THE
CONTROLLERS
Johnny Stingray im
Interview
( > 3RD No.21 /
Fruehjahr 2001 < )
Im Zeitalter von Computern
und eMail-Programmen ist alles moeglich geworden! Wenn man sich in eine Sache
verbissen hat und lang genug am Ball bleibt wird zu guter Letzt sich alles zum
Guten wenden. Und schliesslich will man am Ende nicht als Dummschwaetzer mit
leeren Haenden dastehen. Nein, ein bisschen Ausdauer muss schon sein.
Doch im Fall von Johnny Stingray war das alles nicht noetig gewesen. Schnell
und ohne jegliche Probleme hatte ich zu ihm, ueber ein paar Wochen verteilt
einen sehr guten Draht.
Johnny Stingray war einst mit Kidd Spike + Madd Dog in den 70ern eine grosse
Nummer in Hollywood´s Punkrock-Szene gewesen. Sie nannten sich THE CONTROLLERS
und wurden sehr bald zur Hausband des legendaeren Club „The Masque“.
Fuer genuegend Gespraechsstoff war also gesorgt und Johnny nahm sich auch die
Zeit um jede Antwort ausfuehrlich zu beantworten. Ein starkes Interview!
Ralf Real Shock:
Machst du zum ersten Mal ein Interview fuer ein deutsches Fanzine? Was denkst da
darueber?
Johnny Stingray:
Das ist in der Tat mein erstes Interview fuer ein deutsches Fanzine. Das letzte
Interview was ich machte liegt ungefaehr ein Jahr zurueck und war fuer ein
kleines Punkmag aus Michigan, wo ich uebrigens aufgewachsen bin. Ich glaube,
dass ich fuer jeden in der Band spreche, wenn ich sage, das ich mich
geschmeichelt fuehle. Es ist sehr angenehm, dass man sich gerne an uns erinnert.
1980 wollte niemand etwas von Punk wissen, geschweige denn ueber uns „old school“
Bands.
Ralf:
Warum hast du von Gitarre auf Bass
umgewechselt? War Kidd etwa besser an der Gitarre?
Johnny:
Ich wechselte notgedrungen zum Bass
ueber. Unser erster Bassist, DOA Dan hatte was mit Charlie, unserer Drummerin.
Aus irgendwelchen Gruenden haben sie entschieden, dass sie die Attraktion der
Band sei und vorne mit den Gitarristen stehen muesste. Obwohl Spike und ich zu
dem Zeitpunkt die Songwriters und Saenger waren! Und wir waren schliesslich die
Gruendungsmitglieder der Band gewesen!
Fuer eine kurze Zeit schauten wir uns das an und sagten ihr dann, dass sie gehen
kann. Als wir sie feuerten ging DOA Dan gleich mit. Seine Absicht war es, sie
auf diese Weise wieder zurueck zuholen. Wir weigerten uns und standen nun ohne
eine Rhythmussektion da. Wir testeten einige Bassisten an, die aber allesamt
sehr einfallslos waren. Uns blieb dann nichts anderes mehr uebrig, als eine
Muenze entscheiden zu lassen, wer von uns nun auf Bass umsteigt. Ich verlor. Ich
verkaufte meinen alten 73er Telecaster um mir einen billigen Bass zu zulegen,
aber es war ja nur zu unserem Besten. Denn kurze Zeit spaeter traf ich Madd Dog
und wir waren komplett. Uebrigens, Bruce von Wall Of VooDoo und Paul Roessler
von den Screamers waren fuer kurze Zeit auch in der Band gewesen. Bruce am Bass
+ Paul am Schlagzeug. Sie waren keine Einfaltspinsel, sondern hatten andere
Verpflichtungen.
Und Spike war ein besserer Gitarrist als ich. Ich brachte ihm das Spielen bei,
als er 16 war und er wurde richtig gut. Als das passierte, waren wir beide
gleichwertig, aber ich denke, es war die beste Entscheidung die wir haetten
treffen koennen. Er schwaermt immer noch von meinen Gitarrenkuensten und ich bin
bis zum heutigen Tag sein groesser Fan geblieben.
Ralf:
Warum hast du nicht beim Album
„Radio Danger“ von SKULL CONTROLL mitgewirkt? Ich meine, wo doch deine
Ex-Kumpels von den Controllers, Kidd Spike + Madd Dog dabei waren?
