
und die Hits von ihren legendaeren Punkrock Classic Scheiben kamen wie aus einem
Guss.
Der Zugabenteil gestaltete sich zunaechst ein wenig problematisch, da Drummer
Dave wohl keinen Bock mehr hatte. Doch Mickey erklomm kurzerhand wieder die
Buehne, schnallte sich Jeff´s Gitarre um und hockte sich vorm Schlagzeug nieder
und sang uns ein kleines Staendchen. Da musste ich natuerlich meine Kamera
wieder zuecken.
Dave war nach dem Konzert ziemlich angepisst und meinte, das hier das Publikum
voll scheisse gewesen ist. Tja, da konnte ich ihm eigentlich nur beipflichten.
Irgendwie machten alle Vier auf mich einen sehr verlorenen Eindruck.
Ich kaufte mir noch schnell ihre Scheibe „Nobodys Hero´s“ und dann gings marsch
ins Bettchen.
Am naechsten Tag hoerte ich mir ihre neue CD an und es hat mich fast weg
gesprengt, so unglaublich gut ist das Teil. Das half mir augenblicklich ueber
den doch etwas betrueblich verlaufenen Vorabend hinweg.
Bericht
und Fotos von RALF REAL SHOCK
( Original aus "3RD Generation Nation" No. 21, Fruehjahr 2001 )