Johnny:
Ich lebte zu der Zeit nicht in California. Als ich dann 1993 wieder hier her
gezogen war, hatten sie ihre Aufnahmen bereits beendet gehabt. Keith Michael ist
ein feiner Bassist. Bei einigen ihrer Gigs bin ich als Gastgitarrist
aufgetreten.
Ralf:
Wird es in irgendeiner Form eine Reunion geben?
Johnny:
Von 1995 bis 1996 gab es schon mal eine kurze Reunion. Wir spielten verschiedene
Shows als the Controllers und nahmen ein vier-Song-Demo auf. Der Song „White
Trash Christ“, den du auf der CD findest, stammte von dieser Session. Wir werden
im November nochmal eine Show in der Original Line-Up spielen, also mit Spike,
Madd Dog und mir. Es ist als eine Art „Danke schoen“ an die Adresse von „Dionysus“
gerichtet. Damit waere es geessen. Punk ist NICHTS fuer Leute mittleren Alters.
Dieser Gedanke ist untypisch fuer viele Bands, aber ich moechte nicht dass
unsere Fans von uns enttaeuscht werden.
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Ralf:
Interessiert du dich ansonsten immer
noch fuer Punk Rock?
Johnny:
Yeah, ich hoere noch Punk. Ich habe vor einer Woche eine coole Band mit dem
Namen the Clones gesehen. Aber ich verfolge die Szene nicht mehr so intensiv.
Ich habe Anfang der 90er in einer Midwest Band gespielt, Just Say No. Ich machte
mit ihnen ein Album und ging 1992 auf Tour. Es hat gereicht mich daran zu
erinnern, was die Vor- und Nachteile sind, wenn man es darauf ankommen laesst
von der Musik seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.
Ralf:
Mit welchen Bands hast du frueher abgehaengt?
Johnny:
Ich habe nicht so viel Zeit mit Bands verbracht, ich war viel eher an Girls
interessiert. Natuerlich hatten wir einige Kumpels gehabt, wie z.B. Dim Wanker
von F-Word oder die Typen von La Shakers (spaeter dann the Gears). Ich meine,
ich habe die meisten dieser Bands gesehen und ich kannte beinahe jeden in der
so-genannten Szene. Klar, ich ging zu den Parties oder nach den Gigs zu den
After-Hours, aber die Zusammengehoerigkeit zu irgendwelchen bestimmten Bands war
nie wichtig fuer mich gewesen.
Ralf:
Was hat dich daran gehindert den Verpflichtungen in der Band nachzukommen? Oder
mit anderen Worten, welche Ursachen fuehrten dazu das die Band auseinander ging?
Johnny:
Das hatte viele Gruende. Ich hatte nicht das Geld um mir das noetige Equipment
leisten zu koennen. Dann kam hinzu das Spike unbedingt bei den Gears einsteigen
wollte. Die Proben wurden immer lustloser und fuehrten zu keinem vernuenftigen
Ergebnis mehr. Ausserdem waren wir es einfach leid unsere Amps in kleine
dreckige Clubs zu schleppen, die uns nicht ausbezahlten. Spike hat
wahrscheinlich eine andere Meinung darueber.
Ralf:
Wie viele Exemplare wurden von der
Original-7“inch gepresst?
Johnny:
Von der Single auf „What? Records“ gab es 1000 Copys, die „Slow Boy“ Single
wurde 2000mal gepresst. Die bei „Siamese Records“ waren so richtige Scheisstypen.
Und ich habe so meine Zweifel ob ueberhaupt jemals 500 Singles damals an die
Laeden rausgegangen sind. Das letzte Mal als ich Phillipe Mogane von „Siamese
Rec.“ getroffen habe hatte er ein Dutzend Boxen der Controllers Singles bei sich
hinten im Kofferaum liegen gehabt! Er hat nicht eine rausgerueckt! Unnoetig zu
erwaehnen, das wir von der Platte nie einen Pfennig gesehen haben.
Ralf:
Kannst du dich an die letzte Show der Controllers erinnern?
Johnny:
Nicht wirklich. Ich denke, das muss im „Hong Kong Cafe“ gewesen sein, in
Chinatown LA, vielleicht April ´79.......
Ralf:
Ist Stingray dein richtiger Name oder ein Spitzname? Wie kamen Kidd Spike und
Madd Dog zu ihren Spitznamen?
Johnny:
Natuerlich ist „Stingray“ mein richtiger Name! Nicht wirklich, ich griff den
Namen waehrend eines Acid-Trip auf, den ich mit Spike Anfang ´77 nahm, als wir
noch keine Band am Start hatten. Aber die Geschichte ist so lang und nicht
komisch genug um auf die Details einzugehen, aber ich nannte mich so, als wir
uns waehrend des Trips einen Charakter ausdachten, der auf unseren Zustand
zurueck zufuehren war. Spike bekam seinen Namen eine Woche oder spaeter weg, als
er auf dem Weg zur Schule einen gigantischen Schienennagel an den
Eisenbahngleisen gefunden hatte. Du musst Madd Dog wegen ihres Namen schon
selbst fragen. Ich glaube ihr kleiner Bruder hat sie so genannt.
Ralf:
Welche Person vermisst du besonders aus den fruehen Tagen?
Johnny:
Den Typen, den ich wirklich vermisse ist DOA Dan. Danny war ein echt
Wahnsinniger und das was spaeter aus den Controllers wurde hatte zu Anfang viel
mit ihm zu tun gehabt. Wir wollten immer ueber Dinge singen, wo wir uns dachten,
dass sie komisch sind. Das war etwas was Danny, Spike und ich gemeinsam hatten.
Wir teilten denselben Humor. Wir dachten Punk sollte immer Satire sein oder eine
offene Demuetigung.
Als wir Danny und Charlie Trash verloren hatten, wurde es fuer die Band zwar
besser, aber eigentlich wollten wir Danny ja beibehalten. Er traf lieber die
Wahl Charlie´s Pussy zu folgen, als weiter in der Band zu bleiben. Und spaeter
habe ich ueber ihn sehr viel nachgedacht.
Ralf:
Wie bist du mit „Bacchus Records“ in
Kontakt getreten?
Johnny:
Durch Chris Ashford von „What? Records“. Spike und ich haben fuer eine Weile bei
derselben Plattenfirma gearbeitet und wir haben darueber gesprochen eine CD auf
eigene Faust raus zubringen. Spike kontaktierte Chris, und Chris gab mir die
Nummer von „Bacchus“/„Dionysus“. Ich bin sehr gluecklich mit der CD, weil sie
auf jeden Fall einen besseren Job gemacht haben als wenn ich es in die Hand
genommen haette. Ausserdem haben sie eine Distribution! Das ist wichtig.....
Ralf:
Welche Reaktionen hast du bisher aus den Staaten und aus Europa bekommen?
Johnny:
Die Reaktionen waren toll! Scheinbar laeuft der Verkauf gut an und das ist fuer
eine Band, die mehr als 20 Jahre nicht mehr wirklich existiert, sehr cool. Und
ausserdem, hier sitze ich und beantworte ein Interview!
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Ralf:
Ich war ein wenig enttaeuscht, das die meisten Songs direkt von den Singles
abgenommen wurden. Gab es keine Moeglichkeit an die Mastertapes ranzukommen?
Johnny:
Die meisten Originalbaender sind entweder verschollen oder in einem ganz
schlechten Zustand gewesen. „Bacchus“ war imstande mit dem entsprechenden
urspruenglichen Material zu arbeiten. „Barnacle Bill“ und „Tail-lites“ stammten
von einer Cassette von mir und „White Trash Christ“ war eine digitale Aufnahme.
Der Rest kam von dem Masters die Chris Ashford gehoerten.
Ralf:
Was waren die schoensten Momente in
der Band, die du nicht vergessen wirst?
Johnny:
Zwei Momente an die ich mich sehr gerne erinnere. Das war, als wir an Sylvester
1977 im „Masque“ auftraten, jede Punkband aus der Stadt stand auf dem Programm,
the Dickies, the Skulls, the Weirdos und noch einige mehr! Wir erklommen die
Buehne so gegen 23.00 Uhr und jedes Mal wenn wir einen Song spielten begann der
kleine ueberfuellte Club von vorne bis hinten an zu wackeln. Wenn ein Song
beendet war, hat das Publikum auch sofort aufgehoert zu tanzen. Als wir dann
wieder loslegten ging es wieder voll ab! Das war die aussergewoehnlichste Show,
die ich je erlebt habe. Es war der Beginn vom Ende des „Masque“, es gab kurz
danach eine inoffizielle Schliessung des Clubs, aber in der Nacht war es DAS
Punkcenter im gesamten Universum fuer uns gewesen. Das war wie die Beatles im „Cavern
Club“.
Wir spielten sehr oft vor einem guten Publikum, aber diese Nacht blieb
unerreicht.
Der andere grossartige Moment damals war, als „Neutron Bomb“ das erste Mal im
Radio lief. Kidd Spike und ich lebten damals in einem beschissenen Apartment in
Hollywood und wir sind beide voellig ausgetickt. Wir haben uns von unseren
letzten Kroeten einige billige Biere gekauft und gefeiert. Wir waren hinterher
nicht wirklich besoffen, dafuer eher siegestrunken.
Ralf:
Was waren in den letzten 20 Jahren deine wichtigsten musikalischen sowie
persoenlichen Stationen gewesen?
Johnny:
Persoenlich, das ich nun Vater bin. Ich weiss, das ist vermutlich nicht gerade
Punk, aber ein Kind zu haben verhalf mir zum Grossteil erwachsen zu werden. Die
Welt durch die Augen eines Kindes zu sehen ist praktisch auch ein Weg um dich
wieder jugendlicher zu fuehlen.
Musikalisch denke ich, das ich ein so guter Gitarrist bin, das ich die Melodien
die ich im Kopf habe, auch spielen kann. Vielleicht kommt das jetzt etwas zu
spaet, aber persoenlich weiss ich wo ich stehe und das ist in Ordnung so.
Ralf:
Welche Bands magst du im Moment?
Johnny:
Ich mag Monster Magnet. So wuerden sich die Controllers heute wohl anhoeren wenn
sie weiter gemacht haetten. Kidd Spike denkt, das sie sich so anhoeren wie mein
Solozeug und ich denke immer dass sich ihr Saenger wie Kidd anhoert! Ich hoere
immer noch den alten Kram von den Stooges, Funkadelic und Jimi Hendrix. Das
erste Hendrix Album hat ein paar grossartige Punksongs zu bieten. Ich war vor
ein paar Jahren in einer Band, die „Manic Depression“ gecovert haben. Sehr
punkig!
Ralf:
Was war eines der verruecktesten Dinge die du in Verbindung mit Punk damals
erlebt hast?
Johnny:
Das ist schon lustig, das du mich das fragst. Kidd Spike und ich haben uns
letztens noch darueber unterhalten. Wir waren nie in irgendwelchen Hippiebands
oder machten auf Glam, wie es so einige Bands aus Hollywood vorfuehrten. Wir
kannten das Musikgeschaeft nicht. Wir spielten Punk, weil es die Musik war, die
uns gefiel. Wir sind nicht auf irgendeinen Zug aufgesprungen, nur weil es hip
war. Wir waren eine Punkband, weil fuer uns Popmusik so klingen musste. Wir
haben unsere Jobs und unsere Freundinnen verloren, weil wir bis morgens in
irgendwelchen Clubs abhingen oder Shows spielten. Das war aber kein besonderer
Akt fuer uns, es war das was wir unbedingt machen wollten. Und ich vermute das
war gerade das Verrueckte daran, was Punk fuer uns ausgemacht hatte. Das und
Scheiben einschmeissen mit Darby Crash und Jello Biafra......
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Ralf:
Wie alt bist du jetzt Johnny?
Johnny:
Ich bin alt genug um es besser zu wissen, aber zu jung um vorsichtig zu sein!
Spike sagte einmal, „Ich bin der aelteste Teenager der Welt“, aber jetzt im
Ernst, ich bin 48.
Ralf:
Hast du davon gehoert das Tomata du
Plenty von den Screamers gestorben ist? Bist du mit Rik L Rik, der letztes Jahr
leider auch verstarb, nicht gut befreundet gewesen?
Johnny:
Ich habe das ueber Tomata gehoert.
Wir hatten nichts miteinander zu tun, aber er war ein netter Kerl. Rik war ein
Freund. Wir werden ihn alle vermissen. Er stand immer mit beiden Beinen auf der
Erde, er war immer sehr entgegenkommend. Ich habe ihn mit seiner letzten Band
damals 1993 gesehen, als ich gerade wieder nach Kalifornien zurueckgekehrt bin.
Rik war immer praesent. Sten Gun, der Drummer von den Skulls ist letztes Jahr
auch verstorben. Wir sterben wie die Fliegen!
Ralf:
Welche Bands werden heute ueberbewertet und welche wird unter Wert verkauft?
Johnny:
Ich weiss es wirklich nicht. Bands wie Rage Against The Machine und die ganzen
anderen Rap/Punk-Kreuzungen interessieren mich nicht, wahrscheinlich werden sie
masslos ueberschaetzt. Die unterbewerteten Bands, setzen sich meistens aus
x-beliebigen unbekannten Typen zusammen, die in irgendwelchen schaebigen Clubs
fuer ein paar Biere sich den Arsch wegschwitzen. Das sind die echten Punks.
Ralf:
Was ist deine Meinung ueber Bands wie RANCID, BAD RELIGION, OFFSPRING und GREEN
DAY, die es bis an die Spitze geschafft haben?
Johnny:
Ich kenne nicht viel von Rancid. Bad Religion sind Bekannte aus alten Tagen,
also wuerde es mir nie im Traum einfallen etwas Schlechtes ueber sie zu sagen,
obwohl ihre Platte sich zu sehr nach einem hohen Budget anhoeren und an sich
immer sehr poppig sind. Am meisten mag ich Offspring, „Keep ´Em Separated“, das
hat grossartige Gitarren-Hooks. Mein Sohn mag Green Day, aber mich stoert die
naeselnde Stimme ihres Saengers. Sie haben fuer gewoehnlich einen wirklich
tollen Gitarrensound, der nicht ueberproduziert klingt. Ich habe gehoert, dass
sie live sehr gut sein sollen.....
Ralf:
Was war die letzte Platte die du dir zugelegt hast?
Johnny:
Das war Monster Magnet und Iggy´s Remix von „Search And Destory“. Wenn du deine
Nachbarschaft mal so richtig aergern willst, empfehle ich dir den Remix zu
besorgen. Ich glaube das ist das erste Mal das Bowie seinen Job gut gemacht
hat......
Ralf:
Wer gab der Band ihren Namen?
Johnny:
Das war ich. Ich pfiff mir damals eine Menge Acid ein und es klang fuer meine
Ohren goldrichtig!
Ralf:
Vor einem Auftritt gab es da fuer euch ein bestimmtes Ritual?
Johnny:
Ja, wir haben die Bierflaschen immer in einer Linie auf der Buehne aufgestellt!
Ralf:
1977 war bestimmt ein sehr spannendes Jahr fuer dich gewesen. Wie war es fuer
dich ein Teil der Szene zu sein?
Johnny:
Wir wussten wirklich nicht, wie besonders die Zeit damals war......, wir sahen
the Germs, the Weirdos und the Zeros im Fruehjahr ´77 und bereits im Herbst
spielten wir an einem Abend mit diesen Bands zusammen. Nicht nur das, aber wir
waren mit jeder Punkband in der Stadt gut befreundet. Als wir das erste Mal das
„Masque“ besuchten, war es praktisch fuer uns als Band noch ein Uebungsraum
gewesen.
Wenn ich nun zururckschaue, finde ich, konnten wir sehr gluecklich darueber sein
zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein. Wir wurden von Magazinen
wie das „Search And Destroy“ interviewt, als wir erst ein paar Monate zusammen
waren!
Fuer uns Dumb-Ass Typen aus dem mittleren Westen war es wie ein grosses
Abenteuer. Und dann die Girls. Ich muss sagen dass die weiblichen Fans immer
munter mitgespielt haben. Alles was wir tun mussten war in Erscheinung zutreten
und zu spielen. Ich kann mich an eine Show im „Masque“ erinnern, wo man mir das
Shirt vom Leib gerissen hatte. Ich konnte es nicht fassen!
Das „Masque“ hatte fuer uns immer noch die Bedeutung eines Uebungsraum, doch wir
hatten in dem Gebaeude einen „echten“ Uebungsraum, in dem nur wir probten. Es
war so als wenn du die gesamte LA Punk-Szene aus der Vogelperspektive betrachten
konntest. Wenn wir keinen Bock mehr hatten uns die Bands am Abend anzuschauen
konnten wir uns einfach in unseren Raum verkruemmeln, dort ein Bier trinken oder
einen Joint rauchen. Und natuerlich die Girls einladen! So etwas wird es niemals
mehr wieder geben. Nicht in LA! LA ist wieder zu einer korrupten Rockcity
verkommen! Es gibt keinen Underground mehr, ueber den es sich lohnt zu sprechen
und ich glaube das ist ein Grund, warum so viele Leute an der Punk-Szene von
´77-´78 interessiert sind. Es gab diese wahre Underground Community. So etwas
existiert heute einfach nicht mehr.
Ich bekomme eMails von Kids die 18 oder 19 sind, und die alles erfahren wollen,
was mit 1977 zu tun hat. Egal ob du damals in noch so einer albernen oder
furchtbaren Band gespielt hast, du hast immer einen Platz gefunden um
aufzutreten und es gab immer Leute die dich sehen wollten.
Heute laeuft das nicht mehr so. Clubs wie das „Whiskey“ sind alle „pay to play“.
Mit anderen Worten, du uebernimmst ihre Arbeit. Du musst deine Tickets verkaufen
und die Show selbst promoten. Und von deinen CDs und Shirts die du verkaufst
wollen sie auch noch ihren Anteil am Ende des Abends sehen. Das stinkt zum
Himmel!
Ralf:
Also, kann man davon ausgehen, das ihr die Hausband des „Masque“ gewesen seid?
Dann habt ihr mit jeder Band in der Stadt gespielt? Gibt es darueber ein paar
amuesante Geschichten zu berichten?
Johnny:
Ich habe letztens einige Listen gefunden, die das Masque" jede Woche damals
rausgegeben hatte, und wir haben zweifelos unsere Rolle dabei gespielt, aber ich
denke das wir deshalb zur Hausband wurden, weil wir dort unseren Proberaum
hatten.
Es kam sehr haeufig vor das aus unseren Proben Gratisshows wurden. Das ging dann
automatisch, einer im Laden hoerte die Musik aus den hinteren Raeumen, und als
naechstes wusste dann jemand wo dein Raum sich befand und dann war irgendwann
der Raum voller Leute, die direkt vom Club in unseren Proberaum marschierten.
Musiker von anderen Bands, es war eine einzige Party!
Ja, wir haben mit jeder Band aus der Stadt gespielt. Die Go-Go´s haben fuer uns
mal eine Show eroeffnet und wir haben ihn $12.00 bezahlt. Das war Schicksal fuer
uns. Zwei Jahre spaeter hatten wir immer noch unsere Jobs und sie spielten
waehrenddessen vor den Rolling Stones.
Ralf:
Was koennt ich dich noch fragen?
Johnny:
Das Einzige was du mich nicht gefragt hast, war unsere Beziehung zu Al
Hansen/Beck. Al, der leider schon verstorben ist, war ein internationaler
anerkannter Kuenstler. Er wurde durch seine Collagenarbeit bekannt, die er fuer
die Verpackungen von Zigaretten und den Schokoladenriegeln von Hershey entwarf.
Sein Schwiegersohn, David Cambell, produzierte unsere zweite Single und sein
Enkel wurde bekannt als Beck!
Beck war ein kleiner Junge, als wir zusammen herum hingen. Ich weiss nicht ob
wir fuer ihn eine grosse Inspiration waren, aber ich war sehr oft dort, da ich
duschen konnte und oefters zum Essen eingeladen wurde.
Al war auch der Erste der uns sagte, dass wir es als Band wirklich schaffen
koennten und das wir so weiter machen sollten wie bisher. Er verstand unsere
Witze und ermutigte uns immer wieder Songs zu schreiben und mehr Aufnahmen zu
machen. Ich vermisse ihn.
Ralf:
Einige abschliessende Kommentare?
Johnny:
Zum Schluss moechte ich sagen, das ich gluecklich und zugleich sehr verbluefft
bin, das jemand, gleichgueltig wo, unsere Musik immer noch so gut in Erinnerung
hat. In den 80ern wollte niemand etwas von Punk wissen, ausser es handelte sich
um X oder einer Band, die aus dem Nichts an die Spitze katapultiert wurde und
die es gar nicht erwarten konnte sich zu verkaufen um kommerzieller zu werden.
Wenn wir durch unsere Musik ein Kid dazu anstiften konnten, das er sich eine
Gitarre besorgt und die Sachen spielt, die er selbst gut findet, dann kann ich
behaupten, das wir als Band erfolgreich waren. Punk Rock ist wie moderne
Folkmusik...., es sind Kids die wenig oder gar keine Erfahrung haben, das zu
spielen und zu singen, was ihnen gerade in den Sinn kommt. Musik ohne Filter.
Das ist das was zaehlt.
.jpg)
Uebersetzung:
Ralf Real Shock
Alle Fotos wurden von
Johnny Stingray zur Verfuegung gestellt.
Special thanks for the
great support:
„Bacchus Archives“